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Neuanfang

Man kann sich das ja in etwa so vorstellen: Da ist eine Beziehung in die Brüche gegangen. Man hat sich eine Auszeit gegönnt. Ist dann, zumindest auf einer Seite, auch mal auf Partnersuche gegangen zwischendurch. Hat aber auch nicht geklappt. Aber weil man an die armen Kinderlein denkt, möchte man trotz alledem einen Neu-Anfang probieren.

Man setzt sich also zusammen, alle Kränkungen und unterschiedlichen Standpunkte im Gepäck, die letztendlich mit zur Trennung geführt haben. Und als dann jemand nachfragt, wie denn das Gespräch verlaufen sei, vor allem, weil ja vorher noch vor Freunden schwer gestänkert worden war, da lautet die Antwort: Das Gespräch sei „ernsthaft, konstruktiv und offen“ gewesen.

Aber möglicherweise ist das der Unterschied. Während in einer realen Beziehung das Gespräch wohl mit Tränen, erneuten gegenseitigen Anschuldigungen und einem mitternächtlichen Drama geendet hätte, gehört es einfach zum Handwerk von Politikern, jemand freundlich anzulächeln, der noch kurz zuvor ziemlich Unflätiges vom Stapel gelassen hat. Vielleicht sollte man in Beziehungen öfter mal so tun, als wäre man in der Politik.

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Wachsfiguren

Um mehr zu verstehen von dieser Welt, ist es für mich unbedingt notwendig, zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Mir detailliertes Wissen zu verschaffen zu den Problemen, die in immer wieder neuer oder anderer Form auf den Nägel brennen. Deswegen greife ich oft in Bücherregalen nach den Ratgebern aus den unterschiedlichsten Bereichen. Oder auch zu Fachliteratur der Psychologie oder Soziologie und weiterer Wissenschaften. Ich schaue mir Dokumentationen oder Wirtschafts- und Verbrauchermagazine im Fernsehen an. Und natürlich benutze ich auch das Internet zu diesem Zweck.

Was ich zugegebenermaßen bisher aufs Gröbste vernachlässigt habe, das sind TV-Programmzeitungen. Doch ich gelobe Besserung. Nachdem ich nun feststellen durfte, dass dort in den Redaktionen ganz offensichtlich Menschen sitzen, die den ganzen großen Überblick haben. Wurde doch in der jüngeren Vergangenheit selbst von Experten nur gerätselt, warum ein Märchen in einem Drama enden musste. Sie haben es sicher erraten, es geht um die Scheidung von Angelina Jolie und Brad Pitt. Ein Thema, das gleich nach der Frage, ob man Deutschlands Frauen Ausgehverbot erteilen sollte, wenn Donald Trump als Präsident zum Staatsbesuch kommt, hierzulande ganz oben auf der Agenda steht.

Doch jetzt hat das Rätseln ein Ende. Denn in dieser TV-Programmzeitschrift wird haarklein erklärt, warum für „die größte Liebe der Welt“ der Abspann läuft. Die Conclusio: „Angelina Jolie neigt zu harten Schnitten.“ Was detailliert und fundiert belegt wird. Auf so unnachahmliche Weise, dass die Passage nur wenig gekürzt wiedergeben wird: „Angelina Jolie neigt zur Härte. Damit glaubt die Schöne, sich vor dem Unschönen schützen zu können. 2013 lässt sie die Brust entfernen – Vorsorge… 2015 die Eierstöcke. Jetzt 2016: Sie entfernt Brad Pitt aus ihrem Leben, nach elf Jahren Liebe und zwei Jahren Ehe.“

Sie trennt sich also von dem Gatten, weil er hässlich ist. Weil sie, wie es in der TV-Zeitung heißt, lieber aktiv sein will als abzuwarten, „sie lieber Täterin als Opfer“ ist. Doch anders als im Fall Aleppo reagiert hier die Welt laut TV-Zeitung auf den „Schock“: „In den 18 Wachsfiguren-Kabinetten der Madame Tussaud rücken die Handwerker an – und Angelina weg von Brad.“ Nur die Frage, ob viele Frauen zu harten Schnitten neigen wie Angelina Jolie, wird in dem Artikel leider nicht beantwortet. Weshalb ich selber eine Untersuchung gestartet habe. Von den fünf Frauen in meinem näheren Umfeld neigen vier eher zu weichem Brot.