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Feinstaub

Der Diesel ist die Skandal-Nudel der Saison. Wenn man einmal von dem einen oder der anderen Politikerin absieht. Und das Hersteller-übergreifend. Mehr Feinstaub, als man sich über all die Jahre seines Siegeszuges vorstellen konnte. Oder wollte. Abgase bis zum atemlosen Abwinken. Der Hustenreiz in den Städten wird schließlich immer stärker. Und was kaum jemand erwartet hat, Deutschland hat das großartige Ziel von einst, weniger CO² ins Weltall zu blasen, nicht nur haarscharf, sondern meilenweit verfehlt. Und das auch, weil selbst für die Fahrt zum 1,2 Kilometer entfernten Kindergarten am liebsten und immer mehr PS-starke SUVs benutzt werden.

Weshalb sogar mein Golden Retriever kapiert hat, dass jetzt vielleicht ein guter Zeitpunkt wäre, mit aller Kraft an der Lösung des Problems zu arbeiten. Dafür zu sorgen, dass vielleicht nicht nur Dieselmotoren weniger Dreck zum Auspuff raus blasen. Dass Autos weniger verbrauchen, weil sie nur noch so viele PS haben, wie sie brauchen, um Personen zu befördern. Und nicht das Ego des Fahrers. Doch leider hat man es ganz schlecht getroffen. Denn dafür hat die Automobil-Industrie  zwar durchaus das Geld. Aber keine Zeit. Denn jetzt müssen erst einmal Autos entwickelt werden, die autonom fahren. Was natürlich auch Sinn macht. Kein Mensch kann mit einer Gasmaske anständig Auto fahren.

Momente des Glücks

Ich gebe es zu, ich habe geweint. Und das, obwohl ich ja überhaupt nicht so der emotionale Typ bin. Bei mir gibt es sonntags den Tatort, Rosamunde Pilcher kommt einfach nicht in Frage. Aber bei diesen Bildern war es um mich geschehen. Es war, als würde auf einmal dichter Nebel von gleißendem Sonnenlicht durchbrochen werden. Es war einer jener beglückenden Momente, wenn der junge Tag die schwarze Nacht vertreibt. Ein Kinderlachen ein großes Loch in die Wand reißt, die düstere Gedanken um einen Menschen gebaut haben. Kurzum, ich sah den Fernsehbericht von Merkels Reise in die Türkei, von ihrem Besuch in einem Flüchtlingslager, praktischerweise doch ein gutes Stück von der syrischen Grenze entfernt.

Wo, um das Glück perfekt zu machen, nicht nur den Flüchtlingen ganz offensichtlich türkischer Honig um den Mund geschmiert worden war. Was auch rein physikalisch deren anhaltendes Lächeln ebenso erklären könnte wie das der Politiker vor Ort. Dabei war es eigentlich nur sekundär, dass Merkel und ihr Begleiter, EU-Ratspräsident Tusk, voll des Lobes waren bezüglich der Anstrengungen der Türkei in der Flüchtlingsfrage. Und umgekehrt der türkische Regierungschef und offensichtlich mit Erlaubnis des Präsidenten Erdogan in Aussicht stellte, auch die EU zu loben, wenn diese endlich die Visa-Freiheit für Türken für den Schengenraum eingeführt haben würde.

Jedenfalls waren diese Bilder herzergreifend. Diese ganzen adrett gekleideten Kinder, die mit einem glückseligen Lächeln im Kindergarten Bilder malten. Ganz wunderbar und nagelneu die Zelte in diesem Flüchtlingslager mit vermutlich hochmodernen sanitären Anlagen, in dem man keinen Moment daran zweifelte, dass es auch kostenloses W-LAN, verschiedene Restaurants, Schulen und ein Einkauf-Center mit Friseur und einem Maniküre-Salon gibt. Um es auf den Punkt zu bringen: Da können selbst wir Deutschen uns eine riesengroße Scheibe abschneiden. Einfach vorbildlich. Und der lebendige Beweis, dass die Türkei ihren Teil der Abmachungen mit der EU voll und ganz erfüllt hat. Dass das Wohlergehen von hunderttausenden Syrern mit Leichtigkeit die paar läppischen Journalisten im Gefängnis und den Tod von terroristischen Kurden, also auch Frauen und Kindern, aufwiegt.

Und wenn er auch nur einen Rest von Empathie in seinem verdorbenen Satiriker-Herz hat, wird Böhmermann angesichts dieser Bilder ohne jedes Murren eine Haftstrafe wegen Majestätsbeleidigung antreten. Amnesty International wird endlich aufhören, die Lüge zu verbreiten, dass von der Türkei Syrer nach Syrien abgeschoben würden. Und auch wir werden mit einem Lächeln zusehen, wenn hunderttausende Syrer einen türkischen Pass bekommen und in Züge nach Europa gesetzt werden. Schließlich war der Türkei Visafreiheit für ihre Bürger versprochen worden, damit es den Syrern endlich wieder gut geht. Geschäft ist Geschäft.

