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Kosmetik

Jetzt habe ich endlich das Prinzip verstanden. Die CSU will zwei Monate vor der Landtagswahl ein Familiengeld einführen, für das Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der SPD sich nicht „über Recht und Gesetz hinwegsetzen“ will. Weshalb es bei Hartz-IV-Empfängern als zusätzliches Einkommen eingestuft und mit den Sozialleistungen verrechnet wird.

Kein Wunder also, dass sich die CDU/CSU-Spitze echauffiert, wenn dann unter anderem von SPD-Finanzminister Olaf Scholz eine Rentengarantie bis 2040 ins Gespräch gebracht wird. Während sich Heimatminister Seehofer im Glanz seines Erfolges in der Asylpolitik sonnt, unbeeindruckt von der Tatsache, dass seine Rücknahme-Abkommen gerade einmal von Asylsuchenden im unteren dreistelligen Bereich in Anspruch genommen werden müssen.

Doch wie auch immer, es entsteht auf jeden Fall der Eindruck, dass die Politik in Deutschland etwas bewegt, anstößt, in Angriff nimmt. Und verdeckt somit, dass das, was im Moment wirklich wichtig wäre, was wirklich auf den Nägeln und zum Teil als Feinstaub in den Augen brennt, also was heute in Angriff genommen werden müsste, um morgen nicht der Zündstoff zu sein, der diese Gesellschaft explodieren lässt, dass das also nicht wirklich passiert. Vielleicht sollte man sich daran erinnern, dass man noch so viel Puder oder Make-up auftragen kann, die Falten darunter, die uns irgendwann sehr alt aussehen lassen, bleiben.

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Kapitalanlage

Für diesen Beitrag habe ich erst einmal ein Bierchen aufgemacht. Denn ich wollte mir einmal in aller Ruhe anschauen, was man denn am besten mit dem Geld macht, von dem nicht weiß, was man damit anfangen soll. Und natürlich vermeiden will, dass es sich mit irgendeiner platzenden Blase in Luft auflöst. Die Automobilbranche ist mir beispielsweise momentan zu unsicher. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass die Politik Autohersteller in die Pflicht nimmt. Aber andererseits haben wir ja auch längere Zeit geglaubt, dass es keinen Atomausstieg geben wird.

Immobilien boomen zwar zurzeit, sind aber blasengefährdet. Und wohin das führen kann, haben wir ja in den USA gesehen. Am Ende kriegen wir auch so einen Donald mit einem großen Knopf. Weshalb ja Rüstung nicht schlecht wäre. Waffen werden schließlich immer gebraucht. Ist aber insofern etwas unsicher, weil man momentan keiner so genau vorhersagen kann, ob weiterhin in Staaten wie Saudi Arabien oder die Türkei geliefert wird. Weil für die Verteidigung kaufen die jetzt ja ihre Waffen ganz offensichtlich nicht gerade. Doch dann habe ich versehentlich das Bierglas umgestoßen. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Ich investiere in Firmen, die alkoholische Getränke herstellen. Die haben kein Feinstaub-Problem. Die Umsätze schwanken seit Jahrzehnten nur in einem sehr kleinen und überschaubaren Rahmen. Und das stichhaltigste Argument: Alkohol ist nun wirklich nichts, was die Gesellschaft spaltet. Getrunken wird bei den Obdachlosen wie in den Chefetagen. Bei den Linken wie bei den Rechten. Weswegen mehr als eine halbe Million Deutsche jedes Jahr ins Krankenhaus müssen. Vielleicht sollte ich also streuen. Und in Krankenhäuser und Brauereien investieren.

Zahlenspiele

Das sind wirklich beeindruckende Zahlen. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland für die Gesundheit 344 Milliarden € ausgegeben. Was bezogen auf das Vorjahr eine Steigerung von 4,5 Prozent bedeutete. Zücken wir also einmal den Taschenrechner und nehmen an, dass es in den folgenden Jahren bei der Steigerungsrate blieb, was mehr als wahrscheinlich ist, kommen wir für das Jahr 2017 auf 375,61 Milliarden €. Macht pro Bundesbürger 4.536,35 €. Ob er nun wirklich krank war oder nur mal einen Schnupfen hatte.

Andererseits und trotz der Bezeichnung Gesundheitswesen bedeutet dies nicht, dass deswegen im betreffenden Jahr alle kranken Menschen gesund geworden wären. Weshalb sich die Frage aufdrängt, ob es in manchen Fällen nicht vielleicht besser gewesen wäre, der oder dem Betroffenen einfach die 4.536,35 € in die Hand zu drücken. Damit er sich einen Urlaub gönnt. Oder einen Kredit bezahlt, der ihm den Schlaf raubt. Vielleicht ginge es ihr oder ihm dann besser.

