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Geniale Lösung

Also, wenn das mal keine Überraschung ist. Ich dachte ja eigentlich, dass sie sich in Berlin sagen, „wir machen durch bis morgen Früh und singen bums fallera“, und erst am unsinnigen Donnerstag mit ihrem Koalitionspapier herausrücken. Weil da wahrscheinlich eh‘ kaum jemand in der Lage wäre, es zu lesen. Geschweige denn, es zu verstehen. Aber nein. Kommen sie jetzt doch noch heute, quasi in allerletzter Sekunde und mit einem Geniestreich um die Ecke, um nicht zu sagen, aus ihrer Reha-Klinik. Dort dauert die Behandlung ja auch oft länger, als zuerst einmal angenommen.

Man hat es zwar noch nicht Schwarz auf Weiß gelesen, geschweige denn in den angeblich sozialen Medien bestätigt bekommen. Aber es ist zumindest schon was durchgesickert. Dass nämlich Martin Schulz Außenminister wird. Und Horst Seehofer Innenminister. Was im Klartext bedeuten würde, dass der SPD-Vorsitzende nicht mehr SPD-Vorsitzender wäre. Was ihm die Basis danken wird. Und dass Horst Seehofer seinen Lebenstraum verwirklichen und die einströmenden Flüchtlinge einzeln zählen könnte. Da wäre die Obergrenze also auch sicher. Und der Söder glücklich. Einfach genial.  

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Wonniges Wohnen

Man sieht sie im Fernsehen und natürlich oft auch in der Realität. An den angesagten Reisezielen oder letzten touristischen Geheimtipps. Mit ihren High-Tech-Wohnmobilen mit Dusche und WLAN, immer gut gebräunt, meistens bester Laune. Weil sie nämlich nicht nur mal gerade eine Woche weggefahren sind. Sondern eher schon im zweiten oder dritten Monat in sonnigen Gefilden unterwegs sind. Und ihre Botschaft lautet: Herrlich ist das Rentner-Leben.

Nicht so häufig und schon eher ganz selten in den begehrten Urlaubsorten auf den fünf Kontinenten sind hingegen jene zu sehen, die zwar auch Rentnerinnen oder Rentner sind, aber vorrangig in einer leicht zugigen kleinen Wohnung aus den 1950-er Jahren sitzen. Gerade so über die Runden kommen. Und natürlich jubeln würden, wenn sie jetzt die Schlagzeile der Online-Ausgabe einer bekannten Wochenzeitung lesen könnten: Milliarden für die Rentner: Union und SPD auf teurem Sozialkurs.

Doch sie können ihre Baldrian-Tabletten beruhigt in der Schublade lassen, denn dass jetzt deswegen unbedingt mehr Geld auf ihren Konten landet, der Monat nicht schon eigentlich am 20. zu Ende sein müsste, ist unwahrscheinlich. Beschäftigt man sich nämlich ein wenig mit den Details der beabsichtigten Regelungen und Ausgaben, dann läuft es eher darauf hinaus, dass sich die Besitzer eines Wohnmobils unter den Rentnern endlich einen Induktionsherd leisten können. Und für die anderen vielleicht eine extra Packung Schmelzkäse herausspringt. Von Aldi.

Es wird zur Jagd geblasen

Ist das nicht eine großartige Idee. Juso-Vorsitzender Kevin Kühnert will ja möglichst viele Menschen jetzt noch schnell überreden, Mitglied der SPD zu werden. Um dann und im besten Fall bei der anstehenden Abstimmung über eine GroKo gegen selbige zu stimmen. Einmal abgesehen davon, dass Mancher wieder einmal sein Vorurteil gegenüber Träger des Namens Kevin bestätigt sieht, werden wohl nicht nur die GroKo-Gegner in der SPD von dieser Aktion profitieren.

