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Frauen von rechts

Bravo!, möchte man ausrufen. Jetzt haben es sogar schon die Frauen gemerkt, die ansonsten eher nach alter Tradition den rechten Herd hüten und dann und wann mit auf eine Demo gegen Flüchtlinge mitdürfen, damit sie auch mal an die frische Luft kommen. Sie haben ihr eigenes #metoo gestartet, einen Videoclip auf Youtube gepostet, mit dem sie die Gewalt gegen Frauen anprangern wollen. Nennt sich bei ihnen allerdings #db120, und wenn man sich dieses Video bis zum Ende angetan hat, dann weiß man, dass es vor allem um Ausländerhetze geht.

Was dann allerdings überhaupt nicht mehr wundert, wenn man weiß, dass die aufrechten jungen Frauen, die hier so eindrucksvoll ihr Leid schildern, von der Identitären Bewegung ins Bild gerückt wurden. Einer rechtsextremen Vereinigung, die sich insbesondere der sogenannten sozialen Netze bedient, um durchaus gekonnt gegen alles zu hetzen, was von ihr als links oder liberal verortet wird. Im Fokus natürlich Flüchtlinge, Migranten, der Islam. Weshalb sie selber im Fokus des deutschen Verfassungsschutzes ist.

Eher unbehelligt können sie allerdings bei Youtube, Facebook und Co. agieren. Immer nach deren Motto, dass die Gesetze des Landes obsolet sind, in dem sie viel Geld verdienen. Das sie dort ja auch nicht versteuern. Die Internet-Autokraten kennen nur America first, also die Heimstatt von Ku-Klux-Klan, Rassismus und Ausländerhetze von höchster Stelle. Das Land, in dem man ungestört Hitler und die in seinem Namen begangenen Gräueltaten feiern darf. #db120 bezieht sich übrigens auf die 120 Dezibel eines handelsüblichen Notalarms. § 130 StGB wäre die adäquate Antwort darauf.

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Stromfresser

Während sich andere Leute mit ihrem Ego beschäftigen und der Frage, wer denn jetzt Bundesaußenminister wird, sich ein Großteil der Bevölkerung unter dem Vorwand, dass doch Fasching oder Karneval sei, mehr oder minder ins Koma säuft, was durchaus verständlich ist, so wie sich mal wieder sogenannte Führungspersönlichkeiten derzeit aufführen, wollen wir zur Abwechslung mal etwas sinnvolles tun. Uns nämlich mit einem Aspekt unseres Lebens beschäftigen, der für nicht wenige Menschen hierzulande, aber auch in vielen anderen Ländern Suchtpotential hat.

Will sagen, es käme zu gravierenden Entzugserscheinungen, wenn man das einzig Vernünftige machen würde. Nämlich mal ein bisschen weniger. Doch erst einmal ein paar Zahlen. Die zugegebenermaßen nicht halb so lustig sind wie eine dieser Büttenreden, die momentan über viele Fernsehkanäle flimmern, und bei denen man nie so genau weiß, ob es nicht doch eines der politischen Statements eines Staatsoberhauptes ist. Also in medias res.

Nur die Länder USA und China verbrauchen mehr Strom als das Internet. Weltweit macht der Stromverbrauch für IT und Internet bereits jetzt 10 Prozent des Gesamtverbrauchs aus. Und für die Herstellung der inzwischen mehr als sieben Milliarden Smartphones wurde so viel Energie verbraucht, wie zum Beispiel Schweden in einem ganzen Jahr verbraucht. Nicht zu vergessen, dass schon in der Vergangenheit pro Jahr mehr als 40 Millionen Tonnen Elektroschrott anfielen. Tendenz steigend.

Wer also glaubt, dass es doch wirklich umweltschonend sei, Musik oder Filme zu streamen, der kann mit großer Gewissheit davon ausgehen, dass da weder großartig was an Umweltbelastungen reduziert noch Ressourcen geschont und geschweige denn das Klima nachhaltig geschützt würde. Wir sind vielmehr dabei, die Vernunft unter einem Berg von Videos, WhatApps und süßen kleinen Emojis zu vergraben.  Die gute Nachricht: Das war der dritte und letzte Teil der kleinen Umweltserie. Morgen wird es richtig lustig. Ist ja Fasching.

