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Zufriedenheit

Erdogan ist wieder abgereist. Der Fußballclub FC Bayern hat die Tabellenspitze in der Bundesliga abgegeben. Die Gnadenfrist für den Hambacher Forst wurde um einige Baumhäuser verlängert. Und höchstwahrscheinlich dürfen sich Autofahrer und Industrie die Kosten für eine bessere Luft redlich teilen. Wären nicht die Bilder aus Indonesien, man könnte sich zufrieden zurücklehnen.

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Obsolete Beziehung

Lange war es mir ein Rätsel, was US-Präsident Trump damals im Wahlkampf meinte, als er die Nato als obsolet bezeichnete. Fremdwörter sind nicht so mein Ding. Doch dank des türkischen Präsidenten Erdogan habe ich jetzt eine dumpfe Ahnung bekommen, was damit gemeint sein könnte. Er hat nämlichen den US-Soldaten, sollten diese dem türkischen Heer bei Angriffen gegen die kurdischen Mitglieder der YPG im syrischen Manbidsch irgendwie im Wege stehen, angedroht, ihnen eine „osmanische Ohrfeige“ zu verpassen.

Nachdem nun aber die USA und die Türkei Nato-Partner sind, heißt obsolet wohl nichts anderes, als dass es in einer Beziehung so schlecht steht, dass es bei einer Auseinandersetzung auch schon mal zu einer Ohrfeige kommen kann. Und das wiederum kenne ich von unseren Nachbarn, die rechts von uns wohnen. Deren Beziehung scheint insbesondere am Wochenende sehr obsolet zu sein. Allerdings gibt es wohl auf keine Frage eine Antwort, ohne dass sich nicht eine neue Frage stellt. Zum Beispiel, was denn eine „osmanische Ohrfeige“ ist.

Vermehrt euch

Es ist in letzter Zeit etwas still geworden am Bosporus. Zumindest drangen kaum Nachrichten von dort zu uns. Doch jetzt hat Recep Tayyip Erdogan endlich mal wieder etwas verlautbart, was auch der hiesigen Presse eine Meldung wert war. Und das vielleicht vor allem, weil es einen Bezug zu Deutschland gibt. Denn auch hierzulande, wenn auch schon mehr als ein halbes Jahrhundert zurück, gab es schon einmal Appelle an die Frauen, fruchtbar und empfängnisfreudig zu sein.

Wörtlich sagte Erdogan jetzt im Präsidentenpalast in Ankara zu jungen Frauen und mit Bezug auf den Propheten: „Der Befehl ist deutlich und klar. Vermählt Euch, heiratet und vermehrt Euch.“ Und dass „die Mutterschaft das größte Geschenk Gottes an die Frauen“ sei. Erdogan betonte bei dieser Gelegenheit allerdings auch, dass die muslimische Frau nicht nur eine gute Mutter, sondern unter anderem auch eine „kühne Kriegerin“ sein sollte. Und sie sollten nicht drei, sondern fünf Kinder machen, denn sie wären die Zukunft Europas.

Womit er eindeutig höhere Anforderungen an muslimische Frauen stellt als einst der Führer im Dritten Reich an die deutsche Frau. Unter Hitler war es noch ausreichend, vier „deutsch-blütige“ und „erb-reine“ Kinder zu gebären, um das Mutterkreuz, selten und nie öffentlich auch als „Kaninchenorden“ für „Prachtkühe“ bezeichnet, verliehen zu bekommen für die Stärkung der arischen Rasse. In diesem Zusammenhang war dann auch von den Erfolgen der Frauen in der „Geburtsschlacht“ die Rede, und dass die Wiegen wie „ein schlafendes Heer“ seien. Diese Poesie vermisst man jetzt bei Erdogan etwas.

Bikini oder Burgunder

Heute entscheidet sich,  ob wir morgen noch gut und gerne leben. Frauen noch Bikini tragen und Burgunder saufen. Wir endlich neu denken. Dass es laut und fordernd wird und die Rente endlich sicher. Was mir gefehlt hat für all diese hoch interessanten Aussichten und Versprechen, das war der genaue Zeitpunkt. Gilt das ab Mitternacht? Oder erst ab Mittag zwölf Uhr? Gibt es vielleicht eine Übergangszeit von vier Jahren? Vielleicht kann das ja alles erst in Kraft treten, wenn die Koalitionsverhandlungen abgeschlossen sind?

Vielleicht ist es das, was Demokratie ein bisschen schwierig macht. Die Zeitangaben sind so ungenau. Schließlich weiß letztendlich doch niemand, wie lange „niemals“ dauert. Wann „sofort“ anfängt. Und vor allem, wann es aufhört. Ganz zu schweigen von dem Phänomen, dass ein Versprechen ganz leicht von einem anderen Versprechen aufgehoben werden kann. Wahrscheinlich versprechen deshalb alle mehr Sicherheit. Glaubwürdig erscheint da nur die Partei, die mehr Glatze als Schulz und mehr Hitler als Erdogan verspricht. Das ist zeitlos.

Telefonieren 5.0

Warum gibt es eigentlich so etwas nicht auch bei uns? Man ruft jemand mit dem Handy an, und dann meldet sich erst einmal Angela Merkel. Und sagt zum Beispiel: Wir schaffen das! Wobei Merkel mit einer reinen Sprachnachricht natürlich nur die halbe Merkel wäre. Da würde dann einfach ihre Raute fehlen. Aber Horst Seehofer, bei dem käme das toll rüber. Egal, was er sagt, Hauptsache er krönt es mit seinem berühmten Lachen. Wenn man ihn dabei nicht sieht, ist das ja kein so großer Verlust.

