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Finstere Zeit

Ich frage mich nicht zum ersten Mal, ob es nicht einfach daran liegt, dass es de Möglichkeit gibt. Hat vor dem globalen Mitteilungsblatt, das sich Internet nennt, sich jemand über jemanden entrüstet, so war er zumindest gezwungen, wenn er dies einer oder einem Dritten mitteilen wollte, zu Papier und Kugelschreiber zu greifen, einen Brief abzuschicken. Wenn überhaupt eine Adresse da war, an die man diesen Brief schicken konnte.

Heute tunkt man sein labbriges Hörnchen, das großspurig als Croissant verkauft wird, in den Kaffee und verbreitet mit der anderen Hand, was man denn zu nörgeln hat. Es gibt ja zwei, drei Adressen, die genügen, um auch noch den letzten Mist in die Welt hinaus zu schreien. Und natürlich auch, wenn ein schwarzes Loch der Auslöser für die Erregung ist. Korrekter gesagt: Die Fotografie eines schwarzen Loches.

Um es ganz genau zu sagen: Die Fotografie einer Frau, die an der Fotografie eines schwarzen Loches beteiligt war. Und ich hätte nie gedacht,  dass es daran etwas auszusetzen gegeben hätte. Gab es aber. Weil ein Wissenschaftlerteam mit 200 Mitgliedern und einem gigantischen Aufwand rund um den Globus es zustande bekommen hatte, die Fotografie vom schwarzen Loch zu machen. In den Medien aber vor allem das Foto der Forscherin Katie Bouman zu sehen war. Weil nun mal Wissenschaftlerinnen mitunter etwas ansehnlicher sind als zauselige Wissenschaftler.

Hat aber kaum jemand interessiert. Frau Katie Bouman wurde zum globalen Buhmann. Es wurde ihr von vermutlich kleinschwänzigen Hirnträgern unterstellt, dass sie überhaupt nicht die Fähigkeit hätte, an so einem Foto mitzuknipsen. Man erstellte Fake-Profile von ihr und versuchte ihren Wikipedia-Eintrag sperren zu lassen. Es war ein Shitstorm, als hätte Kim Kardashian endlich zugegeben, dass sie lieber ein Mann wäre.

Wohingegen Katie Bouman erwiesenermaßen nicht darum gebeten hatte, dass ihr Konterfei im Zusammenhang mit der Fotografie vom schwarzen Loch in den Medien verwendet wird. Weshalb ich jetzt zwar immer noch nicht weiß, woran es liegt, dass aus jeder Mücke zweihundert Elefanten gemacht werden. Aber zumindest wüsste ich einen guten Verwendungszweck für das schwarze Loch.

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Höflichkeit

Bis heute dachte ich, dass es wohl nichts Schöneres geben kann, als zum Beispiel den Fängen der Maschinen-Medizin und den Lobbyisten der Pharmaindustrie zu entrinnen. Dank der EU, respektive dreier Komissar*innen weiß ich nun, dass es etwas noch Schöneres gibt. Sie, Violeta Bulc (Verkehr), Karmenu Vella (Umwelt) und Elbieta Biekowska (Binnenmarkt), haben nämlich auf den Brief von  Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer geantwortet. Mit dem er von der EU gefordert hatte, die festgelegten Schadstoffgrenzwerte zu überprüfen. Nachdem nicht nur Autokonzerne, sondern auch  ein Lungenarzt im Ruhestand diese angezweifelt hatte.

Was mich so grenzenlos begeistert, das sind die guten Manieren dieser drei Kommissar*innen. Anstatt einfach und durchaus angebracht zu fragen, ob er denn noch alle Latten am Zaun hätte, weil ja schließlich seine Regierung diesen Grenzwerten zugestimmt hat, haben sie sich bedankt, dass Scheuer seinem Brief eine „Darstellung der Kritikpunkte mehrerer Mediziner“ beigelegt hat. Und anstatt jetzt zu fragen, warum man diese Mediziner auf ihren Geisteszustand untersucht habe, merken sie einfach nur an, dass sie Kenntnis genommen hätten, dass sich die Darstellungen der Mediziner als fehlerhaft herausgestellt hätten.

