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Herbsttage

Die Urlaubsbräune verblasst schon so langsam. Der Widerstand, noch keine Lebkuchen und keinen Stollen zu kaufen, wird wohl bald zusammen brechen. Schließlich werden ja bereits Kataloge und die Auslagen der Geschäfte nach potentiellen Weihnachtsgeschenken durchsucht. Und jetzt hat uns auch noch der Herbst gezeigt, wie stürmisch er sein kann. Mit tödlichen Folgen und ziemlicher Verwüstung. Hat aber natürlich nichts mit Klimawandel zu tun, sondern vor allem mit der Flüchtlingspolitik von Frau Merkel. Denkt sich der Teil von Deutschlands lautstarker Minderheit, der dieses Mal wenigstens auch wählen gegangen ist. Weshalb sich die politische Arbeit momentan vor allem auf Sitzordnungen beschränkt. Aber es ist halt Vorweihnachtszeit, die „staade“ Zeit, wie man in Bayern sagt. Auch wenn es gerade mal Oktober ist. Doch die Zeit ist schließlich schnelllebiger geworden. Außerdem werden mittlerweile die Kerzen ja schon ganzjährig angezündet, zumindest dort, wo der Terror oder auch einfach nur Psychopathen ohne terroristischen Hintergrund ihre Opfer gefunden haben.

Man könnte also sagen, dass zumindest optisch das ganze Jahr über so etwas wie Weihnachtsstimmung herrscht. Und wenn dann auch noch Apple sein neuestes Smartphone präsentiert, dann klingeln die Kassen süßer als alle Glocken. Nur dass die Engelein in vielen Regionen nicht gerade von Frieden und Freud singen. Eher vergeht den Menschen dort Hören und Sehen. Weshalb Fernsehgeräte eine Fernbedienung haben. Damit der Mensch hierzulande nicht aufstehen braucht, wenn er zur Unterhaltungssendung wechselt, bevor er auch noch anfängt zu glauben, dass das gezeigte Elend vielleicht sogar echt sein könnte. Was gerade jetzt irgendwie überhaupt nicht passt. Schließlich sind ja die Spendenaktionen noch nicht angelaufen, wo wir uns vor Weihnachten alljährlich unsere Ablässe kaufen, damit es eine fröhliche Weihnacht wird.

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Sonntagsbrötchen

Der zweite Tag der Versuchsanordnung „Friede auf Erden und keine Vollidioten in maßgeblichen Positionen“. Ich weiß nicht einmal ob die Türkei den Dritten Weltkrieg erklärt hat, geschweige, welche abstrusen Dekrete Donald the Ronald in der Zwischenzeit unterschrieben hat. Meine Welt ist zwar künstlich geschrumpft, durch meine Verweigerung, auch noch aus dem letzten Winkel der Erde zu erfahren, welches Leid geschieht, aber sie ist geschrumpft. Heute Morgen auf den Weg zum Bäcker, auf die höchst überschaubare Quadratmeterzahl der eigenen Behausung.

Was zu erstaunlichen Erkenntnissen geführt hat. Unter anderem, dass mehr Menschen zu meinem Lebenskreis gehören, als ich dachte. Mit Verwunderung habe ich außerdem festgestellt, dass ich mich mehr auf das konzentriere, was direkt vor mir und um mich ist, wenn ich nicht über Ereignisse, Tätigkeiten und Aussagen irgendwelcher Menschen nachdenke, die Gott sei Dank nicht zu meinem realen Umfeld gehören.

Ich bin mir aber durchaus bewusst, dass dies nur ein vorübergehender, obwohl sehr angenehmer Zustand sein kann. Das Ausblenden der restlichen Welt kann nur eine Atempause sein, kein Dauerzustand. Selbst wenn ich nicht davon ausgehe, dass gerade ich an dieser Welt etwas peripher verändern könnte, so möchte ich zumindest wissen, wie es mit ihr weitergeht. Denn was ich bereits im Hinterkopf habe, das kann ich sowieso nie mehr wieder ausblenden.

Sonntag

All die Namen und Bilder lassen sich wunderbar hinter einer gewissen Restmüdigkeit und dem fast schon frühlingshaft anmutendem Sonnenschein unsichtbar machen. Die Trägheit des Kopfes bekommt der Sicht auf die Welt ausgesprochen gut. Obwohl noch winterlich gemalt, strahlt sie eine Harmonie aus, die dem Ansturm von Realität nie standhalten könnte. Doch bleiben die Geräte still, die mit all dem Zorn und der Wut und der Traurigkeit verbinden, lässt sich hinter einer beschaulichen Lektüre oder dem Blick auf eine Wiese für eine gewisse Zeit etwas Friedvolles vermuten. Ich habe keinen Zweifel daran, dass dieser Zustand limitiert ist. Ich beeile mich ein bisschen, damit ich ihn nicht aus den Augen verliere.

