Schlagwort-Archive: Gefühl

Banalitäten aus dem Machtzentrum

Was haben wir gebangt und gehofft. War es nicht ein bisschen wie Weihnachten? Da hat man doch auch immer das Gefühl, dass die Zeit viel zu langsam vergeht. Bis man es endlich hinter sich hat. Aber jetzt haben wir es geschafft. Sonderermittler Mueller hat seinen Bericht vorgelegt. Und wenigstens dieses eine Mal passiert genau das, was zu erwarten war. Nämlich nichts. Denn dass sich jetzt der US-Präsident auf die Brust schlägt und dabei aussieht wie ein gut geföhnter Primat, das ist ja kein Ereignis. Es ist gewöhnlichster Alltag.

Das Einzige, was diese Totgeburt – damit ist selbstverständlich der Abschlussbericht gemeint – noch zu ein bisschen Leben erwecken könnte, das wäre ein sympathischer kleiner Whistleblower. Also wenn man erfahren würde, was wirklich drin steht. Man also mehr weiß, als das, was ein Politiker, der sicher an seinem gut dotierten Posten hängt, preisgibt. Schließlich sollte kein Hund die Hand beißen, die ihn füttert. Weshalb mir auffällt, das für meine Verhältnisse auffallend viele Tiere in diesem Beitrag vorkommen. Wird wohl Zeit, dass wieder die Bienen zu Wort kommen. Deren Fortbestand ist schließlich etwas wirklich Wichtiges.

Kohleausstieg

Die Erde ist gerettet. Also vielleicht nicht die ganze Erde. Aber doch zumindest ein Teil von ihr. Nämlich in erster Linie das Helmstedter Revier, das Mitteldeutsche Revier, das Lausitzer Revier und das Rheinische Revier. Sie sollen in den kommenden 20 Jahren 40 Milliarden Euro bekommen. Damit sie bis 2038 Kohlekraftwerke abschalten können, die zum Teil sowieso aus Altersgründen still gelegt werden.

 

Als Gegenleistung dürfen sie bis 2022 noch mal schnell circa 768 Millionen Tonnen CO² in die Luft blasen. Dann wird’s allerdings weniger, in zehn Jahren sollen es dann nur noch um die 90 Millionen Tonnen sein. Kein Wunder also, dass die Anleger sich auf die Aktien der Unternehmen, die Kohlekraftwerke betreiben, stürzten. Was zum Beispiel für die RWE-Aktie ein Plus von 5 Prozent bedeutete. Schließlich winkt ein zweistelliger Milliardenbetrag für den Ausstieg.

 

Aber nicht nur Aktionäre dürfen sich freuen, sondern auch Naturfreunde sind begeistert. Der Hambacher Forst wird vielleicht unter Umständen nicht abgeholzt. Und damit der Rest der Republik nicht abgehängt wird in Sachen Kohle, irgendwie auch das Gefühl hat, nicht vergessen zu werden, dürfen sich alle Stromverbraucher schon einmal seelisch und moralisch darauf vorbereiten, dass Fernsehen oder das Aufwärmen der Pizza höchstwahrscheinlich teurer werden.

Klassenkampf

Das passt natürlich überhaupt nicht in unsere Zeit. Schließlich sind wir liberal, weltoffen und global. Was ja auch alles schön und gut sein könnte. Wenn wir nicht gleichzeitig auch Verhältnisse wie im Mittelalter hätten. Einen Feudalismus der Politik und der Konzerne zum Beispiel. Örtlich begrenzt. Und Gesellschaften, in denen immer noch wenige sehr viel mehr besitzen als der Rest der Menschheit. Gesellschaften, in denen immer noch das Geschlecht darüber entscheidet, wie groß die Chance ist, annähernd selbst bestimmt und einigermaßen unbehelligt vom anderen Geschlecht zu leben.

Aber schließlich haben wir ja schon einmal einen groß angelegten Feldversuch erlebt, der kläglich gescheitert ist. Den Versuch nämlich, Klassengegensätze und gesellschaftliche Verformungen zu überwinden. Hätten ja auch die Arbeiter erledigen sollen. Konnte ja nicht funktionieren. Weshalb es von Stund‘ an zumindest für die große Mehrheit nicht mehr politisch oder sonst wie korrekt war, auch nur daran zu glauben, dass man trotzdem für mehr Gerechtigkeit und Gleichheit kämpfen müsse. Und wir uns seitdem in dem guten Gefühl suhlen, dass man das Unrecht halt einfach nicht abschaffen könne. Es scheint die einzige nachhaltige Veränderung des letzten Jahrhunderts zu sein.

Schweigen

Tage gibt es, da wäre so viel zu sagen. Ein Blick über die Straße. In eine Zeitung. Auf einen TV-Bildschirm. Und dann macht man vielleicht noch eine Email auf. Und hat schon wieder etwas, worüber man sprechen müsste. Aber es kommt kein Wort über die Lippen. Weil man das Gefühl hat, das jedes Wort nur wieder das Fass zum Überlaufen bringen könnte. Und dann eine Flut losbricht, die Dämme einreißen kann.

