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Heiße Kartoffel

Er scheint mit seiner Sichtweise nicht mehr das Maß aller Dinge zu sein. Vielmehr ist die Sicht auf ihn in einer Verfassung, dass er eher ungeeignet erscheint, die Verfassung eines Landes zu schützen. Vielmehr gibt es nicht wenige Hinweise darauf, dass er mit einer Partei liebäugelt, die die Nürnberger Gesetze für eine Marginalie der deutschen Geschichte hält.

So kann es nicht verwundern, dass es im Bereich des Möglichen ist, dass er von der Kanzlerin wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wird. Ob dann allerdings der Horst ihrem Beispiel folgt, das steht in den Sternen und wird wohl am ehesten von der Tatsache reguliert, dass am 14. Oktober Wahlen in Bayern sind. Wo man jetzt alles braucht, aber keine Turbulenzen in Berlin. Weshalb man sich lieber und nach wie vor auf die geliebten Flüchtlinge konzentriert, die Mutter allen Übels.

Weshalb es nicht wundern würde, wenn sie, die Flüchtlinge, daran schuld wären, dass nicht wenige Erstklässler in Deutschland erst einmal nach Gehör schreiben lernen. Um dann in der dritten oder spätestens in der vierten Klasse der Grundschule überrascht festzustellen, dass es im Alphabet auch ein „V“ gibt. Zum Glück singen die Fögel deshalb nicht weniger schön.

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Flüchtlings-Monopoli

An den Temperaturen kann es nicht liegen. Erstens steigen sie derzeit sogar in Rom nicht über die 30-Grad-Marke. Außerdem ist man dort Hitze gewöhnt und hat sich deshalb schon lange mit den Arbeitszeiten darauf eingestellt. Es muss also einen anderen Grund geben, dass Italiens 5-Sterne-Regierung der EU droht, die Beitragszahlungen einzustellen, wenn nicht bis zum gesetzten Termin eine Lösung für die 150 Flüchtlinge gefunden wird, die auf dem italienischen Schiff „Diciotti“ im Hafen von Catania festgesetzt wurden. Und auf jeden Fall darin bestehen soll, dass andere EU-Länder die Flüchtlinge übernehmen. Also so eine Art Flüchtlings-Monopoli gespielt wird.

Vielleicht hat ja der Vorsitzende der 5-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio, von dem diese klare Ansage stammt, mit dem US-Präsidenten telefoniert. Der weiß nämlich, wie Erpressung geht. Siehe Iran. Was er sich seinerseits möglicherweise von der New Yorker Mafia abgeschaut hat. Auf jeden Fall findet dessen Einsicht, dass Verbündete oft die wahren Feinde sind, immer mehr Anhänger in der EU. Was die Europäische Union immer mehr zu einem Geschäftsmodell macht, das dem von Investoren gleicht: Sparten, die nicht kostendeckend arbeiten, werden abgestoßen.

Man sollte sich also so langsam von der Idee befreien, dass dieses angeblich vereinte Europa etwas anderes zusammenhält als wirtschaftliche und politische Interessen. Die ihrerseits mehr und mehr von nationalistischen Tendenzen geprägt sind. Doch heißt es nicht, dass ein Ende mit Schrecken besser sei als ein Schrecken ohne Ende sei? Warum also nicht noch einmal mit einer Europäischen Union von vorne anfangen. Jetzt weiß man ja einigermaßen, wie es nicht so gut oder gar nicht funktioniert. Und Italien könnte mit seinen eingesparten EU-Beitragszahlungen die Häfen zu Bollwerken gegen Flüchtlingsschiffe ausbauen.

Last Minute

Ob das der ultimative Trend ist. Nicht nur die Flüge Last Minute buchen, sondern auch die großen Probleme erst in aller letzter Minute angehen? Vielleicht doch erst in Verhandlungen einwilligen, wenn die Atombombe schon unterwegs ist? Es hat natürlich seinen Reiz. Und diese Welt lebt ganz offensichtlich am liebsten im Reizzustand. Es wird der letzte Kick gesucht, denn Langeweile hat man ja schon bis zum Abwinken. Das fängt schon beim Urlaub an und setzt sich in Beziehungen fort. Die werden inzwischen auch nur noch mit einem so einzigartigen Event legalisiert, das die Beteiligten schon vorher vor Erschöpfung zusammenbrechen lässt.

