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Leise rieselt der Schnee

Dörfer sind nicht mehr erreichbar. Morgen bleiben Schulen geschlossen. Die Bahn ist sich für bestimmte Strecken schon heute sicher, dass sie morgen nicht fahren wird. Keine Frage, dass es auf den Autobahnen Kilometer- und stundenlange Staus gab, dass sich außerdem dort und auf den Landstraßen zahlreiche Unfälle ereigneten.

Und weder Algorithmen noch künstliche Intelligenz konnten etwas dagegen tun. Es sind wieder einmal Zeiten, in denen ich mir sicher bin, wer auf diesem Planeten Herr oder korrekter Frau im Haus ist. Wir müssen jetzt allerdings nur warten, bis die Schneefälle aufgehört haben, die weiße Pracht weggetaut ist. Dann können wir Menschen wieder daran glauben, dass wir das Sagen hätten.  

Etwas Schönes

Ich habe heute einen TV-Bericht gesehen, über eine Frau, die Kinder bei sich aufnimmt. Deren Mütter im Gefängnis sind. Und weil sich der Staat nicht darum, landen dann die Kinder sehr oft auf der Straße. Und dabei ist es unerheblich, in welchem Land das ist. Wichtig ist nur, was diese Frau macht. Zum Beispiel auch, dass sie, wenn sie die Erlaubnis von den Behörden bekommt, mit den Kindern ins Gefängnis geht. Zu ihren Müttern. Und als sie wieder gehen mussten, hat ein kleiner Junge geweint. Andere Kinder waren nur traurig.

Aber sonst lachen diese Kinder oft. Und ich habe gemerkt, dass es gut tut, zu sehen, wie jemand Gutes tut. Und dass das animiert, auch etwas Gutes zu tun. Und ich mit ganz wenig anfangen möchte. Heute. Weil ich mir denken, dass wir vielleicht öfter mal etwas Schönes sehen müssen, um vielleicht etwas Schönes tun, etwas Gutes. Vielleicht mehr über solche Menschen zu schreiben, zum Beispiel.

Zwickmühle

So richtig begeistern konnte ich mich für diese Volkspartei zum letzten Mal als Willy Brandt Vorsitzender und deutscher Bundeskanzler war. Für alle Abiturienten: Vorsitzender der SPD war Willy Brandt von 1964 bis 1987, Kanzler war er von 1969 bis 1974. Also durchaus verständlich, falls jemand mit dem Namen nichts anfangen kann.

Begeistert hat mich die SPD damals auch, weil sie Brandt als Kanzlerkandidaten aufstellte, während er von Vertretern der anderen einstigen Volkspartei gerne als Vaterlandsverräter verleumdet wurde, weil er im WK II nicht in Hitlers Auftrag an vorderster Front gekämpft hatte. Während sich von ihnen niemand über Alt-Nazis in Politik und Staatsämtern aufregte.

So viel zum besseren Verständnis dafür, dass ich mit meinem Brechreiz momentan am Limit bin. Ich kann es wirklich nicht mehr hören. Denn die derzeitige moralische Entrüstung über das Verhalten der SPD dürfte in etwa das selbe Ausmaß gehabt haben, wenn sich ihr Vorsitzender nach dem Wahldebakel für eine GroKo ausgesprochen.

Und liebe Freunde der Häme: reicht euch eine Partei nicht, die alles boykottiert? Dass die SPD nach dieser „Abwahl“ lieber Opposition wollte, ist mehr als nachvollziehbar. Wer möchte nach einer gescheiterten Ehe gleich wieder die Frau heiraten, von der er gerade geschieden wurde. Andererseits erscheint es mir dann doch durchaus ehrenwert, nach einiger Zeit wegen der Kinder zu überlegen, ob man es nicht doch noch einmal probieren sollte.

Vogelgezwitscher

Man könnte sich als Blogger eigentlich schön entspannt zurücklehnen. Zumindest aktuell müssen nicht mehr Einreiseverbote von bestimmten Politikern thematisiert werden. Endlich kann man also wieder guten Gewissens Döner essen. Und vielleicht haben sich die Medien ja entschlossen, nicht mehr über jede Blähung zu berichten. Jedenfalls hat auch die Schlagzahl der Tweets von jenseits des großen Teiches sehr stark nachgelassen. Fast könnte man den Eindruck haben, dass da jemand angefangen hat, nachzudenken statt zu tweeten.

