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TV-Moderator

Es ist richtig, dass Deutschland und Frankreich 1870/71 Krieg gegeneinander führten. Und auch der Erste  und der Zweite Weltkrieg soll nicht geleugnet werden, dass sich auch da Deutsche und  Franzosen feindselig gegenüber standen. Doch spätestens seit den Élysée-Vertrag von 1963 hat sich da etwas geändert. Und heutzutage denkt hierzulande kaum einer mehr an Verdun oder die Maginot-Linie, wenn er Croissants kauft oder an einem französischen Strand liegt.

Außer einem Fußball-Moderator des ZDF, der jetzt beim WM-Finale in Moskau seine große Stunde gekommen sah und die Gelegenheit nutzte, um sich für alles zu rächen, was Franzosen jemals Deutschen angetan haben oder angetan haben könnten. Vielleicht sollte ihn sein Arbeitgeber endlich einmal auf den neuesten Stand bringen. Und ihm vor allem einmal klar machen, welche Aufgabe ein TV-Moderator hat. Sogar solche, deren Eltern aus Ungarn kamen.

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Tag der Schande

Dem Kapitän wird vorgeworfen, Anweisungen missachtet zu haben. Ein Bundesminister hat sogar gefordert, dass die Mannschaft zur Rechenschaft gezogen werden müsse. Obwohl diese nur das tat, was sie und viele andere Menschen in so einem Fall für richtig halten. Und jetzt haben sich auch noch die Vereinten Nationen eingeschaltet. Sie haben das Verhalten der Offiziellen in dieser Sache gerügt und eine schnelle Lösung gefordert.

Und während Horst Seehofer am liebsten auch noch das Schiff beschlagnahmen lassen würde, fragt die deutsche Crew der „Lifeline“, die jetzt nach tagelanger Irrfahrt auf Malta einen Hafen anlaufen durfte, welcher Straftatbestand ihr denn vorgeworfen werden soll. Und ob es nach Meinung des Ministers ein Verbrechen sei, „Menschen aus Lebensgefahr zu retten“. Dem könnte man auch noch hinzufügen: Und das alles nur, um eine Wahl zu gewinnen?

Alle sind bereit

Beinahe wäre es noch eng geworden. Also die drei Kästen Bier haben wir ja gerade noch ergattert. Aber bei den Chips sah es düster aus. Vor allem die mit Meersalz und indischem Pfeffer haben wir erst im dritten Supermarkt bekommen. Zum Glück hatten wir ja nicht nur die Grillkohle gleich bei Beginn der Weltmeisterschaft gebunkert, sondern auch das komplette Grillfleisch und die Würstchen. Lief ja so eine BBQ-Aktion bei einem Discounter. Alles original, wie es auch die Amerikaner gerne haben, hat es da gegeben. Groß, und ohne dass man Gefahr läuft, dass es gleich verdirbt. Alles eingeschweißt und schon mit antibakterieller Soße.

Jedenfalls muss ich jetzt nur noch einen Windschutz auf dem Balkon bauen. Sonst bläst es die ganze Glut aus dem Grill. Das Gute ist, dass ich den Fernseher vom Balkon aus sehen kann. Nachdem er 65 Zoll hat, kann ich sogar vom Balkon aus noch den Ball erkennen. Außerdem haben wir natürlich Sky. Da kann man noch mal zurücklaufen lassen. Die Trikots sind jedenfalls auch schon gebügelt und die Fahnen auf dem Sofa drapiert. Jetzt muss ich nur noch in die Apotheke. Meine Frau hat sich vorsichtshalber noch Antidepressiva für mich verschreiben lassen.

Götterdämmerung

Angefangen hat es ja schon vor geraumer Zeit. Als nämlich das einstige Gütesiegel „Made in Germany“ auf einmal auch für Betrügereien stand. Müßig zu erwähnen, wovon ich spreche. Auf jeden Fall war alles, worauf dieser beispiellose wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg basierte, auf einmal von einer tiefdunklen Wolke überschattet. Doch das war erst der Anfang.

