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Gesundes Essen

Der Mann ist jetzt genau am richtigen Platz. Der neue Gesundheitsminister Jens Spahn versteht was von gesundem Essen. Er kennt den wahren Grund für die Existenz der fast tausend Tafeln in Deutschland. Weshalb in seinen Augen diese Tafeln auch nicht existieren, damit Menschen trotz Armut etwas zu Essen zu bekommen. Natürlich ist laut Herrn Spahn auch Hartz IV kein Anzeichen von Armut, geschweige denn, dass jemand in Deutschland hungern müsste, wenn es keine Tafeln gäbe.  

Jens Spahn geht ganz ohne Zweifel davon aus, dass die Tafeln nur dazu da sind, Deutschlands Bürger mit hochwertigen Nahrungsmitteln zu versorgen. Damit sie endlich mal aufhören, ungesundes Fast-Food in sich hinein zu stopfen und all den anderen Gourmet-Fraß aus Feinkostläden. Der wahre Grund für die Existenz der Tafeln ist, dass die Menschen in Deutschland lernen, was gesunde Ernährung ist. Und dass man auch Nahrungsmittel essen kann, wenn das Datum abgelaufen ist.

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Im Dschungel der Gefühle

Bei der ersten Prüfung kam ich mit Müh und Not gerade mal auf zwei Punkte. Von den zwölf Stars im aktuellen Dschungelcamp waren mir nämlich nur zwei Namen nach akribischem Grübeln bekannt vorgekommen. Der eine, weil ich vermutete, dass eine Verwandtschaft mit einem Schauspieler bestehen könnte, der 1985 an der Seite von Heiner Lauterbach dafür gesorgt hatte, dass Deutschland im Kino mal wieder lachen konnte.

Und der andere Name, weil er in einem Betrugsprozess mit Todesfolge im Mittelpunkt stand. Die Dame kann darüber hinaus immerhin eine Karriere vom Escort-Girl zur zeitweiligen Begleiterin eines Rennen fahrenden Adligen aus dem Hause Hohenzollern vorweisen, mit Zwischenstopps bei Erotik-Messe und RTL-Doku-Soaps. Weshalb man ja vielleicht auch nicht unbedingt zu der Annahme gelangen kann, dass es sich bei ihr um einen Star handeln könnte.

Für alle anderen Kandidaten gilt jedenfalls bei mir: Nie gehört! Und so muss ich jetzt wie diese Stars im Dschungelcamp die nächsten 14 Tage etwas Ekliges machen. Weil ich das Namen-Raten vor dem 58-Zoll-Flatscreen haushoch verloren habe, darf ich jetzt so lange den Abfall runter bringen. Und die Flaschen zum Recycle-Hof. Und das macht wohl den Unterschied aus. Denn ich bekomme keinen Cent dafür.

Während die Stars im Dschungelcamp angeblich und zumindest im vergangenen Jahr zwischen 50.000 und 180.000 Euro bekommen haben sollen. Je nachdem, wie nackt sie sich schon einmal für bestimmte Magazine, von Männern bevorzugt gelesen, haben ablichten lassen. Weshalb ich jetzt und nachdem ich mir die Lebensläufe dieser Stars angesehen habe, die Sendung mit ganz anderen Augen sehe. Diese Sendung ist wirklich gut. Sie verhindert letztendlich, dass solche Stars demnächst Hartz IV beantragen müssten, und somit dem Staat zur Last fallen würden. Danke RTL.

Alle Menschen werden Brüder

Wir sind immer mehr auf Augenhöhe. Allen Unkenrufen zum Trotz rücken die Länder der Erde zusammen. Hier die Erste und dort die Dritte Welt, das ist Schnee von gestern. Es muss nun wahrlich nicht mehr nach Rechtsstaat und Schurkenstaat unterschieden werden. Alles ist nur noch eine Frage der Abstufungen, der Nuancen. Panama böse! USA gut? Kann man getrost vergessen. In den USA, der weltweiten moralischen Instanz bezüglich Menschenrechte, Dieselmotoren-Abgase und des Rechts auf Privatsphäre,  gibt es so wunderbare Steueroasen, dass Panama schon seit Jahren voll Neid nach Norden schaut. Oder nehmen wir irgendeine dieser sogenannten Bananenrepubliken, zumeist in Afrika beheimatet, und unseren Rechtsstaat, die Bundesrepublik Deutschland.

