Schlagwort-Archive: Jamaika

Wetterkapriolen

Ich bin jetzt nicht unbedingt der geborene Verschwörungstheoretiker. Doch manchmal, so scheint es mir, geht es nicht anders. Dann erliege ich der Versuchung. Zum Beispiel, was die gegenwärtigen Wetterkapriolen betrifft. Ich bin inzwischen felsenfest davon überzeugt, dass Schnee und Eis, die jetzt Ende März immer noch die Natur daran hindern ihr buntes Kleid anzuziehen, der Politik geschuldet sind. Denn auch wenn bunte Ostereier im Schnee natürlich sehr viel leichter zu finden sind, eigentlich war das Osterfest, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, ursprünglich keine PR-Aktion der Supermärkte für Süßigkeiten und Gourmet-Speisen in Folie oder tiefgefroren und in diversen Geschmacksrichtungen. Sondern ein kirchliches Fest und Synonym für Auferstehung und Neuanfang.

Und ja, dass dem in diesem Jahr nicht so ist, davon bin ich überzeugt, daran ist die Politik schuld. Die Tatsache, dass wir eine GroKo und ein Heimatmuseum haben. Eine Groko, die eigentlich GroKä heißen müsste: Große Kälte. Ein Synonym ist für Kälte und Eis, die alles erstarren lassen. Für Stillstand. Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir bereits blühende Landschaften und eine bunte Vielfalt hätten, wenn es zu Jamaika gekommen wäre. Auch wenn das natürlich das Risiko des einen oder anderen kleinen Wirbelsturms beinhaltet hätte. Jedenfalls könnten wir mit Jamaika jetzt sicher schon in leichter Kleidung in Straßencafés sitzen und eine Latte schlürfen. Also noch einmal: Dankeschön, Herr Lindner! Danke F.D.P!

Advertisements

Zwickmühle

So richtig begeistern konnte ich mich für diese Volkspartei zum letzten Mal als Willy Brandt Vorsitzender und deutscher Bundeskanzler war. Für alle Abiturienten: Vorsitzender der SPD war Willy Brandt von 1964 bis 1987, Kanzler war er von 1969 bis 1974. Also durchaus verständlich, falls jemand mit dem Namen nichts anfangen kann.

Begeistert hat mich die SPD damals auch, weil sie Brandt als Kanzlerkandidaten aufstellte, während er von Vertretern der anderen einstigen Volkspartei gerne als Vaterlandsverräter verleumdet wurde, weil er im WK II nicht in Hitlers Auftrag an vorderster Front gekämpft hatte. Während sich von ihnen niemand über Alt-Nazis in Politik und Staatsämtern aufregte.

So viel zum besseren Verständnis dafür, dass ich mit meinem Brechreiz momentan am Limit bin. Ich kann es wirklich nicht mehr hören. Denn die derzeitige moralische Entrüstung über das Verhalten der SPD dürfte in etwa das selbe Ausmaß gehabt haben, wenn sich ihr Vorsitzender nach dem Wahldebakel für eine GroKo ausgesprochen.

Und liebe Freunde der Häme: reicht euch eine Partei nicht, die alles boykottiert? Dass die SPD nach dieser „Abwahl“ lieber Opposition wollte, ist mehr als nachvollziehbar. Wer möchte nach einer gescheiterten Ehe gleich wieder die Frau heiraten, von der er gerade geschieden wurde. Andererseits erscheint es mir dann doch durchaus ehrenwert, nach einiger Zeit wegen der Kinder zu überlegen, ob man es nicht doch noch einmal probieren sollte.

Wunschliste

 

Wünschen würde ich mir das auf jeden Fall. Wenn auch nicht gerade für Weihnachten. Da steht schon das iPhone X ganz oben auf der Wunschliste. Dicht gefolgt von einem DJI Phantom 4 Pro Quadrocopter RtF Kameraflug. Aber ist es nicht das, was vielen Menschen die Politik verleidet. Dieses permanente Gefühl, dass Politikerinnen und Politiker zwar gerne darauf verweisen, dass sie ihren Wählerinnen und Wählern verpflichtet wären, für sie täten, was sie tun. In Wirklichkeit aber und in erster Linie an ihre Posten und die Organisation, die ihnen zu diesen Posten verhilft, nämlich an ihre Partei denken.

