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Es wird aufgerüstet

Das macht doch viel mehr Sinn als Klopapier. In den USA haben viele Menschen Waffen und Munition gehamstert. Mit gutem Grund, wie von einem der Käufer in einer langen Schlange vor einem Waffengeschäft erklärt wurde. Er sagte: „Es geht eigentlich nur darum, dass die Regierung und die Polizei nicht in der Lage sein werden, uns zu schützen, wenn die Dinge in den nächsten Wochen bis Monaten schlecht laufen und die Menschen in Panik geraten und randalieren und plündern.“ Und wer hat schon mal gehört, dass ein Randalierer oder Plünderer mit einer Rolle Toilettenpapier niedergestreckt worden wäre. Noch nicht einmal, wenn es sich um Recyclingpapier handelt.

Laut der NSSF, der Handelsvereinigung der Schusswaffenindustrie in den USA hat sich der Umsatz des Waffengeschäftes alleine in der Zeit von Ende Februar bis Mitte März vervierfacht. Kein Wunder also, dass jetzt die NRA, die Waffenlobbyorganisation, gegen die auch Barack Obama nichts ausrichten konnte, während Trump von ihr unterstützt wird, Klage eingereicht hat. Weil in Kalifornien durch den Gouverneur Gavin Newsom im Rahmen der Maßnahmen gegen Corona nämlich die Waffengeschäfte geschlossen wurden.

Argument der NRA: Waffengeschäfte sind lebenswichtig! Und außerdem verstoße ihre Schließung gegen Verfassungsrecht. Denn man könne keine Waffen, wenn man sie nicht kaufen kann. Ersteres aber von der Verfassung garantiert werde. Weshalb Waffengeschäfte zu den „lebensnotwendigen“ Geschäften gehörten. Ob die Klage Erfolg haben wird, ist noch nicht bekannt, aber immerhin soll bereits ein Texaner ein Coronavirus mit einer Pumpgun eliminiert haben. Seine Frau soll dabei allerdings auch ums Leben gekommen sein.

Fortschritt

Unter anderen berichtete die Schwäbische Zeitung in ihrer Online-Ausgabe vom 7.5.2019, „dass Bayern als erstes deutsches Bundesland die international anerkannte Definition von Antisemitismus angenommen hat“. Weiter ist zu lesen: „Söder lobte, dass sich das Kabinett zuvor so ausführlich und tiefgehend wie noch nie mit Antisemitismus befasst habe, betonte aber auch, ‚der Anlass ist beschämend. Das Übel Antisemitismus wächst wieder‘. Es sei daher besonders wichtig, dass der Staat ein Signal setze, Null-Toleranz über Antisemitismus einzufordern. Dieser Geisteshaltung könne man nur mit Entschlossenheit entgegentreten.“ Dem ist nichts hinzuzufügen, außer der Bemerkung vielleicht, dass es aller höchste Zeit war und zu hoffen bleibt, dass es nicht nur Lippenbekenntnisse sind.

Auf change.org läuft derzeit eine Petition, in Deutschland das Töten von Frauen zu stoppen: #saveXX. Recherchen zufolge gab es seit 2. Januar diesen Jahres pro Tag ein versuchtes oder vollendetes Tötungsdelikt gegen eine Frau. Tendenz steigend. Laut offizieller Polizeilicher Kriminalstatistik für 2017 erlitten fast 12.000 Frauen gefährliche Körperverletzung, 364 Frauen wurden ermordet oder totgeschlagen. Im Bereich der sexuellen Nötigung oder der einfachen Körperverletzung sind es vier- bis fünfstelligen Zahlen. Diskriminierungen sind statistisch nicht erfasst. Nachdem basierend auf der derzeitigen gesellschaftlichen Situation nicht davon ausgegangen werden kann, dass es zeitnah eine international anerkannte Definition von Femizid und Misogynie geben wird, die Bayern annimmt, wäre es vielleicht eine Verbesserung für die Situation der Frauen in Deutschland, wenn sie dem jüdischen Glauben beitreten würden.