In dem mehr als 450 rechte Straftäter, für die ein Haftbefehl vorliegt, auf freiem Fuß sind. Sie sind  fließend geworden, die Übergänge zwischen jenen und uns. Spätestens seit bekannt ist, dass hierzulande mafiöse Strukturen existieren, mit denen in der Pflege eine geschätzte Milliarde Euro von Kassen und Versicherungen ergaunert wurden. Oder zum Beispiel in Landshut in wahrscheinlich gerade einmal 50 Appartements in einem heruntergekommenen Wohnblock annähernd 250 Personen gemeldet sind, die Hartz IV-Leistungen in Anspruch nehmen. Und zu ihren Terminen im Job-Center mit dem Reisebus aus dem Ausland hierher gebracht werden. Und das nicht erst seit gestern und völlig unbemerkt und unbehelligt von den Behörden.

Oder erinnern wir uns an den engagierten Kampf des gesamten Westens gegen autoritäre Staaten und Potentaten, die die Menschen in ihrem Land knechteten und mordeten. Ist alles nicht mehr so schlimm. Unser Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel nennt al-Sisi, Staatsoberhaupt Ägyptens, wo gerne auch mal hundert Hinrichtungen im Schnellverfahren angeordnet werden, inzwischen „einen beeindruckenden Präsidenten“. Und unsere Bundeskanzlerin lässt sich von einem türkischen Präsidenten diktieren, wann Klage wegen Majestätsbeleidigung erhoben wird.

Allerdings hat auch die EU überhaupt kein Problem damit, sich mit dieser Türkei vertraglich zu verbünden, wo Pressefreiheit ein Fremdwort und die Ermordung von kurdischen Zivilisten ein Kollateralschaden ist. Sogar Libyen oder der Sudan sind gesuchte Gesprächspartner. Damit das Mittelmeer nicht zum weltweit größten Friedhof wird. Falls es jemand vergessen haben sollte, Libyen ist nicht gerade ein Hort der Sicherheit für seine Bewohner. Und Umar al-Baschir, Präsident des Sudans, wird wegen Völkermordes mit internationalem Haftbefehl gesucht. Aber sie sind einfach vorbei, die Zeiten der Besserwisserei, des moralischen Salbaderns. Wir haben offensichtlich erkannt, dass wir irgendwie doch alle Brüder und Schwestern im Geiste sind.

Neue Armut

Ob wohl schon Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, weiß, was da auf sie zukommt? Wurde schon mit dem Finanzminister darüber gesprochen, dass höchstwahrscheinlich der Haushalt für 2016 überarbeitet werden muss, die schwarze Null in Gefahr ist? Hat sich die Koalition in Berlin schon darüber beraten, dass man jetzt vielleicht sogar die Ausgaben für die Flüchtlinge noch mehr kürzen muss, um die Bildung eines neuen Prekariats zu verhindern? Die Meldung muss jedenfalls nicht nur in Berlin wie eine Bombe eingeschlagen haben, auch ich bin zum Beispiel zutiefst betroffen.

Und das Außergewöhnlichste daran ist, dass die Betroffenen sogar selber den elementaren Kürzungen, die sie wohl in den Ruin oder auch in eine Privat-Insolvenz treiben werden, zugestimmt haben. Ein einzigartiger Vorgang, auf den Deutschlands Gewerkschaften ebenso wenig eine Antwort haben wie die Sozialverbände in unserem Land. Ganz zu schweigen davon, dass auch nicht die Kirchen, für die das Helfen in der Not eine der elementaren Aufgaben ist, bisher wissen, wie sie damit umgehen sollen.

Ein konkreter Fall, wahllos herausgegriffen: Hans Dieter Pötsch. Der im Oktober 2015 vom VW-Vorstand an die Spitze des Aufsichtsrates wechselte. Wofür er eine Entschädigung von etwa zehn Millionen Euro erhalten sollte, da er schließlich als Aufsichtsrat geringere Bezüge erhalten würde. Und jetzt ist also im Gespräch, dass die Boni für die VW-Manager um 30 Prozent gekürzt werden sollen.

Zugegeben, dass würde sich im Falle Pötsch ebenso wie bei den anderen Betroffenen natürlich nicht auf die komplette Bonus-Zahlung beziehen sondern nur auf einen sehr viel geringeren Teil. Aber im ungünstigsten Falle kann das trotzdem bedeuten, dass zum Beispiel Pötsch eine Million Euro weniger bekommt. Nur gut, dass gerade eine Diskussion darüber angelaufen ist, wie in Zukunft Altersarmut vermieden werden kann.

