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Hundeleben

Wer hat nicht schon einmal in die traurigen Hundeaugen geblickt, wenn die Champagnerkorken knallen, Weinflaschen entkorkt werden, Menschen also fröhlich miteinander und zur Freude der Finanzämter, Ärzte und Krankenhäuser feiern. So ein Schlückchen in Ehren kann eben niemand verwehren, und irgendwo muss ja die ausgelassene Stimmung herkommen. Doch der zweitbeste Freund von Männern hat da immer das Nachsehen, blieb für den Hund bisher doch gerade mal eine Schüssel mit Wasser, um ebenfalls in Feierlaune zu kommen.

Doch dieses Elend hat ein Ende. Dank eines Metzgers aus der Pfalz. Er hat nämlich die Fleischportion als Drink to go erfunden. Also Fleisch, das flüssig daher kommt, in Flaschen abgefüllt und bis dato in drei Geschmacksrichtungen vorgesehen ist. Was von einer Hundebesitzerin dankbar aufgegriffen wurde. Ihre Hunde bekommen jetzt zu besonderen Anlässen flüssiges Fleisch. Oder, wie sie es einem Reporter gegenüber nannte: Hundechampagner. Und um die Gleichbehandlung von Mensch und Tier abzurunden, werden von ihr dem Zamperl auch mal Kugeln mit schwarzem Trüffel serviert. So ein Tier soll ja auch nicht leben wie ein Hund.

 

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Islamistische Hunde

Wohin man blickt in den Medien, gleich ob sie jetzt sozial oder asozial sind, überall ISIS, radikale Islamisten, radikale beinahe-Islamisten oder beinahe radikale Islamisten. Es ist inflationär. Weshalb es mir bisher etwas übertrieben und fast ein bisschen paranoid erschien. Doch jetzt hat auch noch der Hund des einen Nachbarn in unserer, bisher absolut nicht radikalen Reihenhaus-Siedlung den Hund eines anderen Nachbarn gebissen. Weshalb sofort der Verdacht geäußert wurde, dass der radikal beißende Nachbarshund zumindest einmal in einem Trainingscamp von Dschihadisten gewesen sein müsse.

Radikalisiert hat sich die Angelegenheit, als dann auch noch bekannt wurde, dass das beißende Ungeheuer von seinem Frauchen und Herrchen auf einem marokkanischen Strand aufgelesen und illegal in Deutschland eingeschleust wurde. Als sich dann noch herausstellte, dass Frauchen schon mehrmals mit einem Kopftuch gesehen worden war, und der Hund „Allahu akbar“ gebellt haben soll, bevor er zubiss, wurde sofort eine Bürgerwehr gegründet, der ich natürlich auch beigetreten bin. Wir patrouillieren sowohl nachts als auch gelegentlich tagsüber, also wenn nicht gerade alle arbeiten oder zur Bundesagentur für Arbeit müssen. Schließlich wollen wir nicht warten, bis unsere Frauen und Kinder in Blutlachen liegen, wenn wir nach Hause kommen.

Über den Publikumsgeschmack – ESC II

Jetzt wollen wir aber doch mal die Kirche im Dorf und ein kleines bisschen den vielleicht ansonsten nicht so üppig beanspruchten Verstand walten lassen. Mittlerweile weiß sogar mein Hund, wie sein Herrchen ein eher schlichtes Gemüt, dass eine Krimtatarin in dem Song, mit dem sie den Eurovision Song Contest gewonnen hat, die Deportation ihrer Großmutter in der Stalin-Ära thematisiert. Und woher weiß er das? Von all den Nachrichtensprechern natürlich, denn lesen kann er noch nicht. Aber er arbeitet daran. Was vielleicht auch all die Nachrichtensprecher tun sollten. Denn ganz offensichtlich haben sie den Songtext nicht gelesen. Kein Wort dort von Stalin, kein Wort über Deportation. Geschweige denn irgendein Hinweis auf Krimtataren.