Durchbruch

Es ist absolut gigantisch. Das ist eine absolute 380-Grad-Wende. Ein Neuanfang. Kurzum, ab jetzt wird alles besser. Was habe ich lamentiert, die Menschen gescholten, mich über sie lustig gemacht. Und jetzt leiste ich Abbitte. Ich entschuldige mich in aller Form. Ich gebe zu, dass ich ihnen allen Unrecht getan habe. Mit meiner Kritik, dass sie lieber zu Hause mit ihren dicken Ärschen auf ihrer Ledercouch sitzen bleiben würden, als endlich auf die Straße zu gehen und dafür zu kämpfen, dass der Planet gerettet wird, das Unrecht aufhört, die Diskriminierung, die Misogynie.

Doch heute ist es geschehen. Mehr als hunderttausend Menschen sind auf die Straße gegangen, haben sie hoffnungslos verstopft mit ihren Autos, um dort hinzukommen, wo sie alle gemeinsam für eine Sache brannten, ihr Herzblut gaben. Gut zugegeben, es war nur die weltgrößte Baumaschinen-Messe, wo sie zumindest im Geiste Hand in Hand und mit ihren Kindern und Ehefrauen demonstrierten, dass sie sich für eine Sache begeistern können. Dass sie diese Begeisterung an ihre Kinder weitergeben wollen. Aber immerhin waren es so viele wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr, die sich hier versammelt haben.

Petition

Tut mir ja leid. Ich weiß, dass das nicht lustig ist. Und schon gar nicht geeignet, ein hart verdientes Wochenende einzuläuten. Aber es muss sein. Weil es wichtig ist. Weil es um Leben geht. Um das von Frauen. Die um selbiges täglich bangen müssen. Und zwar nicht nur in Indien oder sonst wo. Sondern hier, auf unserer Insel der Glückseligkeit, Bundesrepublik Deutschland genannt.

Und nicht zuletzt, weil es dafür belastbares Material gibt, hat – überraschenderweise – eine Frau eine Petition gestartet. Sie will erreichen, dass das Töten oder Ermorden von Freundin, Ex-Freundin, Ehefrau oder Ex-Ehefrau als das bestraft wird, was es ist. Nämlich Mord oder Tötung. Und zwar nicht unter der Überschrift „Kann mal passieren“. Sondern basierend auf der Tatsache, dass es sich um Femizid handelt.

Ein Wort, das bezeichnenderweise noch nicht einmal das Rechtschreibprogramm kennt. Aber bedeutet, dass ein Mensch wegen seiner Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht getötet wird, nämlich dem weiblichen Geschlecht. Weshalb Wikipedia praktischerweise den Begriff vorrangig südamerikanischen Ländern zuweist. Was aber nicht hindert, dass hierzulande das Problem täglich auftaucht.

Jedenfalls hat die Gegenbewegung schon eingesetzt. Die Männerwelt schreit auf. Weist – oft etwas wüst und wütend – darauf hin, dass es ja schließlich auch Männer gebe, die Gewalt in Beziehungen erfahren. Was auch richtig ist. Doch während Männer bei den Aufsichtsratsposten weitgehend unter sich sind, sind sie bei den Gewaltopfern mit Frauen als Täterinnen in der absoluten Minderheit. Also aller höchste Zeit, mal zu den Statistiken zu greifen. Und dann die Petition zu unterschreiben. Das wird bestimmt ein schönes Wochenende.

https://www.change.org/p/stoppt-das-töten-von-frauen-savexx-katarinabarley-bmfsfj

 

Unfall

Ich gebe es unumwunden zu. Ich verstehe es  nicht. Auch nicht einmal ansatzweise. Ebenso wenig, wie ich weiß, wie sich eine Frau fühlt, habe ich nicht die dumpfeste Ahnung, warum es für mich von Interesse sein sollte zu wissen, dass ein Zug und ein Auto zusammengestoßen sind. Ich wähle dieses Beispiel, weil im konkreten Fall niemand verletzt wurde. Aber selbst bei tödlichen Unfällen ergibt sich für mich kein anderes Bild.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich kann durchaus nachvollziehen, was ein solches Unglück für einen Menschen bedeutet. Habe eine derartige Situation schon selber erlebt. Aber ist das noch Empathie, wenn es jemanden betrifft, den ich noch nie gesehen habe? Von dem ich noch nicht einmal den Namen kenne. Oder ist das nur Sensationsgier? Der leicht wohlige Schauer vielleicht, weil es mir nicht passiert ist?

