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Gesunder Menschenverstand

Ich frage mich schon lange, wie diese Menschen das schaffen. Ich kenne das ja nur durch die Berichterstattung im Fernsehen. Aber immer wenn der US-amerikanische Präsident ganz etwas wichtiges sagt oder verkündet, ist er ja von Menschen umgeben. Die ganz angestrengt und ganz wichtig schauen und ganz aufmerksam dem lauschen, was der Präsident von sich gibt. Was reichlich unnatürlich und aufgesetzt aussieht.

Da musste jetzt erst ein Kind kommen, um das einzig richtige zu tun, was man bei den Ausführungen dieses Präsidenten tun kann. Das Kind hat einfach geschlafen, als Donald Trump vor dem Kongress seine Rede an die Nation hielt. Noch verblüffender: Das Kind gehört zur Trump-Familie. Und belegt, dass es selbst in dieser Familie so etwas wie gesunden Menschenverstand geben kann.

Glattrasur

Wer wissen will, wie es zumindest um den Großteil der Männer steht, was für sie Männlichkeit ist, der möge sich den Werbespot eines Herstellers von Rasierklingen ansehen. Und sich dann die tausenden Kommentare von Männern zu dem Werbespot zu Gemüte führen. Menschen, die momentan aufgrund irgendwelcher tragischen Erlebnisse etwas labil sind, wird allerdings davon abgeraten.

Denn es öffnet sich ein Abgrund, der es schwer macht einzugestehen, dass man ein Mann ist. Vorausgesetzt Mann ist noch fähig, sich zu schämen. Es ist bekannt. Aber immer wieder bestürzend, wenn Männer so geballt zeigen, wes Geistes Kind sie sind. Auf jeden Fall ein großes Dankeschön an Gillette für diese empirische Studie. Und für den Werbetrailer. Bitte mutig bleiben. Jetzt nicht einknicken. Und alle anderen: Ansehen!!! Und Kommentare lesen!!!

 

 

Blaue Bänder

Wahrscheinlich ist es der Frühling. Kann ja nicht mehr so lange dauern. Jedenfalls scheinen die Testosteron-Werte schon mal so langsam anzusteigen. Ungarns Orban träumt von einer Schlacht. In Russland, dem Land, in dem Präsidenten auf Tigern reiten, überlegt man sich Vergeltungsmaßnahmen. Weil nämlich ein US-Präsident endlich die Eier hatte, Sanktionen auszusprechen, wie es der Kongress schon vor einiger Zeit angeordnet hat. Könnte sein, dass der Schwiegersohn bis jetzt dagegen war.

Doch während der Frühling seine Boten und diversen Bänder schon mal durch die Land flattern lässt, gibt es durchaus auch Meldungen, die winzig kleine Hoffnungen sprießen lassen. Wie zum Beispiel jene bezüglich der Tatsache, dass es in Jerusalem ein Kinderkrankenhaus gibt, in dem israelische und palästinensische Kinder von palästinensischen und israelischen Ärzten behandelt werden. Finanziell unterstützt von einer französischen Ärztin, die rein zufällig Jüdin ist. Was mich dann glauben lässt, dass wir vielleicht einfach nur mehr Ärzte wie diese bräuchten.

Wenn der Kuckuck ruft

Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass ein Beitrag mit diesem Titel nicht gerade sehr zeitgemäß erscheint. Schließlich habe sogar ich mitbekommen, dass der Sommer vorbei und der Herbst ins Land gezogen ist. Spätestens seit ich morgens kaum noch das Hochhaus gegenüber sehe. Vor lauter Nebel. Weshalb ich mich hier auch nicht explizit auslassen will über diesen frechen Burschen, der seine Eier in fremden Nestern ablegt. Vielmehr geht es hier um sein, sagen wir mal, menschliches „Pendant“. Das natürlich nicht seine Eier sondern vielmehr etwas anderes „ablegt“. Und auch nicht gerade in ein Nest. Wie alle Menschen wissen, die nicht mehr an die Geschichte mit den Bienchen glauben.