Die SPD zwar insgesamt durch die zusätzlichen Mitgliederbeiträge. Vielleicht kommt ja so genug Geld zusammen, dass man nicht nur ein komplett neues Outfit für den Vorsitzenden anschaffen kann, sondern im günstigsten Falle auch noch einen komplett neuen Vorsitzenden. Aber durch einen Trend, der sich bereits insbesondere im Osten der Republik abzeichnet, würde noch jemand profitieren.

Weil zum Beispiel in Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich viele neue Mitglieder zu verzeichnen sind – ein SPD-Sprecher sieht sogar „exorbitant“ viele –, liegt die Vermutung nahe, dass sich hier wohl besonders viele Rechte und AfD-Anhänger ein Parteibuch bei der SPD abholen. Um sich so effizient und ganz im Sinne des GroKo-Gegners und AfD-Vorsitzenden Gauland an der Jagd auf Frau Merkel zu beteiligen. Wäre nur noch zu klären, ob nicht nur eine doppelte Staatsbürgerschaft sondern auch eine doppelte Parteizugehörigkeit möglich ist.

Es ist vollbracht

Heureka! Könnte man sagen, wenn man des Alt-Griechischen mächtig wäre. Jedenfalls ist nicht nur der Groschen sondern auch eine Entscheidung gefallen. Vor wenigen Minuten hat der SPD-Vorstand das Ergebnis verkündet, und es bedeutet ein „Ja“ zu Koalitionsverhandlungen. Was auch bedeutet – natürlich auch Alexander Dobrindt sei Dank –, dass der Zwergenaufstand niedergeschlagen wurde. Und selbst wenn man nicht unbedingt ein Verfechter von weiteren vier Jahren behäbigen Regierens ist, weitere Monate ohne eine Regierung wären jetzt auch nicht so prickelnd gewesen.

Was mich ganz persönlich am meisten an einer Groko stört, das ist der Verdacht, dass es zu einem Wiedersehen kommen könnte mit manchem Gesicht, das schon in der vergangenen Legislaturperiode latente Brechreize ausgelöst hat. Der sich nicht unbedingt und einzig auf ein Pflanzengift oder Auto-Schadstoffe zurückführen lässt, aber doch zumindest in einem engen Zusammenhang mit diesen steht.

Ich wünsche mir eine Chance für neue Gesichter, wohl wissend, dass auch hinter diesen nicht immer und zu allen Gelegenheiten ein kluger Kopf stecken wird. Ganz ohne Nostalgie wird es sowieso nicht abgehen. Schließlich bleibt uns Frau Merkel erhalten. Die Aufgabe könnte also lauten: Bewahren und trotzdem in die Zukunft schauen. Das könnte sich auszahlen. Auch ohne Steuersenkung für Vielverdiener.

Google statt GroKo

Daran sollten sich alle Beteiligten an diesem Trauerspiel, das schon bald sein dreimonatiges Jubiläum feiern darf, ein Beispiel nehmen. Google sondiert nicht, Google handelt. Gründet zum Beispiel die Google Zukunftswerkstatt, die alle unterstützt, die den Aufbruch wagen möchten. Steht genauso in einer Broschüre, mit dem schönen Slogan „Aufbruch Wirtschaft“. Der die Herzen manches FDP-Funktionärs sicher höher schlagen lässt, auf jeden Fall das ihres Vorsitzenden.

Doch auch für SPD-Sympathisanten ist was dabei. Nämlich die gute Nachricht, dass im Kreis Olpe Weltmarktführer für Beschäftigung sorgen, dank Digitalisierung und Google. Wäre also ein Modell für den Kohleausstieg. Und damit sich niemand von der CDU benachteiligt fühlt, hat sich Google auch mit der Digitalbotschafterin der Noch-Bundesregierung vernetzt. Nur der Rest der Noch-Opposition bleibt etwas außen vor, kann sich aber bei einem der kostenlosen Kurse von Google anmelden, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Für Einsteiger, die Grundlagen der Digitalisierung verstehen und nutzen wollen. Oder für Kreative, die ihr Potenzial freisetzen möchten.