Ein deutlicher Hinweis darauf wäre zumindest die Tatsache, dass die immer gleichen, vorgestanzten Phrasen verwendet werden. Weshalb wir in unserer Familie Monopoly abgeschafft haben. Dafür spielen wir bei Talk-Shows lustiges Phrasen-Raten. Wer die Antwort einer Politikerin oder eines Politikers auf die Frage der Moderatorin oder des Moderators am besten vorhersagen kann, bekommt die volle Punktzahl. Wie es auch anders gehen könnte, das hat der stellvertretende Ministerpräsident aus Schleswig-Holstein gezeigt.

Robert Habeck vermittelte in einem Interview mit Marietta Slomka im Heute-Journal zumindest sehr glaubhaft den Eindruck, dass er sagte, was er dachte. Und fühlte. Und dabei so authentisch war, dass er in die Kritik sogar die eigene Partei und sich selber mit einbezog. Eine Sternstunde. Die etwas mehr als vier Minuten dauerte und unter https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/habeck-fuerchterlicher-tag-100.html geteilt werden kann.

Und wenn man jetzt einmal voraussetzt, dass er nicht die legendäre Schauspieler-Schule von John Strasberg summa cum laude absolviert hat, dann würde ich mir mehr solche Politikerinnen und Politiker wünschen, gleich welcher Couleur. Und außerdem, dass man endlich mal eine Lösung findet und man nicht jedes Mal die weibliche und die männliche Form angeben muss, um einen Berufsstand zu benennen.

 

 

Die große Angst

Es kommt zwar nicht mehr ganz so häufig vor, aber es gibt sie immer noch. Paare, die zehn Jahre und länger zusammen leben, sich nichts mehr zu sagen haben, sich nicht mehr ausstehen können, sich befehden, mitunter bis aufs Messer. Aber eben zusammen bleiben. Weil scheinbar nichts so schlimm sein kann, als das Leben zu verändern. Und die Angst vor diesem Schritt sitzt tief und ist auch schon viel früher da, nicht erst, wenn die Situation fast ausweglos erscheint.

Und es gibt natürlich noch andere derartige Situationen. Im Job zum Beispiel. Und immer nach dem gleichen Muster: Lieber aushalten, als etwas ändern. Fast könnte man den Eindruck haben, dieses Verhalten wäre in den menschlichen Genen eingraviert. Gesichert ist hingegen die Erkenntnis, dass auch die Politik nicht frei davon ist. Ein Beleg dafür wurde gerade in Berlin abgeliefert. Die Sondierungsgespräche der Jamaika-Parteien sind letztendlich an der Angst vor Veränderung gescheitert.

So wie auch jede Chance, vielleicht doch noch Kohlen aus dem Feuer zu holen, um zum Beispiel die Klimaerwärmung zu reduzieren, daran scheitert. Lieber rennen wir offenen Auges ins Verderben, als unser Leben zu verändern. Denn das müssten wir. Jetzt. Wir müssten damit aufhören, wahllos in der Gegend und in der Welt herum zu fahren und zu fliegen. Wir müssten uns fragen, ob wir wirklich alles brauchen, was wir haben. Alles kaufen müssen, was der Geldbeutel hergibt.

Wir müssten aufhören, Waren über aberwitzige Entfernungen zu transportieren, damit wir zwischen 35 Fleisch- und 73 Obstsorten auswählen können. Und vielleicht nicht mehr unser Büffet mit Rosen aus Afrika schmücken. Kurzum, wir müssten unser Leben verändern. Etwas ganz Neues machen. Etwas ganz Anderes. Und deshalb rennen wir lieber zum Psychiater und in die Apotheke, um die Situation auszuhalten. Als zu versuchen, unsere Angst vor der Veränderung zu besiegen.

Erfolgsmeldung

Natürlich wäre ein bisschen Jamaika nicht schlecht gewesen. Also etwas mehr Farbe und karibische Lebensfreude. Weitere vier Jahre die Uni-Farben von Frau Merkel, das Einheitsgrau der Männer und die weißen Blusen von Frau Von der Leyen, das ist eine schon sehr deprimierende Zukunftsaussicht. So aber hat auf jeden Fall erst einmal der Klimaschutz gewonnen – und natürlich auch viele Menschen, die Schutz suchen vor Hunger und Verfolgung.

