Schlagwort-Archive: Energiewende

Auffälligkeiten

Ist es eigentlich schon einmal jemand aufgefallen, dass in vielen Filmen Menschen abends nach Hause kommen, ihre Wohnungstür aufschließen – und in Räume treten, in denen Tischlampen Licht verbreiten, Stehlampen still vor sich hin leuchten, auch die eine oder andere Deckenleuchte erstrahlt. So als wäre gerade kurz zuvor jemand durch die Räume gegangen und hätte für diese wohlige Atmosphäre gesorgt.

Dabei wissen wir natürlich, dass auch in diesem Film die betreffende Person schon am frühen Morgen das Haus verlassen hat, das Licht also den ganzen Tag gebrannt haben muss. Und das ist auch nicht anders, wenn es ein Mensch ist, der den ganzen Tag anderen Menschen erklärt, was sie alles tun müssen, um diesen Planeten zu retten. Unter permanentem Hinweis darauf, dass natürlich bei jeder Gelegenheit Energie gespart werden muss.

Warum ich jetzt aber an den Ministerpräsidenten denken muss, den man jetzt täglich in einem der Filme sieht, ist mir allerdings ebenso schleierhaft. Aber jedenfalls kommt es mir da auch so vor, als würden schon Lampen brennen, damit auch gleich eine heimelige Atmosphäre herrscht, wenn er den Mund aufmacht. Um zu erklären, dass er schon immer alles getan hat, damit das nicht passiert, was jetzt eingetreten ist. Womit er sich als wahrer Politiker zeigt, als Mensch, der verstanden hat, was er anderen Menschen erzählen muss, damit sie weiterhin glauben, dass er ihnen nichts vormacht, wenn er abends nach Hause kommt und schon überall im Haus die Lampen brennen.

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Zurück in die Steinzeit

Man kann ja wirklich nicht behaupten, dass ich ein Pessimist wäre. Aber ich glaube, dass es so langsam Zeit wird, die Steinaxt wieder zu schärfen. Denn während andernorts Menschen langsam nasse Füße bekommen, weil der Pegel von Meeren steigt, haben wir einen Wirtschaftsminister der Kante zeigt. Und das so kantig, dass Trump neidisch werden könnte. Wenn er wüsste, dass Peter Altmaier der neue deutsche Bundeswirtschaftsminister ist.

Der davon ausgeht, dass sich die Energiewende und damit auch das kleine Problem mit dem Klimawandel fast von alleine erledigen werden. Weil das nämlich die Märkte regeln werden. „Ich gehe davon aus“, sagt Altmaier, „dass die erneuerbaren Energien in absehbarer Zeit, das heißt in den nächsten vier bis fünf Jahren, ihre Wettbewerbsfähigkeit vollständig erreicht haben, …“. Also so was hässliches wie Subventionen nicht mehr nötig sind.

Und das mit dem Kohleausstieg natürlich auch von den Märkten geregelt wird. Also von Angebot und Nachfrage. Und das macht den kleinen Unterschied. Trump hat nur gesagt, dass er aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigt. Altmaier sagt wenigstens, wie seine Alternative aussieht. Und ich wüsste wahnsinnig gerne, wie man Steinäxte schärft.  

Mutige Menschen gesucht

Sicher haben es schon ein paar Leute gemerkt. Im September geht es nicht nur darum, die Populisten in Zaum und am besten auch gleich noch Flüchtlinge hinter einem Zaun zu halten. Noch nicht einmal die Frage, ob nun Schwarz-Gelb-Grün oder Rot-Rot-Gelb oder Khaki-Schwarz-Violett die Lösung für die nächsten vier Jahre ist, ist von besonderer Bedeutung. Viel interessanter ist die Frage, ob überhaupt jemand für die Regierungsverantwortung zur Verfügung steht, die oder der den Mut hat, unerquickliche aber unbedingt notwendige Schritte anzugehen.