Doch da würden sich wohl die Auto-Hersteller der Premium-Klasse dagegen wehren. Denn weniger Kranke würden auch bedeuten, dass weniger Autos der Premium-Klasse gekauft würden. Allen Existenzängsten von Medizinern zum Trotz. Bliebe also doch nur der Versuch, ein Gesundheitswesen zu erfinden, das Menschen mehrheitlich gesund macht. Bis dato sprechen die steigenden Ausgaben nur dafür, dass die Menschen bei diesem Gesundheitswesen immer kränker werden. Schließlich kann Feinstaub ja nicht an allem schuld sein.

 

Tränen unterm Weihnachtsbaum

Letztes Jahr sollen es 2,5 Milliarden gewesen sein. Die Marktführer auf diesem Sektor in Deutschland rechnen in der Vorweihnachtszeit in diesem Jahr in Spitzenzeiten mit circa 12 Millionen Paketen. Täglich. Und ich weiß noch nicht einmal, ob da überhaupt Päckchen mitgerechnet sind. Oder ob die noch dazukommen. Jedenfalls ist Online-Shopping derart beliebt hierzulande, dass Wachstumsraten auf diesem Gebiet als sicher gelten.

Ist ja auch herrlich. Noch mal kurz vorm Einschlafen mit dem Smartphone gesurft, und schon hat man das Weihnachtsgeschenk für Kevin. Oder Lisa-Maria. Oder Oma. Opa ist ja schon tot. Leider. Für den würde man sich auch was finden beim Online-Handel.Und auch wenn ein US-amerikanischer Versand-Gigant mit bewundernswerter Steuermoral schon über Drohnen als Auslieferer nachdenkt, diese Paketflut hat weder eine Obergrenze noch eine andere Möglichkeit, als von Klein- und Großlastwagen zu ihren Bestimmungsorten gebracht zu werden. Ich sage nur ein Wort: Dieselskandal! Oder doch lieber zwei: Feinstaub!

Was also nicht nur im Hinblick auf die Klimaziele der noch kommissarisch amtierenden Bundesregierung mehr als fragwürdig ist. Wenn man sich ansieht, wie der Verkehr täglich in den Ballungsräumen kollabiert, dürfte dieser Trend wohl auch bald zu Tränen unterm Weihnachtsbaum führen. Wenn früher das Weihnachtsgeschenk selbst zu manchen Tränen führte, so könnte es schon in diesem Jahr sein, dass unterm Weihnachtsbaum Tränen fließen, weil das Geschenk nicht mehr rechtzeitig angekommen ist. Man weiß nicht, was einem lieber ist. Hauptsache das Internet bricht nicht zusammen.

 

 

Mutige Menschen gesucht

Sicher haben es schon ein paar Leute gemerkt. Im September geht es nicht nur darum, die Populisten in Zaum und am besten auch gleich noch Flüchtlinge hinter einem Zaun zu halten. Noch nicht einmal die Frage, ob nun Schwarz-Gelb-Grün oder Rot-Rot-Gelb oder Khaki-Schwarz-Violett die Lösung für die nächsten vier Jahre ist, ist von besonderer Bedeutung. Viel interessanter ist die Frage, ob überhaupt jemand für die Regierungsverantwortung zur Verfügung steht, die oder der den Mut hat, unerquickliche aber unbedingt notwendige Schritte anzugehen.

Denn die Gefahr, das sind nicht der Feinstaub, nicht die Flüchtlinge, nicht die Banken, nicht die AfD – und auch nicht die Ehe für alle. Die größte Gefahr, das ist das Nichtstun. Denn es gäbe viel zu tun. Eigentlich schon seit Jahren. Aber bisher wird nur getönt. Am liebsten darüber, was man schon alles getan hat. Und in einem Punkt stimmt es ja auch. Die Energiewende, hin zu den erneuerbaren Energien, das war schon mal was. Nämlich ein erster Schritt. Der zweite Schritt aber war der in die Stagnation. Was dann kam, das war Kosmetik.