Weshalb dann, nicht ganz korrekter aber gebräuchlicher Weise, die Männer, die letztendlich die Aufzucht übernehmen, als Kuckucksväter bezeichnet werden. Und alleine schon die sprachliche Ungenauigkeit belegt, dass dies ein höchst sensibles und diffiziles Thema ist. Dessen sich jetzt wieder einmal die Politik annimmt. Gibt es doch immer wieder Kuckucksväter, die durch irgendwelche widrigen Umstände mitunter erst nach 17 Jahren erfahren, dass zum Beispiel der Stammhalter das Ergebnis eines Seitensprungs der Gattin ist.

Was sie so sehr bis ins Mark trifft, dass viele wenigstens das Geld zurück haben wollen, das sie bisher in den Spross investiert haben. Und zwar vom biologischen Vater. Der nur den Spaß hatte. Aber nicht dafür bezahlen musste. Und hier zeigt sich nicht nur eine Tragödie von griechischem Ausmaß. Es offenbart auch eine vielleicht zutiefst deutsche Sichtweise. Dass zum einen nämlich für Vergnügen unbedingt bezahlt werden muss. Und außerdem, dass es für Männer allem Anschein nach nur sinnvoll erscheint, Geld für ein Kind auszugeben, wenn Mann selber das Vergnügen hatte, es zu zeugen.

Einmal abgesehen davon, dass laut Erhebungen in deutschen Landen nur ein Prozent aller Väter Kuckucksväter sind, lässt mich diese Geschichte etwas ratlos zurück. Denn ich frage mich, wie sich wohl ein Kind fühlen mag, dem ein Ziehvater signalisiert, dass es eine Falschlieferung ist. Für die das Geld zurück gefordert wird. Ein Kind, das zu lieben, er all die Jahre vorgab. So lange er noch nicht wusste, dass es nicht das eigen Fleisch und Blut ist. Ich würde viel eher für ein Gesetz plädieren, das es verbietet, einem Kind zu sagen, dass es nicht das leibliche Kind des Mannes ist, den es für seinen Vater hielt.

Und dann noch etwas. Alle, die jetzt danach schreien, dass Frauen per Gesetz gezwungen werden müssen, den biologischen Vater zu nennen, damit ein Finanzausgleich erstritten werden kann, sollten sich erst einmal überlegen, wann sie das letzte Mal in fremden Betten gelegen haben. Wie viele Kinder von ihnen vielleicht in anderen Familien aufwachsen. Weil sie sich nach der Weihnachtsfeier an nichts mehr erinnern wollten. Die Affäre beendet haben, als von einer möglichen Schwangerschaft die Rede war. Wer nachweisen kann, dass das für ihn nicht zutrifft, der werfe von mir aus den ersten Stein. Aber trotzdem bitte so, dass nicht ein Kind getroffen wird.

Sind so kleine Füße

Es ist eine Fotografie. Weshalb Anhänger der Fraktion der Lügenpresse-Schreier hier gar nicht erst weiterlesen müssen. Sie wissen ja sowieso schon, dass das Foto manipuliert wurde und in Wirklichkeit vom US-amerikanischen Geheimdienst stammt. Wer der Fotografie noch eine Chance als Zeitdokument einräumt und deshalb vielleicht weiterliest, sollte wissen, dass es nicht erbaulich ist. Es sind darauf keine Katzen zu sehen. Auch kein Teller, auf dem der zweite Gang eines Menüs das Wasser im Munde zusammen laufen lässt. Und weit und breit kein Sonnenaufgang.