Die Botschaft: Google ergreift die Initiative. Google fördert. Google gibt die Richtung vor. Ohne lange zu sondieren. Ohne überhaupt zu sondieren. Denn Google braucht nur Google. Und vielleicht noch die Millionen täglicher Nutzer, die Google mit den Daten versorgen, mit denen Google Geld verdient. Ohne einen Penny dafür bezahlt zu haben. Woran sich auch eine zukünftige Regierung in diesem, unserem Lande ein Beispiel nehmen sollte. Falls es demnächst mal eine gibt.

Bayern zeigt den Weg

Ob Glyphosat krebserregend ist, das scheint nach wie vor strittig zu sein. Dass das Unkrautvernichtungsmittel das politische Klima vergiftet, ist sei heute bewiesen. Dem CSU-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt und seiner Entscheidung, den weiteren Gebrauch von Glyphosat in Europa für fünf Jahre in Brüssel zu befürworten, obwohl SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks strickt dagegen war, sei Dank. Nur am Rande: Wenn zwei Ministerien unterschiedlicher Ansicht sind, dann sieht die Geschäftsordnung vor, dass sich Deutschland in Brüssel der Stimme enthält.

Es gibt allerdings noch keine Hinweise darauf, ob sich die geschäftsführende Bundeskanzlerin, die gerne wieder eine Große Koalition hätte, bereits bei CSU-Minister Schmidt für diesen Alleingang bedankt hat. Dank derer sie jetzt wohl eine viel bessere Ausgangsposition für die Verhandlungen mit der SPD hat. Jetzt wissen die Sozis nämlich ein für allemal, was sie im Falle einer GroKo für die nächsten vier Jahre von CDU/CSU zu erwarten haben. Vielleicht hat ja Schmidt mit dem Glyphosat dafür gesorgt, dass die Bundesrepublik doch noch eine MiHeiReg (Minderheitsregierung) bekommt. Was einmal mehr zeigen würde, dass, auch wenn Seehofer schwächelt, die Politik für Deutschland in Wahrheit in Bayern gemacht wird.

Zwickmühle

So richtig begeistern konnte ich mich für diese Volkspartei zum letzten Mal als Willy Brandt Vorsitzender und deutscher Bundeskanzler war. Für alle Abiturienten: Vorsitzender der SPD war Willy Brandt von 1964 bis 1987, Kanzler war er von 1969 bis 1974. Also durchaus verständlich, falls jemand mit dem Namen nichts anfangen kann.

Begeistert hat mich die SPD damals auch, weil sie Brandt als Kanzlerkandidaten aufstellte, während er von Vertretern der anderen einstigen Volkspartei gerne als Vaterlandsverräter verleumdet wurde, weil er im WK II nicht in Hitlers Auftrag an vorderster Front gekämpft hatte. Während sich von ihnen niemand über Alt-Nazis in Politik und Staatsämtern aufregte.

So viel zum besseren Verständnis dafür, dass ich mit meinem Brechreiz momentan am Limit bin. Ich kann es wirklich nicht mehr hören. Denn die derzeitige moralische Entrüstung über das Verhalten der SPD dürfte in etwa das selbe Ausmaß gehabt haben, wenn sich ihr Vorsitzender nach dem Wahldebakel für eine GroKo ausgesprochen.

Und liebe Freunde der Häme: reicht euch eine Partei nicht, die alles boykottiert? Dass die SPD nach dieser „Abwahl“ lieber Opposition wollte, ist mehr als nachvollziehbar. Wer möchte nach einer gescheiterten Ehe gleich wieder die Frau heiraten, von der er gerade geschieden wurde. Andererseits erscheint es mir dann doch durchaus ehrenwert, nach einiger Zeit wegen der Kinder zu überlegen, ob man es nicht doch noch einmal probieren sollte.