Zeit im Überfluss

Die Zahlen sind einigermaßen sicher. Sie kommen von Facebook . Demnach waren in Deutschland im 1. Quartal 2017 täglich 23 Millionen Menschen auf Facebook aktiv.  Von einer anderen Quelle wird bestätigt, dass jeder Nutzer im Durchschnitt 20 Minuten am Tag auf Facebook verbringt. Das sind also täglich 7.666.666,66  Stunden. Und dann gibt es ja noch Instagram und Twitter, Messenger-Dienste, Youtube oder Pinterest, die Emails müssen gecheckt und Meldungen angeklickt werden.  

Und nicht ganz unerheblich ist natürlich auch die Zahl jener, die sich auf Pornoseiten tummeln. 12,5 Prozent des gesamten Internet-Verkehrs in Deutschland soll auf Porno-Seiten entfallen, ein Nutzer bleibt dann durchschnittlich acht Minuten und eine Sekunde auf der Seite. Aus verständlichen Gründen gibt es jedoch keine aussagekräftigen Daten darüber, wie viele Nutzer es täglich sind. Man weiß nur, dass die Zahlen während einer Fußball-WM oder EM sinken. Schätzen wir also einmal vorsichtig, dass die Zahlen ähnlich hoch sind wie bei Facebook, dann kommen wir auf weitere 3.066.666,66 Stunden täglich.

Andererseits hat mindestens jeder dritte Deutsche das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben. Obwohl die Menschen älter werden, Autos, Flugzeuge und – manchmal – schnelle Züge ebenso vermeintlich Zeit sparen wie kleine und große Helfer im Haushalt und am Arbeitsplatz. Das Resultat ist jedenfalls, dass sich die meisten Menschen gestresst fühlen. Und damit automatisch unsozialer werden. Diesen Zusammenhang hatten jedenfalls die Psychologen John Darley und Daniel Batson schon in den 1970-er Jahren herausgefunden. Ganz abgesehen davon, dass Menschen, die ihre Zeit optimal nutzen wollen, oft das übersehen, was ihnen eigentlich Spaß machen würde. Also schreibe ich heute wieder einen Beitrag für meinen Blog.

Meinungsmacher

Es ist schon eine großartige Sache, dieses Internet. Noch nie konnten sich Menschen in dieser Hemisphäre so ausführlich und umfassend informieren wie heute. Dem Internet sei Dank. Man muss nicht mehr zum Zeitungsstand laufen, um kurz mal zu erfahren, was in der Welt geschieht. Sondern klappt morgens und gerne auch noch in Nachthemd oder Pyjama den Laptop auf, und schon hat man alle Informationen, um sich eine Meinung zu bilden. Oder eine Meinung bestätigt zu sehen. Weshalb viele Menschen sich gerne bei den sogenannten sozialen Medien auf den neuesten Stand bringen. Denn nirgends sonst gibt es auf einer Plattform so viele unterschiedliche Menschen, die sich zu einer Sache äußern, als hier. Und da fällt einem nur ein Wort ein: Meinungsvielfalt.

Außer vielleicht in Österreich. Dort haben Internet-Freaks mal den Kaffee to go zur Seite gestellt und sich die Mühe gemacht nachzuforschen, wer denn eigentlich in den Meinungsforen so alles seine Meinung sagt. Und bei dieser Gelegenheit bei Millionen Posts auch gleich mal nachgesehen, wer das denn im Einzelnen ist, der da beispielsweise zum politischen Geschehen seine Meinung sagt. Und dabei die überraschende Erkenntnis gewonnen, dass etwa 8.000 User für etwa die Hälfte aller Posts sorgen. In manchen Fällen hatte ein User sogar mehrere Kommentare gleichzeitig geschrieben. Was vermuten lässt, dass mit einer hilfreichen Software gearbeitet wurde. Vielleicht ist ja Meinungsvielfalt nur eine Frage der Technik, respektive von Software.

Mitmenschen

Was für ein Abenteuer. Und man braucht nicht einmal ein Flugzeug zu besteigen. Es genügt völlig, eine Entfernung von 93  Kilometern zu bewältigen. Und schon ist die Welt eine gänzlich andere. Zwar sehen die Menschen durchaus noch so aus wie zuvor. Und noch nicht einmal die Sprache ist eine andere. Doch ein Umstand verändert von hier auf jetzt, von gestern auf heute, alles. Alles gerät aus den Fugen. Kein Internet.