So richtig prickeln tut Last Minute allerdings, wenn es um Entscheidungen in der Politik geht. Ist ja gut und schön, dass man schon vor Jahren wusste, wie problematisch das mit den Flüchtlingen werden wird. Aber liebe warten, bis die Situation so aussichtslos ist, dass auf einmal und ganz überraschend alles auf Messers Schneide steht. Eine Regierung zur Debatte steht. Mit ihr vielleicht auch eine EU. Und damit natürlich auch der Euro. Wir also alle Chancen haben, uns gemächlich zurück in die Steinzeit zu bewegen. Mit bester Aussicht auf die Idylle, die diese Epoche so sehr auszeichnete.

Und ausnahmsweise geht es mir mal nicht um Schwarzmalerei. Es ist vor allem die Dramaturgie, die mich fasziniert. Da bewegt sich die Politik über Jahre und Jahrzehnte in bester Manier wie Schnecken, sprich, man zieht sich ins Schneckenhaus zurück, wenn die sensiblen Fühler auf ein Problem stoßen. Und wenn wir dann irgendwann alle zusammen über die Autobahn kriechen, da schießt uns das Adrenalin dermaßen in die Blutbahnen, dass wir nur noch gebannt und fasziniert auf die heranbrausenden LKWs starren können. Dass es eine Brücke über die Autobahn gegeben hätte, das hat niemand interessiert. Aber vielleicht können die LKWs ja doch noch bremsen. Oder einer schießt ein Tor.

Familien-Streit

In der Berlin beschäftigen sich die sogenannten Schwesterparteien gerade intensiv mit der Frage, wer, wo und wann von den Flüchtlingen an welcher Grenze zurückgewiesen werden kann, sollte oder muss. Und riskieren damit eine schwere Regierungskrise, vielleicht sogar ein Ende der GroKo. Was vor allem wieder einmal beweist, dass der größte Feind aus der Familie kommt. Unzählige Frauen könnten ein Lied davon singen, wenn sie nicht eine aufgeplatzte Lippe und vielleicht auch noch einen ausgerenkten Kiefer hätten.

Und da wird wieder einmal und natürlich in der bayerischen Landesmetropole, also in der Heimat und Hauptstadt einer der beiden Schwesterparteien der Beweis geliefert, wo in dieser Bundesrepublik von jeher die Lösungen für die richtig großen und elementaren Probleme gefunden werden.

Dort in München hat man nämlich an einem der S-Bahnhöfe die Arbeiten an einer beheizbaren Treppe erfolgreich abgeschlossen. Das heißt, dass endlich U-Bahn-Benutzer auch im Winter barfuß zu ihrem Bahnsteig gelangen können, ohne deswegen eine Erkältung zu riskieren. Dass in München die SPD den Bürgermeister stellt, ist dabei nicht von Belang. Der hat wahrscheinlich auch ein Kreuz im Foyer hängen. Das ist das Entscheidende.

Geniale Lösung

Also, wenn das mal keine Überraschung ist. Ich dachte ja eigentlich, dass sie sich in Berlin sagen, „wir machen durch bis morgen Früh und singen bums fallera“, und erst am unsinnigen Donnerstag mit ihrem Koalitionspapier herausrücken. Weil da wahrscheinlich eh‘ kaum jemand in der Lage wäre, es zu lesen. Geschweige denn, es zu verstehen. Aber nein. Kommen sie jetzt doch noch heute, quasi in allerletzter Sekunde und mit einem Geniestreich um die Ecke, um nicht zu sagen, aus ihrer Reha-Klinik. Dort dauert die Behandlung ja auch oft länger, als zuerst einmal angenommen.

Man hat es zwar noch nicht Schwarz auf Weiß gelesen, geschweige denn in den angeblich sozialen Medien bestätigt bekommen. Aber es ist zumindest schon was durchgesickert. Dass nämlich Martin Schulz Außenminister wird. Und Horst Seehofer Innenminister. Was im Klartext bedeuten würde, dass der SPD-Vorsitzende nicht mehr SPD-Vorsitzender wäre. Was ihm die Basis danken wird. Und dass Horst Seehofer seinen Lebenstraum verwirklichen und die einströmenden Flüchtlinge einzeln zählen könnte. Da wäre die Obergrenze also auch sicher. Und der Söder glücklich. Einfach genial.  

