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Last Minute

Ob das der ultimative Trend ist. Nicht nur die Flüge Last Minute buchen, sondern auch die großen Probleme erst in aller letzter Minute angehen? Vielleicht doch erst in Verhandlungen einwilligen, wenn die Atombombe schon unterwegs ist? Es hat natürlich seinen Reiz. Und diese Welt lebt ganz offensichtlich am liebsten im Reizzustand. Es wird der letzte Kick gesucht, denn Langeweile hat man ja schon bis zum Abwinken. Das fängt schon beim Urlaub an und setzt sich in Beziehungen fort. Die werden inzwischen auch nur noch mit einem so einzigartigen Event legalisiert, das die Beteiligten schon vorher vor Erschöpfung zusammenbrechen lässt.

So richtig prickeln tut Last Minute allerdings, wenn es um Entscheidungen in der Politik geht. Ist ja gut und schön, dass man schon vor Jahren wusste, wie problematisch das mit den Flüchtlingen werden wird. Aber liebe warten, bis die Situation so aussichtslos ist, dass auf einmal und ganz überraschend alles auf Messers Schneide steht. Eine Regierung zur Debatte steht. Mit ihr vielleicht auch eine EU. Und damit natürlich auch der Euro. Wir also alle Chancen haben, uns gemächlich zurück in die Steinzeit zu bewegen. Mit bester Aussicht auf die Idylle, die diese Epoche so sehr auszeichnete.

Und ausnahmsweise geht es mir mal nicht um Schwarzmalerei. Es ist vor allem die Dramaturgie, die mich fasziniert. Da bewegt sich die Politik über Jahre und Jahrzehnte in bester Manier wie Schnecken, sprich, man zieht sich ins Schneckenhaus zurück, wenn die sensiblen Fühler auf ein Problem stoßen. Und wenn wir dann irgendwann alle zusammen über die Autobahn kriechen, da schießt uns das Adrenalin dermaßen in die Blutbahnen, dass wir nur noch gebannt und fasziniert auf die heranbrausenden LKWs starren können. Dass es eine Brücke über die Autobahn gegeben hätte, das hat niemand interessiert. Aber vielleicht können die LKWs ja doch noch bremsen. Oder einer schießt ein Tor.

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Familien-Streit

In der Berlin beschäftigen sich die sogenannten Schwesterparteien gerade intensiv mit der Frage, wer, wo und wann von den Flüchtlingen an welcher Grenze zurückgewiesen werden kann, sollte oder muss. Und riskieren damit eine schwere Regierungskrise, vielleicht sogar ein Ende der GroKo. Was vor allem wieder einmal beweist, dass der größte Feind aus der Familie kommt. Unzählige Frauen könnten ein Lied davon singen, wenn sie nicht eine aufgeplatzte Lippe und vielleicht auch noch einen ausgerenkten Kiefer hätten.

Und da wird wieder einmal und natürlich in der bayerischen Landesmetropole, also in der Heimat und Hauptstadt einer der beiden Schwesterparteien der Beweis geliefert, wo in dieser Bundesrepublik von jeher die Lösungen für die richtig großen und elementaren Probleme gefunden werden.

Dort in München hat man nämlich an einem der S-Bahnhöfe die Arbeiten an einer beheizbaren Treppe erfolgreich abgeschlossen. Das heißt, dass endlich U-Bahn-Benutzer auch im Winter barfuß zu ihrem Bahnsteig gelangen können, ohne deswegen eine Erkältung zu riskieren. Dass in München die SPD den Bürgermeister stellt, ist dabei nicht von Belang. Der hat wahrscheinlich auch ein Kreuz im Foyer hängen. Das ist das Entscheidende.

Geniale Lösung

Also, wenn das mal keine Überraschung ist. Ich dachte ja eigentlich, dass sie sich in Berlin sagen, „wir machen durch bis morgen Früh und singen bums fallera“, und erst am unsinnigen Donnerstag mit ihrem Koalitionspapier herausrücken. Weil da wahrscheinlich eh‘ kaum jemand in der Lage wäre, es zu lesen. Geschweige denn, es zu verstehen. Aber nein. Kommen sie jetzt doch noch heute, quasi in allerletzter Sekunde und mit einem Geniestreich um die Ecke, um nicht zu sagen, aus ihrer Reha-Klinik. Dort dauert die Behandlung ja auch oft länger, als zuerst einmal angenommen.