Vielmehr ist ein Mann darauf zu sehen. Er sitzt auf dem Boden. Genauer gesagt auf Schutt. Die Beine hat er gespreizt, weil dazwischen ein Gegenstand liegt, der nicht näher bestimmt werden kann. Es könnte eine helle Decke oder Plane sein, in die etwas eingewickelt wurde. Sie liegt ihrerseits auf einem bunten Stück Stoff mit blauen und orangefarbenen Blumen. Neben diesem Mann steht offensichtlich noch ein anderer Mann. Auch er im Schutt. Der ganze Boden scheint nur aus Schutt zu bestehen. Von ihm sind aber nur die verstaubten Schuhe und die Enden der Hosenbeine zu sehen.

Folgt man dem Blick des sitzenden Mannes, so scheint er ins Leere zu blicken. Wohin er schaut, ist nichts außer Schutt. Geht man aber von diesem Punkt, von dem man annehmen kann, dass sein Blick darauf weilt, etwas nach unten, so sieht man etwas, das es plausibel erscheinen lässt, warum er ins Leere schaut. Denn dort ragt bis zum Knöchel der kleine Fuß eines Kindes aus dem Schutt. Es ist wohl ein sehr kleines Kind, vielleicht hat es gerade erst zu laufen begonnen.

Eingeholt

Ich habe mir das gut überlegt. Ich habe mir viele Fragen gestellt. Und immer lautete meine Antwort darauf: Ja, du musst. Und natürlich fühlt es sich schon sehr seltsam an, wenn nun an drei Tagen in Folge vordergründig das selbe Ereignis abgehandelt wird. Als wollte hier jemand die Schrecken und Gräuel, mit denen eine Hochzeitsfeier in der türkischen Stadt Gaziantep endete, breit treten, auswalzen. Weil ihm nichts anderes mehr einfällt. Doch das ist nicht der Grund. Darum ging es zu keinem Zeitpunkt.

Der Auslöser war das Exemplarische. Nicht für die Türkei alleine. Sondern für viele Länder. Vielleicht die meisten. Alle? Das Selbstmordattentat auf eine Hochzeit brachte nicht nur Leid für die davon betroffenen Menschen. Es zeigte auch sehr deutlich, wie Nachrichten, Meldungen, Statements eingesetzt werden. Um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Um Menschen zu manipulieren. Es ist wirklich beeindruckend.

Jetzt weiß man jedenfalls, dass man nicht weiß, ob der Attentäter ein Kind war, das der IS geschickt hatte. Was abgerundet wird von der Meldung, dass der österreichische Botschafter in Ankara ins türkische Außenministerium einbestellt wurde. Weil in Wien Kurden ein Zelt errichtet haben und mit Plakaten des PKK-Anführers Öcalan und der Flagge der PKK schmückten. Um gegen die türkische Politik und das militärische Vorgehen gegen Kurden zu demonstrieren.

Weshalb dann eine türkische, regierungstreue Online-Zeitung, die auf Deutsch erscheint, berichtete, PKK-Anhänger hätten „in der österreichischen Hauptstadt Wien das Staatsfernsehen ORF besetzt“. Und weiter: „Sie besetzten die Sendezentrale und zwangen die Mitarbeiter dazu, eine Erklärung zu verlesen.“ Dass es am Ende des Absatzes heißt, „die Terroristen forderten, dass ein Text verlesen wird, wurden jedoch von den Polizisten des Platzes verwiesen“, ist dabei unwesentlich.

Von Bedeutung ist lediglich das Vorgehen. Wie und welche Meldungen lanciert werden. Wenn Wirkungen erzielt werden sollen. Die dann damit abgerundet werden, dass ein Präsident von Aufrichtigkeit spricht. Laut einer Zeitungsmeldung soll Erdogan gesagt haben: „Wie kann man über Aufrichtigkeit sprechen, wenn Terrororganisationen erlaubt wird, ihr Zelt in Brüssel vor dem Europäischen Ratsgebäude zu errichten.“ Und ich muss zugeben, dass ich etwas verwirrt bin momentan.