Stattdessen nur düstere Andeutungen und die natürlich stets berechtigte Sehnsucht nach Freiheit, Liebe und Frieden. Von dem übrigens auch schon Nicole vor gefühlten hundert Jahren und höchst erfolgreich sang.  Wenn es also kein Auskunft freudiges Management und eine ebensolche Künstlerin gegeben hätte, die die Jahreszahl und damit den Titel des Songs gerne und nicht erst auf Anfrage erklärten, es wäre wahrscheinlich kaum ein Mensch darauf gekommen, dass dieses Lied politisch brisant sein könnte. Mit dem Text hätte das ebenso gut die Armenierin Iveta singen können. Auch wenn dann die Jahreszahl „1915“ als Titel sinnvoller gewesen wäre. Und außerdem noch am gleichen Abend die Türkei in Ankara den armenischen und alle Botschafter der EU einbestellt und das Flüchtlingsabkommen gekündigt hätte.

Sehr viel wahrscheinlicher ist doch, dass hier ein Management eine absolut geniale Win-win-win-Strategie entwickelt hat. Fakt ist natürlich, dass der Song vor allem vom Publikum und noch in Unkenntnis seiner Brisanz aufs Treppchen gehievt wurde. Auch wenn man nicht genau weiß, warum. Aber schließlich ist ja auch Helene Fischer wahnsinnig beliebt und höchst erfolgreich. Die übrigens keine Krimtatarin sondern eine gebürtige Russin aus Krasnojarsk ist. Dass sich dann auch noch herausstellte, dass hier höchst subtil und eindringlich Geschichte verarbeitet wurde, wird die Verkaufszahlen verdoppeln und den Marktwert der reizenden und aufrichtigen Jamala verdreifachen. Und außerdem wurde den Russen noch ans Bein gepinkelt, und die Künstlerin bekam die so langsam dringend notwendige Chance, doch noch Karriere zu machen. Herz, was begehrst du mehr, würde da mein Hund sagen, wenn er sprechen könnte. Und ganz sicher vorschlagen, dass wir uns morgen wieder den wirklich wichtigen Themen widmen sollten. Was natürlich eine eindeutige Kritik an meiner Person ist. Er kann ja nicht ahnen, dass es mir insbesondere die Fotografie so angetan hatte.

Die andere Seite

Ich bin mir dessen bewusst. Ich habe eine Verantwortung. Die sich aber nicht nur darauf beziehen darf, das beim Namen zu nennen, was schief oder gar nicht läuft auf dieser Erde. Man hält schließlich selbst aus der Ferne das Elend und die Ungerechtigkeiten nicht ohne Pause aus. Weshalb hiermit eine solche gegönnt sei. Außerdem ist ja auch Wochenanfang, und was könnte mehr demotivieren, dem harten Arbeits-Alltag ins Auge zu sehen, als nur Katastrophen, Not, Mord und Totschlag serviert zu bekommen.

Richten wir doch deshalb hier und jetzt einmal den Blick auf manch Großartiges, zu dem die Menschen ja auch fähig sind. Sehen wir uns doch einmal an, wie kreativ der Mensch sein kann, wie gefühlsbetont und mitfühlend. So wurde ich zum Beispiel von der Erkenntnis überrascht, dass der männliche Teil jener Geissens, die in gewissen Spartenkanälen der Menschheit frappierende Einblicke in ihr einfaches Leben gewähren, auch als geradezu exorbitant kreativer Designer seinen Mann steht.

Denn als Roberto Geissini kreiert er neben T-Shirts und Jacken auch Teppiche. Über die in einem Katalog steht, dass sie durch „stilbildende Motive“ wie Totenkopfsymbole, die US-Flagge und das Roberto-Geissini-Logo einen unverwechselbaren Look hätten. Dem in keinster Weise widersprochen werden kann, auch wenn es etwas verwundert, dass die Fußmatten aus dieser Kollektion ebenso wie alle anderen dieser „Lifestyle-Artikel“ um die Hälfte im Preis heruntergesetzt wurden.

Aber Geld ist schließlich kein Gradmesser, und schon gar nicht, wenn es um Gefühle geht. Weshalb man auch ein anderes Produkt menschlicher Erfindungsgabe nicht gering schätzen sollte, obwohl es mehr als erschwinglich ist. Und eigentlich auch unverzichtbar in diesen Tagen, wenn der Herbst die Blätter wieder so schön bunt färbt. Es ist eine DVD. Die uns ein romantisches, knisterndes Feuer auf den Bildschirm unseres LED-Fernsehers zaubert, und somit für unvergessene Stunden mit dem liebsten Menschen oder vielleicht einem ebenso geliebten Haustier sorgen kann.

