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Der siebte Tag

Und Gott sprach – mehr oder minder sinngemäß: Am siebten Tag sollst du ruhen. Da wusste er allerdings noch nicht, dass es einmal eine 38-Stunden-Woche und Erlebnisbäder geben wird, Städtereisen oder Wochenendflüge in so ziemlich alle Metropolen der Erde. Heute lautet die Parole daher wohl eher: Sei vorsichtig bei der Wahl der Fluggesellschaft. Damit du auch und vielleicht nicht völlig erschöpft am Montag wieder an deinem Arbeitsplatz bist. Zwei Stunden und bei leicht tropischen Temperaturen am Flughafen zu warten, kann etwas anstrengend sein. Aber man soll die Hoffnung ja nie aufgeben. Auch wenn ich momentan überhaupt keine Ahnung habe, wer das gesagt haben könnte. Vielleicht mache ich das nächste Mal Urlaub in Bayern.

Frohe Ostern

Wohl dem, der einen Freund hat, der gerade aus Vietnam nach Deutschland gekommen ist. Und die Frage stellt, was denn eigentlich Ostern sei. Als erstes fällt einem natürlich ein, dass das dieses Wochenende ist, an dem man stundenlang gefärbte Eier aus zum Teil natürlichem Material und andere Süßigkeiten versteckt, die dann zu einem nicht geringen Teil das Schicksal von einzelnen Socken teilen. Sie werden nie wieder gefunden. Dafür finden sich auf den Tischen an diesem Wochenende zu verschiedenen Gelegenheiten Speisen, für die Lämmer sterben mussten und andere Tiere, für vieles war aber auch nur Zucker, Mehl und noch ein paar andere Zutaten nötig.

In erster Linie ist aber Ostern ja eine günstige Gelegenheit, um endlich mal wieder ein paar Tage auszuspannen, also um nach Florida zu fliegen oder zumindest in die Berge zum Skifahren zu fahren oder, wenn es gar nicht anders geht, auch mal wieder Verwandtschaft zu besuchen, auf dem Weg zu einem Erlebnisbad, das einem noch länger in Erinnerung bleiben wird, weil man mit einem Fußpilz nach Hause kommt. Aber natürlich ist Ostern auch das Wochenende, an dem manche Menschen in immer kleiner werdenden Gruppen auf die Straße gehen, um für den Frieden zu demonstrieren. Was aber kaum noch jemand beachtet, denn Gott sei Dank findet der Krieg ja woanders statt.

Dass Ostern aber auch noch eine andere Bedeutung haben könnte, darauf verweist eigentlich nur das Fernsehprogramm. Denn es werden zumindest am Morgen erstaunlich viele Gottesdienste übertragen und der Papst sagt irgendetwas von „urbi et orbi“ und Bischof Marx und ein Herr Bedford-Strohm kommen in auch in den Abendnachrichten kurz zu Wort. Das bezieht sich aber nur auf öffentlich-rechtliche TV-Sender, alle anderen bringen das übliche Programm von „Bauer sucht Frau – das große Wiedersehen“ bis „Crocodile Dundee – Ein Krokodil zum Küssen“. Am ehesten könnte noch „Gladiator“ einen Bezug zum Osterfest darstellen.

Aber zum Glück gibt es Suchmaschinen im Internet. Dort heißt es, dass an Ostern Jesus von den Toten auferstanden sei, nachdem er am Karfreitag auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt worden wäre. Und sich Christen an diesem Wochenende daran erinnern würden. Woraufhin ich einen Nachbarn gefragt habe, der mir antwortete, dass er davon nichts wüsste, denn er sei erst vor zwei Jahren aus Sachsen hierher gezogen. Aber dafür wüsste er ganz genau, dass Islamisten den Leuten die Hände abhacken und deutsche Frauen vergewaltigen. Mein vietnamesischer Freund hat daraufhin beschlossen, sich selber zu informieren, was es mit Ostern auf sich hat. Mir fiel dann noch die Zeitumstellung ein.

Jahresrückblick im Erlebnisbad

Ich habe mich schon immer gefragt, warum es für das Weihnachtsfest zwei Feiertage gibt. Weil ein Tag nicht reicht, um all die Weihnachtsgänse, Plätzchen, Rumpunsche und Familienzusammenkünfte zu verdauen? Eigentlich würde es doch reichen, wenn man nach dem Heiligen Abend einmal ausschlafen könnte. Und dann zurück in die Realität.
Seit gestern weiß ich um die Bedeutung des zweiten Weihnachtsfeiertages. Er bereitet auf ein anderes Ereignis vor. Schließlich ist der Besucherstrom an diesem Tag zumeist schon etwas abgeklungen. Die Zeugen der zurückliegenden Schlacht, auch Weihnachtsessen genannt, bereits weitgehend beseitigt. Es bleibt, wenn man nicht die Familie einpackt und in ein Erlebnisbad oder zum Ganzjahres-Christkindlmarkt fährt, Zeit, um Revue passieren zu lassen.
Was in extremen Fällen zu einer gewissen Nachdenklichkeit führen kann. Weil doch die Gedanken verblüffend jenen ähneln, die man schon vor einem Jahr dazu hatte. Und wahrscheinlich auch jenen des Jahres zuvor. Natürlich sind Ereignisse neu hinzugekommen. Sind Dinge geschehen, die so zuvor noch nie geschehen waren. Die Rückenschmerzen sind stärker geworden. Die Zukunftsängste größer. Vielleicht ist überraschend etwas Empathie dazugekommen.
Doch nimmt man die äußeren Verkleidungen weg, den Ort, die Zeit, den Namen, so bleibt im Kern doch eigentlich stets das Selbe. Nämlich unsere Sehnsüchte. Unsere Ängste. Die Defizite. Was den Schluss zuließe, dass sich eigentlich, das Ganze einmal im Großen gesehen, nichts ändert. Der Mensch ist herzensgut, grausam, liebevoll, gleichgültig, egozentrisch, verblendet. Und alles immer in einer Person. Und manchmal sogar zeitnah. Und selbstverständlich gerne auch in Massen.
Ich habe mir deshalb vorgenommen, nächstes Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag auch mit der Familie in ein Erlebnisbad zu fahren. Wenn es doch keine konkreten Hinweise gibt, dass der Mensch in der Lage sei, Fundamentales an sich zu ändern, warum dann zurück oder in die Zukunft schauen. Dass ich einen halben Tag kreischend endlos lange Wasserröhren hinunter sause, will ja trotzdem nicht heißen, dass ich endgültig alle Hoffnung aufgegeben habe.