Handgeschnitztes aus dem Erzgebirge

Die Information stammt aus einer durchaus seriösen Quelle. Kommt also nicht von der Lügenpresse. Ich habe natürlich gleich nochmal gegen gecheckt, nach recherchiert. Das gleiche Ergebnis. Es scheint also zu stimmen. Was mich dann doch erst einmal einigermaßen ratlos hinterlassen hat. Um die Wahrheit zu sagen: Ich habe das überhaupt nicht verstanden. Bis ich meine zugegebenermaßen nicht besonders großen kleinen grauen Zellen mal so richtig ran genommen habe. Und da kam die Erleuchtung, respektive, ich hatte eine Erkenntnis. Und jetzt finde ich das richtig gut.

Man sollte das meiner Ansicht nach zum Beispiel auch für Kindergärten und Kitas übernehmen. Dort nur noch Pädophile einstellen. Oder in Frauenhäusern: Nur noch verurteilte oder zumindest bekennende Vergewaltiger und Gewalttäter beschäftigen. Und Bewerbungen für das Aufsichts-Personal in Flüchtlings-Camps werden nur noch angenommen, wenn die Mitgliedschaft bei der NPD oder einer anderen rechtsradikalen oder zumindest rechtspopulistischen Organisation belegt ist.

So wie man es offensichtlich und laut der eingangs erwähnten seriösen Quelle im idyllischen Rechenberg-Bienenmühle im Osterzgebirge im Ortsteil Clausnitz getan hat. Dort wo ein Bus mit Flüchtlingen zwei Stunden lang von besorgten Bürgern belagert wurde. Woraufhin die Polizei sich sogar genötigt sah, einen Jugendlichen, der laut Polizeiführung – Stinkefinger!!! – provoziert hatte,  gewaltsam aus dem Bus zu holen. Hier hat man als Heimleiter für die Flüchtlingsunterkunft nämlich ein AfD-Mitglied eingestellt. Dass er „Hetze“ heißt und gerne auf Wahlveranstaltungen von „ungezügelten 100.000-fachen Einmarsch von Wirtschaftsflüchtlingen“ spricht, war da wohl nicht mehr relevant für die Einstellung.

Und mir ist jetzt klar geworden, dass das die Lösung ist. Für die unterschiedlichsten Bereiche. Man muss diese Leute dort einstellen, wo sie auf den ersten Blick vielleicht etwas deplatziert wirken aber eigentlich hingehören. Weil man sie nur dort wirklich im Auge behalten kann. Da hat man sie im Griff. Und muss nicht befürchten, dass sie in den Untergrund gehen. Im Geheimen ihren Neigungen nachgehen. Kurzum, es ist genial. Und sollte Schule machen. Das würde letztendlich auch die Polizeiarbeit erleichtern. Hat ja nicht jeder Ort so eine tolle Truppe vor Ort wie in Clausnitz.

Bauklötze staunen

Darf man überhaupt über Kindergärten reden oder schreiben, wenn man bereits im Greisenalter ist? Aber natürlich. Im Gegenteil. Eigentlich sollte nur über Kindergärten sprechen, wer schon längst keine Kinder mehr im Kindergartenalter hat. Nur so ist Unbefangenheit garantiert. Zum Beispiel wenn man hört, was Eltern bei einem ersten Zusammentreffen mit den Kindergärtnerinnen für eine Idee hatten. Der Vorschlag lautete, dass doch die Damen – einen Kindergärtner gibt es nicht in der betreffenden Einrichtung – dokumentieren sollten, was die Kinder an so einem Vormittag alles gemacht haben.

Wohlgemerkt, es war ein Vorgespräch, für die lieben Kinder beginnt erst nächstes Frühjahr der Ernst des Lebens. Und die Idee war, vielleicht so eine Art Uhr zu basteln, auf der dann die Tätigkeiten angekreuzt werden sollten. Um so einen täglichen Überblick zu haben, was die Kinder zu welcher Uhrzeit gemacht haben. Durchschlag an die Eltern, nehme ich mal an. Der Gegenentwurf einer Mutter, im Bedarfsfall doch einfach mal bei den Kindergärtnerinnen nachzufragen, wurde abgeschmettert, da ja somit keine lückenlose Aufzeichnung gewährleistet sei.

