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Geniale Lösung

Also, wenn das mal keine Überraschung ist. Ich dachte ja eigentlich, dass sie sich in Berlin sagen, „wir machen durch bis morgen Früh und singen bums fallera“, und erst am unsinnigen Donnerstag mit ihrem Koalitionspapier herausrücken. Weil da wahrscheinlich eh‘ kaum jemand in der Lage wäre, es zu lesen. Geschweige denn, es zu verstehen. Aber nein. Kommen sie jetzt doch noch heute, quasi in allerletzter Sekunde und mit einem Geniestreich um die Ecke, um nicht zu sagen, aus ihrer Reha-Klinik. Dort dauert die Behandlung ja auch oft länger, als zuerst einmal angenommen.

Man hat es zwar noch nicht Schwarz auf Weiß gelesen, geschweige denn in den angeblich sozialen Medien bestätigt bekommen. Aber es ist zumindest schon was durchgesickert. Dass nämlich Martin Schulz Außenminister wird. Und Horst Seehofer Innenminister. Was im Klartext bedeuten würde, dass der SPD-Vorsitzende nicht mehr SPD-Vorsitzender wäre. Was ihm die Basis danken wird. Und dass Horst Seehofer seinen Lebenstraum verwirklichen und die einströmenden Flüchtlinge einzeln zählen könnte. Da wäre die Obergrenze also auch sicher. Und der Söder glücklich. Einfach genial.  

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Erfolgsrezept

Das Leben kann so einfach sein. Zumindest wenn man Ungar ist. Der Europäische Gerichtshof hat die Klagen von Ungarn und der Slowakei gegen die Quotenregelung für eine Aufnahme von Flüchtlingen der EU abgewiesen. Was im Umkehrschluss bedeuten würde, dass jetzt Ungarn und die Slowakei, so wie von der Mehrzahl der europäischen Regierungen beschlossen, Flüchtlinge nach dem festgelegten Schlüssel aufnehmen müssen. Ungarns Ministerpräsident Orban sagte nun sinngemäß, dass sein Land die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs durchaus zur Kenntnis nehme.

Aber auch nicht mal im Entferntesten daran denke, jetzt deswegen einen einzigen Flüchtling aufzunehmen. Sollte die EU nun ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn in die Wege leiten, wie es für solche Fälle vorgesehen ist, wird Herr Orban das Ergebnis wohl sicher auch wieder zur Kenntnis nehmen. Aber wohl nicht im Entferntesten daran denken, eventuelle Strafgelder zu zahlen. Weshalb ich mir vorgenommen habe, beim nächsten Steuerbescheid wohl am besten auf Herrn Orban zu verweisen und auf die Tatsache, dass ein Urahn väterlicherseits in Ungarn geboren ist.

 

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Mutige Menschen gesucht

Sicher haben es schon ein paar Leute gemerkt. Im September geht es nicht nur darum, die Populisten in Zaum und am besten auch gleich noch Flüchtlinge hinter einem Zaun zu halten. Noch nicht einmal die Frage, ob nun Schwarz-Gelb-Grün oder Rot-Rot-Gelb oder Khaki-Schwarz-Violett die Lösung für die nächsten vier Jahre ist, ist von besonderer Bedeutung. Viel interessanter ist die Frage, ob überhaupt jemand für die Regierungsverantwortung zur Verfügung steht, die oder der den Mut hat, unerquickliche aber unbedingt notwendige Schritte anzugehen.

Denn die Gefahr, das sind nicht der Feinstaub, nicht die Flüchtlinge, nicht die Banken, nicht die AfD – und auch nicht die Ehe für alle. Die größte Gefahr, das ist das Nichtstun. Denn es gäbe viel zu tun. Eigentlich schon seit Jahren. Aber bisher wird nur getönt. Am liebsten darüber, was man schon alles getan hat. Und in einem Punkt stimmt es ja auch. Die Energiewende, hin zu den erneuerbaren Energien, das war schon mal was. Nämlich ein erster Schritt. Der zweite Schritt aber war der in die Stagnation. Was dann kam, das war Kosmetik.

In den vergangenen zehn Jahren ist nämlich vor allem eins passiert: Sämtliche Ziele wurden verfehlt. Und es wurde nicht nur knapp vorbeigeschossen. Weshalb jetzt vielleicht ein günstiger Zeitpunkt wäre, noch einmal darüber nachzudenken, was man will. Darauf hoffen, dass es noch so lange gut geht, bis man unter der Erde ist? Auf ein Wunder warten? Darauf, dass sich unsere Kinder schon irgendwie aus der Bredouille ziehen werden? Es die Natur oder der Papst schon richten werden? Oder vielleicht die CSU?

