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Danke

Also ein bisschen mehr Anstand dürfte schon sein. Da hat sich der mächtigste Mann der Welt mächtig ins Zeug gelegt, nicht Zeit noch Mühe gescheut, um mit einem Federstrich den Atomvertrag mit dem Iran zur Makulatur zu machen. Und damit es auch richtig weh tut, hat er auch noch die Sanktionen gegen den Iran verschärft und jedem Staat auf der Welt, der Geschäfte mit dem Iran macht, auch gleich noch mit Sanktionen gedroht.

Und jetzt hat das endlich Wirkung gezeigt, und der Iran hat zu aller Überraschung angefangen, sich nicht mehr an diesen, von den USA aufgekündigten Vertrag zu halten. Und was passiert? Nichts! Außer, dass jetzt Besorgnis geäußert wird, weil der böse Iran Uran anreichert. Anstatt sich einmal richtig und wie es sich gehört, bei dem Mann zu bedanken, dem das zu verdanken ist.

Arbeitsplätze

„Wie die Grünen die Macht erobern“, so titelte heute eine Online-Plattform, und das klingt so, als wollten sie die Demokratie ignorieren, also nicht durch Wahlen an die Regierung kommen. Und als ich dann gelesen habe, dass jüngst für über eine Milliarde Kriegswaffen verkauft worden sind, da war mein erster Gedanke: Die haben die Grünen gekauft. Die wollen jetzt mit aller Macht an die Macht.

Und war dann geradezu erleichtert, als ich bei der weiteren Lektüre erfuhr, dass es sich hierbei um Waffenlieferungen an die Allianz jener Staaten handelt, die im Jemen gegen die Vorherrschaft des Iran kämpfen. Und vor allem gegen die Bevölkerung. Denn die stirbt und leidet am meisten. Aber der Jemen ist weit und die Arbeitsplätze, die bei den Rüstungskonzernen auf dem Spiel stehen könnten, sind ganz nah. Und hinter den Arbeitsplätzen verbergen sich ja schließlich auch Wählerinnen und Wähler.

So ist es natürlich nur verständlich, dass sich die Waffenexporteure über die Beschlüsse der Regierung hinweggesetzt haben. Die nämlich eigentlich beschlossen hatte, keine Kriegswaffen an Staaten zu liefern, die im Jemen-Krieg involviert sind. Also kann man nur von Glück reden, dass die Grünen noch nicht an der Macht sind. Die würden sogar Wahlen aufs Spiel setzen, um irgendwo auf der Welt Frauen und Kinder zu retten. Behaupten wahrscheinlich vor allem Vertreter der Regierungsparteien.

Reflexe

Also erst musste ich mal nachschauen, was eine „Äquidistanz“ ist. Und wenn ich richtig verstanden habe, was der Duden dazu sagt, dann wollte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagen, dass es nicht hinzunehmen ist, in einem Atemzug Trump, Putin und Erdogan zu nennen, weil es ein gleich großer Abstand wäre.

Verständlich ist natürlich auch, dass sie „anti-amerikanische Reflexe“ beklagt, obwohl in Russland Journalisten „in Schauprozessen vor Gericht gestellt werden“, während Journalisten in den USA „ihre Arbeit unbeeinträchtigt machen können“. Also zumindest, wenn es nicht die Journalisten von CNN sind.

Weshalb ich also nur begrüßen kann, dass der US-Präsident immer mehr Kriegsschiffe Richtung Iran schickt, weil alles andere nur ein „anti-amerikanischer Reflex“ wäre. Außerdem gibt es ja dafür wie für die wirtschaftlichen Sanktionen oder die Aufkündigung des Atomvertrages mit dem Iran genug Gründe, wie es das Video, das US-Geheimdienste jetzt vorgelegt haben, zweifelsfrei beweist. Mit so einem Video würde man ja noch nicht einmal zögern, erneut in den Irak einzumarschieren. Was sicher auch zur Stabilisierung der Region beitragen würde.

Und dann gibt es ja auch noch die ökonomische Komponente, die ja auch eine gewisse Äquidistanz hat. Also die Rohölpreise sind ja schon gestiegen. Was mehr Geld in die Kassen der USA (mittlerweile Nr. 1 in der Ölförderung) spült. Und außerdem würde ein neuer handfester Krisenherd im arabischen Raum für neue Flüchtlingsströme nach Europa sorgen.

Was für die EU bedeuten würde, dass ihre Mitgliedsstaaten noch weiter auseinander driften – und natürlich die Wirtschaftskraft in der EU sinkt. Sodass es sich der US-Präsident sogar sparen könnte, Zollschranken zu erhöhen. Weshalb es auch keinen Grund mehr für „anti-amerikanischen Reflexe“ gäbe. Und so würde es der US-Präsident sicher erlauben, dass CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer Bundeskanzlerin wird. Halleluja!

