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Entrüstungs-Entschleunigung

Wenn es nicht um Menschen ginge, um deren Schicksale, man müsste eigentlich ganz offen sagen, dass es so langsam wirklich nur noch zum Gähnen langweilig ist. Wen kann das noch interessieren, wer bei wem irgendwo im Gedärm zugange ist, um sich Flüchtlinge vom Hals und sie aus dem anlaufenden Wahlkampf heraus zu halten? Ob nun auch in Deutschland offen und in bester nationalsozialistischer Tradition türkische Einrichtungen zur Denunziation aufgerufen werden, damit ein Möchtegern-Macht-Politiker so viele Verleumdungsklagen anstrengen kann, wie Frau von Storch Follower bei Facebook hat? Ich habe übrigens schon eine Selbstanzeige gemacht, damit ich Strafmilderung bekomme. Mein Nachbar, der Busfahrer ist, hat gesagt, bei Verleumdungsklagen wäre das wie bei Steuerhinterziehung. Und der muss es ja wissen.

Auf jeden Fall scheint es auch keinen großen Sinn zu machen, gebetsmühlenartig Hungersnöte und Kinderarbeit anzuprangern, Gewalt gegen Frauen und die Macht der Märkte, das langsame Sterben der Um- und Tierwelt, die Gleichgültigkeit und Dummheit der Mehrheit der Menschheit. Ein Blick zurück genügt, um zu sehen, dass es zwar immer Menschen gab, die gegen schreiendes Unrecht gekämpft haben. Aber man sieht auch, dass manches zwar gelindert wurde, aber der Mensch immer Mensch blieb. Mit all seinen guten und den so oft überwiegenden schlechten Seiten. Was in meinen Augen und in seiner Konsequenz im Mythos von Sisyphos eine schöne Metapher gefunden hat.

Erlaubt sie mir doch eine fast angenehme Müdigkeit, ein Ruhebedürfnis, das zwar nicht unendlich andauern wird, für den Moment aber danach schreit, mich eher an dem Gekrähe eine Enkels zu erfreuen, an den vorsichtig knospenden Rosen, an der Aussicht auf eine wärmende Sonne. Alles Dinge, die man genießen kann, ohne das Elend und die Ungerechtigkeiten zu leugnen. Doch ich glaube mittlerweile, dass man die schönen Dinge des Lebens genießen muss, dass man sie pflegen und suchen muss, um überhaupt in der Lage zu sein, sich dem Elend und den Ungerechtigkeiten zu stellen, sich ihnen zumindest versuchsweise entgegen zu stellen. Etwas drastisch ausgedrückt: Wer immer nur in Exkrementen watet, wird sich irgendwann von diesen nicht mehr besonders unterscheiden. Ich werde mich also heute auf Rosen betten. Morgen und übermorgen vielleicht auch.

Voyeurismus trifft Sadismus

Über diesen Jungen wurde schon im vergangenen Jahr berichtet. Sein Großvater ist sehr reich. Im Heimatland des Jungen, der inzwischen 17 Jahre alt sein müsste, nennt man ihn einen Oligarchen. Auch über seine Mutter wurde berichtet, dass sie vermögend sei. Ob das wirklich das auslösende Moment ist, müsste ein Psychiater klären. Denn die Summen, die der Junge für sein seltsames Hobby ausgibt, sind überschaubar. Er nennt es ein Projekt, wenn er jungen Leuten oder auch Obdachlosen 100 Euro oder auch mal mehr oder weniger gibt, damit sie seinen Urin trinken, sich junge Frauen vor ihm und in der Öffentlichkeit ausziehen, von ihm im Beisein ihrer Freunde küssen lassen oder sich Menschen klebrige Flüssigkeiten über den Kopf gießen.

Warum er solche Szenen dann auch noch bei YouTube einstellt und dort sogar eine eigene Seite hat, ließe sich vielleicht ebenso von einem Psychiater zu klären wie das Phänomen, dass diese Videos im Schnitt zwischen 5 bis 6 Millionen Mal angeklickt und von YouTube nicht gelöscht werden. Wobei es auch nicht sonderlich erhellend ist, dass seine „Opfer“ freiwillig mitmachen und sich für ihre Handlungen ja auch bezahlen lassen. Mit Not alleine lässt sich das nicht erklären. Ebenso wenig wie sich das große Interesse an den Videos dieses Jungens mit einer vermutlich sadistischen Neigung nur mit dem Hang zu einem alltäglichen Voyeurismus erklären lässt. Ein Psychologe hat einmal in einem Zeitungsartikel resümiert: Wir sind allesamt gestört! Es fällt manchmal sehr schwer, ihm zu widersprechen.