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Feinstaub

Ein Riesenthema. Ganze Innenstädte werden abgesperrt. Hunderttausende Arbeitsplätze sind gefährdet. Ein ganzer Industriezweig droht zu implodieren. Wegen Feinstaub. Und jetzt auch noch Silvester. Das wird dem Diesel und den Innenstädten den Rest geben. Ganz zu schweigen von den Autokonzernen. 4.500 Tonnen hat uns Silvester 2017 beschert. Zwar entspricht das gerade mal 2,25 Prozent aller Feinstaub-Emissionen PM10 und 15,5 Prozent der Feinstaubmenge, die der Straßenverkehr verursacht. Aber jetzt will die Umwelt-Guerilla uns Männern auch noch dieses Vergnügen madig machen.

Dabei wäre es so einfach, die Gesundheitsgefährdung zu minimieren. Schließlich bekommt man am wenigsten Feinstaub ab, wenn man in einem Auto sitzt. Dafür sorgen die Filter in der Klimaanlage. Braucht man also nur das Feuerwerk vom Auto aus zünden und anschauen. Wenn man dabei den Motor ausmacht, wird vielleicht sogar der Gesamtausstoß an Feinstaub reduziert. Und wir Männer, die seit Jahrzehnten nicht mehr in den Krieg ziehen durften, können trotzdem noch ein bisschen Spaß haben und ein paar Leute abschießen. Die Klinikärzte werden es uns danken.

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Hemmungslos

Bei AfD, dem rechten Rand der sogenannten Mitte und bei manchen frühlingsgelben Liberalen gab es wohl enttäuschte Mienen. Zwar gab es zur großen Freude von Polizeigewerkschafter Rainer Wendt, der es so endlich mal wieder ins Fernsehen und in die Zeitungen schaffte, Gewalt an Silvester auf Deutschlands Straßen und Plätzen.

Aber in diesem Jahr war sie bedauernswerterweise nicht Männern mit nordafrikanischen Merkmalen zuzuschreiben, wie noch vor zwei Jahren und insbesondere rund um den Kölner Bahnhof. Also ein eher trauriger Neujahrstag für manche Politiker, wäre dieser doch bestens und angesichts bevorstehender Sondierungsgespräche geeignet gewesen, das Thema „Flüchtlingsbegrenzung“ medienwirksam auf die Agenda für 2018 zu setzen.

Und es waren auch nicht vorrangig Frauen Angriffen ausgesetzt. Das offensichtlich zunehmend anarchistisch fühlende Feiervolk hatte sich in erster Linie auf Polizei-, Feuerwehr- und Rettungskräfte eingeschossen. Im wahrsten Sinne des Wortes oft auch mit Raketen und Böllern. Was allerdings noch nicht einmal dazu taugte, an die Bilder vom G-20-Gipfel zu erinnern, da diese Straftaten leider auch nicht eindeutig respektive uneingeschränkt linken Chaoten zur Last gelegt werden konnten.

So konnten zwar wenigstens die üblichen Forderungen nach härteren Strafen erhoben werden, weitergehender politischer Nutzen ergab sich jedoch nicht. Sieht man einmal von der Erkenntnis ab, dass sich nicht nur der Finanzmarkt immer enthemmter zeigt. Offensichtlich tendieren auch ganz normale Bürger in Leipzig, Berlin oder München immer mehr und am liebsten auf den Straßen alle Hemmungen fallen zu lassen. Was vielleicht ein Hinweis darauf sein könnte, dass es in Deutschlands Schlafzimmern immer prüder zugeht.

   

Der Tag danach

Bin aufgewacht. Und es war dasselbe Kopfkissen, wie vergangenes Jahr. Und was hatte ich nicht für Vorsätze, Erwartungen, Wünsche und Träume, als sich der Uhrzeiger gestern auf seinen letzten Zentimetern befand, also kurz bevor das Böllern und Krachen und die damit verbundenen Feuerwerke begannen. Aber jetzt muss ich feststellen, dass kein einziger der Politikerinnen und Politiker und Staatsführerinnen und Staatsführer, die auf meiner Liste standen, zurückgetreten ist oder sonst irgendwie aus dem Verkehr gezogen wurde. Nicht wenige von ihnen sind ja schließlich auch nicht mehr die Jüngsten.

Doch wer starb, das war ein noch relativ junger Mann in Brandenburg, der sich vermutlich selber einen Böller gebastelt hatte, der unvorhergesehen explodierte. Weshalb jetzt vermutlich von Herrn Lindner und Co. gefordert wird, das Alter von Männern feststellen zu lassen, die in der Lage sind, Böller zu bauen. Was natürlich nicht die Wahrscheinlichkeit verringert, dass jemand durch solch einen Böller zu Tode kommt. Aber zumindest weiß man im Vorhinein, welche Altersgruppe vermutlich in Frage kommt.

