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Stromfresser

Während sich andere Leute mit ihrem Ego beschäftigen und der Frage, wer denn jetzt Bundesaußenminister wird, sich ein Großteil der Bevölkerung unter dem Vorwand, dass doch Fasching oder Karneval sei, mehr oder minder ins Koma säuft, was durchaus verständlich ist, so wie sich mal wieder sogenannte Führungspersönlichkeiten derzeit aufführen, wollen wir zur Abwechslung mal etwas sinnvolles tun. Uns nämlich mit einem Aspekt unseres Lebens beschäftigen, der für nicht wenige Menschen hierzulande, aber auch in vielen anderen Ländern Suchtpotential hat.

Will sagen, es käme zu gravierenden Entzugserscheinungen, wenn man das einzig Vernünftige machen würde. Nämlich mal ein bisschen weniger. Doch erst einmal ein paar Zahlen. Die zugegebenermaßen nicht halb so lustig sind wie eine dieser Büttenreden, die momentan über viele Fernsehkanäle flimmern, und bei denen man nie so genau weiß, ob es nicht doch eines der politischen Statements eines Staatsoberhauptes ist. Also in medias res.

Nur die Länder USA und China verbrauchen mehr Strom als das Internet. Weltweit macht der Stromverbrauch für IT und Internet bereits jetzt 10 Prozent des Gesamtverbrauchs aus. Und für die Herstellung der inzwischen mehr als sieben Milliarden Smartphones wurde so viel Energie verbraucht, wie zum Beispiel Schweden in einem ganzen Jahr verbraucht. Nicht zu vergessen, dass schon in der Vergangenheit pro Jahr mehr als 40 Millionen Tonnen Elektroschrott anfielen. Tendenz steigend.

Wer also glaubt, dass es doch wirklich umweltschonend sei, Musik oder Filme zu streamen, der kann mit großer Gewissheit davon ausgehen, dass da weder großartig was an Umweltbelastungen reduziert noch Ressourcen geschont und geschweige denn das Klima nachhaltig geschützt würde. Wir sind vielmehr dabei, die Vernunft unter einem Berg von Videos, WhatApps und süßen kleinen Emojis zu vergraben.  Die gute Nachricht: Das war der dritte und letzte Teil der kleinen Umweltserie. Morgen wird es richtig lustig. Ist ja Fasching.

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Werte schaffen mit kaputten Sachen

Ich schätze Recycle-Höfe. Ja, ich liebe sie. Sie sind das, was früher der Brunnen vor dem Tore war. Ein Kommunikations-Zentrum allererster Güte. Es gibt inzwischen viele Bekannte, Verwandte und Freunde, die ich nur noch auf dem Recycle-Hof treffe. Und am besten finde ich dabei den Trend zum betreuten Recyceln. Also die Recycle-Höfe, wo gestandene Männer im Rentenalter mit Argus-Augen darüber wachen, dass auch nichts im falschen Container landet. Ich glaube, so etwas gibt es nur in Deutschland und dort vor allem auf dem flachen oder auch leicht hügeligen Land. Und das war mit einer der Gründe, warum ich die Stadt verlassen habe.

Bezeichnenderweise heißen diese Stätten der Kommunikation und Ausdrucks manch schlechten Gewissens offiziell „Wertstoffhöfe“. Was natürlich viel besser klingt als „Recycling“. Die deutsche Bezeichnung gibt einem nämlich das gute Gefühl, dass man hier Werte schafft. Und nicht nur einfach seinen Schrott und Abfall da lässt. Ein Gefühl, das natürlich mehr als berechtigt ist. Denn mit jedem Toaster, der nur noch rabenschwarze Brotscheiben produziert, mit jedem Fernsehgerät, das dunkel bleibt, das wir zum Wertstoffhof bringen, tun wir auch etwas für Menschen, die nichts zum Recyceln haben.

Zum Beispiel in Afrika. Alleine in Agbogbloshie am Rande von Ghanas Metropole Accra haben tausende Menschen so ein regelmäßiges Einkommen. Die grüne Lagune von einst, an der Agbogbloshie eigentlich lag, gibt es heute zwar nicht mehr. Aber dafür liegt nun ein leichtes, bläuliches Grün über der Landschaft. Weil nämlich der Kunststoff verbrannt werden muss, um Kupferleitungen und anderes, wiederverwendbares Metall frei zu legen. Und die Kinder, die das tun, sie brauchen sich nicht um das Morgen zu sorgen.

Denn der Nachschub ist ihnen sicher. Schließlich geben die Industrienationen gerne und völlig uneigennützig und außerdem illegal von den ca. 50 Millionen Tonnen Elektroschrott, der jährlich weltweit produziert wird, ca. 34 Millionen Tonnen an Entwicklungsländer ab. Und nachdem beim Recyceln im schönen Afrika ein paar Schadstoffe entstehen, die Grenzwerte um das 50-fache überschreiten, ist gleichzeitig dafür gesorgt, dass dauernd auch neue Arbeitsplätze entstehen. Und das ohne jegliche betriebsbedingte Kündigungen.

Was sich also deutsche Unternehmer oft erträumen, hier ist es bereits Realität. Und jeder von uns kann etwas dazu beitragen. Also raus mit dem alten LCD-Fernseher und her mit dem 3-D-Smart-TV mit 1,28 Meter Diagonale. Denn es ist doch so einfach, etwas für  Entwicklungsländer zu tun. Ich denke bereits über die Gründung eines Vereins nach: „Freunde treffen und Gutes tun auf dem Wertstoffhof e.V.“. Dieses Wort hat jedenfalls eine ganz andere Bedeutung für mich, seit ich weiß, was dahinter steckt.