Väter und Kinder

Wenn das nicht ein Fortschritt ist. Und er ist unübersehbar. Wo man in früheren Tagen an diesem Tag Horden von Männern zu sehen bekam, die fröhlich durch die Lande zum nächsten Gasthaus zogen, Frauen gerade mal und mit einer gewissen Verzweiflung und ihren Kindern die Spielplätze bevölkerten, da scheint jetzt in weiten Teilen Gleichberechtigung zu herrschen. Zu beobachten sind natürlich immer noch größere und kleinere Gruppen von Männern, bevorzugt im Radlerdress und eher sportlich ambitioniert.

Doch fast im selben Umfang gibt es auch Ansammlungen von Frauen, sie phantasievoller beispielsweise bei Stadtführungen, mitunter auch auf Fahrrädern, oder ganze Tischreihen in Straßencafés bevölkernd. Und überraschenderweise auch eine dritte Version, nämlich Mann mit Frau auf Fahrrad- oder sonstiger Tour. Und für dieses Mal sollte man sich wirklich jegliche Kritik sparen, mögen die Outfits auch noch so lächerlich sein, die auf Zweirädern bevorzugt werden. Genießen wir also einfach den Moment und denken nicht daran, dass es Männer sind, die gerade einmal wieder akribisch daran arbeiten, Teile dieses Planeten in Schutt und Asche zu legen.

Was natürlich einmal mehr wieder dafür sorgen wird, dass diese und andere Männer beträchtliche finanzielle Gewinne machen werden. Durch die sie in die Lage versetzt werden, andere Teile des Planeten in Schutt und Asche zu legen. Einfacher ausgedrückt: Gewisse Herren sind mehr denn je auf Krawall gebürstet. Die Erpressung, dass keiner Geschäfte mit den USA machen wird, der Geschäfte mit dem Iran macht, wird auf jeden Fall Arbeitsplätze kosten. Auch spürt man die aktuelle Strategie der großen und kleinen Despoten bereits an den Tankstellen. Und dann werden wir natürlich bei fortschreitender Eskalation in Syrien und angrenzenden Ländern wieder sehr viel mehr Menschen auf der Flucht nach Europa erleben.

Was die Demagogen der Populisten und Rechten natürlich freudig strahlen lässt. Kurzum, es wird demokratisch zugehen. Denn wir werden alles was davon haben. Und wir haben es uns verdient. Denn anstatt mitunter ziellos mit dem Zweirad in der Gegend rumzufahren, könnte man heute zum Beispiel einer Landesregierung klar machen, dass dieses Volk nicht mitmacht, wenn das Realität werden soll, was von der selben Landesregierung jahrzehntelang als kommunistischer Überwachungsstaat gegeißelt wurde.

Doch es werden bei dem schönen Wetter wohl nur wackere Zehntausend sein, von der Politik noch kleiner geredet und vielleicht sogar noch als Argument missbraucht, dass dieser Staat noch mehr Überwachung braucht. Aber einmal im Jahr möchte man sich schließlich auch mal amüsieren und nicht daran denken, was alles passieren kann, wenn Väter vergessen, an die Zukunft ihrer Kinder zu denken.

Hals- und Beinbruch

Man sagt das so leicht dahin: Ist ja kein Beinbruch. Manchmal aber doch. Weshalb ich die Gelegenheit genutzt habe, mich mit der Geschichte des arabischen Raums und Afrikas zu beschäftigen. Also nicht nur bei Wikipedia mal etwas nachgelesen oder kreuz und quer bei Google recherchiert habe. Was an sich ja nicht schlecht ist. Trotzdem habe ich mir Literatur zum Thema besorgt, war ich in Bibliotheken und Buchgeschäften auf der Suche. Insbesondere letztere haben schließlich unsere Solidarität verdient, nachdem sie uns in früheren Jahrzehnten stets geduldig unsere Buch-Wünsche erfüllt haben.

Was mit Sicherheit nicht immer einfach war. Insbesondere und wie persönlich erlebt, wenn jemand auf die Frage, was für ein Buch denn gewünscht werde, mit „ein blaues“ antwortete. Aber ich schweife ab. Zurück zur Geschichte und ihren Chronisten. Die in der Summe ein sehr aufschlussreiches Bild zeichnen. Sowohl vom arabischen Raum wie auch von Afrika. Auch wenn die ethnischen und zum Teil auch religiösen Besonderheiten natürlich höchst unterschiedlich sind, es gibt erstaunliche Gemeinsamkeiten.