Auf jeden Fall ist es eigentlich eine Schande für den Innovations-Standort Bundesrepublik Deutschland, wenn uns da erst jemand aus einem Land, in dem Journalisten und Ziegen gleichermaßen gefährdet sind, zeigen muss, wie Telefonieren 5.0 aussieht. Denn diese Idee ist wirklich bahnbrechend. Zum Beispiel könnte auch Frau von Storch jedes Telefonat mit einem markigen Spruch über die „Schwulen-Lobby“ einleiten. VW auf diese Art und Weise Schadstoffwerte für ihre Dieselmotoren festlegen. Und Aldi die Schnäppchen der Woche mitteilen.

Bei genauem Hinsehen ist das auf jeden Fall eine Geschäftsidee, die ähnlichen Erfolg verspricht wie Apples iPhone, Googles Suchmaschine oder das Betriebssystem von Microsoft. Kann man jetzt nur beten, dass der Urheber dieser Idee noch nicht auf die Idee gekommen ist, sich alle Rechte dazu zu sichern. Ich setze mich jedenfalls heute noch in den Zug und werde den morgigen Tag beim Münchener Patentamt verbringen. Vielleicht ist es ja noch nicht zu spät. Ich hätte sogar schon ein Firmenmotto: Pre-Call – laber dir einen auf!

 

Joint-Venture

Darauf hätte man eigentlich schon viel früher kommen können. Es ist nämlich alles ganz anders. Es sind nämlich Wahlen. Zum Beispiel in der Türkei soll ein Sultan gewählt werden. Der bisher nur Präsident ist. Also muss er das Gefühl vermitteln, dass er ein großer, starker Mann ist. Und dem Rest der Welt nicht nur Mores lehrt, sondern auch tun und lassen kann, was er will. Also auch hinfahren kann, wohin er will.

Wahlen sind allerdings auch in den Niederlanden. Nämlich heute. Weshalb der derzeitige Regierungschef natürlich auch zeigen muss, dass er groß und stark ist. Also verhängt er ein Einreiseverbot für türkische Wahlkämpfer aus der türkischen Regierungspartei AKP. Weshalb natürlich der Präsident, der Sultan werden möchte oder etwas gleichwertiges, noch mehr Stärke zeigen muss. Und gleich mal den niederländischen Botschafter aus dem Land wirft.

Allerdings stehen auch in dem kleinen deutschen Bundesland Saarland Wahlen an. Was macht also die dortige Ministerpräsidentin? Die zwar nicht Sultan werden möchte, aber gerne Ministerpräsidentin bleiben möchte. Sie verhängt ein Einreiseverbot für türkische Regierungsmitglieder, die Stimmen rekrutieren wollen für den zukünftigen Sultan. Auch wenn noch keiner von denen auch nur im Traum daran dachte, ins Saarland zu fahren, um  Wahlkampf zu machen. Und leider auch nicht die Möglichkeit  besteht, einen Botschafter des Landes zu verweisen.

Aber spätestens jetzt ist klar geworden, dass diese ganze Geschichte ein abgekartetes Spiel ist. Sozusagen ein Joint-Venture zwischen der Türkei, den Niederlanden und dem Saarland. Bei dem jeder mal klare Kante und Stärke zeigen darf, um seine Wähler zu beeindrucken. Man kann nur hoffen, dass der schöne Deal nicht platzt, wenn das Referendum in der Türkei gelaufen ist. Schließlich sind ja bei uns auch noch in anderen Bundesländern und in Frankreich Wahlen. Ganz zu schweigen von den Bundestagswahlen im Herbst.

Ein Traum

Es gibt kein Entrinnen. Mehr als drei Tage, fast 80 Stunden habe ich jetzt keine Nachrichten mehr gehört oder gesehen. Ich habe weder auf Facebook noch in irgendeinem anderen, oft so unsozialen Medium nach neuen Bildern und Mitteilungen über Ereignisse gesucht. Und nachdem ich auch meine Emails nicht gecheckt habe, weiß ich noch nicht einmal, ob mich zwischenzeitlich nicht Google schon angeschrieben hat, weil ich genauso lange Zeit auch auf den Gebrauch dieser Suchmaschine verzichtet habe, die immer mehr und etwas anderes finden lässt, als man sucht.

Doch dann hatte ich diesen Traum. Nachdem ich, in den frühen Morgenstunden von einem Motorrad jäh geweckt, wieder eingeschlafen war. Es fing eigentlich auch ganz harmlos an, in diesem Traum. Ich ging darin an den Briefkasten und fand ein Schreiben der Hausverwaltung. Die mir mitteilte, dass das Haus an einen gewissen Herrn Orban verkauft werden würde, der eine Asylbewerberunterkunft daraus machen wolle. Weswegen ich ausziehen müsse. Ich könne aber jederzeit einen Freiflug nach Istanbul beantragen und mich dort bei einem Herrn Erdogan melden, der würde noch Scharfrichter in Festanstellung suchen.

An dieser Stelle des Briefes in meinem Traum angekommen, bin ich aufgewacht. Doch so richtig erschrocken bin ich erst durch den letzten Gedanken, von dem ich nicht so genau weiß, ob ich ihn noch im Traum gedacht habe oder schon im immerhin noch leicht dämmrigen ersten Erwachen. Ich dachte nämlich, was ich wohl als Scharfrichter verdienen würde, und ob ich in dieser Position das Anrecht auf eine Dienstwohnung hätte mit Blick auf den Bosporus.