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Freitagabend

Traute Runde. Ein Freitagabend. Man kann der Woche Last hinter sich lassen. Auch wenn niemand mehr von ihnen einer Arbeit nachgeht. Aber alt sein ist auch nicht gerade einfach. Sie haben viele Reisen unternommen. Wenn es die Arthrose zulässt, reisen sie noch immer. Weil doch das Fliegen auch für Rentner erschwinglich ist. Und sie finden es toll, dass Schüler auf die Straße gehen. Den Klimawandel muss man schließlich ernst nehmen. Auch wenn die Biotonne eklig stinkt. Es muss etwas getan werden.


Kurzfristig einigt man sich darauf, noch eine Flasche Wein aufzumachen. Und dann erzählt jemand von Irland, und dass das Frühjahr die beste Zeit für einen Besuch ist, weil alles in Blüte steht. Flüge gibt es ja schon unter 100 € bei Billig-Anbietern. Also da muss man unbedingt noch mal hin. Oder doch lieber nach Venedig fliegen, um den runden Geburtstag zu feiern? Vielleicht ja nicht gerade an einem Freitag, wenn die Schüler auf der Straße sind. Nicht, dass man noch den Flug verpasst.

Sorgen verschütten

Nach eher vorsichtigen Schätzungen sind 2,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik Deutschland alkoholkrank. An die zehn Millionen konsumieren alkoholische Getränke in einer Menge, dass sie gute Chancen haben, bald zu den alkoholkranken Menschen zu gehören. Und gefühlt 1,5 Millionen von denen arbeiten für das Fernsehen oder den Film.

Was da an alkoholischen Getränken gekippt oder durchaus auch mal mit geschlossenen Augen zu sich genommen wird, wie da zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ein Fläschchen gekorkt oder Gläser gefüllt werden, das ist beeindruckend. Geradezu zelebriert wird das Ende der Arbeit stets mit einem Gläschen Wein, einem Bierchen, in gehobenen Kreisen gerne auch mal mit einem „Drink“.

Man stelle sich einmal vor, es würde in gleicher Menge und Häufigkeit in Filmen Kokain geschnupft oder Heroin injiziert werden. Oder nehmen wir nur einmal die leichtere, mitunter sogar helfende und trotzdem immer noch verteufelte Variante Cannabis inhaliert wie Alkohol die Kehlen hinunter gegossen wird.

Was wäre das für ein Aufschrei von all diesen Saubermännern und Sauberfrauen, die sich jeden Abend erst einmal ein Gläschen einschenken, bevor sie auch nur einen Gedanken an ein Nahrungsmittel verschenken. Ganz zu schweigen, dass es zu oft nicht bei diesem einen bleibt. Aber dass das allem Anschein nach kaum jemand stört, vielleicht liegt das einfach daran, dass mit Alkohol einfach mehr verdient wird. Von Herstellern und Staat.

Abendsonne

Es gibt einfach solche Tage. Morgens sieht alles ruhig aus. Nichts , was zu erledigen ist und nicht auf Morgen verschoben werde könnte. Dann streikt ein Gerät, plötzlich ist etwas dringend zu erledigen, und das Mittagessen soll auch pünktlich auf dem Tisch stehen. Und als hätten sich alle und alles verabredet, geht es am Nachmittag so weiter. Nachbarschaftshilfe, eine Besorgung, die gefühlt Stunden dauert, weil überall Staus sind, und dann noch etwas, das keinen Aufschub duldet und die Zeit bis zum Abend in Anspruch nimmt. 

Doch es ist noch angenehm warm draußen, man kann sich mit einem Bier vor das Haus setzen, und die Nachbarn nicken verständig mit dem Kopf, wenn sie vorbeigehen. Auch wenn es die gleichen Geräusche sind wie sonst auch, es herrscht Ruhe. Kein Blick auf das Morgen, der Tag ist zu den Akten gelegt, der Vogel, der vorbeifliegt, ist wichtiger. Die Terroristen haben sich im Kopf schlafen gelegt, die Wahlprogramme knistern im Kamin, und der Steuerbescheid soll ruhig kommen, die Sonne steht trotzdem noch am Himmel. Doch morgen kann wieder alles ganz anders sein. Vielleicht gibt es kaum etwas zu tun.