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Das Bild

Mich hat es angerührt. Da sitzt dieser wütende alte Mann und Twitter-König wieder einmal auf einem Stuhl und weiß nicht, was er machen soll. Und man sieht es ihm an, wie sehr ihn diese Situation quält. Ich weiß noch nicht einmal, ob es diese Fotografie schon in die sogenannten sozialen Medien geschafft hat, wahrscheinlich genügt es nicht deren Anforderungen, dazu ist es vermutlich zu subtil. Ihm fehlt vordergründig jegliche Dramatik.

Jedenfalls sitzt auf dem Stuhl daneben dieser vergleichsweise junge, gebildete und souveräne Mann und schaut mit einem Lächeln dem anderen, der geradeaus starrt, ins Gesicht, die Hand hat er wie zur Beruhigung auf das Knie des anderen Mannes gelegt.  Und je länger man sich dieses Lächeln anschaut, desto sicherer ist man, wenn man einen Sinn für die feinen Unterschiede hat, dass der wütende alte Mann gerade eine herbe Niederlage erlebt. Er durch das Lächeln und die vertrauliche Geste des anderen gerade geradezu gedemütigt wird. Ohne dass man ihm das jemals wird beweisen können. Großartig.

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Feierabend

Momentan beschäftige ich mich sehr intensiv mit dem Thema Nationalsozialismus, also mit Konzentrationslagern, der NSDAP, dem Holocaust, mit Hitler, Goebbels. Deshalb versuche ich, wenigstens am Abend etwas Abstand zu gewinnen, auf andere Gedanken zu kommen. Weshalb ich mich mit anderen Dingen beschäftige.

Ich lese einen Roman, eine Zeitung, sehe mir Dokus im Fernsehen an. Weshalb das heute Abend schief ging. Denn es war eine Dokumentation über die aktuelle Berichterstattung der New York Times. Da wurde unter anderem der Ausschnitt eines der Auftritte von Donald Trump gezeigt, in dem er bestimmte Medien als „Volksfeinde“ bezeichnete.

Großartig

„Unter dem Strich müssen die Amerikaner sich einigen, wir müssen der Welt zeigen, dass wir geeint sind in Frieden, Liebe und Harmonie, als amerikanische Bürger. Es gibt kein Land wie unseres, und jeden Tag zeigen wir der Welt, wie wahrhaftig großartig wir sind!“

Donald Trump, US-Präsident, 26.10.2018

„Und es gibt kaum ein Land auf der Welt, in dem prozentual so viele Menschen in Gefängnissen eingesperrt sind!“

Pet, Blogger, 26.10.2018

Effizienz

Also eines kann man diesem Mann nicht absprechen, effizient arbeitet er. Nehmen wir doch nur mal seine Aktionen und Restriktionen gegen den Iran. Das ist doch bestens angekommen. Zumindest an unseren Zapfsäulen. Und wenn das so weiter geht, dann werden wir uns bald nicht mehr den vorweihnachtlichen Einkaufs-Trip nach New York leisten können. Weil der Sprit so teuer ist.

Aber viel beeindruckender sind seine Erfolge im Kampf gegen Kritik an seiner Person. Einhergehend mit den Bestrebungen, eine neue Kultur des Dialogs in bester Tradition des einstigen Wilden Westens zu etablieren. Indem die rauchenden Colts durch nicht weniger verletzende Wortwahl ersetzt werden.

Weshalb jetzt endlich auch Bombenbauer ihr Können in den Dienst der guten Sache stellen. Sie setzen mit ihren vorweihnachtlichen kleinen Geschenken für „Feinde des Volkes“ um, was ihnen die verbalen Attacken des sogenannten Präsidenten vermittelt haben. Dass nämlich eigentlich jedes Mittel recht ist, um einen Gegner zu eliminieren. Also Bingo! Schon wieder ein Treffer!

Einladungen

Mir hat man beigebracht, dass man unter Umständen ein kleines Gastgeschenk mitbringt, wenn man bei jemandem eingeladen ist. Nach Möglichkeit auch gute Laune mitbringt und ebenso gute Manieren. Weil man nämlich durchaus davon ausgehen kann, dass die oder der Besuchte oder auch mehrere davon einen freundlich empfangen und ihre Aufgaben als Gastgeber gebührend ernst nehmen werden.

Und erstaunlicherweise hat sich diese Einschätzung in all den Jahren als richtig erwiesen. Und das Leben ausgesprochen angenehm und auch interessant gemacht. Habe ich doch so viele verschiedene Menschen kennengelernt, aus anderen Berufen und sozialen Schichten, aus anderen Regionen und Ländern oder sogar von anderen Kontinenten. Sich zu besuchen heißt schließlich im wahrsten Sinne des Wortes, aufeinander zuzugehen.