Und das mit drei unterschiedlichen Kaminfeuern. Einmal „lodernd und üppig“, dann „gemütlich brennend“ oder auch mit „Holzaufschichtung mit dezent brennendem Feuer“. Natürlich jeweils mit dem „Original-Knisterton“ und teilweise kombiniert mit klassischer Musik von Mozart, Bach oder Chopin. Also was braucht der Mensch noch mehr zu seinem Glück! Vielleicht ja das gute Gefühl, dieses Glück auch mit anderen Lebewesen zu teilen?

Kein Problem. Gerade jetzt und in Anbetracht der kommenden eisigen Jahreszeit kann er zeigen, dass er nämlich auch ein mitfühlender Mensch ist. Zum Beispiel seinem vierbeinigen Freund. Er braucht ihm nur zwei Paar „Ruffwear Barkn Boots Polar Trex“-Hundeschuhe besorgen, in „Red Rock“. Die kosten gerade mal 100 Euro und haben sogar eine Anti-Rutsch-Sohle, damit der kleine Racker auch bei Glatteis nicht ausrutscht. Und sind ein weiterer Beweis dafür, dass der Mensch durchaus in der Lage ist, sinnvolle Dinge zu schaffen. Mit Herz und Verstand.

Tausche Boko Haram gegen Jeremy James

An manchen Tagen ist es wirklich schwierig. Nicht dass es an Problemen auf dieser Welt mangeln würde, über die man unbedingt sprechen sollte. Selbst wenn man mal absolut keine Lust hat das Wort „Flüchtlingskrise“ in den Mund zu nehmen geschweige denn es zu schreiben, bereits ein kurzer Blick über den Tellerrand würde genügen, um unmissverständlich deutlich zu machen, dass der Stoff nicht ausgegangen ist. Aber da ist manchmal eine Müdigkeit, gepaart mit einer heimlichen Sehnsucht, die von einer Insel der Glückseligkeit träumen lässt, von einem Ort, an dem es keine Zwietracht zwischen den Menschen gibt, keine Feindschaften, keine Unterdrücker und keine Unterdrückten.

Doch sieht man der ganzen Wahrheit ins Auge, so muss man erkennen, dass man wohl ganz alleine auf dieser Insel wäre. Nicht, weil man der einzige Mensch auf Erden ist, der nicht andere Menschen quält und demütigt und verletzt und missbraucht und ausnutzt und beleidigt und missversteht. Sondern einfach nur, weil schon dort, wo zwei Menschen sind, Zwietracht sein kann, Feindschaft, Unterdrückung.

Was zum Glück alles nicht daran hindert, dass es mit einem anderen Menschen, mit fünf, zehn, hundert, vielleicht sogar tausend Menschen Momente geben kann, die friedvoll sind, von gegenseitiger Achtung geprägt sind, von Toleranz, Verständnis und vielleicht sogar Freude und Ausgelassenheit. Was nur den Nachteil hat, dass solche Momente nicht abrufbar sind, sie lassen sich nicht arrangieren und schon gar nicht erzwingen. Sie ergeben sich, mitunter sogar ganz ohne unser Zutun.

Also jedenfalls heute nichts über Flüchtlingsströme, IS, Boko Haram oder Horst Seehofer. Kein Wort von all den Kriegen und Gräueln, zu denen Menschen fähig sind. Ich werde mich heute in meine Leseecke zurückziehen, vielleicht mal wieder die Geschichten von Jeremy James zur Hand nehmen und meinen Hund bitten, mir Gesellschaft zu leisten. Das könnte eine gute Konstellation sein, um für ein paar Stunden Insel spielen zu können. Vielleicht strandet ja sogar ein Mensch an diesem Gestade, und es bleibt trotzdem eine Insel der Glückseligkeit. Ich stelle vorsichtshalber schon einmal einen zweiten Stuhl in meine Leseecke.