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Das Wort hat …

Seneca:

 

Wie du über dich selbst denkst,

ist viel wichtiger als das,

was andere über dich denken.

 

pet:

Am besten auf den Spiegel im Bad schreiben.

Oder auf die Frontscheibe des Autos.

Damit man es jeden Morgen und jeden Tag liest.

Man vergisst es so schnell.

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Klagende Frau

Eine Frau hat geklagt, weil sie will, dass sie in den Formverträgen und AGBs ihrer Sparkasse expressis verbis als Frau angesprochen wird. Was bis dato nur in den persönlichen Anschreiben geschieht. Jetzt entscheidet der BGH. Ein Vorschlag: Einfach in allem und jedem Zusammenhang sowohl die Anrede für Frauen, Männer, Kinder, Schwule, Lesben, Transgender, Transsexuelle als auch gänzlich Geschlechtslose und vielleicht auch sämtliche Tierarten verwenden.

Ich mache das schon seit längerem auch in persönlichen Briefen. Da ich ja nie so genau wissen kann, ob es seit dem letzten Brief nicht zu einer Geschlechtsumwandlung oder zumindest zum Anvisieren eines neuen Geschlechts oder einer anderen Spezies gekommen ist. Dadurch werden Verträge und natürlich auch Briefe zwar länger, aber die Gerichte haben auf jeden Fall etwas mehr Zeit für andere, nicht ganz so wichtige Aufgaben. Wohingegen etwas weniger Zeit für TV-Nachrichten wäre. Denn natürlich genügt es nicht, „guten Abend, meine Damen und Herren“ zu sagen. Alle anderen Varianten zu nennen, ist zweifelsohne ebenfalls erforderlich.

Außerdem hätte ich persönlich absolut kein Problem damit, immer als Frau angesprochen zu werden. Schließlich weiß ich einigermaßen sicher, welches Geschlecht ich habe. Und Frauen an sich ja nichts ehrenrühriges sind. Ich brauche also keine Bestätigung als Mann durch Sparkassen und Verträge. Dankbar bin ich dieser Frau aus dem Saarland, die ganz offensichtlich ihren Lebensabend so sinnvoll nützt, anstatt nur vor dem Fernseher zu sitzen, aber auf jeden Fall. Dafür, dass sie bereits vor Gericht erstritten hat, Tiefdruckgebiete nicht immer nur nach Frauen zu benennen. Denn da hatte ich mich als Mann einfach ausgesprochen benachteiligt gefühlt. Dieses Gerichtsurteil hat meinem Ego ungeheuer gut getan.

Stromfresser

Während sich andere Leute mit ihrem Ego beschäftigen und der Frage, wer denn jetzt Bundesaußenminister wird, sich ein Großteil der Bevölkerung unter dem Vorwand, dass doch Fasching oder Karneval sei, mehr oder minder ins Koma säuft, was durchaus verständlich ist, so wie sich mal wieder sogenannte Führungspersönlichkeiten derzeit aufführen, wollen wir zur Abwechslung mal etwas sinnvolles tun. Uns nämlich mit einem Aspekt unseres Lebens beschäftigen, der für nicht wenige Menschen hierzulande, aber auch in vielen anderen Ländern Suchtpotential hat.

Will sagen, es käme zu gravierenden Entzugserscheinungen, wenn man das einzig Vernünftige machen würde. Nämlich mal ein bisschen weniger. Doch erst einmal ein paar Zahlen. Die zugegebenermaßen nicht halb so lustig sind wie eine dieser Büttenreden, die momentan über viele Fernsehkanäle flimmern, und bei denen man nie so genau weiß, ob es nicht doch eines der politischen Statements eines Staatsoberhauptes ist. Also in medias res.

Nur die Länder USA und China verbrauchen mehr Strom als das Internet. Weltweit macht der Stromverbrauch für IT und Internet bereits jetzt 10 Prozent des Gesamtverbrauchs aus. Und für die Herstellung der inzwischen mehr als sieben Milliarden Smartphones wurde so viel Energie verbraucht, wie zum Beispiel Schweden in einem ganzen Jahr verbraucht. Nicht zu vergessen, dass schon in der Vergangenheit pro Jahr mehr als 40 Millionen Tonnen Elektroschrott anfielen. Tendenz steigend.

Wer also glaubt, dass es doch wirklich umweltschonend sei, Musik oder Filme zu streamen, der kann mit großer Gewissheit davon ausgehen, dass da weder großartig was an Umweltbelastungen reduziert noch Ressourcen geschont und geschweige denn das Klima nachhaltig geschützt würde. Wir sind vielmehr dabei, die Vernunft unter einem Berg von Videos, WhatApps und süßen kleinen Emojis zu vergraben.  Die gute Nachricht: Das war der dritte und letzte Teil der kleinen Umweltserie. Morgen wird es richtig lustig. Ist ja Fasching.