Erfolgsrezept

Das Leben kann so einfach sein. Zumindest wenn man Ungar ist. Der Europäische Gerichtshof hat die Klagen von Ungarn und der Slowakei gegen die Quotenregelung für eine Aufnahme von Flüchtlingen der EU abgewiesen. Was im Umkehrschluss bedeuten würde, dass jetzt Ungarn und die Slowakei, so wie von der Mehrzahl der europäischen Regierungen beschlossen, Flüchtlinge nach dem festgelegten Schlüssel aufnehmen müssen. Ungarns Ministerpräsident Orban sagte nun sinngemäß, dass sein Land die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs durchaus zur Kenntnis nehme.

Aber auch nicht mal im Entferntesten daran denke, jetzt deswegen einen einzigen Flüchtling aufzunehmen. Sollte die EU nun ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn in die Wege leiten, wie es für solche Fälle vorgesehen ist, wird Herr Orban das Ergebnis wohl sicher auch wieder zur Kenntnis nehmen. Aber wohl nicht im Entferntesten daran denken, eventuelle Strafgelder zu zahlen. Weshalb ich mir vorgenommen habe, beim nächsten Steuerbescheid wohl am besten auf Herrn Orban zu verweisen und auf die Tatsache, dass ein Urahn väterlicherseits in Ungarn geboren ist.

 

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Mutige Menschen gesucht

Sicher haben es schon ein paar Leute gemerkt. Im September geht es nicht nur darum, die Populisten in Zaum und am besten auch gleich noch Flüchtlinge hinter einem Zaun zu halten. Noch nicht einmal die Frage, ob nun Schwarz-Gelb-Grün oder Rot-Rot-Gelb oder Khaki-Schwarz-Violett die Lösung für die nächsten vier Jahre ist, ist von besonderer Bedeutung. Viel interessanter ist die Frage, ob überhaupt jemand für die Regierungsverantwortung zur Verfügung steht, die oder der den Mut hat, unerquickliche aber unbedingt notwendige Schritte anzugehen.

Denn die Gefahr, das sind nicht der Feinstaub, nicht die Flüchtlinge, nicht die Banken, nicht die AfD – und auch nicht die Ehe für alle. Die größte Gefahr, das ist das Nichtstun. Denn es gäbe viel zu tun. Eigentlich schon seit Jahren. Aber bisher wird nur getönt. Am liebsten darüber, was man schon alles getan hat. Und in einem Punkt stimmt es ja auch. Die Energiewende, hin zu den erneuerbaren Energien, das war schon mal was. Nämlich ein erster Schritt. Der zweite Schritt aber war der in die Stagnation. Was dann kam, das war Kosmetik.

In den vergangenen zehn Jahren ist nämlich vor allem eins passiert: Sämtliche Ziele wurden verfehlt. Und es wurde nicht nur knapp vorbeigeschossen. Weshalb jetzt vielleicht ein günstiger Zeitpunkt wäre, noch einmal darüber nachzudenken, was man will. Darauf hoffen, dass es noch so lange gut geht, bis man unter der Erde ist? Auf ein Wunder warten? Darauf, dass sich unsere Kinder schon irgendwie aus der Bredouille ziehen werden? Es die Natur oder der Papst schon richten werden? Oder vielleicht die CSU?

Um es klipp und klar zu sagen: In meinen Augen ist das keine Schicksalswahl. Aber immerhin haben wir noch eine Wahl. Zumindest, wenn sich jemand findet, der nicht mit Almosen und Schlagwörtern um sich wirft. Sondern klipp und klar sagt, dass es wohl erst einmal ziemlich unangenehm werden wird. Vielleicht sogar das Recht auf einen SUV auf der Kippe steht. Und auch der Wochenend-Kurz-Trip in die USA. Ganz zu schweigen vom Kilo Hackfleisch für 2,99 €. Die anderthalb Liter Cola für 49 Cent. Also jemand, der Dinge tut, die wahrscheinlich erst einmal weh tun. Aber die Chance mit sich bringen, dass wir noch eine Chance haben. Falls es also so jemand gibt, dann möge er sich doch bitte bald melden. Am 24. September ist es zu spät.