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Kreisende Hubschrauber

Nachdem vorgestern Morgen zwei Mal ein Hubschrauber über unser Viertel geflogen ist, habe ich sofort bei der Polizei angerufen und gefragt, ob es einen Terroranschlag gegeben habe. Zwar wurde mir mitgeteilt, dass dies nicht der Fall sei. Aber seitdem Bundesinnenminister de Maizière nach dem eventuellen Anschlag in Hannover gesagt hat, dass er lieber nichts sagt, um die Menschen nicht zu beunruhigen, war ich mir gar nicht sicher, dass es auch bedeutet, dass es keinen Anschlag gegeben hat. Weshalb mir klar war, dass jetzt gehandelt werden muss. Wenn ich nicht das Leben meiner Frau und meiner Kinder aufs Spiel setzen will. Auch wenn die gar nicht mehr hier wohnen.

Jedenfalls habe ich daraufhin den weiten Weg zu unserer Eckkneipe nicht gescheut, weil ich weiß, dass dort um diese frühe Zeit so ziemlich alle Männer aus dem Viertel versammelt sind, die für mein Vorhaben geeignet sind. Dafür den ganzen Tag Zeit haben. Und nach der vierten Runde war dann die Gründung einer Bürgerwehr besiegelt. Es dauerte allerdings noch zwei weitere Runden, bis dann auch ein Einsatzplan aufgestellt worden war. Ich habe jetzt die Aufgabe, zusätzlich zu den nächtlichen Kontrollgängen eine syrische Familie und den jungen Türken und seine Freundin mit den kurzen Röcken in unserem Haus im Auge zu behalten. Was ein gewisser Ausgleich für die Kopftücher der jungen Mädchen aus der syrischen Familie ist.

Zum Glück haben unsere Eingangstüren noch einen Briefschlitz. Da bekommt man nicht nur akustisch einiges mit. Auf jeden Fall weiß ich jetzt schon, dass die syrischen Mädchen in der Wohnung kein Kopftuch aufhaben und morgens in Shorts rumlaufen. Und dass zumindest im Flur kein Sprengstoff gelagert wird. Das sieht man, weil der so ordentlich ist. Bei dem jungen Türken ist der Flur allerdings so voll gestellt, dass man nicht einmal sagen kann, ob nicht vielleicht doch ein Maschinengewehr im Schirmständer steht. Sicher ist bis jetzt nur, dass seine Freundin nackt in der Wohnung rumläuft und der Typ ziemlich viele neue Turnschuhe hat.

Weshalb ich mich frage, woher er das Geld dafür hat. Verdächtig finde ich auch, dass er morgens um Sieben aus dem Haus geht und erst abends um halb Sechs wieder nach Hause kommt. Vielleicht hat der IS jetzt ja auch schon seine Trainingslager für Selbstmordattentäter vor Ort eingerichtet. Das wäre jedenfalls eine plausible Erklärung dafür, dass der Typ den ganzen Tag weg ist. Und warum er nie in unserer Eckkneipe zu sehen ist. Weil er nämlich ein radikaler Muslim ist. Musst du ja auch sein, wenn du nie Alkohol trinkst. Und gerade jetzt fliegt schon wieder ein Hubschrauber über unser Viertel.

Schwarzfahrer

Manchmal sind es die Randnotizen und eher unbedeutenden Begebenheiten, die, einmal in aller Ruhe bedacht, Zuversicht geben und Mut machen können. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ja gerade zur Zeit viel gejammert und geargwöhnt wird, was alles an Kosten zu Buche schlägt für Integration, Solidarpakete, Auslandseinsätze oder Ausfallzahlungen für Konzerne beim Atomausstieg oder bei der Braunkohle. Jetzt gab es nämlich ein Vorkommnis, das unmissverständlich zeigt, dass trotzdem noch ein bisschen Geld in der Kasse der öffentlichen Hand ist.

Es ist schon ein paar Tage her, da wurde nämlich in einer S-Bahn in einer Landeshauptstadt ein Jugendlicher kontrolliert und dabei festgestellt, dass dieser keinen gültigen Fahrschein hatte, und seine vier Begleiter vermutlich auch nicht. Und allesamt waren ausgesprochen renitent. Woraufhin der Kontrolleur natürlich die Polizei rief. Was offensichtlich den vier Begleitern missfiel, weshalb sie über die Gleise den Ort der Handlung verließen. Was wiederum der Polizei missfiel, weshalb sie kurzerhand eine Suchaktion startete. Unter Einsatz von mehreren Streifenwagen und eines Hubschraubers.

Rechnet man einmal, dass die Schwarzfahrer, wenn sie gefasst werden, jeweils 60 € Strafgeld zu bezahlen hätten, also insgesamt 240 €, sich aber alleine die Kosten für den Einsatz eines Hubschraubers je nach Typ pro Minute auf mindestens 60 bis 80 € belaufen, weshalb in einer halben Stunde schon mal an die 1800 € anfallen können, so darf man getrost davon ausgehen, dass auf jeden Fall noch genügend Geld in der Staatskasse ist, um mit aller Härte und Konsequenz gegen Schwarzfahrer vorzugehen. Und da soll noch einer behaupten, unser Rechtsstaat wäre in Gefahr.