Altersfragen

Frauen ab einem gewissen Alter kommen leicht in Gewissensnöte. Habe ich jedenfalls durch mein Umfeld so mitbekommen. Da wird sich schon einmal die Frage gestellt, ob ein Rock nicht zu kurz sei. Langer Ärmel nicht doch besser wäre als kurzärmelig oder sogar nur mit Trägern. Weich fließend besser als eng anliegend. Tenor: Vielleicht sollte ich das in meinem Alter nicht mehr tragen. Mit Ausrufezeichen wohlgemerkt, nur eher selten mit einem Fragezeichen versehen.

Männer haben dieses Problem nur in ganz seltenen Fällen. Bei ihnen kann die Wampe in sanften Wellen über den Hosenbund hängen, das stört nicht daran, mit freiem Oberkörper oder eng anliegendem T-Shirt über die noch sommerlichen Straßen und Plätze zu flanieren. Auch käseweiße, mit Krampfadern durchzogene Waden hindern nicht daran, kurze Hosen zu tragen. Kaum ein Mann käme auf die Idee, sich die Frage zu stellen, ob er respektive sein Körper wirklich noch für Radrenntrikots geeignet sei.

Das hat einen simplen Grund. Männer, und insbesondere ältere Männer, definieren sich nicht über ihren Körper. Ihre Außenwirkung beziehen sie aus hubraumstarken Autos, gerne auch aus dem Einkommen. Liegt beides nicht vor, reicht mitunter auch affiges Gehabe, lautes Brüllen oder was sonst noch an irgendwelche Vorfahren und Artverwandten erinnert. Und wenn das auch nicht reicht, dann kann Mann ja immer noch seine Frau verprügeln. Auch damit lässt sich das Ego aufpolieren.

Unbeschadet einer ganzen, damit beschäftigten Industrie kommt für Frau wie für Mann mit dem Alter die eine oder andere körperliche Veränderung einher, die mit propagierten Schönheitsidealen nicht mehr so ganz konform geht. Nachdem das persönliche Empfinden höchst komplex ist in diesem Zusammenhang, plädiere ich dafür, betroffenen Frauen den Appell zu ersparen, sich doch weniger über ihren Körper zu definieren.

Vielmehr sehe ich das Entwicklungspotential für Männer, sich weniger über kraftstrotzende Wohlstandssymbole und angeblich männliches Gehabe zu definieren. Und eher mal darüber nachzudenken, ob es nicht auch für sie ab einem gewissen Alter respektive entsprechenden körperlichen Gegebenheiten angebracht wäre, einmal darüber nachzudenken, ob eine längere Hose und ein etwas weiteres Hemd nicht auch darauf verweisen könnten, dass man zwar älter geworden ist, vielleicht auch vergesslicher. Deshalb sein ästhetischen Empfinden aber noch lange nicht verloren hat. Was natürlich voraussetzen würde, dass es dieses überhaupt gegeben hat. Aber schließlich ist man nie zu alt für Neuland.

Ab in den Urlaub

Vielleicht ist da ja ein Zusammenhang. Noch nie war die Suche nach dem Ich und damit verbunden die Sucht nach der Individualität so sehr Massensport als zu Ende des vergangenen Jahrtausends und zu Beginn des neuen Jahrhunderts. Massiv und gewinnträchtig unterstützt von einer ganze Riege von Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen, was sich alleine schon an den Auflagen entsprechender Literatur und der Zuschauerzahlen diesbezüglicher TV-Sendungen ablesen ließ. Und den boomenden Angeboten für Individual-Reisen.

Einer der daraus resultierenden Trends für die oder den Einzelnen, die oder der sich auch als Tourist als Individuum fühlen wollte: Der Geheimtipp! Von Millionen als solcher gierig aufgesogen und für sich vereinnahmt. Weshalb es dann zehntausende oder hunderttausende waren, die sich auf der Suche nach dem individuellen Erlebnis mit zehntausenden oder hunderttausenden zusammenfanden, die auch auf der Suche nach dem individuellen Erlebnis waren.

Wir sind inzwischen an dem Punkt angekommen, dass vor allem das reisende Individuum eigentlich machen kann, was es will, es wird stets auf eine große bis sehr große Anzahl von Individuen stoßen, die zumindest als Reisende noch Individuum sein wollen. Was man nicht gleich unter dem Aspekt Schizophrenie abhaken sollte. Wir sind viel eher Opfer der Möglichkeiten. Weil es sich früher selbst die Kassiererin und der Büroangestellte einfach nicht leisten konnten, malerische Dörfer auf Fuerteventura oder in den Anden zu erkunden. Dazu musste man Akademiker sein oder zumindest ein Lehrerehepaar.