Vor allem, was die geopolitischen Interessen der sogenannten westlichen Welt betrifft. Und die daraus resultierende Politik. Die, auf einen einfachen Nenner gebracht, darauf fokussiert war, den zu unterstützen, der für größtmöglichen wirtschaftlichen und politischen Nutzen sorgte. Für die westlichen Staaten. Für diesen Nutzen sich auch nicht scheute, sich an dem einen oder anderen Regierungs-Putsch zu beteiligen oder diesen sogar zu organisieren und auszulösen.

Weshalb es keine Übertreibung ist zu sagen, dass die derzeitigen Verhältnisse in weiten Teilen Afrikas und den arabischen Ländern unter großer Beteiligung, wenn nicht sogar unter Federführung der sogenannten westlichen Welt zustande gekommen sind. Wir können uns also entspannt zurücklehnen. Wir können jetzt ernten, was einst gesät wurde. Wir brauchen uns zum Beispiel nicht länger fragen, warum jetzt so viele Menschen aus diesen Teilen der Erde zu uns kommen. Es war von langer Hand vorbereitet. Von der westlichen Welt. Ist also kein Beinbruch.

PETs Wochenschau

Manchmal möchte ich einfach nur, dass es aufhört. Wenigstens für eine Weile. Dass es eine Atempause gibt. Per Gesetz: Mindestens für drei Wochen nach einem Flugzeugabsturz keine weiteren Katastrophen mehr. Und schön fände ich auch, wenn man aufhören würde, Stürmen, denen Menschen zum Opfer fallen und die einiges an Verwüstung anrichten, niedliche Namen zu geben. Wie Niklas. Kann man so einen Sturm, wenn man merkt, dass er etwas heftiger ausfällt, nicht wenigstens und aus aktuellem Anlass Herodes nennen?

Und wenn es dann trotzdem schon wieder ein neues Desaster sein muss, ließe sich das nicht gleich mit einer völlig bescheuerten Verschwörungstheorie verbinden. Der Mensch braucht Erklärungen. Wenn er schon nicht in der Lage ist, die Realität zu begreifen. Weil es da meistens nicht viel zu begreifen gibt. Warum jetzt also nicht einfach behaupten, dass die somalische Terror-Miliz al-Shabaab von irgendeinem TV-Nachrichten-Sender dafür bezahlt worden ist, im kenianischen Garissa die Universität zu überfallen und 147 Studenten zu ermorden. Damit wieder stundenlang ein- und dieselbe 45-Sekunden-Sequenz gezeigt werden kann.

Stattdessen bleibt wieder nichts anderes, als fassungslos zu sein und nach Erklärungen zu suchen. Die es nicht gibt. Denn natürlich lässt sich sagen, dass die Dschihadisten offensichtlich aus religiösen Gründen mordeten. Denn schließlich sollen sie sich gezielt Studenten ausgesucht haben, die nicht aus dem Koran zitieren konnten. Also Christen. Und erschossen diese. Aber ist das eine Erklärung? Erklärt das, warum es für manche Menschen keine Menschlichkeit zu geben scheint?

Aber vielleicht ist ja das die Erklärung: Es gibt sie in Wirklichkeit gar nicht, diese Menschlichkeit. Sie ist nur eine Illusion. Eine Mär. Der Ausnahmezustand. Eine These, die von einem Blick auf die Menschheitsgeschichte durchaus gestützt würde. Und auch durchaus die Reaktion der Menschheit auf solche Verbrechen erklären würde. Nämlich Betroffenheit. Solidaritäts-Bekundungen für Opfer und Hinterbliebene.

Und dann wieder zurück zur Tagesordnung. Wenn doch sowieso keine Nachteile für die heimische Wirtschaft zu befürchten sind. Außerdem hat man ja auch noch was anderes zu tun. Schließlich muss zum Beispiel TTIP noch zu Ende verhandelt werden. Sonst gibt es nämlich kein Wachstum. Und dann können wir uns vielleicht noch nicht einmal die Betroffenheit und die Solidarität mit den Opfern leisten.

Das Ergebnis der Verhandlungen mit dem Iran in Lausanne ist da kein Widerspruch. Denn auch der Iran ist ein Markt. Und ein großer Markt noch dazu. Da möchte man ungern darauf verzichten. Und nimmt es sogar in Kauf, dass jetzt die Atommacht Israel beleidigt ist, dass der Iran jetzt vielleicht gar nicht zur Atommacht wird und sich bei der Urananreicherung über die Schulter schauen lässt. Der drohende Verlust eines Feindbildes ist halt auch nicht so leicht zu verkraften.