Denn es ging weiter mit einem ebenso beispiellosen Familienstreit, nämlich zwischen den beiden Schwesterparteien CDU und CSU. Einmal mehr zeigte es sich, dass Blut doch nicht dicker ist als Wasser. Wenn nämlich die Ausländerfluten über ein Land hereinbrechen. Stammt übrigens nicht von mir, diese drastische Formulierung, sondern von CSU-Politikern. Und die Tatsache, dass es momentan durchaus so aussieht, als könnte es sogar zum Schwestermord kommen, zeigt, dass der Bruch scheinbar noch nicht einmal von dem bei Politikern ja fast genetisch bedingten Streben nach Machterhalt gekittet werden kann.

Doch dass Deutschland wirklich und wahrhaftig auf den Abgrund zuschleudert, das hat definitiv erst der gestrige Tag gezeigt, vielmehr der Nachmittag. Als nämlich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im Erstrundenspiel der Fußball-WM in Russland eine 0:1 Niederlage hinnehmen musste, die mehr als verdient war. Weshalb man mit Fug und Recht sagen kann, dass wir vorgestern noch am Abgrund standen – aber nach dem gestrigen Tag auf jeden Fall schon einen Schritt weiter sind.  

 

 

Erste die Vorzeige-Autofirmen, dann die Regierung am Abgrund. Und jetzt auch noch die Fußball-Nationalmannschaft. Gestern standen wir noch am Abgrund – heute sind wir einen Schritt weiter.

Fußballfieber

Die Krähe, die gerne auch einmal mit dem Raben verwechselt wird, ist wie dieser ein bemerkenswertes Tier. Die Wissenschaft geht davon aus, dass sie unter den Vögeln der intelligenteste ist. Und dass dieser Vogel ausgesprochen lernfähig ist, dafür gibt es unzählige Beispiele und Untersuchungen. Wer öfter mal an einer Ampel steht, kann das möglicherweise bestätigen. Lassen sich Krähen doch gerne Nüsse von Autos knacken. Was an Ampeln Sinn macht. Bei großer Geschwindigkeit würde der Inhalt einer Nuss in alle Richtungen verstreut werden.

Dass es auch sehr soziale Tiere sein können, habe ich mit eigenen Augen erlebt. Ein Habicht hatte sich eine junge Krähe gekrallt. Aber offensichtlich nicht mit den anderen Krähen gerechnet. Die haben ihn nämlich so lange und im Sturzflug in einer durchaus stringenten Aktion angegriffen, bis der Habicht seine Beute fallen lassen musste, um sich in Sicherheit zu bringen. Auch dann noch kümmerten sich seine Artgenossen um die Nachwuchs-Krähe, blieben so lange in seiner Nähe, bis sie sich erholt hatte und mit den anderen Krähen wegfliegen konnte.

In einer kleinen Stadt in Deutschland, deren Namen ich freundlicherweise verschweigen möchte, gibt es einen kleinen Park, in dem nicht wenige Krähen nisten, es also momentan viel Nachwuchs gibt. Und wo es schon mal passieren kann, dass eine allzu vorwitzige Krähe aus dem Nest fällt, sich vielleicht sogar verletzt. Wie es dieser Tage passierte, und was von zwei Männern bemerkt wurde. Die die Gelegenheit dazu benutzten, mit dem auf dem Boden humpelnden Tier Fußball zu spielen, es sich gegenseitig zuzuschießen. Als sie wegen einer Passantin von dem Vogel endlich abließen und wegliefen, war die Krähe bereits tot.