Kann man natürlich einwenden, dass es ja die Medien sind, die andauernd darüber berichten. Allerdings kann man auch einwenden, dass die Medien über das berichten, wovon sie annehmen, dass es das dringend benötigte Publikum interessiert. Und dass dieses interessiert ist, das bezeugen all die Gaffer und fotografierenden und filmenden Unfall-Beobachter vor Ort. Mich aber würden Nachrichten interessieren, in denen konkret von Menschen gesprochen wird. Von Schicksalen.

Nicht, dass ein Zug und ein Auto zusammengestoßen sind, interessiert mich. Sondern was das für den Zugführer bedeutet hat. Was er sagt, fühlt. Was es mit dem Menschen getan hat, der im Auto saß. Wie er weiterlebt. Alles andere ist ohne Belang. Alles andere bewirkt nichts. 200 000 Flüchtlinge sind eine Meldung. Die vielleicht Angst macht. Ein Flüchtling ist ein Mensch, den ich verstehen kann. Wenn ich etwas von ihm erfahre.

Gleiches

Ob da System dahinter ist? Dass Frauen benachteiligt werden, nicht so viel verdienen wie Männer für die gleiche Arbeit zum Beispiel, das ist ja hinlänglich bekannt. Wird allem Anschein nach auch wie ein Naturereignis hingenommen, vor allem von Männern: Gegen Wind kann man ja auch nichts machen. Doch Ungleichbehandlung geht nicht nur bei Frauen und Männern. Damit kann man nämlich schon viel früher anfangen.
Dass immer eine oder einer weniger gleich ist als andere, das ist schließlich ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Um im Jahr 2018 nicht zu sagen, phänomenal. Was höchstens einmal bei ganz kleinen Kindern nicht ganz so deutlich in Erscheinung tritt, zumindest in einem bestimmten Bereich. Windeln haben sie ja irgendwie und für eine gewisse Zeit alle an.

Doch spätestens ab der Schulpflicht ist auch damit Schluss.
Mittlerweile bevorzugen zum Beispiel entsprechend betuchte Eltern nämlich nicht nur an den schulischen Brennpunkten – Berlin-Neukölln!!! – eine private Schule. Bundesweit sind es annähernd 10 Prozent der Kinder, die schulisch getrennt von den anderen Kindern aufwachsen. Überraschenderweise im Osten des Landes sogar mehr als im Westen. Vielleicht ja, weil es dort, wenn auch nur gefühlt, mehr Kinder mit Migrationshintergrund gibt. Immerhin können verantwortungsvolle Eltern so schon bei der Einschulung darauf achten, dass die spätere Benachteiligung von Frauen nicht in Gefahr gerät.

O Tannenbaum

Jetzt hat es ihn also auch erwischt. Bisher wurde ja vor allem und besonders gerne der menschliche Körper optimiert. Bei Männern Sixpacks draufgepackt, bei Frauen Fett auf der anderen Seite abgesaugt. Oder umgekehrt. Jetzt hat dieser Trend auch den Tannenbaum erreicht. Respektive eine ganz spezielle Spezies davon, den Weihnachtsbaum. Man hat ihn jetzt lieber schlank. Weshalb die Zweige allzu ausladender Zeitgenossen gestutzt werden. Was man sich ja durchaus für manche Politiker wünschen würde.

Und weil es wohl noch keinen Markt für abgeschnittene Tannenzweige gibt, zu kurz, um Adventskränze daraus zu machen, wird wohl der nächste Schritt sein, dass durch genetische Manipulation in Zukunft Tannenbäume gleich so, dass sie nicht mehr allzu sehr auftragen in unseren weihnachtlichen Stuben. Ob jetzt die Nordmann-Tanne auf die Liste der aussterbenden Arten kommt?