Und weil #metoo immer noch und insgeheim und insbesondere von Männer belächelt wird, weil es außerdem noch Strom von Kohlekraftwerken gibt und das Auto unser Götze geblieben ist; zwar alle wissen, dass Trump ein Trottel ist, weil er den Klimawandel leugnet, aber niemand was tut; weil Menschen immer noch glauben, die besseren Menschen zu sein; Natur dazu da wäre, Urlaub abwechslungsreicher zu gestalten, und dass vor allem Fleisch die Intelligenz fördert.

Weil so ein kleines Atombömbchen hingegen schon nicht so schlimm ist, auf jeden Fall nicht so schlimm wie der Islam; und außerdem die israelische Siedlungspolitik zur deutschen Leitkultur gehört, weil alles andere Antisemitismus ist; Konzerne und andere Abzocker hingegen nur da Steuern zahlen, wo sie eigentlich keine Steuern zahlen müssen; deshalb wird das neue Jahr wohl genauso beschissen sein wie das alte. Ich gebe trotzdem die Hoffnung nicht auf.

Vertane Chance

Schade, dass er nicht ganz einfach und explizit gesagt hat, dass er für sich keine allzu große Chance sieht als Kanzlerkandidat. Auch weil ihm der Rückhalt in der Partei fehlt. Dass er es wohl durch sein bisheriges Auftreten und Agieren vergeigt hat. Und es deshalb lieber jemand anderes versuchen lässt.

Hätte ja nicht unbedingt mit genau diesen Worten sein müssen. Aber klar und deutlich hätte es sein können. Das hätte für einen Augenblick ein Moment von menschlicher Größe in die Politik gebracht. Ein Glitzern, das nicht einem künstlichen Feuerwerk geschuldet gewesen wäre. Aber ich bin wohl ein allzu postfaktischer Träumer.

Stress zum Jahresende

Es ist zu laut. Zu viel Stress. Und dann auch noch diese Unsicherheit und Angst wegen des Terrors. Oder auch wegen der Eurokrise. Und, und, und. Man könnte wirklich meinen, wir lebten noch im Mittelalter. Als zum Beispiel Kutschen auf dem Kopfsteinpflaster mehr Lärm machten als heutzutage ein Lastwagen. In Büros ein Lärmpegel herrschte, der heutige Arbeitsstätten dieser Art fast klösterlich erscheinen lassen. Vor allem Kriege, Krankheiten oder Hunger Alltag waren. Alles andere war die Ausnahme.

Während Stressforscher heutzutage bemängeln, dass der Großteil der Menschen in unserer Hemisphäre total untertrainiert wäre, was Stress betrifft. Weil das, was sie als Stress bezeichnen würden, für den Menschen eigentlich keine wirkliche Herausforderung wäre. Die, so könnte ich mir vorstellen, eben vor allem nur darin besteht, dass man zum Beispiel an einem 29. Dezember unbedingt morgens um 7.00 Uhr vor einem Supermarkt stehen muss, weil man sonst nicht das Feuerwerk bekommt, mit dem an Silvester um Mitternacht endlich einmal so viel Lärm gemacht werden soll, dass mancher Nachbar wirklich einen Grund hat, sich wegen Lärms zu echauffieren.

Als die Dampflokomotiven aufkamen, gab es Überlegungen, Frauen die Mitfahrt zu verbieten. Weil man Befürchtungen hatte, dass diese durch die Beschleunigung ihres Uterus verlustig gehen könnten. Wie wir inzwischen wissen, hat sich das als unbegründet erwiesen. Die Technik hat im Gegenteil für viele Annehmlichkeiten gesorgt. Und wenn man sich einmal in Erinnerung ruft, wie viele technische Unterstützung und Dienstleistungen unseren Generationen zur Verfügung stehen, dann muss man sich fragen, welchen Stress dann wohl Menschen gehabt haben müssen, die ohne Lieferservice, Fertiggerichte oder Ratgeber für alle Lebenslagen auskommen mussten.

Um es mit einfachen Worten zu sagen: Wir leben zum Großteil wie die Maden im Speck. Dass sich immer mehr Menschen über die Lautstärke spielender Kinder aufregen, das liegt vor allem daran, dass der allgemeine Lärmpegel gesunken ist. Ich sage nur „Flüsterasphalt“. Und wir leben in einer Welt, in der vieles mit einer Fingerbewegung erledigt werden kann. Dass wir trotzdem immer weniger Zeit haben, das könnte vielleicht daran liegen, dass wir stundenlang auf Smartphones starren. Vielleicht sollten wir uns eher einmal über die Bedeutung des Wortes Larmoyanz Gedanken machen. Denn die Wahrheit ist, dass wir zwar auf hohem Niveau jammern können. Ansonsten aber nicht mehr allzu viel auszuhalten scheinen.