Und hat sich mal jemand die Mühe gemacht nachzurechnen, wann zum letzten Mal das Wort „Obergrenze“ zu lesen oder zu hören war? Gefühlt sind das Wochen. Fast scheint es, als wäre der Frühling mit seinem fröhlichen Vogelgezwitscher, den freundlichen Farben und dem blauen Band auch bei den Nachrichten eingezogen. Wenn da nicht wieder einmal eine junge Frau gesucht werden würde. Dass sie sich nur verlaufen hat, das wäre zu schön, um wahr zu sein.

Schnelle Nummer

Ich spreche sehr ungern darüber. Nicht, weil mir das peinlich wäre. Ich finde lediglich, dass man es besser tun sollte, als darüber zu reden. Doch manchmal geht es nicht anders. Und jetzt ist so eine Situation. Weil ich einen Film gesehen habe. Durchaus charmant. Großartige Schauspielerinnen und Schauspieler. Ein bisschen, als hätte Woody Allen Regie geführt. Und weil es infolgedessen natürlich um eine Beziehung ging, kam dann auch wieder eine Szene, in der die Protagonisten Sex miteinander hatten. Also Geschlechtsverkehr. Wofür mittlerweile selbst in der gehobenen Literatur auch gerne das Wort „ficken“ Verwendung findet. Meistens um zu demonstrieren, dass der Zeitgeist nicht am Literat vorüber gegangen ist, ohne jeglichen Eindruck zu hinterlassen.

Ich persönlich ziehe eigentlich einen Ausdruck vor, der aus einer anderen Sprache stammt. Obwohl ich mir darüber im Klaren bin, dass „Liebe machen“ in der Realität allzu oft nichts mit Liebe zu tun hat. Aber es geht hier nicht um Sprachregelungen. Vielmehr um die Darstellung von Sex-Szenen in Filmen. Einmal abgesehen von einer der wunderbarsten diesbezüglichen Szenen in Nicolas Roegs Film „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, scheint man nämlich landauf landab zu glauben, dass Leidenschaft etwas mit Geschwindigkeit zu tun hat.

Was natürlich zeitgemäß ist. Aber so gar nicht dem Wesen dieser eigentlich doch sehr angenehmen Tätigkeit entspricht. Zumindest nicht schon gleich von der ersten Minute an. Wenn man nicht gerade die Mittagspause nutzt und deshalb unter Zeitdruck steht. Insbesondere Frauen dürften ein Lied davon singen können. Ist ihnen deshalb doch oft der Mann weit voraus. Um nicht zu sagen, schon längst fertig, wenn sich bei ihr gerade erst ein gewisses Vergnügen einstellt.

Deshalb meine Bitte an alle Regisseure: Werdet euch eurer Verantwortung bewusst. Ihr seid mit schuld, dass Männer glauben, Sex wäre wie ein Ampel-Start. Und wer als erster an der nächsten roten Ampel ist, hätte gewonnen. Zeigt, dass in der Langsamkeit der größere Genuss liegen kann. Dass auch bei dieser körperlichen Betätigung in der Ruhe die große Kraft liegt. Auf der Zielgeraden ist ja dann ein bisschen Tempo durchaus in Ordnung. Oder lasst solche Szenen gleich ganz weg. Um ehrlich zu sein, ich finde dieses Rumgehampel, mit dem in Filmen Sex simuliert wird, meistens sowieso eher lächerlich. Und wer das unbedingt zur Inspiration braucht,  der sollte sich vielleicht gleich einen Porno anschauen.

Ferienlaune

Auch wenn schon zumindest die Osterfeierlichkeiten vorüber sind, es gibt noch keinen Grund, gänzlich zum Alltag zurück zu kehren. Schließlich ist am Morgen das Haus noch unüberhörbar bevölkert, der Aufgabenbereich hat sich noch nicht seine übliche Lässigkeit zurückerobert. Es sind immer noch Schulferien. Trotzdem gab es heute einen kurzen Moment des Innehaltens, fast bin ich geneigt zu sagen, des Nachdenkens. Unter anderem über das, was ich hier jeden Tag mache, von mir gebe, der großen weiten Welt des Internets an Ideen, Gedanken und manchmal sogar Tatsachen anvertraue.

Denn man kann sich natürlich und berechtigterweise fragen, was wohl gerade diesen Menschen dazu befähigen soll, etwas zu sagen respektive zu schreiben, was von Interesse und vielleicht sogar von einer gewissen Inhaltsschwere sein könnte. Und wenn man dies Befähigung freundlicherweise und aktuell wohl in erster Linie aufgrund des gerade herrschenden frühlingshaften Wetters nun einmal sogar als gegeben annehmen will, wer oder was könnte ihm eine Berechtigung erteilen, in diesem Zusammenhang und mitunter andere sogar leise zu kritisieren.