Um es klipp und klar zu sagen: In meinen Augen ist das keine Schicksalswahl. Aber immerhin haben wir noch eine Wahl. Zumindest, wenn sich jemand findet, der nicht mit Almosen und Schlagwörtern um sich wirft. Sondern klipp und klar sagt, dass es wohl erst einmal ziemlich unangenehm werden wird. Vielleicht sogar das Recht auf einen SUV auf der Kippe steht. Und auch der Wochenend-Kurz-Trip in die USA. Ganz zu schweigen vom Kilo Hackfleisch für 2,99 €. Die anderthalb Liter Cola für 49 Cent. Also jemand, der Dinge tut, die wahrscheinlich erst einmal weh tun. Aber die Chance mit sich bringen, dass wir noch eine Chance haben. Falls es also so jemand gibt, dann möge er sich doch bitte bald melden. Am 24. September ist es zu spät.

Worüber niemand spricht

Ich hatte es schon lange vermutet. Bisher aber noch keine Beweise. Doch jetzt habe ich ein Interview  gesehen. Und was da zur Sprache kam, hat meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt, was den Zustand unserer Republik betrifft. Vor allem, weil es aus berufenem Mund kam. Nämlich dem eines Anhängers des aktuellen US-amerikanischen Präsidenten. Er sagte, annähernd wortgetreu übersetzt: „Ihr Deutschen werdet vergewaltigt von den Flüchtlingen. Und Merkel guckt einfach zu. Die Flüchtlinge haben aus Deutschland ein Dritte-Welt-Land gemacht. Afrikaner waschen sich in euren Springbrunnen. Euren heiligen Springbrunnen in Bayern, Schwaben, in Österreich… Ich sag’s knallhart: Ihr bettelt andauernd bei den USA. Ihr winselt um unser Essen, unsere Unterstützung, unsere Hilfe. Ich habe keinen Bock mehr, für euch zu zahlen.“

Einmal davon abgesehen, dass der Mann die belgischen Springbrunnen nicht erwähnt hat, kann man davon ausgehen, dass seine Informationen absolut korrekt sind. Weil sie höchstwahrscheinlich auf den Mitteilungen des Präsidenten auf Twitter basieren. Die genauso höchstwahrscheinlich hierzulande nur in einer zensierten Version zu lesen sind. Eine Frage bleibt allerdings offen. Nämlich, wo sich die Afrikaner jetzt in den Wintermonaten gewaschen haben. Da waren unsere heiligen Brunnen doch abgeschaltet. Auf jeden Fall ziehe ich jetzt los, um mir bei McDonalds einen Big-Mac zu erbetteln. Oder ich gehe zu Starbucks. Vielleicht schenken sie mir wenigstens einen Kaffee.

Ungarisches Modell

Ich verstehe die Aufregung nicht. Es ist doch nur logisch, dass Ungarns Orbán, ein Vollblut-Demokrat, jetzt mal Nägel mit Köpfen machen will. Und deshalb doch das Volk entscheiden soll, ob Ungarn zu einem gigantischen Flüchtlingslager wird. 1.300 Flüchtlinge soll laut der von der EU beschlossenen Quote Ungarn aufnehmen. Dabei ist das Boot in Ungarn eigentlich schon voll. Hat man doch bereits in den letzten Jahren mehr als 3.600  Heimatsuchende aufgenommen, mit ihren Familien, Frauen und Kindern. Dass diese jeweils 360.000  € dafür gezahlt haben, zeigt einmal mehr, wie fragwürdig die entgegen kommende Flüchtlingspolitik von Angela Merkel mit ihrer kostenlosen Willkommenskultur ist.

Legt man nur die jüngst korrigierten Zahlen zugrunde, so hätte die BRD mit dem Flüchtlingsstrom im vergangenen Jahr nach dem ungarischen Modell mehr als  2.880.000.000.000 € einnehmen können. Da wäre doch Schäubles schwarze Null so richtig nachtschwarz geworden. Anstatt dass man jetzt in Bayern jeden Monat für jeden unbegleiteten jugendlichen Flüchtling über 6.000 € hinblättert. Wie der Söder gerade gesagt hat. Darüber sollte man einmal nachdenken, bevor man Orbán jetzt wegen seines Referendums kritisiert.

