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Kunst – neu gedacht

Nein, das wird jetzt kein Plädoyer für übergriffige Männer, die ihre Hormone nicht im Griff haben. Noch weniger für jene, die den Unterschied nicht kennen zwischen Flirt und sexueller Belästigung. Und es muss wohl erst gar nicht erwähnt werden, dass ich auch kein Herz für Vergewaltiger habe. Für die habe ich nur Verachtung. Und nachdem das jetzt geklärt ist, kommen wir zum Thema.

Da wäre zum Beispiel Regisseur Woody Allen. Nachdem er 1992 des Kindesmissbrauchs verdächtigt wurde, gab es Forderungen, seine Filme zu boykottieren. Jüngeres Beispiel Schauspieler Kevin Spacey. Der aus einer Serie rausgeschnitten wurde. Weil ihm vorgeworfen worden war, einen Jungen sexuell belästigt zu haben. Und momentan sein Kollege Matt Damon, der die Schweinereien von Produzent Harvey Weinstein gedeckt haben soll. Mit einer Petition wird nun gefordert, auch ihn aus dem demnächst anlaufenden Film „Ocean’s 8“ raus zu schneiden.

Und das Feld wird gerade wesentlich erweitert. Jetzt werden Ausstellungen von Fotografen abgesagt, die Aufnahmen eines Dirigenten in Frage gestellt, Bilder in Museen abgehängt. Wegen sexistischer Inhalte, weil gegenüber dem Künstler der Vorwurf der sexuellen Belästigung erhoben wird, der Vergewaltigung. Es werden also in der Kunst ganz neue moralische Anforderungen gestellt. Ist der Urheber nicht moralisch integer, kann man auch sein Werk nicht akzeptieren. So lautet die Botschaft dahinter.

Aber dabei scheint man eines zu vergessen. Denn schließlich ist der ganz überwiegende Teil derer, die es seit der Antike in der Welt der Künste zu etwas gebracht haben, sei es in der Malerei oder Bildhauerei, in der Literatur oder dem Theater, männlich. Und sieht man genauer hin, dann hat sich ein nicht geringer Teil nun wirklich nicht besonders nett verhalten. Waren also eher ziemliche Mistkerle. Und natürlich vor allem Frauen gegenüber. Wollte man jetzt deswegen ihre Werke verbannen, unsere Museen, Bühnen, Buchregale oder Kinos würden ziemlich leer sein. Und ich müsste meinen Picasso abhängen.

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Öffentliche Debatte

Es tut mir herzlich leid, aber darüber muss jetzt unbedingt noch einmal gesprochen werden. Richtig, es geht um „#metoo“. Richtiger gesagt, um das, was jetzt alles gesagt wird. Um das Unverständnis darüber, dass ein britischer Minister zurückgetreten ist, weil er seine Hand auf das Knie einer Reporterin gelegt hat. Was Männer zu dem besorgten Kommentar ermutigt, ob den jetzt Flirten ganz verboten wäre. Und selbst manche Frauen finden „das“ jetzt alles ein bisschen übertrieben. Weil doch heutzutage eine „Frau“ ja durchaus in der Lage wäre, im Fall des Falles selber resolut Einhalt zu gebieten.

Aber vielleicht war die Hand des Ministers ja noch irgendwo anders. Bei einer anderen Gelegenheit. Und der Rücktritt Prophylaxe. Und vielleicht können ja manche Frauen gar nicht resolut sein, weil man es ihnen nie beigebracht hat. Weil man ihnen das dazu notwendige Selbstvertrauen nicht mit auf den Weg gegeben hat. Nun einmal ganz davon zu schweigen, dass „Mann“ ja durchaus Manns genug sein könnte, einfach zu fragen, wohin er seine Hand legen darf. Wenn die Lage nicht ganz eindeutig ist.

Dieses absurde Geflöte quer durch die Geschlechter, ob jetzt überhaupt noch Beziehungen zwischen Frau und Mann möglich wären, ist jedenfalls nur der Versuch, den Schauplatz zu wechseln. Denn ja, es gibt fromme Lämmchen, die keiner Seele respektive Frau etwas zu Leide tun. Aber es gibt leider sehr viele Männer, die immer noch wie ihrer Urväter denken. Frau also dem Manne untertan und gefügig zu sein habe: Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt! Und so lange es solche Männer gibt, müssen sich die anderen Männer fragen lassen, was sie dagegen zu tun gedenken. Und nicht Besorgnis mimen, weil jetzt die schönste Sache der Welt nur noch ein Minenfeld wäre. Das ist Heuchelei. Und so, als würde man die Hand auf das Knie einer wildfremden Frau legen.