Bis heute ist mir deshalb nicht in den Sinn gekommen, jemanden zu besuchen, um ihn zu beschimpfen, zu maßregeln, bloß zu stellen, zu brüskieren oder zu beleidigen. Noch nicht einmal mit der Maßgabe, kurz darauf und noch während des Besuchs so zu tun, als wäre das alles nicht gesagt worden. Zumindest so lange, bis man die Haustür hinter sich zugemacht hat. Dieser Trend ist neu. Und ich habe seinen Sinn noch nicht so ganz begriffen. Als einziger Grund fällt mir ein, dass solche Besucher wohl sehr ungehobelt und flegelhaft sein müssen und auf keinen Fall irgendeine Erziehung genossen haben dürften.  

Donald wird’s richten

Gestern noch musste man das Schlimmste befürchten, heute schon kann man wieder berechtigte Hoffnung schöpfen. Deutschland muss nicht weiter bangen, ob jetzt die Regierung am Schwester-Zwist scheitert, denn es hat sich US-Präsident Donald Trump eingeschaltet. Natürlich per Twitter. Und wie immer hat er die richtigen Worte gefunden. Adressiert waren sie an Frau Merkel, und ohne Übertreibung kann man diesen Tweet als Lehrstunde par excellence bezeichnen.

Trump befindet nämlich, dass das deutsche Volk dabei sei, sich gegen seine Regierenden zu wenden. Und die ungebremste Einwanderung die bereits fragile Koalition in Berlin erschüttert. Außerdem steige die Kriminalität eklatant an, weil man in  Europa den großen Fehler mache, Millionen Menschen ins Land zu lassen, die mit Gewalt die Kultur Europas verändern wollten.

Ob und wie er beabsichtigt, das deutsche Volk bei seinem Aufstand gegen die Regierenden zu unterstützen, sagte Trump zwar nicht. Aber wie man ihn kennt, wird es nicht lange dauern, und außerdem wird er wohl mit Strafzöllen auf Automobile Merkel  endgültig vom Thron stürzen.

Als Kanzlerin, die nicht nur Abermillionen Flüchtlinge ins Land holte, sondern auch noch die Automobilindustrie ruinierte und hunderttausende Arbeitsplätze vernichtete. Bleibt also nur noch die Frage, ob er vielleicht Horst Seehofer als neuen Bundeskanzler auserkoren hat. Neuwahlen wird es jedenfalls nicht geben. Ich gehe davon aus, dass Trump per Twitter mitteilen wird, wer der neue Bundeskanzler ist.  

Schulhof-Spiele

Geradezu hysterisch wird das Wort „historisch“ abgenutzt. Von einem Moment ist die Sprache, der in die Geschichte eingehen wird. Wirft man aber einen Blick zurück, so fühlt man sich an die Schulzeit erinnert. Vor Monaten haben sie sich gegenseitig beschimpft. Der Eine hat behauptet, dass er den größeren Knopf hat. Der andere, dass er die Sandburg des Knopfinhabers platt machen könnte, wenn er wollte. Und jetzt haben sie sich halt vertragen, weil sie sonst kein Eis zum Nachtisch bekommen hätten. Doch nachdem es sich nicht um Schuljungen handelt, sondern um Staatsmänner, gibt es wahrscheinlich einen anderen Grund dafür, dass sie jetzt für ein paar Stunden miteinander gespielt haben, ohne sich an den Haaren zu ziehen.

Für die eine Seite ist man zu der Vermutung geneigt, dass es unter Umständen vielleicht etwas damit zu tun hat, dass der Mann zur Abwechslung in der Außenpolitik mal etwas anderes vorweisen will als einen Scherbenhaufen. Stichwort: midterm elections. Und die andere Seite ist höchstwahrscheinlich vor allem daran interessiert, innenpolitisch  mit diesem Auftritt zu punkten. Mit einem leibhaftigen US-Präsident, der für den Rest der Welt meistens nur einen Tweet übrig hat, stundenlang plaudern und gemeinsam essen zu dürfen. Von dem Papier, das die beiden unterzeichnet haben, lässt sich jedenfalls annehmen, dass nichts Schlimmes drin steht. Wahrscheinlich nur, dass sich beide verpflichten, dem jeweils anderem nicht mehr die Murmeln wegzunehmen. Aber immerhin das Hotel war Spitze.