Denn die Gefahr, das sind nicht der Feinstaub, nicht die Flüchtlinge, nicht die Banken, nicht die AfD – und auch nicht die Ehe für alle. Die größte Gefahr, das ist das Nichtstun. Denn es gäbe viel zu tun. Eigentlich schon seit Jahren. Aber bisher wird nur getönt. Am liebsten darüber, was man schon alles getan hat. Und in einem Punkt stimmt es ja auch. Die Energiewende, hin zu den erneuerbaren Energien, das war schon mal was. Nämlich ein erster Schritt. Der zweite Schritt aber war der in die Stagnation. Was dann kam, das war Kosmetik.

In den vergangenen zehn Jahren ist nämlich vor allem eins passiert: Sämtliche Ziele wurden verfehlt. Und es wurde nicht nur knapp vorbeigeschossen. Weshalb jetzt vielleicht ein günstiger Zeitpunkt wäre, noch einmal darüber nachzudenken, was man will. Darauf hoffen, dass es noch so lange gut geht, bis man unter der Erde ist? Auf ein Wunder warten? Darauf, dass sich unsere Kinder schon irgendwie aus der Bredouille ziehen werden? Es die Natur oder der Papst schon richten werden? Oder vielleicht die CSU?

Um es klipp und klar zu sagen: In meinen Augen ist das keine Schicksalswahl. Aber immerhin haben wir noch eine Wahl. Zumindest, wenn sich jemand findet, der nicht mit Almosen und Schlagwörtern um sich wirft. Sondern klipp und klar sagt, dass es wohl erst einmal ziemlich unangenehm werden wird. Vielleicht sogar das Recht auf einen SUV auf der Kippe steht. Und auch der Wochenend-Kurz-Trip in die USA. Ganz zu schweigen vom Kilo Hackfleisch für 2,99 €. Die anderthalb Liter Cola für 49 Cent. Also jemand, der Dinge tut, die wahrscheinlich erst einmal weh tun. Aber die Chance mit sich bringen, dass wir noch eine Chance haben. Falls es also so jemand gibt, dann möge er sich doch bitte bald melden. Am 24. September ist es zu spät.

Dunkle Wolken

Das ist doch ein Satz, der in Stein gemeißelt gehört. Er stammt von BDI-Präsident Ulrich Grillo und lautet: „Wir sind eine Leistungsgesellschaft. Die Leistung kann aber nicht darin bestehen zu leben, sondern während des Lebens etwas zu leisten und dafür belohnt zu werden.“ Was war der Auslöser? Natürlich die SPD, die verzweifelt versucht, wieder zweite Kraft unter den Parteien Deutschlands zu werden. Also zumindest bei anstehenden Wahlen die AfD hinter sich zu lassen. Weshalb sie auf der im Koalitionsvertrag vereinbarten „Lebensleistungsrente“ zum Schutz vor Altersarmut besteht. Kein Wunder also, dass der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie so vehement dagegen ist.

Herr Grillo denkt bei Leistung wohl in erster Linie an die Aufsichtsräte und Manager von Banken oder auch Industrieunternehmen, die mit hohen Abfindungen im sechs- bis siebenstelligen Bereich in der Tasche ihre Posten räumen mussten. Nachdem sie Bank respektive Unternehmen in die Verlustzonen gewirtschaftet hatten. Und dies noch nicht einmal ein massiver Stellenabbau hatte verhindern können. Der seinerseits natürlich aber dazu führte, dass viele Menschen entweder gleich bei Hartz IV landeten oder versuchten, mit Billigjobs über die Runden zu kommen. Weshalb sie dann eben im Alter eine Rente unterhalb der Grundsicherung bekommen würden.