Hinter vorgehaltener Hand soll nach dem Zusammentreffen dann auch der Verdacht geäußert worden sein, dass diese Mutter ein wohl eher indifferentes Verhältnis zu ihrem Kind habe, weshalb eine Familien-Therapie wohl mehr als angebracht sei. Ob im Verlauf des Abends allerdings auch noch eine Video-Überwachung angeregt wurde, ist leider nicht bekannt, weil der Informant die Veranstaltung vorzeitig verlassen musste. Aber es ist mehr als wahrscheinlich, dass ein solcher Vorschlag wohl wegen der hohen Kosten auch erst einmal auf Eis gelegt worden ist.

Vielleicht aber sollten Kindergärtnerinnen bei solchen Informationsabenden für die Eltern angehender Kindergartenkinder in Zukunft selbige auch darüber informieren, dass es die Möglichkeit gibt, über eine spezielle App auf dem iPhone jede Bewegung des Besitzers verfolgen zu können. So wären die Eltern nicht nur informiert, was ihr Kind gemacht hat. Sie wüssten dann auch immer, wo es sich gerade befunden hat, als es zum Beispiel Anna-Lena die Bauklötze an den Kopf geworfen hat.

Das wäre dann auch für den Anwalt wichtig, falls die Eltern von Anna-Lena vor Gericht ziehen, weil die Kindergärtnerinnen ihre Aufsichtspflicht verletzt haben könnten. Weshalb inzwischen ja auch im Gespräch ist, ob Kindergärtnerinnen nicht auch wie zum Beispiel Hebammen verpflichtet werden sollten, Rechtschutzversicherungen abzuschließen. Es bleibt abzuwarten, ob Kindergärtnerinnen dann auch wie Hebammen ihren Beruf aufgeben müssen, weil sie die Versicherungs-Prämien nicht mehr aufbringen können. Müssten dann allerdings Kindergärten wegen Unterbesetzung geschlossen werden, hätten betroffene Eltern zumindest nicht mehr das Problem, dass sie nicht wissen, was ihr Kind zu welcher Uhrzeit getan hat.

Zwischen den Zeilen

Natürlich ist das nicht das ganze Deutschland sondern nur eine Kreisstadt, in der diese kleine Geschichte spielt. Aber zumindest liegt sie in Bayern, was sie durchaus repräsentativ machen könnte bezüglich einer bestimmten Thematik. Grundlage und Anlass für diese kleine Replik ist ein Flugblatt, das ein Richter des Amtsgerichts dieser Kreisstadt herausgegeben hat. Womit sich dann sogar der Stadtrat beschäftigte. Schließlich hat sich der Richter in seinem Flugblatt gegen die Unterbringung von 60 männlichen Migranten – oder „Neubürgern“, wie es in der diesbezüglichen Zeitungsnotiz heißt – in unmittelbarer Nähe von Kindergärten, Schulen und Tagesstätten ausgesprochen.

Was sich dahingehend interpretieren lässt, dass sich der Herr Richter auf dem Niveau von Pegida-Anhängern bewegt. Da er so nämlich impliziert, dass männliche Migranten in dieser Zahl eine Gefahr für Kinder und Jugendliche sind. Und wahrscheinlich auch noch für die Mütter, die ihre Kinder vom Kindergarten, der Tagesstätte oder den Schulen abholen. Doch das hat er zumindest laut Zeitungsnotiz „zu Unrecht“ getan. Weil sich nämlich herausstellte, dass „bisher nur 14 Personen eingezogen sind, darunter Familien mit Kindern und alleinstehenden Frauen“.

Was die frohe Botschaft beinhaltet, dass Migranten-Familien mit Kindern und alleinstehende Frauen offensichtlich weniger gefährlich sind. Aber nicht unbedingt besagt, dass es gerade für einen Staatsbeamten vielleicht nicht so ganz angebracht ist, 60 männliche Migranten pauschal als Gefahr für Schulen, Kindergärten und Tagesstätten anzusehen. Außerdem vermisse ich eine gewisse Differenziertheit. Schließlich ist nicht erkenntlich, ob es alleine die Tatsache ist, dass es sich um Familien und alleinstehende Frauen handelt, die die Gefahr minimiert. Oder eher die Tatsache, dass es nur 14 Personen sind statt 60.

Doch wenigstens hat sich der Oberbürgermeister der Kreisstadt klar ausgedrückt. Er sagt laut Zeitungsnotiz, dass die Verantwortung für die Flüchtlinge in den Händen des Landratsamtes bleiben müsse, da es sonst zu einem Durcheinander käme. Ob bedauerlicherweise nicht mehr genug Platz war, um auch eine Aussage zu erwähnen, dass er es für rechten Populismus halte, was der Amtsrichter da in seinem Flugblatt von sich gegeben habe, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Zumindest fiel seine Bemerkung nicht unter den Tisch, dass es in der Kreisstadt „gute Tradition“ sei, „diejenigen, die aus der Not kämen, auch zu unterstützen“. Alles andere müsse der Rechtsstaat entscheiden. Also zum Beispiel ein Amtsrichter?