Und alles überdeckt, was einem eigentlich wichtig ist. Was einem eigentlich sehr viel mehr wert ist als dieses Gerede, das einem den letzten Nerv raubt. Weil man es wieder und wieder hört.  Seit Jahren. Seit Jahrzehnten. Seit Jahrhunderten. Es will einem einfach nicht in den Kopf, dass die Menschen nicht damit aufhören. Und weil man alles sein möchte, nur nicht so wie sie, deshalb schweigt man. Vielleicht aber auch, weil man weiß, dass man genauso ist wie sie.   

Verhaltene Freude

Eigentlich müsste man ja jubeln. Endlich einmal war die Empörung groß und laut genug, dass der ansonsten unerschrocken uneinsichtige US-Präsident eingelenkt hat. Könnte man zumindest glauben. Hat er doch nun dafür gesorgt, dass die Kinder von unerwünschten Grenzgängern nicht mehr von den Eltern, von Mutter und Vater, getrennt werden.

Warum aber beschleicht mich dieses Gefühl der Beklemmung. Weil die Kinder jetzt nämlich mit Mutter und Vater ins Gefängnis wandern? Vielleicht weil ich befürchte, dass der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, jenes Staates, der ein unerbittlicher Kämpfer für Menschenrechte und Wächter aller Moral war, dass dieser Präsident nicht versehentlich ein Gefühl wie Empathie entdeckt hat?  Sondern vielmehr gemerkt hat, dass diese Art der von ihm sonst so geliebten Aufmerksamkeit schlecht für seine Deals ist?

Und es außerdem nicht funktioniert hat, mit dem angsterfüllten Schluchzen der Kinder den Kongress dazu zu bewegen, ihm endlich die Finanzierung der amerikanischen Mauer nach chinesischem Vorbild zu genehmigen. Möglich ist es natürlich auch, dass er durch die Bilder, die in diesem Zusammenhang um die Welt gingen, seinen Plan gefährdet sah, der fünfte US-amerikanische Präsident zu werden, der den Friedensnobelpreis bekommen hat.

Uneingeschränkte Freude kann also nur darüber aufkommen, dass das Nobelpreis-Komitee im Falle der angeblichen Nominierung Donald Trumps für den Friedensnobelpreis die Polizei eingeschaltet hat.

Sinnloses Glück

Damit hier auch einmal etwas Intelligentes steht, also ein Gedanke beispielsweise, der nicht nur Hand und Fuß hat, sondern auch noch zum Denken anregt, habe ich mich entschlossen, heute einmal jemand anderes zu Wort kommen zu lassen. Nämlich die Zeit-Redakteurin Iris Radisch. Die im Falle eines Falles von einem Gefühl von Sinnlosigkeit Albert Camus liest. Was ich nachvollziehen kann, mir hilft das auch. Doch was sie Kluges in diesem Zusammenhang schrieb, das wäre mir nie im Leben eingefallen.

Hier ihre Begründung für den Griff zum Buch: „Denn das ganze Glücks- und Lebenssinngequatsche geht mir im Grunde ziemlich auf die Nerven. Ständig soll man glücklich sein. Als wenn es nicht reichen würde, dass man lebendig ist. Solange man lebt, also richtig lebt, spielt die Sinnlosigkeit keine Rolle.“ Es ist sinnlos, darüber nachzugrübeln, warum mir das nicht eingefallen ist. Obwohl ich es doch ganz genauso sehe.     

Erfolgs-Story

Angeblich hat die SPD zwanzigtausend Flüchtlinge rausgeschlagen. Was ja durchaus beachtlich ist, wenn man davon ausgeht, dass die UNO-Flüchtlingshilfe von etwa 65 Millionen Flüchtlingen weltweit ausgeht. Jedenfalls ist jetzt angeblich von 180 000 bis 220 000 Flüchtlingen jährlich die Rede, über die nachzudenken eine künftige GroKo gewillt wäre.

Und als Zuckerl obendrauf für die SPD-Basis soll der Solidaritätszuschlag reduziert werden. Schließlich wird es keine Steuererhöhung für Spitzenverdiener geben wird. Und außerdem ist nach dem Abschneiden der AfD in den einstmals neuen Bundesländern Solidarität in diesem Zusammenhang nicht mehr unbedingt das Wort der Stunde.

Einen Kompromiss hat man auch für die Bürgerversicherung gefunden. Mit der es vielleicht möglich geworden wäre, die Zwei-Klassen-Gesellschaft im sogenannten Gesundheitswesen zu beenden. Aber nachdem für den Eintritt dieses Super-Gaus prophylaktisch schon viele Ärzte die Beantragung von Hartz IV in Aussicht gestellt haben sollen, hat man jetzt dem Hörensagen nach lieber vereinbart, dass sich in Zukunft wieder Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge teilen.