Kein Wunder also, dass Ulrich Grillo die Große Koalition in Berlin mahnt, nicht zu viel an Sozialprogramme zu denken sondern vielmehr daran, „die Wirtschaft stärker zu machen“. Und dabei höchst wahrscheinlich Energieunternehmen im Hinterkopf hat, die für die Stilllegung von Kohlekraftwerken nach vorsichtigen Schätzungen nur annähernd zwei Milliarden Euro bekommen sollen. Und auch die Betreiber von Atommeilern müssen bangen, ob sie jetzt wirklich einen Teil der Kosten für den Abriss selber bezahlen müssen. Weil ja diese Kosten leider nicht komplett an private Haushalte weitergegeben werden können. Schließlich haben wir in einem Jahr Bundestagswahlen.

Wenn da in Zukunft auch noch einem Rentner im Extremfall vermutlich 18 Euro pro Monat zur Grundsicherung gezahlt werden müssen, dann bleibt wohl wirklich kein Geld mehr, um die Wirtschaft zu unterstützen. Was wohl unweigerlich dazu führen würde, dass massiv die Gewinne der Unternehmen einbrechen würden, die laut Prognosen für 2015 um fast 4 Prozent stiegen und ca. 500 Milliarden Euro betrugen. Zum Vergleich: Für den Bundeshaushalt 2016 sind Ausgaben in Höhe von 316,9 Milliarden Euro vorgesehen. Und für die gewerbliche Wirtschaft gerade mal Subventionen in Höhe von 12 Milliarden Euro. Es sollte also wirklich nur Leistung belohnt werden, sonst wird das zu einem Teufelskreis.

 

 

 

Placebo mit Nebenwirkungen

Gestern hatte ich Gelegenheit, mich mit einer jener Tugenden zu beschäftigen, die insbesondere Lehren aus dem asiatischen Raum oft in ihren Mittelpunkt stellen. Auslöser war ein Paradoxon. Denn um gesund zu werden, muss man sich hierzulande zumindest als Kassenpatient einer Tätigkeit hingeben, die den Burnout-affinen Menschen unserer Hemisphäre eher krank macht. Man muss warten. Nachdem diese Anforderung aber über den ganzen Tag hinweg an mich gestellt wurde, nur kurz unterbrochen von kurzen Mitteilungen unter Verwendung von Wörtern, die ich anschließend googeln musste, habe ich also aus der Not eine Tugend gemacht und das Warten als Gelegenheit benutzt, um mich mit der einen oder anderen Sachen mental auseinander zu setzen.

Und dabei ist mir etwas aufgefallen. Zum Beispiel, dass überall meine Karte der Gesundheitskasse vorzeigen musste, obwohl diese Kasse eigentlich erst zuständig ist, wenn ich krank bin. Und müsste das Betreuungsgeld nicht korrekter Weise „Arbeitsmarkt-Fernhaltungs-Prämie für Frauen“ heißen? Die Autobahn-Maut zum Beispiel schlicht „Ausländer-Wegegeld“?

Jedenfalls habe ich festgestellt, dass viele Begriffe in unserem Leben die reinsten Beruhigungspillen sind. Und damit es nicht zu Nebenwirkungen kommt, verabreicht man uns Placebos. Weshalb dann auch zum Beispiel der „Flüchtlingsstrom“ das Problem ist, oder der sogenannte IS, wir eine „Energiewende“ brauchen. Würde man sagen, dass wir schlicht und einfach in deutschen Landen ein rechtes Gesinnungsproblem haben, dass der Westen im arabischen Raum seit einem Jahrhundert akribisch und zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil Konflikte initiiert hat, die Industrie ohne Rücksicht auf Verluste über Jahrhunderte hinweg Profite gemacht hat, was wir jetzt ausbaden müssen, dann würde das doch einfach etwas beunruhigend klingen.

Dann käme ja vielleicht noch jemand auf die Idee, dass wirklich etwas geändert werden müsste. Machen wir uns also nichts vor: Deutschland ist eine Placebo-Republik. Wir bekommen Placebos verabreicht, die zumeist wunderbar wirken, weil wir daran glauben. Was einen kleinen Nachteil hat. Diese Placebos haben in Wahrheit sogar sehr massive Nebenwirkungen.