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Es ist vollbracht

Heureka! Könnte man sagen, wenn man des Alt-Griechischen mächtig wäre. Jedenfalls ist nicht nur der Groschen sondern auch eine Entscheidung gefallen. Vor wenigen Minuten hat der SPD-Vorstand das Ergebnis verkündet, und es bedeutet ein „Ja“ zu Koalitionsverhandlungen. Was auch bedeutet – natürlich auch Alexander Dobrindt sei Dank –, dass der Zwergenaufstand niedergeschlagen wurde. Und selbst wenn man nicht unbedingt ein Verfechter von weiteren vier Jahren behäbigen Regierens ist, weitere Monate ohne eine Regierung wären jetzt auch nicht so prickelnd gewesen.

Was mich ganz persönlich am meisten an einer Groko stört, das ist der Verdacht, dass es zu einem Wiedersehen kommen könnte mit manchem Gesicht, das schon in der vergangenen Legislaturperiode latente Brechreize ausgelöst hat. Der sich nicht unbedingt und einzig auf ein Pflanzengift oder Auto-Schadstoffe zurückführen lässt, aber doch zumindest in einem engen Zusammenhang mit diesen steht.

Ich wünsche mir eine Chance für neue Gesichter, wohl wissend, dass auch hinter diesen nicht immer und zu allen Gelegenheiten ein kluger Kopf stecken wird. Ganz ohne Nostalgie wird es sowieso nicht abgehen. Schließlich bleibt uns Frau Merkel erhalten. Die Aufgabe könnte also lauten: Bewahren und trotzdem in die Zukunft schauen. Das könnte sich auszahlen. Auch ohne Steuersenkung für Vielverdiener.

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Jerusalem

Also dass ich das noch erleben durfte. Ich gebe es zu, ich hatte schon einen richtigen Tunnelblick. Fast könnte man sagen, dass ich ein bisschen voreingenommen war. Irgendeine Meldung aus türkischen Regierungskreisen: Schon sträubten sich mir die Haare. Wird schon irgendetwas Abwegiges, Unverschämtes, Diskriminierendes, Populistisches, Anti-Deutsches sein. Doch jetzt klang das ausgesprochen vernünftig, klarsichtig und angebracht, was vom türkische Ministerpräsidenten Binali Yildirim zu hören war. Und wem habe ich das zu verdanken?

Natürlich dem US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seiner wohl überdachten Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Nur in einem Punkt bin ich nicht ganz auf der Linie von Yildirim. Er sagte nämlich nicht nur, dass mit dieser Entscheidung die Büchse der Pandora geöffnet worden sei, sondern auch, dass die damit verbundenen Schritte für die Türkei null und nichtig wären. Ich befürchte eher, dass die Schritte, die sich aus dieser Entscheidung gegen UN-Resolutionen und für einen neuen Krisenherd in Nahost ergeben werden, auch in der Türkei nicht  einfach verhallen werden.  

Schicksalswahl

Morgen ist es also so weit. Gefühlt die 783. Schicksalswahl der Republik. Die banale Wahrheit sieht etwas anders aus. Zum Beispiel bedeutet der morgige Abend ein ziemliches Desaster. Wegen der Bundestagswahl fällt nämlich der Tatort aus. Und ist das wirklich eine Alternative, wenn Politikerinnen und ihre männlichen Pendants überraschende Aussagen machen zum Wahlausgang respektive wieder einmal erzählen, was sie zu tun gedenken, wenn sie in der Regierungsverantwortung sein werden beziehungsweise in der Opposition? Ich bin nicht ganz überzeugt, dass dies an Spannung einen Tatort übertrifft.

Und dann ganz zu schweigen von einem weiteren Dilemma. Denn sind wir doch einmal ehrlich: Alle, oder zumindest sehr viele sagen, dass man unbedingt zur Wahl gehen soll. Jetzt kenne ich aber einen Haufen Menschen, denen es schon sehr schwer fällt, sich bei Starbucks für einen bestimmten Kaffee zu entscheiden. Wie sollen die in einer so folgenreichen und verantwortungsvollen Frage zu einer Entscheidung kommen? Ist es nicht geradezu unverantwortlich, sie einer solchen Situation, einem solchen Druck auszusetzen? Wäre es für sie nicht sinnvoller, zu Hause zu bleiben und abends lieber einen aufgezeichneten Tatort aus dem Jahr 2008 zu schauen?

 Dann könnten sie in Zukunft wenigstens sagen, dass wieder einmal die anderen schuld waren. Dass sie von nichts wussten. Schließlich kann ja keiner nachweisen, was passiert wäre, wenn sie zur Wahl gegangen wären, wenn sie sich für eine Partei, eine oder einen Abgeordneten entschieden hätten. Die Welt ist nämlich nicht nur schwarz oder weiß. Es gibt nicht nur gut oder böse. Laut oder leise. Oder wie es eine Passantin aufgrund einer Reporterfrage formulierte: Nicht jeder Kanake ist schlecht.

 

Schicksalstage und Kühlschränke

Es sind Schicksalstage. Es geht um Europa. Um die Weltwirtschaft. Die Finanzmärkte. Wir wollen uns nämlich einen neuen Kühlschrank kaufen. Und das ist wahrlich eine schwere Entscheidung. Schließlich haben wir eine Verantwortung. Sollen wir also unbedingt ein Modell kaufen, das 100-prozentig aus deutscher Hand stammt? Oder größer denken und vielleicht lieber einen Kühlschrank nehmen, der aus einem anderen EU-Land stammt? Wo sie zum Beispiel dringend Devisen brauchen. Aber wir wissen ja noch nicht einmal, ob diese südlichen Länder überhaupt etwas anderes produzieren als Olivenöl und irgendwelchen Käse.

Und schließlich soll er ja auch ein paar Jahre halten. Nicht schon wieder nach ein paar Monaten den Geist aufgeben. Also doch deutsche Wertarbeit? Aber da muss man ja so aufpassen. Denn selbst wenn ein deutscher Name drauf steht, können ja immer noch die Amis, die Japaner oder die Chinesen die Finger drin haben. Früher war das eben alles viel einfacher. Da gab es zwei Firmen, die Kühlschränke hergestellt haben. Und das war es dann. Man musste nur zwischen den beiden wählen. Und da ist man dann natürlich nach dem Preis gegangen.

Aber am einfachsten ist es wahrscheinlich, wenn wir mal schauen, was die Leute bei Amazon über die verschiedenen Modelle sagen. Bei den Büchern haben sie ja auch meistens Recht. Und dann kann man den Kühlschrank ja eigentlich auch gleich bei Amazon bestellen. Die Angebote dort sind ja schließlich doch immer die günstigsten. Und außerdem haben die ja jetzt auch behauptet, dass sie in Zukunft vielleicht sogar Steuern bei uns zahlen wollen. Das stärkt doch sicher irgendwie auch unsere heimische Wirtschaft. Und den Euro-Raum.