Wir warten auf das Christkind

Ist nicht das ganze Leben ein einziges Warten. Schon als Kleinkind wartet man doch darauf, dass endlich dieser Scheiß mit den Windeln aufhört. Schließlich ist das doch mehr als peinlich, immer mit diesen Dingern rum zu laufen. Dann kommt der Kindergarten, und man wartet auf den Tag, an dem man nicht mehr mit diesen grässlichen Kindern spielen muss. Nicht ahnend, dass es in der Schule noch schlimmer wird.
Aber immerhin kann man jetzt ungeduldig darauf warten, dass man endlich mal länger als elf Uhr abends weg gehen darf. Auch wenn man sich dafür erniedrigen und irgend so einen arroganten Menschen vor dem Club bitten muss, die Aufsicht zu übernehmen. Doch zum Glück wird die Zeit abgekürzt durch das Warten auf den 18. Geburtstag. Mit dem alles anders werden wird. Denkt man. Doch dann hat man den Führerschein, eine eigene Bude und deshalb vielleicht auch mehr oder minder das erhoffte Sexualleben, und muss feststellen, dass kaum etwas so ist, wie man es sich vorgestellt hat.
Weshalb man jetzt einfach darauf wartet, dass etwas anders wird. Sich endlich mal richtig anfühlt, vielleicht das große Glück verspricht. Oder doch wenigstens etwas Reichtum, ein geiles Leben, ein bisschen mehr Aufregung und weniger Alltag. Weshalb man es mal mit einer festen Beziehung probiert. Die sich dann aber erst so richtig als Korsett erweist. Weil es vielleicht Kinder gibt, die jetzt groß gezogen werden müssen. Weshalb man jetzt und viele Jahre auf die Zeit wartet, wenn man endlich mal wieder mehr oder minder machen kann, was man will. Was dann oft mit der Rente zusammen fällt.
Und ist eigentlich inzwischen recht froh, wenn es noch was zum Warten gibt. Zum Beispiel wenn die Kinder in alle Winde zerstreut sind, jetzt aber Weihnachten die Mutter, der Vater betreut werden müssen, und man immer noch nicht das Fest der Freude so feiern kann, wie man es eigentlich schon immer einmal feiern wollte. Um dann eines Tages festzustellen, dass man eigentlich nie etwas anderes wollte, als Menschen um sich zu haben, Freunde, die Familie, die Kinder, die Eltern. Doch dann ist es dafür schon zu spät, weil jetzt der Tod auf einen wartet.

Frohe Weihnachten und Frieden auf Erden

Zwischen zwei Einkäufen bleibt kaum noch die Zeit, um einmal durchzuatmen und sich den großen Themen unserer Zeit zu widmen. Und schon gar kein Gedanke daran, wenn immer noch nicht feststeht ist, was jetzt an Heilig Abend gegessen werden soll. Und deshalb wäre ich dafür, dass man vielleicht einmal für zwei, drei Tage aufhört, mit der moralischen Keule auf die armen, gehetzten Menschen hierzulande einzudreschen.

Aufhört, ihnen mit dem Hunger in Afrika, den Opfern von Boko Haram und ISIS, mit den Umweltkatastrophen in Südamerika und Asien, mit dem Schicksal von Flüchtlingen und dem drohenden Klima-Kollaps ein schlechtes Gewissen zu machen. Vielmehr sollte man eher einmal darüber nachdenken, ob es wirklich richtig ist, in der Weihnachtszeit in Supermärkten kleine Kettensägen für Kinder anzubieten. Wo doch jeder weiß, dass Weihnachten nicht ganz stressfrei verläuft in vielen deutschen Familien.

Luxus für alle

Zwar bedeutet im Lateinischen „luxus“ erst einmal, dass etwas „verrenkt“ ist. Und außerdem ist es als Substantiv Ausdruck für üppige Fruchtbarkeit. Was dem heutigen Gebrauch des Wortes in unserer Hemisphäre allerdings nicht so unbedingt entspricht. Auch wenn sich nicht wenige verrenken, um sich etwas Luxus leisten zu können. Hier ist eher an „Verschwendung“ und „Ausschweifung“ gedacht, weitere Bedeutungen des lateinischen Wortes.

Außerdem muss man vorsichtig sein. Was gestern noch Luxus war, das kann sehr schnell Allgemeingut werden. Und ist dann eben kein Luxus mehr. Beispiel Handy oder Smartphone. Vor Jahren war es wirklich noch ein Luxus, beim Einkauf die Gattin anrufen zu können, ob sie jetzt lieber Flugmangos oder Plattpfirsiche für den Nachtisch haben will. Inzwischen besteht der Luxus eher darin, nicht Tag und Nacht erreichbar zu sein. Wohingegen es für andere zum Beispiel bereits ein Luxus wäre, ein Dach über dem Kopf zu haben. Und nicht nur eine Zeltplane.

Da müssten aber ein paar Abstriche gemacht werden, weil wir nämlich in einem Land sind, in dem zwar Milliarden Euro für Banken kein Problem sind, aber annähernd menschliche Lebensbedingungen für alle offensichtlich immer noch ein Luxus ist. Was zu einem ganz entscheidenden Aspekt führt. Das Wesen des Luxus ist es, dass derjenige, der ihn genießt, nicht unbedingt daran interessiert ist, dass ihn alle genießen.

Denn was jeder oder fast jeder hat oder haben kann, das kann auch kein Luxus sein. Weshalb es auch nicht zu Tränen rührt, wenn ein Manager sagt, für ihn sei es der größte Luxus, wenn er ein paar Stunden mit seinen Kindern verbringen könne. Ist dann erst der Nil der Krokodilstränen versiegt, bleibt die Zuversicht, dass ein Jahressalär von 15 Millionen Euro ein Trostpflästerchen sein könnte.

Doch es gibt eine Ausnahme. Die meisten Bewohner dieses Landes haben zum Beispiel den Luxus erlebt, seit mehr als einem halben Jahrhundert von Kriegen verschont zu sein. Von diversen Rosenkriegen einmal abgesehen. Da müssten wir uns doch eigentlich den Luxus leisten können, auch Menschen, die noch nicht so lange oder bisher gar nicht diesen Luxus hatten, ein bisschen Frieden zu gönnen.