Ich habe lange gegrübelt. Und bin  wieder einmal zu der simplen Erkenntnis gekommen, dass sich diese Berechtigung aus der vielleicht etwas wenig erfreulichen Tatsache ableitet, dass eigentlich immer auch ich der Adressat für diese leise Kritik sein könnte. Ich möchte nicht einmal den kleinen Finger dafür ins Feuer legen, dass ich mir nicht vielleicht auch so einen protzigen Palast gebaut hätte wie ein gewisser Herr Erdogan. Oder in den Dschihad ziehen würde, wenn ich in Bitterfelde aufgewachsen und frühzeitig ausgeschult worden wäre. Und wenn ich klug genug wäre, würde ich vielleicht sogar eine Software entwickeln, mit der ich die Abgaswerte meines Mofas manipulieren könnte.

Das Einzige, was ich mir von mir nicht vorstellen kann, das ist, dass ich Frauen und Kinder ermorde und vergewaltige. Ihnen all das antue, was man ihnen gestern und heute und morgen auf dieser Welt antut. Aber soll ich deswegen in Zukunft nichts mehr gegen Mord und Vergewaltigung von Kindern und Frauen sagen und schreiben? In diesem konkreten Fall nehme ich es sogar hin, dass man mir den berechtigten Vorwurf machen kann, dass ich nicht wüsste, worüber ich schreiben würde. Und um zur Abwechslung einmal die ganze schlichte Wahrheit zu sagen: Ich will das auch nie wissen. Es ist unvorstellbar genug, zu wissen, dass es das gibt.

Straßenszene

Ein Wochentag, irgendwo in Deutschland. Es ist späterer Morgen. Die Menschen sind an ihrem Arbeitsplatz. Sofern sie einen haben. Manche haben Arbeit, sind aber trotzdem in den Straßen unterwegs. Zum Beispiel die beiden Männer, die sich zufällig vor der Post getroffen haben. Sie haben sich lange nicht gesehen. Bleiben also auf dem Bürgersteig stehen, unterhalten sich. Um das, was dann geschieht, zu verstehen, muss man wissen, dass vor der Post eine Parkbucht für mehrere Fahrzeuge angelegt ist. Es gerade keinen freien Platz gibt. Und die beiden Männer dort auf dem Bürgersteig stehen, wo die Parkbucht beginnt und vielleicht gerade noch ein Meter hinter dem ersten Auto in der Reihe frei ist.

Die Männer sind mit ihrem Gespräch gerade bei der allgemeinen gesellschaftlichen und politischen Entwicklung angelangt, als sich ein Auto nähert, schon weit vor der Parkbucht auf den Bürgersteig fährt. Weshalb es plötzlich vor den beiden Männern steht. Was die ältere Frau hinter dem Steuer nicht zu beeindrucken scheint. Sie gibt den Männern vielmehr lebhaft Zeichen, dass sie doch zur Seite gehen sollen. Woraufhin ihr einer der beiden Männer bedeutet, dass dies ein Bürgersteig wäre und kein Parkplatz für Autos. Das überzeugt die Fahrzeuglenkerin aber überhaupt nicht.

Sie macht einen kleinen Bogen um die beiden Männer herum, um sofort wieder scharf nach rechts zu lenken. Weshalb sie einen der beiden Männer mit ihrem Fahrzeug anfährt und zur Seite schiebt. Steht dann, als sie aussteigt, zumindest mit den Vorderrädern in der Parkbucht. Der größere Teil des Fahrzeuges befindet sich allerdings auf dem Gehweg, ragt teilweise in die Straße hinein. Und als die Fahrzeuglenkerin aussteigt, erklärt sich auch ihr Verhalten. Die Frau muss einen Brief zur Post zu bringen. Ist offensichtlich in Eile, hat keine Zeit, sich dem Protest des angefahrenen Mann zu widmen.

Da ist ihr natürlich nicht zuzumuten, dass sie einen der etwa 20 Meter entfernten freien Parkplätze auf der gegenüberliegenden Straßenseite ansteuert. Sie ist schließlich nicht mehr die Jüngste. Und ihr Name steht für das größte Autohaus am Platz. Zeitweilig mit Millionenumsätzen und daraus resultierendem großem Privatvermögen. Im Gemeinderat tauchte der Name auch auf. Er hat Gewicht. Wahrscheinlich ist sie im Vorstand von mindestens einem Verein. Singt sie im Kirchenchor. Weshalb sie auch voraussetzen kann, dass man weiß, wer sie ist. Das Rätsel ist also gelöst. Wir befinden uns in Deutschland. In Bayern. In einer Kleinstadt.