Ich finde, dass Höflichkeit, mag sie noch so irreal anmuten, ein ganz wichtiges Standbein im allgemeinen Miteinander ist. Und in unseren Zeiten der grenzen- und schamlosen Internet-Hetze mehr denn ja. Es macht eben doch einen Unterschied, ob ich zu jemanden „du Arschloch“ oder „Sie Arschloch“ sage. Weshalb ich das Duzen auch auf einen ganz kleinen und bestimmten Personenkreis beschränke. In dem ich dieses Wort nie gebrauchen würde. Ich halte allerdings auch Türen auf. Weil man nie weiß, ob man nicht einmal hindurchgehen muss. Weil man einen Fehler gemacht hat. Denn es sollte für jeden Menschen selbstverständlich sein, Fehler einzugestehen. Sogar wenn man Minister ist.

Wegschauen

Das musste ich erst mal richtig sich setzen lassen. Da gibt es schon vor Jahren Hinweise auf das Verbrechen. Und niemand fühlt sich angesprochen. Und dann ist es gar nicht mehr zu vermeiden, dass es publik wird. Und es verschwinden Beweise.

So wie die Möglichkeit entschwindet, dass die Katholische Kirche nicht nur Beileidsadressen aussendet und die besten Absichten verspricht, sondern auch noch konkrete Maßnahmen verhängt. Um Täter zu bestrafen, sie aus ihren Ämtern zu entfernen. Die die beruhigende Basis für ihre Verbrechen waren.

Stattdessen relativiert ein Papst die Verbrechen, indem er der laizistischen Welt vorwirft, in ihr ginge es auch nicht besser zu. Womit er natürlich Recht hat. Weil weggesehen, weil vertuscht, weil verharmlost wird. Und das Internet, dieser Segen des 21. Jahrhunderts, sieht auch keinen Anlass, Kinder zu schützen.

Weil mit Kindern ja schließlich ein gutes Geschäft gemacht wird, weil nicht nur Pädophile, sondern auch Werbekunden Kinder lieben. Es lebe also die freie Marktwirtschaft und ein dreifach hoch auf ie barmherzige Vergebung. Die ja eigentlich auch keine Folgen hat. Kinder haben schließlich keine Lobby, wie zum Beispiel ein Rüstungskonzern. Da kann man schon einmal zwei Augen zudrücken.

Fake

Die Geschichtsbücher müssen umgeschrieben werden. Denn sie haben betrogen und gelogen, diese Amerikaner. Dieses ganze Silicon Valley, ein einziger Fake. Von wegen, sie hätten das Internet erfunden. Die Schweizer haben die Kräuterbonbons erfunden. Das stimmt. Aber im Silicon Valley wurde nicht das Internet erfunden. Und schon gar nicht in irgendeiner Garage. Denn das hat Horst Seehofer erfunden. Unser innerster Heimat-Minister ever.

Wahrscheinlich in seinem Hobby-Keller, dort wo heute seine Modelleisenbahn steht. Jetzt hat sich Horst Seehofer endlich geoutet: Schon in den 1980ger Jahren hat er das Internet genutzt. Hat er bei einer Pressekonferenz gesagt. Es kann also nur er selbst gewesen sein, der das Internet erfunden hat. Sonst hat ja damals noch niemand auch nur im Traum an so was gedacht.

Politik heute

So geht Politik. Da demonstrieren zum Beispiel Menschen in gelben Westen, weil ihnen so langsam das Benzin zu teuer wird. Kann man verstehen. Nicht ganz so verständlich, dass es dabei zu Attacken auf Geschäfte oder Monumente und gegen Polizisten kommt. Doch jetzt, nachdem der Mob organisiert in französischen Städten tobt, lichtet sich langsam der Nebel. Denn inzwischen geht es auch um den Migrationspakt der UN, also gegen Flüchtlinge, einen Verlust der eigenen Kultur.

Und das insbesondere und befeuert in den sogenannten sozialen Medien, dem Lieblings-Medium aller Nationalisten und Rassisten. Sehr verständlich, dass sich Marine Le Pen, Chefin des einstigen Front National, wieder einmal die Hände reibt. Sie liebt die sozialen Medien und lässt sie je nach Bedarf bespielen. Sie und andere aus dem rechten Spektrum haben begriffen, wie man heutzutage Politik macht.

#gesichtzeigen

Was der guten Sarah Wagenknecht links ist, das kann mir doch eigentlich nur recht sein. Wobei „Aufstehen“ schon ein sehr hoher Anspruch ist. Da ist Bewegung gefordert, körperlicher Einsatz. Das klingt ja fast schon nach Revolution. Jedenfalls habe ich mich ja im letzten Blog zu dem erneuten Gezerre in der GroKo auch über die lässige Apathie eines Großteils der Bevölkerung ausgelassen. Moniert, dass doch letztendlich der überwiegende Teil gemütlich zu Hause sitzt und sich in der warmen Stube bestenfalls über pöbelnde Rassisten aufregt.