Und damit das Soziale komplett in den Mittelpunkt gerückt wird, und so vielleicht sogar die Jusos begeistert werden können, hat man offensichtlich das Thema Umwelt erst mal weitestgehend ausgeklammert und stattdessen eine Erhöhung des Kindergeldes um 25 Euro avisiert. Weshalb einen dann doch ein bisschen das Gefühl beschleichen möchte, dass vielleicht das eine oder andere von den SPD-Forderungen auf der Strecke geblieben sein könnte. Und das eventuell dem Verhandlungsgeschick der Sozialdemokraten anzulasten wäre.

Denn wenn die SPD der CSU signalisiert hätte, dass sie lieber einen Seehofer als Bundeskanzler hätte und Dobrindt unbedingt Finanzminister werden müsste, dann hätte sie im Gegenzug auch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes für hohe Einkommen zugestanden bekommen. Die CDU hätte wohl trotzdem zu ihrer Verantwortung gestanden, für Volk und Vaterland, und letztendlich zugestimmt. Eine günstigere Gelegenheit, Angela Merkel los zu werden, wäre ja wohl nicht mehr so schnell gekommen.

Bonn(e) nuit

Heute ist also der große Tag. Ein Meilenstein bekommt seinen Platz, das Spektakel beginnt. Und es wird wohl erneut eine Klimakonferenz sein, die Geschichte schreibt. Es werden Absichten vereinbart werden, die zwar nicht unbedingt besagen, dass irgendetwas davon umgesetzt wird. Aber man wird das gute Gefühl haben, dass jetzt etwas passieren könnte. Es also noch nicht zu spät ist, die Menschheit noch gerettet werden kann.

Und es gibt sogar Leute, die zumindest den Eindruck vermitteln, dass sie daran interessiert wären. Auch wenn Chinas Mann No. 1, Herr Xi Jinping, vor allem daran denkt, dass dies ein neuer, lukrativer Markt sein könnte, wenn er davon spricht, dass China alles tun werde, um die in Paris anvisierten Klimaziele einzuhalten. Doch leider haben wir keinen Herrn Xi.

Denn Frau Merkel würde Deutschland zwar weiterhin gerne als Vorreiter verkaufen, die Einsicht, dass das vielleicht Konsequenzen haben müsste, hat sich noch nicht durchgesetzt. Außerdem gibt es jetzt ein kleines Problem.

Es gibt Herrn Lindner und die F.D.P. Denn vor die Frage gestellt, ob man bereit sei fürs Klima Arbeitsplätze „zu opfern“, also den „industriellen Selbstmord“ zu riskieren, möchten Herr Lindner und die F.D.P lieber die Menschheit opfern. Dass in Deutschland wieder liberale Politik gemacht wird, ist eben wichtiger.

 

Sommer

Man hat auch in diesem Jahr wieder den Eindruck, dass der Großteil der Menschen jedes Jahr aufs Neue überrascht ist. Natürlich haben viele so eine dumpfe Ahnung, die nebulöse Erinnerung ans vergangene Jahr. Aber dass es im Sommer richtig warm werden kann, mitunter sogar heiß, das überrascht sie dann offensichtlich doch. Nur so lässt sich erklären, dass jetzt wieder so viele Gespräche um die Temperaturen kreisen und nicht immer so positiv besetzt sind, wie das zum Beispiel Gespräche und ihr Tenor im Winter vermuten lassen würden.

Waren sie doch damals von den Unbilden der Kälte geprägt und von dieser Sehnsucht nach Wärme und Sonne. Und jetzt haben wir Sonne, und es ist warm, und schon dürfte es auch durchaus gerne ein bisschen kälter sein. Womit wir schon bei einem der ganz großen philosophischen Themen wäre, einem, das bis weit in die menschliche Psyche hineinwirkt. Etwas landläufig ausgedrückt geht es also um die Frage, warum der Ist-Zustand für Menschen so oft eher unerträglich ist.

Beispiel Liebe. Da wird Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um das Objekt der Liebe und nicht selten und je nach Geschlecht auch der Begierde an sich zu ketten. Ist es dann jedoch gelungen, so setzen schon erste Absetzungstendenzen ein. Und wenn es nur die Flucht in den Haushalt oder auf den Fußballplatz ist. Oder nehmen wir die angeblich schönsten Tage des Jahres. Egal ob es jetzt Weihnachten ist oder der Urlaub, zumeist stimmt dann doch wieder etwas nicht. Sei es, dass der Braten zu trocken oder der Urlaub zu feucht ist. Der größte Nachteil: Es stört den Gesamteindruck. Das Grundgefühl.

Warum sich also nicht einmal für etwas entscheiden. Und dann auch die Konsequenzen akzeptieren, die nicht so ganz in die ursprüngliche Vorstellung passen. Denn, es wurde sicher schon auf diesen Seiten einmal erwähnt, die Sternstunden, wenn alles hundertprozentig stimmig ist und unseren Vorstellungen entspricht, sie sind so selten wie Schnee im Sommer. Und vor allem sind diese Sternstunden fast immer nur Sekunden, maximal Minuten lang. Ansonsten gibt es kein vollkommenes Glück. Auch nicht im Sommer.