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Zeit im Überfluss

Die Zahlen sind einigermaßen sicher. Sie kommen von Facebook . Demnach waren in Deutschland im 1. Quartal 2017 täglich 23 Millionen Menschen auf Facebook aktiv.  Von einer anderen Quelle wird bestätigt, dass jeder Nutzer im Durchschnitt 20 Minuten am Tag auf Facebook verbringt. Das sind also täglich 7.666.666,66  Stunden. Und dann gibt es ja noch Instagram und Twitter, Messenger-Dienste, Youtube oder Pinterest, die Emails müssen gecheckt und Meldungen angeklickt werden.  

Und nicht ganz unerheblich ist natürlich auch die Zahl jener, die sich auf Pornoseiten tummeln. 12,5 Prozent des gesamten Internet-Verkehrs in Deutschland soll auf Porno-Seiten entfallen, ein Nutzer bleibt dann durchschnittlich acht Minuten und eine Sekunde auf der Seite. Aus verständlichen Gründen gibt es jedoch keine aussagekräftigen Daten darüber, wie viele Nutzer es täglich sind. Man weiß nur, dass die Zahlen während einer Fußball-WM oder EM sinken. Schätzen wir also einmal vorsichtig, dass die Zahlen ähnlich hoch sind wie bei Facebook, dann kommen wir auf weitere 3.066.666,66 Stunden täglich.

Andererseits hat mindestens jeder dritte Deutsche das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben. Obwohl die Menschen älter werden, Autos, Flugzeuge und – manchmal – schnelle Züge ebenso vermeintlich Zeit sparen wie kleine und große Helfer im Haushalt und am Arbeitsplatz. Das Resultat ist jedenfalls, dass sich die meisten Menschen gestresst fühlen. Und damit automatisch unsozialer werden. Diesen Zusammenhang hatten jedenfalls die Psychologen John Darley und Daniel Batson schon in den 1970-er Jahren herausgefunden. Ganz abgesehen davon, dass Menschen, die ihre Zeit optimal nutzen wollen, oft das übersehen, was ihnen eigentlich Spaß machen würde. Also schreibe ich heute wieder einen Beitrag für meinen Blog.

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Rosige Zeiten

Das letzte Mal habe ich 2006 vor der Fußball-WM in Deutschland so zuversichtlich in die Zukunft geschaut. Denn jetzt hat eine große deutsche Volkspartei die Katze aus dem Sack gelassen respektive mit ihrem Wahlprogramm angekündigt, was im Füllhorn ist, das sie über die Bundesrepublik ausleeren möchte. Und natürlich wird das Kindergeld erhöht, es wird ein Bausparkindergeld geben, und Grunderwerbssteuer beim Eigenheimkauf fällt in Zukunft weg. Wenn diese Partei im Herbst die Regierung stellen wird. Und worüber sich insbesondere Empfänger von Hartz IV, Alleinerziehende  und Minijobber freuen werden.

Aber das ist natürlich nicht alles. Wir werden Vollbeschäftigung haben, und es wird Steuerentlastungen bei der Einkommensteuer geben. Mehr Hilfe für Familien und mehr Polizei, aber auf keinen Fall Steuererhöhungen. Schnelles Internet ist so gut wie garantiert, 1,5 Millionen Wohnungen sind geplant, und der Solidaritätszuschlag wird schrittweise abgebaut. Und was kinderreiche Familien besonders freuen wird, kleine und mittlere Firmen können in Zukunft Forschungs- und Entwicklungsausgaben steuerlich absetzen, wenn unsere Kanzlerin wiedergewählt wird.

Außerdem wird die Ganztagsbetreuung in Grundschulen ausgebaut werden, wohingegen eine Obergrenze für Flüchtlinge wohl erst im CSU-eigenen Wahlprogramm stehen wird, das ebenfalls in diesen Tagen vorgestellt wird. An eine Rentenreform ist zwar erst nach 2030 gedacht, was meine Euphorie allerdings in keinster Weise trübt. Schließlich sind die Renten bis dahin sicher, wie der amtierende Bundesfinanzminister sagt. Und nach derzeitigen medizinischen Erkenntnissen wird die dann für mich sowieso nicht mehr relevant sein.

Ein Herz für Ausländer

Es ist, wie ich es vermutet habe. Man muss nur richtig hinsehen, und schon kann man entdecken, wie viel Gutes getan wird. Nehmen wir zum Beispiel die Schweiz. Soll ja angeblich nicht sehr freundlich zu Ausländern sein. Stimmt aber überhaupt nicht. Jetzt wurde sogar das extrem strenge Nachtflugverbot für den Züricher Flughafen außer Kraft gesetzt. Damit sich ein Mann aus Katar in Zürich medizinisch versorgen lassen kann. Ein „medizinischer Notfall“, wie das zuständige Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt bestätigte. Zwar war die Maschine schon gestartet, bevor eine Ausnahmegenehmigung erteilt worden war. Aber wie sich zeigte, hatte man zu Recht auf das gute Herz der Schweizer Behörden gehofft.

Inzwischen wurde zudem bekannt, dass es sich bei dem medizinischen Notfall nicht, wie ursprünglich verlautbart, um einen Beinbruch handelte. Laut der Sprecherin der behandelnden Schulthess Klinik musste „ein chirurgischer Eingriff an der linken Hüfte“ vorgenommen werden. Was wiederum die Aufhebung des Nachtflugverbots für zwei weitere Maschinen nachvollziehbar macht. In einer der beiden Maschinen aus Katar, einer A330, befindet sich eine „integrierte Intensivstation“. Der ausländische Patient ist übrigens nicht auf einer der Baustellen für die Fußball-WM in Katar verunglückt. Scheich Hamad bin Khalifa al Thani, Katars Staatsoberhaupt, hat im marokkanischen Skigebiet Ifrane Skiurlaub gemacht.