Urlaubspläne

Endlich mal wieder Brötchen vom Bäcker. Und gute Nachrichten von Helmut. Der jetzt eine Jacke von der Firma mit den drei Streifen und dem Emblem des Deutschen Fußballbundes trägt. Er sagt, dass Deutschland ganz offensichtlich den Flüchtlingsstrom weggesteckt hat. Zumindest finanziell. Schließlich habe man festgestellt, dass genug Geld da ist, um die Stromtrassen in den Süden der Republik unter die Erde zu verlegen. Was ja bekanntlich einige Milliarden mehr kosten würde als die Stromleitungen überirdisch zu führen. Aber halt viel schöner aussieht. Und dass jetzt auch noch der Horst Seehofer entschieden hat, dass der Münchener Flughafen unbedingt eine dritte Startbahn braucht, weil er so boomt, das wäre ein ganz sicheres Zeichen dafür, dass Geld wie Heu da wäre.

Helmut vermutet, dass die öffentlichen Kassen das Geld bei den versprochenen Sprach- und Integrationskursen für Flüchtlinge einsparen können. Weil es ja kaum noch Länder gäbe, die einen plausiblen Grund für eine Flucht liefern. Sagt Helmut. Weil aus den anderen Ländern ja kaum noch jemand raus käme. Wenn jetzt auch noch Ägypten und Libyen sichere Drittländer sind, sagt Helmut, dann kann man endlich wieder mal im Mittelmeer baden. Ohne Angst haben zu müssen, dass einem eine Leiche entgegen schwimmt. Wenn die Entwicklung so weitergeht, sagt er, dann fährt er nächstes Jahr wieder nach Jesolo.

Alan und Omran

Ich hatte es in meiner Klausur nicht mitbekommen. Ein Bild hat wieder einmal die Welt aufgerüttelt. Wie damals die Fotografie von einem Kind am Strand. Die beiden Abgebildeten vereint die Herkunft. Sie sind in Syrien auf die Welt gekommen. Ein verdammt schlechter Platz, um zuversichtlich auf ein einigermaßen erträgliches Leben zu hoffen. Doch einer von beiden war gerade einmal drei Jahre alt, als er tot an einem Strand gefunden wurde. Woraufhin er weltweit bekannt und zu einem Symbol für die ausweglose Situation syrischer Flüchtlinge wurde. Der andere wurde Fünf, bevor auch er in den Medien zum Symbol wurde. Jetzt aber für das Leid der Menschen, die in Syrien geblieben sind.

Alan Kurdi ertrank auf der Überfahrt von der türkischen Küste zur griechischen Insel Kos. Der fünfjährige Omran wird nach einem Bombenangriff auf die syrische Stadt Aleppo fotografiert. Auf dem Bild ist er auf einem orangefarbenen Sitz zu sehen, eine Backe scheint blutverschmiert. Er hat überlebt. Als alter Mann. Der schon alles gesehen und erlebt hat, was einen Menschen zu einem hoffnungslosen alten Menschen macht. Falls Omran jemals so etwas wie eine Kindheit hatte, dann war sie nach diesem Bombenangriff zu Ende. Das sagt jedenfalls sein Gesicht.

Und nun ist auch er ein Symbol.  Sagt man. Schreibt man. Belegt es mit millionenfachen Klicks. Aber Symbol für was? Frage ich. Dafür, dass sich Kinder immer noch am besten dafür eignen, Aufmerksamkeit und Emotionen zu erregen und Auflagen zu steigern? Dafür, dass Kinder immer die Verlierer sind, wenn sich ein oder zumeist mehrere Erwachsene einreden, dass man Opfer bringen muss, wenn man eine Idee oder eigene Interessen verfolgt? Hauptsache, sie selber gehören nicht zu diesen Opfern!

Oder dafür, dass hin und wieder und gerade die Bewohner dieser unseren westlichen Welt mit ihren Menschenrechten und Wiegen der Kultur und den großen moralischen Keulen einfach mal eine Prise Mitleid schnupfen müssen, um bei der nächsten Shopping-Tour ins Outlet-Center das Leben trotzdem wieder so richtig genießen zu können? Ich hatte das Privileg, in einer Welt ohne Krieg aufzuwachsen. Weshalb ich mich noch wage daran erinnern kann, dass es einmal Symbole gab, die für eine Überzeugung standen. Für den zugegebenermaßen kläglich gescheiterten Versuch, diese Welt ein bisschen besser zu machen.

Davon abgesehen, dass ich Outlet-Center hasse, habe ich inzwischen nur noch den Eindruck, dass Symbole, also zum Beispiel die Bilder von diesen beiden Kindern, nur noch das  Symbol dafür sind, dass dahinter ein Leid steht, das niemand wirklich interessiert. Diese Fotografien sind nur noch ein Symbol dafür, dass man Leid weg klicken kann. Man kann es mit dem Altpapier entsorgen. Wird schon wieder Nachschub geben. Kann ein anderer Strand sein. Eine andere syrische Stadt. Oder mal Afrika. Hauptsache ein Kind. Und Hauptsache, man muss deswegen keine Opfer bringen.