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No Exit for Brexit

Sie können einem wirklich leidtun, diese Inselbewohner. Da hat sich eine knappe Mehrheit für einen Schritt entschieden, der jetzt wohl annähernd alle betroffen machen wird. Inklusive Fondmanager. Ein deutliches Signal, dass Volkes Wille nicht immer der sinnvollste ist. Aber nun ist es zu spät. Die Scheidung ist eingereicht. Da führt kein Weg zurück. Und es wird Leidtragende geben. Denn es wird auch für uns EU-Bürger nicht ohne Abstriche abgehen. Als erstes wird wohl Guinness-Bier teurer. Dann natürlich auch Plumpudding, Worcestersauce und Schottenröcke.

Auf der anderen Seite des Ärmelkanals sieht es allerdings noch drastischer aus. Denn irgendwie scheint man vergessen zu haben, dass England keine Kolonialmacht mehr ist. Nicht einmal das Commonwealth ist eine Alternative zur EU. Der Handel mit diesen Ländern, das sind aktuell eher Peanuts. Weil 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus Dienstleistungen herrühren. Es wird kaum produziert. Außerdem hat London auch als Finanzplatz einige Probleme am Hals.

Weshalb das Ganze irgendwie an Twitter-Donald erinnert. Mein Lieblingsbild der Woche: Er kippt Umweltstandards, damit die Kumpels wieder in den Berg einfahren können. Und die, die zur diesbezüglichen Daily Soap eingeladen waren, verziehen keine Miene. Was stark an Theresa May und England erinnerte. Sie ist voller Tatendrang und gut drauf. Doch im United Kingdom haben viele Menschen auf Halbmast geflaggt. Sogar der Absatz von Tassen mit dem Konterfei der Queen soll zurück gegangen sein. Das ist wirklich kein gutes Zeichen.

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They did it

Glaubte man manchem Kommentatoren oder Analysten, so stehen wir kurz vor einer Apokalypse. Die Gott sei Dank einen Namen hat, der sich leicht merken lässt. Brexit, das kommt griffig daher und ist auf jeden Fall einprägsamer als wenn jetzt Deutschland aus der EU ausgetreten wäre. Deutschlandexit? Dexit? Ersteres würde mal wieder etwas sehr nach Großdeutschem Reich klingen. Die Kurzversion eher wie ein Toilettenreiniger. Jedenfalls haben es die Briten getan. Sie haben für ihre Unabhängigkeit gekämpft und sie wiedergewonnen. Behaupten jedenfalls die Befürworter des EU-Austritts.

Was für mich ein bisschen so klingt, als ob hier jemand zu viel Guinness getrunken hätte. War bis jetzt Großbritannien eine Kolonie? War es nicht umgekehrt so, dass Großbritannien viele Kolonien hatte und sich auch mitunter ausgesprochen vehement gegen deren Unabhängigkeitsbestrebungen einsetzte?  Was mitunter zu den Verwerfungen geführt hat, deren Auswirkungen Europa jetzt das Leben so schwer machen. Was die Briten aber nicht dazu veranlasste, sich besonders oder überhaupt mitverantwortlich zu zeigen.

Kurzum, sieht man einmal von den Reaktionen der Finanzmärkte ab, die uns alle Geld kosten können, hat nach meiner Einschätzung die in letzter Zeit besonders laute Mehrheit, die sich jetzt heraus kristallisiert hat, eine kluge Entscheidung getroffen. Wenn in absehbarer Zeit zum Beispiel die Londoner Immobilienblase platzt, muss man wenigstens nicht befürchten, dass sich die Banken unter einen EU-Rettungsschirm flüchten.

Und sollten sich Befürchtungen bewahrheiten, dass Londons Ex-Bürgermeister Boris Johnson nach Camerons Rücktritt dessen Platz einnimmt, so hätten wir im Herbst vielleicht zwei neue Staatenlenker, die sich nicht nur ähneln, was die Frisur betrifft. Man möchte sie beide nicht mit im Boot haben, auch wenn es die leicht schwankende Fregatte EU ist. Bleibt nur zu hoffen, dass die EU jetzt nicht noch ein Flüchtlingsproblem bekommt. Noch eine Operation Sophia zur Rettung von Flüchtlingen wie jetzt schon im Mittelmeer könnte sich die EU vielleicht nicht mehr leisten.