Zeit im Überfluss

Die Zahlen sind einigermaßen sicher. Sie kommen von Facebook . Demnach waren in Deutschland im 1. Quartal 2017 täglich 23 Millionen Menschen auf Facebook aktiv.  Von einer anderen Quelle wird bestätigt, dass jeder Nutzer im Durchschnitt 20 Minuten am Tag auf Facebook verbringt. Das sind also täglich 7.666.666,66  Stunden. Und dann gibt es ja noch Instagram und Twitter, Messenger-Dienste, Youtube oder Pinterest, die Emails müssen gecheckt und Meldungen angeklickt werden.  

Und nicht ganz unerheblich ist natürlich auch die Zahl jener, die sich auf Pornoseiten tummeln. 12,5 Prozent des gesamten Internet-Verkehrs in Deutschland soll auf Porno-Seiten entfallen, ein Nutzer bleibt dann durchschnittlich acht Minuten und eine Sekunde auf der Seite. Aus verständlichen Gründen gibt es jedoch keine aussagekräftigen Daten darüber, wie viele Nutzer es täglich sind. Man weiß nur, dass die Zahlen während einer Fußball-WM oder EM sinken. Schätzen wir also einmal vorsichtig, dass die Zahlen ähnlich hoch sind wie bei Facebook, dann kommen wir auf weitere 3.066.666,66 Stunden täglich.

Andererseits hat mindestens jeder dritte Deutsche das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben. Obwohl die Menschen älter werden, Autos, Flugzeuge und – manchmal – schnelle Züge ebenso vermeintlich Zeit sparen wie kleine und große Helfer im Haushalt und am Arbeitsplatz. Das Resultat ist jedenfalls, dass sich die meisten Menschen gestresst fühlen. Und damit automatisch unsozialer werden. Diesen Zusammenhang hatten jedenfalls die Psychologen John Darley und Daniel Batson schon in den 1970-er Jahren herausgefunden. Ganz abgesehen davon, dass Menschen, die ihre Zeit optimal nutzen wollen, oft das übersehen, was ihnen eigentlich Spaß machen würde. Also schreibe ich heute wieder einen Beitrag für meinen Blog.

Rosige Zeiten

Das letzte Mal habe ich 2006 vor der Fußball-WM in Deutschland so zuversichtlich in die Zukunft geschaut. Denn jetzt hat eine große deutsche Volkspartei die Katze aus dem Sack gelassen respektive mit ihrem Wahlprogramm angekündigt, was im Füllhorn ist, das sie über die Bundesrepublik ausleeren möchte. Und natürlich wird das Kindergeld erhöht, es wird ein Bausparkindergeld geben, und Grunderwerbssteuer beim Eigenheimkauf fällt in Zukunft weg. Wenn diese Partei im Herbst die Regierung stellen wird. Und worüber sich insbesondere Empfänger von Hartz IV, Alleinerziehende  und Minijobber freuen werden.

Aber das ist natürlich nicht alles. Wir werden Vollbeschäftigung haben, und es wird Steuerentlastungen bei der Einkommensteuer geben. Mehr Hilfe für Familien und mehr Polizei, aber auf keinen Fall Steuererhöhungen. Schnelles Internet ist so gut wie garantiert, 1,5 Millionen Wohnungen sind geplant, und der Solidaritätszuschlag wird schrittweise abgebaut. Und was kinderreiche Familien besonders freuen wird, kleine und mittlere Firmen können in Zukunft Forschungs- und Entwicklungsausgaben steuerlich absetzen, wenn unsere Kanzlerin wiedergewählt wird.

Außerdem wird die Ganztagsbetreuung in Grundschulen ausgebaut werden, wohingegen eine Obergrenze für Flüchtlinge wohl erst im CSU-eigenen Wahlprogramm stehen wird, das ebenfalls in diesen Tagen vorgestellt wird. An eine Rentenreform ist zwar erst nach 2030 gedacht, was meine Euphorie allerdings in keinster Weise trübt. Schließlich sind die Renten bis dahin sicher, wie der amtierende Bundesfinanzminister sagt. Und nach derzeitigen medizinischen Erkenntnissen wird die dann für mich sowieso nicht mehr relevant sein.