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Das Leben des Brian

Nach offizieller Darstellung ist ja der heutige Tag, also der Karfreitag, nicht nur ein Tag der Trauer, sondern auch ein Fasten- und Abstinenztag. Ein Eindruck, der nicht durch den gestrigen Tag bestätigt wurde. Was da an mittel- bis hochprozentigen Getränken und leckeren Fertiggerichten aus den Supermärkten gekarrt wurde, ganz zu schweigen von den Bergen von Süßwaren, das war gigantisch und hatte Weihnachtsniveau. Und nachdem am morgigen Tag, also dem Samstag, wohl kaum die Supermärkte verwaist bleiben werden, liegt der Schluss nahe, dass die Einkäufe vom Donnerstag nicht nur für das Oster-Wochenende gedacht waren.

Zwar wurde immerhin 2016 das bayerische und besonders rigide Gesetz zum Schutz des Karfreitags vom Bundesverfassungsgericht gekippt. Als verfassungswidrig. Weil es die Versammlungsfreiheit und die Freiheit der Weltanschauung verletzte. Aber noch immer sind bundesweit Tanz- und Sportveranstaltungen und andere Veranstaltungen, die der „Unterhaltung“ dienen, verboten. Sogar Theater und Opernhäuser müssen ihre Spielpläne entsprechend planen. Und sogar ein Volksfest mit einer Tradition, die ins 11. Jahrhundert zurück geht, der Hamburger Frühlingsdom, muss an diesem Tag geschlossen bleiben.

2016 waren in Deutschland etwa 28 Prozent der Bevölkerung Katholiken, 26 Prozent gehörten der Evangelischen Kirche an. Die restliche Bevölkerung teilte sich auf andere Religionen respektive Konfessionslose auf. Sind wir also einmal extrem leichtgläubig und nehmen wir an, dass die insgesamt 54 Prozent Christen alle gläubig wären, dann bleiben immer noch 46 Prozent der Bevölkerung, denen am Karfreitag „Unterhaltung“ versagt wird. In NRW sogar der Film „Das Leben des Brian“. Da laut dem Oberlandesgericht Hamm am Karfreitag nur Filme vorgeführt werden dürfen, die „vom Kultusminister oder der von ihm bestimmten Stelle als zur Aufführung am Karfreitag geeignet anerkannt sind […]. „Das Leben des Brian“ gehört nicht dazu. Religionsfreiheit ist offensichtlich eine Frage der Religion.

 

Kopierpapier

Das wird heute etwas kurz und bündig ausfallen. Hat nichts mit Karfreitag zu tun, die Füße bekam ich gestern schon gewaschen. Aber ich habe gerade noch kurz vor Ladenschluss einen Posten Kopierpapier ergattert. Eine Maxi-Box mit 2.500 Blatt. Aus nachhaltiger Forstwirtschaft und mit einer Beständigkeit nach DIN 9706 von ca. 200 Jahren. Letzteres bedeutet vermutlich, dass das Papier auch meine Kinder überlebt. Und das Ganze für 20 Euro und 39 Cent. Vermutlich kann ich ja das ganze Papier noch nicht einmal selber verbrauchen. Wo das Meiste heutzutage digitalisiert wird.

Doch man kann ja nicht immer nur an sich selber denken. Manchmal muss man einfach auch ein bisschen an die zukünftigen Hinterbliebenen denken. Und außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass meine Hinterlassenschaft verantwortungsvoll genutzt werden wird. Was aber nicht bedeutet, dass ich deshalb allzu vertrauensselig bin.  Ich werde heute also einmal überprüfen, ob das auch wirklich 2.500 Blatt sind. Was wohl einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Dass ich heute über Hinterbliebene und Hinterlassenschaften nachdenke, hat übrigens auch nichts mit dem Karfreitag zu tun. Das liegt eher an den derzeitigen Umständen.

Wasser am Karfreitag

Wenn ich richtig informiert bin, dann wurde gemäß der Überlieferung Jesus Christus nicht am Karfreitag ans Kreuz geschlagen, sondern es wird an diesem Tag der Kreuzigung Jesu gedacht. Ich schicke das voraus, weil ja sonst jemand den Einwand vorbringen könnte, dass dies nicht stimmen könne, da ja Karfreitag nicht immer am selben Tag des Jahres zelebriert wird. Davon gänzlich unabhängig dokumentiert diese Kreuzigung auch, dass schon vor Jahrtausenden menschliche Grausamkeit zum Alltag gehörte und natürlich auch nicht vor denen Halt machte, die Gewaltlosigkeit predigten.

Diese Tradition wird bis heute beibehalten. Und auch für die Zukunft ist nicht damit zu rechnen, dass sich daran etwas ändern wird. Allerdings kann man davon ausgehen, dass sie ihre Qualität verändern wird. Dankenswerter Weise hat mir das Herr Kleber vor Augen geführt, in einer TV-Dokumentation. Den vielleicht ja die Dauerbeschäftigung mit den täglichen Horrormeldungen dazu bringt, sich über das Tagesgeschehen hinaus mit den Gründen und Hintergründen des menschlichen Elends auf dieser Welt zu beschäftigen.

Jedenfalls hat sich Claus Kleber in dieser Dokumentation mit dem Thema Wasser auseinandergesetzt. Wasser, das ist jenes Nass, das bei uns in Trinkqualität aus der Leitung kommt. Weshalb in Deutschland jährlich über 400 Millionen Liter eingeführt werden. In Flaschen oder anderen Behältnissen. In anderen, sogenannten Industrieländern ist das nicht anders. Es werden Milliarden mit Wasser verdient.

Denn Wasser wird mehr und mehr vom Allgemeingut zum Wirtschaftsgut. Weshalb sich zum Beispiel in Südafrika die Menschen in einem Slum auch Wasser in Flaschen kaufen dürfen, weil das in diesem Gebiet eigentlich reichlich vorhandene Wasser einem Konzern gehört. Und der Markt für Wasser scheint so lukrativ zu sein, dass inzwischen sogar Wasser-Fonds aufgelegt wurden, der größte mit einem Volumen von derzeit 2,6 Milliarden Euro.

Was mich auch beeindruckt hat: In Kalifornien verdorren Mandelplantagen, durch die ein breiter Kanal führt, randvoll mit Wasser. Aber das ist für die Stadt Los Angelos, die hat sich die Lizenz für dieses Wasser gekauft. Und das ist dann fast schon ein beruhigendes Gefühl. Der Markt macht vor keinem Halt. Und knebelt nicht nur die Armen. Zu denen der Plantagen-Besitzer wahrscheinlich bald zählen wird. Aber vielleicht ist diese Sichtweise an einem Karfreitag nicht angebracht.