 

 

 

Eine gute Wahl

Das ist nun einmal eine wirklich gute Nachricht, wie geschaffen für den Fasching oder Karneval, weil auf jeden Fall in der Lage, für die, für diese närrischen Tage angebrachte unbeschwerte Heiterkeit zu sorgen. Eine Nachricht, die aber nicht nur die Hartz-IV-Empfänger hierzulande, alle Minijobber und Paket-Ausfahrer dieser Republik freuen dürfte, sondern auch all jene Menschen, die gerade erst zu uns gekommen sind oder noch an der türkischen Grenze in etwas misslicher Lage ausharren müssen, weil es offensichtlich bei der Überweisung der Milliarden für Herrn Erdogan eine kleine Verzögerung gegeben hat.

Wie dem auch sei, ihnen allen sei jetzt schon gesagt, dass ihre Entscheidung, entweder in diesem unseren Land zu bleiben oder hierher zu kommen, völlig richtig war und ist, denn es ist ein Land der besten Möglichkeiten. Ein Land, in dem man es schaffen kann, in dem man es zu etwas bringt, wo man sein Glück machen kann. Was sich in der dreistelligen Zahl 116 ausdrückt. So viele Rolls Royce wurden nämlich im vergangenen Jahr in Deutschland neu zugelassen. Was ein Plus von 27 Prozent gegenüber 2014 bedeutet. Der Einstiegspreis ist erfreulicherweise übrigens annähernd gleich geblieben und liegt bei 385 000 Euro.

Lebenstraum

Da habe ich wohl einen Fehler gemacht. Wenn ich mich bisher bei meinem E-Mail-Account ausgeloggt habe, dann habe ich immer gleich auf „Stopp“ geklickt. Und deshalb habe ich nie mitbekommen, welche Wunderwelt sich da auftut. Doch heute wurde ich beim ausloggen abgelenkt, die Seite konnte sich vollständig laden, und ich konnte zum ersten Mal bestaunen, was ich bisher versäumt hatte. Es wird mein Leben revolutionieren. Da bin ich mir ganz sicher.

Neben den Daily News, dass Deutschland im Losglück ist und in Monaco irgendeine „verstohlene“ Hochzeit stattgefunden habe, gibt es nämlich jede Menge Angebote, die mich ohne Zweifel dem einen oder anderen Lebenstraum näher bringen werden. Da wäre zum Beispiel die Möglichkeit, in Kautschuk zu investieren. Mit der erstaunlichen Zuwachsrate von 287 Prozent. Und weil an anderer Stelle versprochen wird, dass ich beim Verkauf von altem Schmuck hohe Gewinne erziele, werde ich wohl gleich mal meine Mutter anrufen. Damit ich was zum Investieren habe. Sie trägt die Klunker sowieso kaum noch.

Und für den Fall, dass die Rendite nicht ganz ausreicht, um meinen Traum von einem Haus auf einer griechischen Insel zu verwirklichen, werde ich wohl das Angebot annehmen, mehr als 8.000 Euro im Monat zu verdienen. Steht auch auf der Seite. Und wäre ja nur vorübergehend. Bis ich das restliche Geld für das Haus zusammen habe. Anschließend reicht die Rendite sicher für den Lebensunterhalt. Und wenn die Griechen bis dahin wieder ihre Drachme haben sowieso.

Was ich mir auf jeden Fall aber gleich gönnen werde, das ist dieses Mittel, mit dem die Manneskraft auf natürliche Weise gesteigert wird. Denn ein anderer Anbieter ist sich ganz sicher, dass er eine neue Liebe für mich finden wird. Außerdem garantiert mir ein Freunde-Finder, dass 10 Millionen Singles auf mich warten. Auch wenn ich da nicht so ganz genau weiß, ob das alles Frauen sind, 5 Millionen Singles, die auf mich warten, wären ja auch nicht schlecht.

Aber damit bei den Dates dann auch nichts schiefgeht, hole ich mir auch gleich den Zuschuss von 1.500 Euro für ein neues Hörgerät und die Sofort-Leistung bei Zahnersatz. Und wer diese ganzen Angebote sieht, der fragt sich schon, warum immer noch so viele Menschen in Deutschland von Hartz IV leben müssen. Also entweder haben die kein Internet und keinen E-Mail-Account, wo sie sich ausloggen müssen, oder keine Mutter, die ein bisschen alten Schmuck hat.