Schlagwort-Archive: Katalonien

Frisch gepresst

Jetzt haben wir es endlich schwarz auf weiß. In der Hauspostille der CSU, der Passauer Neuen Presse, steht, dass es Schluss mit lustig wäre, wenn die Bundeskanzlerin von ihrer Richtlinienkompetenz Gebrauch machen würde. Bloß weil er, Seehofer und die ganze CSU fänden, dass es wichtiger wäre, für die Überzeugung zu kämpfen als nur an die Posten zu denken. Und außerdem sagte der CSU-Vorsitzende mit Blick auf einen möglichen Alleingang als Bundesinnenminister in Sachen Asylstreit: „Wenn man mit dieser Begründung einen Minister entließe, der sich um die Sicherheit und Ordnung seines Landes sorgt und kümmert, wäre das eine weltweite Uraufführung. Wo sind wir denn?“

Die Frage kann relativ leicht beantwortet werden. Nachdem, was sich nun schon seit Wochen in dieser, unserer Republik abspielt, scheinen wir uns momentan in einer Art Bananenrepublik zu befinden. Womit natürlich nichts gegen Bananen gesagt werden soll. Und außerdem muss man auch anerkennend feststellen, dass die CSU schon voll und ganz und gekonnt die ja noch relativ neue Diplomatie des derzeitigen US-amerikanischen Präsidenten übernommen hat. Die auf zwei Pfeilern steht. Da ist zum einen das Schaffen von Fakten, von denen man davor gar nicht wusste, dass es sie gibt. Und zum anderen das permanente Schwingen der Keule, von Menschen ohne Humor gerne auch mal Erpressung genannt.

Jedenfalls wissen wir also seit heute schwarz auf weiß, dass Seehofer und die CSU für ihre Überzeugung auch ein Ende der Koalition mit der einstigen Schwesterpartei CDU in Kauf nehmen würden. Weshalb es nahe liegt, davon auszugehen, dass der dann folgende Schritt wohl die Unabhängigkeit Bayerns von Deutschland sein müsste. Ganz nach dem Vorbild von Katalonien und Herrn Puigdemont. Ich überlege mir jedenfalls momentan ernsthaft, ob das wirklich noch Sinn macht, mir den Pass für den diesjährigen Urlaub noch einmal verlängern zu lassen. Ist vielleicht rausgeschmissenes Geld.

Advertisements

Rückzug

Vielleicht ist das etwas übertrieben. Aber ich finde die Welt da draußen, also alles außerhalb meiner vier Wände, momentan so unwirtlich, dass ich mich darauf beschränke, nur noch einen Fuß vor die Tür zu setzen, wenn gar kein Weg mehr daran vorbeiführt. Also nie. So bestimmend ist diese Aversion, dass noch nicht einmal die Gedanken hinaus wollen, sich weigern, sich mit Sondierungen, Blondierungen, deutschen Türken, australischen Psychopathen oder katalanischen Aussteigern zu beschäftigen. Sie beschäftigen sich lieber mit Rezeptvorschlägen, Weinanbaugebieten, Weihnachtsschmuck und Tannengrün.

Ausgelöst das Ganze von einem regenfeuchten Grauschleier englischen Ausmaßes. Drängelnden, unflätigen Menschen, aggressiven Autofahrern und Service-Personal am Ende seiner Kräfte. Also dem für diese Tage üblichen und obligatorischen Wahnsinn, der im Land Söders und Seehofers so herrlich romantisch mit dem Begriff „staade Zeit“ umschrieben wird.

 

Aber wozu braucht man noch einen Bezug zur Realität, wenn man Medien und eine virtuelle Welt hat, die es tunlichst verhindern, allzu real daher zu kommen. Was zählt, das ist der Umsatz. Wenn der stimmt, kommt die Beschaulichkeit von ganz alleine. Oder spätestens, wenn der weihnachtsgestresste Mensch in Mexiko, Ägypten oder Mauritius angekommen ist. Am besten in einem Wellness-Hotel. Im Foyer steht sicher ein Weihnachtsbaum.

Wo spielt Messi

Die Freunde des Fußballs sind europa- und weltweit alarmiert. Was passiert, fragen sie sich, wenn Katalonien nicht mehr zu Spanien gehört, ein eigener Staat ist. Spielt dann der FC Barcelona erst einmal mit seinem Messi gegen Mannschaften wie die von Arenys de Munt, einem Städtchen 40 Kilometer nördlich von Barcelona, um die katalanische Meisterschaft? Damit er dann endlich wieder an einem europäischen Wettbewerb teilnehmen kann? Und brauchen Urlauber, die dann nach Katalonien wollen, ein Visum, um in Barcelona die Ramblas rauf und runter flanieren zu können? Und bekommt man das in einer katalanischen Botschaft, falls es eine gibt?

Der Plan der Separatisten scheint also vielleicht noch nicht so ganz ausgereift zu sein. Nur eines steht schon ziemlich fest: Dass ein EU-Beitritt Kataloniens eher unwahrscheinlich ist. Denn dem müsste Spanien zustimmen. Und wie geht es mit der Wirtschaft dann eigentlich weiter? Die Hälfte der Ausfuhren ging bis jetzt nach Spanien. Der Rest größtenteils in die EU. Seltsam nur, dass auch Spanien so tut, als wollte es die Katalanen unbedingt los werden. Mit ihren martialischen Reaktionen bringen sie auch noch den letzten Katalanen dazu, sich den Separatisten anzuschließen. Meine Vermutung: Dahinter steckt Real Madrid.