Man hat es zwar noch nicht Schwarz auf Weiß gelesen, geschweige denn in den angeblich sozialen Medien bestätigt bekommen. Aber es ist zumindest schon was durchgesickert. Dass nämlich Martin Schulz Außenminister wird. Und Horst Seehofer Innenminister. Was im Klartext bedeuten würde, dass der SPD-Vorsitzende nicht mehr SPD-Vorsitzender wäre. Was ihm die Basis danken wird. Und dass Horst Seehofer seinen Lebenstraum verwirklichen und die einströmenden Flüchtlinge einzeln zählen könnte. Da wäre die Obergrenze also auch sicher. Und der Söder glücklich. Einfach genial.  

Erfolgsrezept

Das Leben kann so einfach sein. Zumindest wenn man Ungar ist. Der Europäische Gerichtshof hat die Klagen von Ungarn und der Slowakei gegen die Quotenregelung für eine Aufnahme von Flüchtlingen der EU abgewiesen. Was im Umkehrschluss bedeuten würde, dass jetzt Ungarn und die Slowakei, so wie von der Mehrzahl der europäischen Regierungen beschlossen, Flüchtlinge nach dem festgelegten Schlüssel aufnehmen müssen. Ungarns Ministerpräsident Orban sagte nun sinngemäß, dass sein Land die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs durchaus zur Kenntnis nehme.

Aber auch nicht mal im Entferntesten daran denke, jetzt deswegen einen einzigen Flüchtling aufzunehmen. Sollte die EU nun ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn in die Wege leiten, wie es für solche Fälle vorgesehen ist, wird Herr Orban das Ergebnis wohl sicher auch wieder zur Kenntnis nehmen. Aber wohl nicht im Entferntesten daran denken, eventuelle Strafgelder zu zahlen. Weshalb ich mir vorgenommen habe, beim nächsten Steuerbescheid wohl am besten auf Herrn Orban zu verweisen und auf die Tatsache, dass ein Urahn väterlicherseits in Ungarn geboren ist.

 

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Mutige Menschen gesucht

Sicher haben es schon ein paar Leute gemerkt. Im September geht es nicht nur darum, die Populisten in Zaum und am besten auch gleich noch Flüchtlinge hinter einem Zaun zu halten. Noch nicht einmal die Frage, ob nun Schwarz-Gelb-Grün oder Rot-Rot-Gelb oder Khaki-Schwarz-Violett die Lösung für die nächsten vier Jahre ist, ist von besonderer Bedeutung. Viel interessanter ist die Frage, ob überhaupt jemand für die Regierungsverantwortung zur Verfügung steht, die oder der den Mut hat, unerquickliche aber unbedingt notwendige Schritte anzugehen.

Denn die Gefahr, das sind nicht der Feinstaub, nicht die Flüchtlinge, nicht die Banken, nicht die AfD – und auch nicht die Ehe für alle. Die größte Gefahr, das ist das Nichtstun. Denn es gäbe viel zu tun. Eigentlich schon seit Jahren. Aber bisher wird nur getönt. Am liebsten darüber, was man schon alles getan hat. Und in einem Punkt stimmt es ja auch. Die Energiewende, hin zu den erneuerbaren Energien, das war schon mal was. Nämlich ein erster Schritt. Der zweite Schritt aber war der in die Stagnation. Was dann kam, das war Kosmetik.

In den vergangenen zehn Jahren ist nämlich vor allem eins passiert: Sämtliche Ziele wurden verfehlt. Und es wurde nicht nur knapp vorbeigeschossen. Weshalb jetzt vielleicht ein günstiger Zeitpunkt wäre, noch einmal darüber nachzudenken, was man will. Darauf hoffen, dass es noch so lange gut geht, bis man unter der Erde ist? Auf ein Wunder warten? Darauf, dass sich unsere Kinder schon irgendwie aus der Bredouille ziehen werden? Es die Natur oder der Papst schon richten werden? Oder vielleicht die CSU?

