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Stumme Frage

Manchmal macht Internet Sinn. So bin ich auf eine Organisation gestoßen, die sich im Nordirak um traumatisierte Menschen kümmert, versucht, insbesondere Frauen und Kindern in Trauma-Zentren zu helfen. Jedenfalls bin ich durch die Internetseite dann auch auf einen Zeitungsartikel respektive ein Interview gestoßen, in dem mich ein Satz ganz besonders stumm gemacht hat.

Da berichtet nämlich ein Trauma-Therapeut von einem kleinen Jungen, „der neun Monate nicht mehr gesprochen hatte, nachdem seine Mutter, die ihn an der Hand hielt, erschossen worden war“. Und damit ich nicht so schnell wieder das Plappern anfange, kam dann heute wieder einmal die Meldung von einem Amoklauf in einer Schule im US-amerikanischen Florida, bei dem 17 Menschen ermordet wurden.

Vielleicht liegt es an meinem schlichten Gemüt, vielleicht bin ich einfach nicht intelligent genug. Nicht empathisch genug? Jedenfalls habe ich nur eine ganz leise Ahnung, was es Menschen ermöglicht, solche Grausamkeiten zu begehen. Natürlich habe ich ein paar vage Theorien. Wie jene, dass vermutlich auch ich dazu in der Lage wäre. Ich möchte wissen, was andere Menschen darüber denken. Vielleicht erfahre ich es auf diesem Wege. Ich will nicht stumm bleiben.

 

Erfolge

Offensichtlich haben sich die Zeiten doch ein bisschen geändert. Während der Eine immer noch Kundgebungen abhalten muss, bei denen er der Presse und den Medien allgemein vorwirft, sie würden eine „falsche Geschichte nach der anderen veröffentlichen“, außerdem sagt, dass sie „Teil des korrupten Systems“ seien, der „Feind des amerikanischen Volkes“ wären, hatte der Andere schon am fünften Tag nach der Machtübernahme die Gleichschaltung der Presse in die Hand genommen.

Vollzug konnte schon elf Monate später vermeldet werden. Nach dem in Kraft treten des sogenannten Schriftleitergesetzes wurde nur noch gedruckt, was vorher von einem eigens ins Leben gerufenem Ministerium genehmigt worden war. Wer trotzdem etwas anderes schrieb, landete in Konzentrationslagern. Bis dahin ist für den Präsidenten, der nach eigener Aussage in den ersten vier Wochen seiner Amtszeit wohl erfolgreicher war als alle seine Vorgänger, noch ein weiter Weg.

Frohe Ostern

Wohl dem, der einen Freund hat, der gerade aus Vietnam nach Deutschland gekommen ist. Und die Frage stellt, was denn eigentlich Ostern sei. Als erstes fällt einem natürlich ein, dass das dieses Wochenende ist, an dem man stundenlang gefärbte Eier aus zum Teil natürlichem Material und andere Süßigkeiten versteckt, die dann zu einem nicht geringen Teil das Schicksal von einzelnen Socken teilen. Sie werden nie wieder gefunden. Dafür finden sich auf den Tischen an diesem Wochenende zu verschiedenen Gelegenheiten Speisen, für die Lämmer sterben mussten und andere Tiere, für vieles war aber auch nur Zucker, Mehl und noch ein paar andere Zutaten nötig.

In erster Linie ist aber Ostern ja eine günstige Gelegenheit, um endlich mal wieder ein paar Tage auszuspannen, also um nach Florida zu fliegen oder zumindest in die Berge zum Skifahren zu fahren oder, wenn es gar nicht anders geht, auch mal wieder Verwandtschaft zu besuchen, auf dem Weg zu einem Erlebnisbad, das einem noch länger in Erinnerung bleiben wird, weil man mit einem Fußpilz nach Hause kommt. Aber natürlich ist Ostern auch das Wochenende, an dem manche Menschen in immer kleiner werdenden Gruppen auf die Straße gehen, um für den Frieden zu demonstrieren. Was aber kaum noch jemand beachtet, denn Gott sei Dank findet der Krieg ja woanders statt.

Dass Ostern aber auch noch eine andere Bedeutung haben könnte, darauf verweist eigentlich nur das Fernsehprogramm. Denn es werden zumindest am Morgen erstaunlich viele Gottesdienste übertragen und der Papst sagt irgendetwas von „urbi et orbi“ und Bischof Marx und ein Herr Bedford-Strohm kommen in auch in den Abendnachrichten kurz zu Wort. Das bezieht sich aber nur auf öffentlich-rechtliche TV-Sender, alle anderen bringen das übliche Programm von „Bauer sucht Frau – das große Wiedersehen“ bis „Crocodile Dundee – Ein Krokodil zum Küssen“. Am ehesten könnte noch „Gladiator“ einen Bezug zum Osterfest darstellen.

Aber zum Glück gibt es Suchmaschinen im Internet. Dort heißt es, dass an Ostern Jesus von den Toten auferstanden sei, nachdem er am Karfreitag auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt worden wäre. Und sich Christen an diesem Wochenende daran erinnern würden. Woraufhin ich einen Nachbarn gefragt habe, der mir antwortete, dass er davon nichts wüsste, denn er sei erst vor zwei Jahren aus Sachsen hierher gezogen. Aber dafür wüsste er ganz genau, dass Islamisten den Leuten die Hände abhacken und deutsche Frauen vergewaltigen. Mein vietnamesischer Freund hat daraufhin beschlossen, sich selber zu informieren, was es mit Ostern auf sich hat. Mir fiel dann noch die Zeitumstellung ein.

Endlich Sommer

Die Presse hat es ebenso tot geschwiegen wie die offiziellen, staatlichen Stellen. Nicht einmal das Internet, dieser hochsensible Seismograph für kleinste Erschütterungen, hat es registriert. Und es ist nur meinen freundschaftlichen Beziehungen zu dem Nachtwächter einer schottischen Whisky-Destillerie zu verdanken, dass ich an diese Information gekommen bin. Die selbst bei vorsichtiger Einschätzung nur als eine Sensation bezeichnet werden kann. Eine Sensation, deren Folgen noch nicht ganz absehbar aber schon ganz deutlich zu spüren sind.

Ihr ist zum Beispiel die Weiterführung der Verhandlungen zwischen EU und Griechenland geschuldet. Die nämlich nichts anderes ist als eine Notlösung. In Wirklichkeit geht es bei diesen Verhandlungen also gar nicht mehr um Überbrückungs-Kredite sondern einfach nur darum, diese heikle Situation zu überbrücken. Und das gleiche gilt für die noch ausstehende Einigung im Iran-Atom-Konflikt. Die Verhandlungen sollten ja eigentlich auch schon beendet sein, müssen jetzt aber weitergehen, damit in den beiden kommenden Sommermonaten nicht alles zusammenbricht. Als weitere Notprogramme sind übrigens Lokführer-, Flugbegleiter- und Poststreik im Gespräch.

Auf jeden Fall lässt sich sicher mit diesen Problemfeldern die Lücke einigermaßen füllen, sodass nicht befürchtet werden muss, dass größerer Schaden entsteht. Und im September ist dann ja sowieso alles überstanden. Leider hat mir mein schottischer Gewährsmann nicht sagen können, wie es zu dieser Beinahe-Katastrophe kommen konnte. Gesichert ist jedenfalls die Erkenntnis, dass das Ungeheuer von Loch Ness auch in den folgenden Jahren nicht zur Verfügung stehen wird, um das alljährliche Sommerloch zu füllen. Gerüchten zufolge soll es einen Alterswohnsitz in Florida bezogen haben.