Schlagwort-Archive: Erdowie Erdowo Erdogan

Neue Freunde

Man könnte schon den Vorwurf machen, dass dies sprachlich nicht unbedingt der große Wurf ist. Heißt es doch zum Beispiel in dem Lied „Erdowie, Erdowo, Erdogan“, zum ersten Mal zu hören in der Satiresendung „Extra 3“ und gesendet vom NDR: „Ein Journalist, der was verfasst, das Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast.“ Da springt einem förmlich schon das angestrengte Bemühen entgegen, sich dem Reim auf Gedeih und Verderb zu verschreiben. Und noch schlimmer wird es, wenn es heißt: „Er lebt auf großem Fuß, der Boss vom Bosporus. Bei Pressefreiheit kriegt er’n Hals, drum braucht er viele Schals.“

Weshalb ich persönlich ja glaube, dass der hier satirisch aufs Korn genommene türkische Präsident Recep Rayyip Erdogan den deutschen Botschafter Martin Erdmann nur hat einbestellen lassen, weil er sich mehr Sorgfalt beim Verfassen solcher Texte wünscht. Auf garkeinen Fall aber hier die künstlerische Freiheit in einem Land im Visier hatte, das gerade dafür gesorgt hat, dass die Türkei für die Zahlung von mickrigen 6 Milliarden Euro die Absichtserklärung abgeben musste, mehr Flüchtlingslager zu bauen. Weshalb ich in der besagten Satire unbedingt auch noch angemerkt hätte, dass die Türkei die angeschlagene Wirtschaft durch Flüchtlinge zu sanieren versucht.

Dies aber eben in einer Form, die etwas mehr der langen und großen Tradition deutscher Lyrik und Reimkunst entspricht, damit der deutsche Botschafter nicht noch einmal im türkischen Außenministerium antanzen muss oder vielleicht sogar des Landes verwiesen wird. Dass es für die Einbestellung irgendeinen Zusammenhang geben könnte mit dem Besuch des Botschafters bei der Prozesseröffnung gegen zwei Journalisten, die der Spionage, Vorbereitung eines Staatsstreiches und Beihilfe zur Bildung einer terroristischen Vereinigung angeklagt sind, ist hingegen höchst unwahrscheinlich.

Schließlich hatte Erdogan zu diesem Zeitpunkt noch nicht in einer Fernsehansprache die Botschaften davon unterrichtet, dass Diplomaten zwar in ihren Botschaften und Konsulaten tätig werden dürften, außerhalb jedoch eine Erlaubnis nötig sei. Interessant wäre allerdings in diesem Zusammenhang, wann es eigentlich in jüngster Vergangenheit zu einem Gedankenaustausch zwischen Erdogan und dem nordkoreanischen Kim Jong-un gekommen ist, und ob die Türkei nur deshalb auf Visa-Freiheit für Türken in der EU gepocht hat, um wie Nordkorea Leih-Arbeiter im Ausland einzusetzen. Die nur einen geringen Teil ihres Lohnes behalten dürfen und alles andere an den Staat abführen müssen. Vielleicht muss ja das bescheidene Heim des türkischen Präsidenten vergrößert werden.