Und wenn man einmal davon absieht, dass ich zumindest täglich einmal zum Einkaufen fahre, um mich im Supermarkt über die Preise und die lange Schlange an der Kasse aufzuregen, vielleicht sollte ich mich doch etwas mehr an Frau Merkel orientieren. Also mich weniger mit der Funktionalität und den Abläufen beschäftigen. Und mehr mit dem, was mich wirklich beschäftigt. Sogar noch einen Schritt weiter gehen und vielleicht sogar das, was mich und den Rest der eher schweigenden Mehrheit in Deutschland wirklich betrifft, nach außen tragen.

Auch wenn es natürlich begrüßenswert ist, wenn ein Mensch nicht spricht, weil er gerade den Mund voll hat. Und viele Menschen, wenn man das Straßenbild berücksichtigt, sehr oft den Mund voll haben: Es ist höchste Zeit, dass ihn mehr Menschen endlich einmal aufmachen. Und zwar dort, wo sie gehört und gesehen werden.

Also nicht im heimischen Umfeld, wo von den Lieben sowieso kaum jemand zuhört, weil gerade wieder ein Chat auf dem Smartphone am Laufen ist. Ich denke auch nicht an Internet-Foren oder ähnliches, wo unter dem Deckmäntelchen der Anonymität Sprechblasen ohne Gefahr wie CO² abgesondert werden. Und noch weniger denke ich an Stammtische, über denen ja gar keine Rauchschwaden mehr wabern.

Mir schwebt eher eine Bewegung vor, die raus geht auf die Straße. Dorthin, wo man die größte Aufmerksamkeit erhält. Wo nämlich der Autoverkehr behindert wird. Und das Kind hat auch schon einen Namen: #gesichtzeigen! Bin jetzt mal auf erste Reaktionen gespannt. Wenn sich das Ganze wie bei Sarah Wagenknecht entwickelt, werde ich richtig durchstarten. Dann gibt es für mich kein Halten mehr. Dann wird nicht nur zum Einkaufen das Haus verlassen.   

Minimalismus

Nur wenig fehlt noch, gerade mal ein paar Millionen, dann ist diese Frau, die eigentlich fast noch eine Jugendliche ist, Milliardärin. Sie ist gerade erst 21 Jahre alt geworden. Und damit laut Finanzmagazin Forbes die jüngste Milliardärin dieses Alters in der US-Geschichte. Was natürlich sofort die Frage aufwirft, wie sie das geschafft hat. Hat sie das Internet neu erfunden? Ein Medikament, das ewige Jugend nicht nur verspricht, sondern nachweislich verschafft? Oder eine zündende Idee gehabt, wie aus CO²-Schleudern umweltfreundliche Motoren werden können, die keine fossilen Brennstoffe mehr brauchen? Nein, sie hat den alten Menschheitstraum verwirklicht, aus Nichts Gold zu machen. Und das, ohne eine Erbschaft anzutreten.

Ihr Kapital war lediglich, was alle Menschen haben: Sie selbst. Also vor allem einmal ihr Körper. Dann noch etwas kaufmännisches Talent. Und vor allem die Neigung, sich in (fast) allen Lebenslagen selbst oder von jemand anderem fotografieren oder filmen zu lassen. Weshalb man dabei sein kann, wenn ihr gerade ein Fingernagel abgebrochen ist. Sie den Rückwärtsgang nicht findet. Einen Milch-Shake kauft. Also bei Tätigkeiten, die ganz offensichtlich das Leben von Betrachterinnen und Betrachtern revolutionieren können.

Warum sonst kämen Milliarden von Menschen auf die Idee, sich das anzuschauen. Und deshalb auch noch Firma dazu, ihr sehr viel Geld dafür zu geben. Der amerikanische Traum hat also eine neue Variante bekommen. Die Sache mit dem Tellerwaschen kann man getrost überspringen. Harte Arbeit ist nicht mehr gefragt. Es genügen ein Internet-Anschluss und ein Smartphone. Und wie die baldige Milliardärin beweist, muss man nicht einmal besonders attraktiv sein, braucht nicht unbedingt einen Objektive sprengenden Hintern. Es genügt grenzenlose Selbstdarstellung. Und ein Publikum, das davon fasziniert ist. Kommt für mich allerdings leider zu spät, dieses Geschäftsmodell. Ich weiß, wo bei meinem Auto der Rückwärtsgang ist.