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Sozialverträglich

Dieses Wort taucht immer auf, wenn es darum geht, die simple Wahrheit zu verbreiten, dass der Klimawandel verdammt viel Geld kostet. Wenn man etwas dagegen tut. Und wenn man nichts dagegen tut. Und wenn man etwas dagegen tut, dass es vor allem uns, die Bürgerinnen und Bürger eines Landes verdammt viel Geld kostet. Wie jetzt zum Beispiel bei dem Vorschlag von Bundesumweltministerin Svenja Schulze, eine CO²-Steuer für fossile Brennstoffe einzuführen. Also für Kraftstoffe, Erdgas und Heizöl. Auch wenn ich nicht weiß, warum da Braunkohle nicht mit dabei ist, auf jeden Fall will auch sie, dass das selbstverständlich „sozialverträglich“ sein muss, weshalb das so eingenommene Geld nicht der Staat behalten soll, sondern er es gleich wieder an die BürgerInnen zurückgibt.

Auch wenn ich noch nicht so richtig verstehe, was dann der Vorteil dieser Steuer sein soll. Wird deshalb doch wohl kaum jemand auf die Idee kommen, sein Verhalten nachhaltig zu ändern. Das tut der Mensch doch erst, wenn es wirklich weh tut. Aber auf jeden Fall haben nicht nur CDU-/CSU-Politiker gleich die obligatorischen Bedenken an den Tag gelegt, auch der ADAC mahnt, dass Mobilität „weiterhin möglich und bezahlbar sein“ muss, es „nicht zu einem Teuerungswettlauf kommen“ darf. Heißt in der Übersetzung: Lieber weiter wie bisher. Also sozialverträglich. Und jetzt weiß ich, was „sozialverträglich“ bedeutet. Das heißt nichts anderes, als dass dem ADAC die Mitglieder oder der CDU/CSU die Wähler erhalten bleiben.

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Apokalypse

Was für eine Schlagzeile: Menschheit 2050 am Ende – Erde nicht mehr bewohnbar. Und damit es auch seriös klingt, haben das laut der Zeitung mit den sehr großen Buchstaben australische Forscher in einem Klimareport prognostiziert. Also jetzt nicht ganz richtige Forscher, eigentlich sind die Urheber Beschäftigte eines Thinktanks in Melbourne.

Und das hat mich wirklich zu Tode erschreckt: Die Zeitung, die dereinst auf Seite eins die großen Busen präsentierte, hat das Wort Thinktanks gleich auch noch übersetzt. Das heißt „Denkfabrik“! Das hätte ich nie gedacht. Jedenfalls war dieser Bericht für das Breakthrough National Centre for Climate Restoration. Was die Zeitung mit den vielen Bildern leider nicht übersetzt hat. Da hat wohl Google gestreikt.

Aber dann hat sich natürlich noch ein Experte für Ozeanforschung aus Kiel gemeldet und erklärt, dass es sich hier um „Low Probability-High Impact“-Events handelt, was auch nicht übersetzt wurde. Aber so richtig beruhigt war ich erst, als der Klimaforscher Prof. Dr. Hans von Storch, einer der beiden Autoren des Buches „Die Klimafalle: Die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung“, gegenüber Deutschlands großer Tageszeitung sagte: „Das ist eine schönes Stück interessengeleitetes Verschrecken von Menschen.“

Und der weiß, wovon er spricht, gehört doch die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch zur Familie. Die sicher schon hocherfreut in dem Klimareport gelesen hat, dass es mindestens eine Milliarde Flüchtlinge geben wird. Und morgen wird wahrscheinlich der Donald sagen, dass es so schön war beim D-Day in der Normandie, und dass er das schon immer gesagt hat, dass das eine Klimafalle ist. Also D-Day hätte wenigstens mal einer Übersetzen können.

Die Lösung

Der Mann ist einfach genial. Er steigt aus dem Pariser Klimaabkommen aus. Leugnet öffentlich und ausgiebig jeglichen Klimawandel. Und das war alles nur ein Teil des Täuschungsmanövers. Denn er hat einen ganz anderen Plan. Er bricht einen Handelskrieg vom Zaun, der sich gewaschen hat. Die erste Stufe hat er jetzt schon fast abgeschlossen.

Weitere Strafzölle für China sind nur noch eine Frage der Zeit. Die Märkte werden schon unruhig. Und man kann sich ausmalen, was sie machen, wenn Deutschland dran ist. Und wahrscheinlich sukzessive der Rest der EU folgt. Es kommt natürlich zu einer Weltwirtschaftskrise. Viel schlimmer als die von 2008. Und was ist die Folge davon?
Richtig. Es wird viel weniger Energie verbraucht. Die Menschen haben kein Geld mehr für Benzin, für Heizöl – und um die halbe Welt zu fliegen, um drei Tage an einem Strand zu verbringen. Der Co²-Ausstoss geht dramatisch zurück. Der Klimawandel rechtzeitig gestoppt. Die Menschheit gerettet. Und jetzt bekommt er natürlich den Friedensnobelpreis.