In den vergangenen zehn Jahren ist nämlich vor allem eins passiert: Sämtliche Ziele wurden verfehlt. Und es wurde nicht nur knapp vorbeigeschossen. Weshalb jetzt vielleicht ein günstiger Zeitpunkt wäre, noch einmal darüber nachzudenken, was man will. Darauf hoffen, dass es noch so lange gut geht, bis man unter der Erde ist? Auf ein Wunder warten? Darauf, dass sich unsere Kinder schon irgendwie aus der Bredouille ziehen werden? Es die Natur oder der Papst schon richten werden? Oder vielleicht die CSU?

Um es klipp und klar zu sagen: In meinen Augen ist das keine Schicksalswahl. Aber immerhin haben wir noch eine Wahl. Zumindest, wenn sich jemand findet, der nicht mit Almosen und Schlagwörtern um sich wirft. Sondern klipp und klar sagt, dass es wohl erst einmal ziemlich unangenehm werden wird. Vielleicht sogar das Recht auf einen SUV auf der Kippe steht. Und auch der Wochenend-Kurz-Trip in die USA. Ganz zu schweigen vom Kilo Hackfleisch für 2,99 €. Die anderthalb Liter Cola für 49 Cent. Also jemand, der Dinge tut, die wahrscheinlich erst einmal weh tun. Aber die Chance mit sich bringen, dass wir noch eine Chance haben. Falls es also so jemand gibt, dann möge er sich doch bitte bald melden. Am 24. September ist es zu spät.

Schnellschuss

Diese Entscheidungsfreudigkeit würde man sich sehr viel öfter wünschen. Ganz zu schweigen von der Schnelligkeit. Nicht einmal eine Woche hat es gedauert, und schon stand der Termin fest. Als ginge es um Leben und Tod. Also etwa um Kindesarmut. Feinstaub. Oder den CO²-Ausstoß von Kohlekraftwerken. Und die größte Überraschung: Nicht vielleicht wie für andere Gesetzesvorhaben erst nach der Wahl, sondern noch in dieser Woche will der Deutsche Bundestag über die „Ehe für alle“ abstimmen.

Damit wir uns nicht missverstehen. Ich finde es in Ordnung, dass jeder heiratet, wen er will. Habe mich schon gefragt, wann die CDU/CSU entdeckt, dass auch Lesben und Schwule Menschen sind. Und durchaus geeignet, um Kinder ebenso schlecht und recht zu erziehen wie Heteros. Wenn nicht vielleicht sogar besser. Wie jetzt Frau Merkel. Aber diese Dynamik überrascht dann doch.

Und wenn man ein schlechter Mensch wäre, also entweder schwul, lesbisch, genderübergreifend oder heterosexuell veranlagt, würde man vielleicht sagen, dass es schon ein bisschen widerwärtig ist, was hier veranstaltet wird, um auch noch die letzte Weidel ins Boot zu holen respektive ein weiteres Kreuz auf dem Wahlzettel zu ergattern. Ich bin auf die nächste Sekundenlösung für die großen Probleme der Menschheit gespannt.

Paradies auf Erden

So habe ich mir schon immer das Paradies vorgestellt, den Garten Eden. Und jetzt wird es Wirklichkeit. Die Anfänge waren ja schon gemacht. Will ich wirklich wissen, wie das Leben da draußen ist, so schalte ich das TV-Gerät ein und schaue mir Dokusoaps an. Wo Menschen auswandern, abnehmen, Gesangsstar oder Model werden, kochen oder einfach schlimme Worte sagen und Bier saufen. Oder auch Autoquartett spielen.

 Was immer schon gestört hat, das waren die Einkäufe. Zumindest als es noch kein Amazon und auch kein Zalando gab. Doch inzwischen ist ja auch das Schnee von gestern. Man kann sich vom Sofa aus alles zum Anziehen, Arznei und andere lebenswichtige Sachen wie Handys, Blue-ray-Player oder lebensechte Spielgefährtinnen kaufen. Und nachdem Pizza ins Haus geliefert wird, muss man derzeit nur noch für Bier, Tiefkühlkost und Chips vor die Haustür.

Doch jetzt endlich wird auch damit Schluss sein. Amazon macht das Glück perfekt. Zwar vorläufig nur in Berlin, aber weitere Städte werden folgen. Es wird nicht lange dauern, da kann ganz Deutschland den kompletten Wocheneinkauf vom Sofa aus machen, an der Haustür auf die Lebensmittel warten. Weshalb dann nicht nur Speditionen und Paketdienste jubeln werden, sondern auch der Arzt oder Apotheker. Und natürlich Herr Dobrindt und die gesamte Autoindustrie. Denn wenn niemand mehr vor die Haustür geht, ist das Problem mit dem Feinstaub auch gelöst.