Um es klipp und klar zu sagen: In meinen Augen ist das keine Schicksalswahl. Aber immerhin haben wir noch eine Wahl. Zumindest, wenn sich jemand findet, der nicht mit Almosen und Schlagwörtern um sich wirft. Sondern klipp und klar sagt, dass es wohl erst einmal ziemlich unangenehm werden wird. Vielleicht sogar das Recht auf einen SUV auf der Kippe steht. Und auch der Wochenend-Kurz-Trip in die USA. Ganz zu schweigen vom Kilo Hackfleisch für 2,99 €. Die anderthalb Liter Cola für 49 Cent. Also jemand, der Dinge tut, die wahrscheinlich erst einmal weh tun. Aber die Chance mit sich bringen, dass wir noch eine Chance haben. Falls es also so jemand gibt, dann möge er sich doch bitte bald melden. Am 24. September ist es zu spät.

Worüber niemand spricht

Ich hatte es schon lange vermutet. Bisher aber noch keine Beweise. Doch jetzt habe ich ein Interview  gesehen. Und was da zur Sprache kam, hat meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt, was den Zustand unserer Republik betrifft. Vor allem, weil es aus berufenem Mund kam. Nämlich dem eines Anhängers des aktuellen US-amerikanischen Präsidenten. Er sagte, annähernd wortgetreu übersetzt: „Ihr Deutschen werdet vergewaltigt von den Flüchtlingen. Und Merkel guckt einfach zu. Die Flüchtlinge haben aus Deutschland ein Dritte-Welt-Land gemacht. Afrikaner waschen sich in euren Springbrunnen. Euren heiligen Springbrunnen in Bayern, Schwaben, in Österreich… Ich sag’s knallhart: Ihr bettelt andauernd bei den USA. Ihr winselt um unser Essen, unsere Unterstützung, unsere Hilfe. Ich habe keinen Bock mehr, für euch zu zahlen.“

Einmal davon abgesehen, dass der Mann die belgischen Springbrunnen nicht erwähnt hat, kann man davon ausgehen, dass seine Informationen absolut korrekt sind. Weil sie höchstwahrscheinlich auf den Mitteilungen des Präsidenten auf Twitter basieren. Die genauso höchstwahrscheinlich hierzulande nur in einer zensierten Version zu lesen sind. Eine Frage bleibt allerdings offen. Nämlich, wo sich die Afrikaner jetzt in den Wintermonaten gewaschen haben. Da waren unsere heiligen Brunnen doch abgeschaltet. Auf jeden Fall ziehe ich jetzt los, um mir bei McDonalds einen Big-Mac zu erbetteln. Oder ich gehe zu Starbucks. Vielleicht schenken sie mir wenigstens einen Kaffee.

Ungarisches Modell

Ich verstehe die Aufregung nicht. Es ist doch nur logisch, dass Ungarns Orbán, ein Vollblut-Demokrat, jetzt mal Nägel mit Köpfen machen will. Und deshalb doch das Volk entscheiden soll, ob Ungarn zu einem gigantischen Flüchtlingslager wird. 1.300 Flüchtlinge soll laut der von der EU beschlossenen Quote Ungarn aufnehmen. Dabei ist das Boot in Ungarn eigentlich schon voll. Hat man doch bereits in den letzten Jahren mehr als 3.600  Heimatsuchende aufgenommen, mit ihren Familien, Frauen und Kindern. Dass diese jeweils 360.000  € dafür gezahlt haben, zeigt einmal mehr, wie fragwürdig die entgegen kommende Flüchtlingspolitik von Angela Merkel mit ihrer kostenlosen Willkommenskultur ist.

Legt man nur die jüngst korrigierten Zahlen zugrunde, so hätte die BRD mit dem Flüchtlingsstrom im vergangenen Jahr nach dem ungarischen Modell mehr als  2.880.000.000.000 € einnehmen können. Da wäre doch Schäubles schwarze Null so richtig nachtschwarz geworden. Anstatt dass man jetzt in Bayern jeden Monat für jeden unbegleiteten jugendlichen Flüchtling über 6.000 € hinblättert. Wie der Söder gerade gesagt hat. Darüber sollte man einmal nachdenken, bevor man Orbán jetzt wegen seines Referendums kritisiert.