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Jahresrückblick

Manches ist aus der Erinnerung gefallen, lässt sich aber rekonstruieren. So kann man zum Beispiel aus der Tatsache, dass man hierzulande immer noch damit beschäftigt ist, irgendwie und mit irgendwem eine Regierung zu bilden, ableiten, dass wohl Wahlen waren. Allerdings habe ich bis heute keine Ahnung, wer aus diesen als Sieger hervorgegangen sein könnte. Nur das Gefühl, dass kein Unterschied auszumachen war. An der Politik hat sich jedenfalls nichts geändert. Also nur kein Risiko, nur nichts Neues, immer so tun, als ob alles in biologischer Butter wäre. Die wirklichen Probleme soll doch bitte die Zeit oder irgendjemand anderes lösen. Das war und ist die Devise.

Was sich von allen anderen Ländern des sogenannten Westens übrigens auch sagen lässt. Außer dem Florieren der Wirtschaft stand nichts Dringliches auf der Agenda. Garniert natürlich mit ein bisschen Sozial-Schi-Schi. Und das natürlich über die Landesgrenzen hinaus. Kleines Beispiel gefällig? Für Guatemala geht man davon aus, dass etwa zwei Prozent der Landeigentümer fast 70 Prozent des fruchtbaren Bodens besitzen. Als eine Landreform von den UN gefordert wird, scheitert sie am Veto der USA. So sterben zwar weiterhin jedes Jahr zehntausende Kinder unter zehn Jahren. Aber US-Konzerne behalten ihre Plantagen.

Aber sprechen wir doch lieber mal von den positiven Entwicklungen in unserem Land. Auch wenn mir gerade nichts einfällt, es hat sie sicher gegeben. Wenn es wirklich jemand ganz genau wissen will, am besten Frau Merkel direkt fragen. Die weiß das. Halt, jetzt weiß ich es wieder: Der Dieselskandal hatte keine negativen Auswirkungen auf die Bilanzen der Autohersteller! VW hat sogar zugelegt. Also können wir getrost weiterhin Braunkohle fördern. Mehr gute Nachrichten müssen ja wirklich nicht sein. Vielleicht darf ich immerhin noch anmerken, dass bei mir eine Erkältung überraschend schnell abgeklungen ist. Ohne dass die Pharma-Konzerne die Gewinnerwartungen senken mussten. Weshalb man in der Summe der Dinge einfach nur sagen kann, dass es ein gutes Jahr war.

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Rückblick

Wenn es einmal ein leichtes Hungergefühl gab, dann nur, weil ich einmal mehr versucht habe, wenigstens ein paar Gramm von den Kilos los zu werden, die ich zu viel habe. Das größte Missgeschick, das mir in den vergangenen 12 Monaten passiert ist, war eine Reifenpanne. Die aber relativ schnell behoben war. Es hat noch nicht einmal geregnet an jenem Tag. Und was sich als ein wirkliches Unglück hätte erweisen können, das blieb dank ärztlichem Können und Willenskraft dann doch aus. Ansonsten haben Pharmakonzerne und Gesundheitswesen nur das gerade Notwendige an mir und den Meinen verdient.

Zwar war nicht jeder Morgen von dem fröhlichen Tirili eines Vogels und warmen Sonnenstrahlen begleitet. Doch es gab viele Momente und Stunden, in die man sich zufrieden zurück lehnen konnte, die Füße auf einem Hocker und die Einsamkeit im Schrank eingeschlossen. Um sich Menschen, die einem lieb waren in der Summe der Tage, und ein Dach über dem Kopf, das weder Regen noch Terror herein ließ. Letzterer kam über die Mattscheiben und konnte ausgeschaltet werden, wenn es einem zu viel wurde. Wie übrigens auch das ganze übrige Elend auf der Welt.

Das zwar manchmal ein wenig Schlaf rauben konnte. Aber selbst in einer Flüchtlingsunterkunft noch immer weit genug weg war, um sich verwundert zu fragen, woher dieser Hass kommt, der die Häuser so oft in Brand steckte. Und einmal gab es keine Mangos, als wir sie gebraucht hätten. Aber ansonsten würde ich mich schämen müssen, wenn ich sagen würde, dass mein Schicksal es nicht gut mit mir meinte. Denn es wäre eine Lüge. Zufriedenheit ergibt sich nun einmal nicht dadurch, dass man immer mehr will. Die fühlt man wahrscheinlich  nur, wenn man auf das schaut, was wirklich da ist.

Jahresrückblick im Erlebnisbad

Ich habe mich schon immer gefragt, warum es für das Weihnachtsfest zwei Feiertage gibt. Weil ein Tag nicht reicht, um all die Weihnachtsgänse, Plätzchen, Rumpunsche und Familienzusammenkünfte zu verdauen? Eigentlich würde es doch reichen, wenn man nach dem Heiligen Abend einmal ausschlafen könnte. Und dann zurück in die Realität.
Seit gestern weiß ich um die Bedeutung des zweiten Weihnachtsfeiertages. Er bereitet auf ein anderes Ereignis vor. Schließlich ist der Besucherstrom an diesem Tag zumeist schon etwas abgeklungen. Die Zeugen der zurückliegenden Schlacht, auch Weihnachtsessen genannt, bereits weitgehend beseitigt. Es bleibt, wenn man nicht die Familie einpackt und in ein Erlebnisbad oder zum Ganzjahres-Christkindlmarkt fährt, Zeit, um Revue passieren zu lassen.
Was in extremen Fällen zu einer gewissen Nachdenklichkeit führen kann. Weil doch die Gedanken verblüffend jenen ähneln, die man schon vor einem Jahr dazu hatte. Und wahrscheinlich auch jenen des Jahres zuvor. Natürlich sind Ereignisse neu hinzugekommen. Sind Dinge geschehen, die so zuvor noch nie geschehen waren. Die Rückenschmerzen sind stärker geworden. Die Zukunftsängste größer. Vielleicht ist überraschend etwas Empathie dazugekommen.
Doch nimmt man die äußeren Verkleidungen weg, den Ort, die Zeit, den Namen, so bleibt im Kern doch eigentlich stets das Selbe. Nämlich unsere Sehnsüchte. Unsere Ängste. Die Defizite. Was den Schluss zuließe, dass sich eigentlich, das Ganze einmal im Großen gesehen, nichts ändert. Der Mensch ist herzensgut, grausam, liebevoll, gleichgültig, egozentrisch, verblendet. Und alles immer in einer Person. Und manchmal sogar zeitnah. Und selbstverständlich gerne auch in Massen.
Ich habe mir deshalb vorgenommen, nächstes Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag auch mit der Familie in ein Erlebnisbad zu fahren. Wenn es doch keine konkreten Hinweise gibt, dass der Mensch in der Lage sei, Fundamentales an sich zu ändern, warum dann zurück oder in die Zukunft schauen. Dass ich einen halben Tag kreischend endlos lange Wasserröhren hinunter sause, will ja trotzdem nicht heißen, dass ich endgültig alle Hoffnung aufgegeben habe.