Und jetzt sind es auch nicht mehr nur und vorrangig Europäer und Nordamerikaner, die unterwegs sind zu fernen Gestaden. Die restlichen Kontinente sind auch noch dazugekommen. Und alle zusammen treten den Beweis an, dass Menschen eigentlich doch nur Herdentiere sind. Und sich insbesondere als Reisende eigentlich liebend gern dem Strom der Lemminge anschließen. Um sich nach einem gemeinsamen Tag vor Baudenkmälern oder besonders beeindruckender Natur in Lokalen wiederzufinden, in denen es das gleiche Essen gibt wie zu Hause. Die Suche von Reisenden nach Individualität ist Massenphänomen geworden. Mit freundlicher Unterstützung von Tripadvisor und Ab-in-den-Urlaub.de.

 

Lockere Beziehung

Natürlich könnte man sich auch über Donald auslassen. Darüber spekulieren, ob seine Eltern ihm diesen Vornamen gegeben haben, weil sie wollten, dass ihr Sprössling so erfolgreich wie Donald Duck wird, die beliebte Disney-Figur. Oder auch einer Tradition einstiger Jahrzehnte folgen und das Ungeheuer von Loch Ness für das Füllen des Sommerlochs missbrauchen. Aber das verbietet sich inzwischen sogar schon für eingefleischte „Nessie“-Fans. Da es sich nach neuesten und durchaus plausiblen Erkenntnissen bei diesem Ungeheuer um einen Wels handeln soll. Der einfach ein bisschen größer ist.

Doch ich finde, auch vor dem Hintergrund, dass sich dieser Sommer über weite Strecken wie ein milder Herbst anfühlt, dass sich diese Durststrecke optimal für Betrachtungen über Beziehungen anbietet. Und all ihre Nebenschauplätze. Wohl wissend, dass dies schon tausendfach geschehen ist. Aber offensichtlich kann man nicht oft genug darüber sprechen. Denn schließlich vermittelt sich kaum der Eindruck, dass das bisher Gesagte etwas großartig an Beziehungen geändert hätte. Daran, dass sie so oft nicht funktionieren. Auseinanderbrechen. Manchmal eher Alptraum als die Fortsetzung eines Jugendtraums sind.

Was mit ein Grund dafür sein könnte, dass es offensichtlich Trend geworden ist, die gefühlten Fesseln einer Beziehung zu lockern. Natürlich gibt es immer noch das klassische Beispiel: Verlieben. Miteinander gehen. Zusammen ziehen. Um dann vielleicht wieder auseinander zu gehen. Doch immer mehr junge Menschen scheinen eine Variante entdeckt zu haben. Sie lassen die Punkte zwei und drei einfach weg. Und sind bei Punkt eins auch eher zurückhaltend. So lassen sich leichter Partner austauschen. Vielfalt ist möglich. Nach dem Motto: Zwei oder drei Partner machen auch eine Beziehung.

Ich nenne das, noch ganz in der Tradition früherer Generationen verhaftet, Teilzeit-Beziehungen. Man sieht sich, wenn beide Lust dazu haben. Quält sich kaum mit Kompromissen. Genießt das Zusammensein, wenn es was zu genießen gibt. Wer Migräne hat, kuriert sich in der eigenen Wohnung aus. Und tut zumindest so, als wäre es ihm egal, dass der Andere sich anderweitig vergnügt. Was diese eher etwas lockeren Beziehungen unserer Tage eigentlich wieder etwas old-fashioned aussehen lässt.

Denn schließlich ist es das, was Beziehungen schon immer schwierig gemacht hat. Wenn jemand nicht sagt, was Sache ist für ihn. Sich eher und insgeheim damit beschäftigt, was sie oder er tun, denken oder wollen könnte. Weshalb diese neue Lockerheit wieder nur der Versuch zu sein scheint, einen Kompromiss zu finden. Jetzt dafür, dass die Egos zwar offiziell Egos sein dürfen. Man aber eigentlich wie schon immer wollte, dass zumindest das andere Ego nicht ganz so egoistisch wäre.

Doch es ist nicht auszuschließen, dass es trotzdem besser funktioniert. Schließlich gibt es im Gegensatz zu früher ja noch WhatsApp. Allein sein gibt es nicht mehr. Selbst wer allein zu Hause sitzt vor seinem Flatscreen, hat seine Freunde bei sich. Zumindest auf dem Touchscreen. Auf den man auch durchaus schaut, wenn sie am selben Tisch sitzen. Kommunikation bedeutet nicht mehr unbedingt, miteinander zu sprechen. Schon deswegen hat sich in Sachen Beziehungen einiges verändert. Mit offenem Ergebnis.

Ich

Alles weist darauf hin, dass einzig der Egoismus Antrieb und Motivation für das menschliche Handeln ist. Im günstigsten Fall können allerdings auch andere Menschen von diesen Handlungen profitieren. Und ist diese Wirkung gewollt, dürfte es sich um einen glücklicheren Egoisten handeln.