Also abgeschnitten von den Lieben zu Hause respektive in Litauen, Portugal oder sonst wo. Ist schließlich Urlaubszeit. Abgeschnitten allerdings auch von jeder Information. Wer hat denn schließlich noch Reiseführer dabei, Landkarten, Restaurant-Führer. Jetzt weiß ich aber wenigstens, was eine Panikattacke ist. Habe ich mir wirklich nicht so schlimm vorgestellt. Ganz zu schweigen davon, dass ich gleich eine zweite bekam, als ich im Internet nach einem Arzt suchen wollte.

Dass diese Zeilen jetzt trotzdem zu lesen sind, ist nur einem sehr sozial eingestellten Mitmenschen zu verdanken. Der die Not erkannte und mit seinem Mini-Router aushalf. Als die Internet-Verbindung hergestellt war, wusste ich jedenfalls, wie sich Robinson Crusoe gefühlt haben muss, als er das Segelschiff auf den Strand zukommen sah. Und ich habe erkannt, das eine Aspekt hinsichtlich des Internets bisher viel zu sehr vernachlässigt wurde: Der nicht vorhandene Zugang zum Internet befördert den Zugang zu fremden Menschen. Sollte man vielleicht zur gelegentlichen gezielten Maßnahme machen. Wir sind jetzt übrigens heute Abend bei dem netten Mitmenschen zum Essen eingeladen.

Ohne Titel

Es ist schon höchst interessant, wie eng getaktet solche Urlaubstage sind. Genau genommen habe ich zu Hause mehr Freizeit. Aber hier kommt jetzt keine Langeweile auf. Nur mit Mühe kann ich ein paar Minuten freischaufeln, um Blog zu schreiben. Ganz zu schweigen von der Mühe, die es mich kostet, ein Thema zu finden. Die große Politik?

Wird nichtig und klein angesichts der Milliarden von Sandkörnern, die sich in meiner Wäsche am Abend wiederfinden. Noch nicht einmal der Klimawandel beunruhigt einen hier so richtig. Um spätabends am Strand zu liegen und die Sterne und lautstark verliebte Pärchen zu beobachten, dürfte es wirklich nicht weniger warm sein.

Und nachdem es zum Essen Wein gibt, sind auch die sozialen Aspekte in so einem Urlaubsparadies eher nur zweitrangig. Wenn ich jetzt noch wüsste, dass der Flieger auch wirklich zurückfliegt, wäre ich sogar regelrecht zufrieden. Was einmal mehr beweist, dass die Ansprüche von uns 2.0-global Playern nicht mal so groß sind. Etwas zu trinken und zu schauen, schön warm und Internet. Mehr braucht der Mensch doch wirklich nicht. Wenigstens im Urlaub.

Nachbarschaft

Das ist schon ein bisschen der Fluch dieses weltumspannenden Internets. Nicht einmal an einem Strand ist man vor Ablenkung vom Erholungsurlaub sicher. Natürlich gibt es WLAN. Und so kehrte ich heute, noch immer leicht gerötet und deshalb mehr oder minder bekleidet, dem Meer für einen Moment den Rücken und gedanklich in die Heimat zurück. Anlass die neuesten Meldungen von unserem Maut-Minister. Die wirklich hoffen lassen, dass Deutschland auf dem besten Weg zur Weltmacht ist.

Also so ein Hauch von Supermacht und Trumpismus war da nämlich meiner Meinung nach schon zu spüren, nachdem was der Herr Bundesminister jetzt vom Stapel gelassen hat. Zwar hat er es noch nicht getwittert, wie das große Vorbild, aber zumindest war es ganz offensichtlich so eine Art  Wahlveranstaltung, wo er geredet hat. Im Rahmen eines Brauereifestes. Was auf jeden Fall einiges erklären könnte, aber nicht alles.

Da hat der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt laut einer durchaus glaubwürdigen, weil CSU-nahen Zeitung nämlich empfohlen, aufzuhören mit seinem Nachbarn zu reden, falls der sich überlege, bei der Bundestagswahl im September SPD zu wählen. Und da kann ich nur sagen, das ist doch schon einmal ein Anfang. Vielleicht gibt es ja als nächstes Verhaltensregeln für Migranten von ihm, falls die nicht die CSU wählen. Nachdem man mit denen ja sowieso nicht reden kann, kann das dann wohl nur eine handfeste Reaktion sein?