Denn es hat sich doch mehr und mehr abgezeichnet, dass Jamaika hierzulande zum Synonym für eine ungebremste und kaum innovative Industrie und Strom aus Kohle werden würde. Und Migranten und Asylsuchende unbeschadet der farblichen Vielfalt in der Regierung mehr denn je auf eine graue Mauer gestoßen wären. Im Scheitern liegt halt immer auch eine Chance. Klimaschützer und Menschenrechtler können erst einmal aufatmen.

Tiefschlaf

Es ist wirklich alles in Butter. Sie haben alles im Griff. Höchstens mal nicht sich selber. Weshalb sie dann schon mal jemandem auf die Fresse hauen wollen. Oder versuchen, Politik vom Lehnstuhl aus zu machen. Großartig auch der Schachzug von Merkel. Europa neu einordnen und für die Zukunft ausrichten, Flüchtlingsfrage klären und die Finanzen, die Verteidigung, wie es Frankreichs Präsident Macron verlangt, das kann warten. Jetzt geht es nach Tallinn erst einmal um das Internet und die digitale Zukunft. Da hat man dann auch viel mehr Zeit, über Jamaika nachzudenken.

Pressiert ja alles nicht. Ging doch die letzten gefühlten 100 Jahre auch mit dem Tempo einer guten alten Dampflok. Ist außerdem viel pittoresker als ein TGV. Und vielleicht lässt sich so ja auch die Sozialdemokratie weichkochen. Es kann nur noch Tage dauern, bis zum ersten Mal von der Verantwortung gesprochen werden wird. Und außerdem hätte eine Neuauflage der GroKo den großen Vorteil, dass die SPD in vier Jahren wirklich nur noch eine Splitterpartei wäre. Wahrscheinlich als Schwesterpartei von Die Linke.

Denn inzwischen haben doch schon alle Beteiligten gemerkt, dass Jamaika wirklich ein Schwachsinn ist. Eine Totgeburt. Viel zu heiß dort. Außerdem ein schwieriges Gelände für Homosexuelle. Und dann die Kriminalität. Bandenbildungen. Rauschgift. Ganz zu schweigen von der Musik. Und schließlich gibt es ja auch noch anderswo chillige Strände. Copacabana zum Beispiel. Käme doch auch von den Farben her einigermaßen hin. Besser als Hasch und Reggae wäre auf jeden Fall Volksmusik. Wie singt Heino so schön: Schwarz-braun ist die Haselnuss.

Kleine Eisberge

Man muss halt Prioritäten setzen. Und man kann sich nicht immer um alles kümmern. Deshalb konzentriert sich Deutschland und vor allem die Politik momentan vor allem auf Revolten in den Parteien (vorerst kein Aufstand in der Partei mit dem S in der Mitte und dem Doppel-S in der Parteispitze), auf gehen und gegangen werden beim rechten Newcomer – und natürlich auf Jamaika mit und ohne Bio-Rum.

Und außerdem gehen Donald und Kim sowieso langsam die Schimpfwörter aus, die Eisberge, die von der Antarktis abbrechen sind kleiner geworden, und Maria war bei weitem nicht so schlimm wie Harvey. Zumindest für die Amerikaner. Warum also soll man sich jetzt zum Beispiel damit beschäftigen, dass jährlich mehrere Millionen Hektar Land unwiederbringlich oder zumindest auf sehr lange Zeit für eine landwirtschaftliche Nutzung verloren gehen.

Mal ganz abgesehen davon, dass das wahrscheinlich auch wieder nur von den Medien aufgebauscht wird, wenn man jetzt nicht dafür sorgt, dass die BRD eine funktionstüchtige Regierung bekommt, die sich dann ja erst einmal um die darbende Autoindustrie kümmern muss, wenn jetzt nicht alle einen schönen Posten bekommen, die hart dafür gearbeitet haben, dann ist es sowieso egal, ob noch mehr Menschen vor dem Hunger fliehen. Denn die kriegen dann eben keinen Job bei uns. Falls sie es überhaupt bis zu uns schaffen.