Alterserscheinungen

Der Mann war einmal Chefredakteur des „Spiegel“. Gut, er hatte auch Pferde, die er vor einer Windkraftanlage schützen wollte. Was misslang. Weshalb er dann gerne gegen Windkraft schrieb. Und zugegeben, als der Spiegel sich von ihm trennte, war er dann schon nicht mehr der Jüngste. Und jetzt hat er ein Alter erreicht, das man das, was er tut, mit einer gewissen Milde sehen könnte. Wenn er jetzt nicht noch einen „Essay“ geschrieben hätte, in der „Welt am Sonntag“. Und was er da vom Stapel lässt, das sich nicht mehr mit dem Alter erklären.

Es geht ihm um seine Sicht der Dinge auf Klimawandel – und um die „Vertreter des Guten auf dieser Welt und die Vertretung der Guten. Womit er auch die Partei Die Grünen meint. Und natürlich die 16-jährige Greta, die gegen den Weltuntergang die Schule schwänzt. Und markante Zöpfe trägt, „die bisher eher als Zeichen einer völkischen Familie galten“. Spätestens an dieser Stelle hat AfD-Grande Gauland sicher gewiehert vor Freude.

Und wen das noch nicht überzeugt hat, für den tritt dieser Stefan Aust den wissenschaftlichen Beweis an: Dass nämlich die Wikinger wegen einer Wärmeperiode nach Grönland gereist wären. Obwohl es damals ja noch keine Industrienationen und deshalb keinen CO²-Ausstoß gegeben hätte. Da hat dann Donald Trump spontan applaudiert. Stefan Aust hat klar erkannt: „Gretas ansteckende Panik wird unser Problem. Kann man nur hoffen, dass Stefans wohl altersbedingte Verwirrung nicht auch noch ansteckend ist.

Applaus, Applaus

Wenn es nicht so ärgerlich wäre, dann könnte man lapidar sagen, dass man sowieso nichts anderes erwarten konnte von diesen PolitikerInnen. So aber schämt man sich einfach für das, was von einzelnen oder mehreren Politikerinnen und Politikern grüner, schwarzer, gelber, roter und natürlich auch brauner Farbe abgesondert wird, wenn es um die #fridaysforfuture-Bewegung geht. Dass es zum Beispiel einen gelben Christian Lindner fassungslos macht, „dass Schulschwänzen von manchen Politikern heiliggesprochen wird“.

Mal abgesehen davon, dass ich bisher dachte, Heiligsprechungen dürfte nur der Papst anordnen, so richtig wütend machen mich hingegen all jene Eltern, Anverwandten und sonstigen Erwachsenen, die vom gemütlichen Wohnzimmer aus Applaus spenden. Was ich einfach für verlogen halte.

Denn der einzig richtige Platz für sie, das wäre auf den Straßen und auf den Plätzen der Städte und Dörfer. Natürlich nicht Seit an Seit mit den manifestierenden Schülern. Das wäre irgendwie zu peinlich. Für Eltern. Sie haben ja schließlich den Schlamassel angerichtet.

Aber es ist ja erstens genug Platz, und zweitens gibt es den Samstag, wenn man schon so viel Angst vor Lohneinbußen hat. Aber wie wäre es denn, wenn man samstags einfach mal die Plakate und Banner einpacken würde. Anstatt nur den Geldbeutel, um auf Shopping-Tour zu gehen.

Es hat sich ganz offensichtlich noch nicht rumgesprochen. Aber unsere Umwelt und ihre Verfassung, das geht auch die etwas an, die dafür gesorgt haben, dass sich das Klima auf dem Weg zum Kollaps befindet. Und dann hätte ich noch eine Bitte, falls es sich wirklich jemand überlegt und auf die Straße geht, um von Politikern einzufordern, was sie eigentlich von alleine machen sollten. Vielleicht nicht gerade mit dem SUV zur Demo fahren.

Satire

Ich habe es doch schon immer gewusst. Dieser Jens Spahn ist der geborene Satiriker. Der Herr Gesundheitsminister hat jetzt einen mehr oder minder flammenden Apell an die Freitags-Schulschwänzer gerichtet, die vorgeben, immer wieder freitags für den Klimaschutz auf Unterricht zu verzichten. Also Jens schreibt ihnen in einer für solche Späße eigentlich weniger bekannte Wochenzeitung ins Vokabelheft: Bleibt politisch, werdet konkret!

Was ja schon in sich ein Widerspruch ist. Also kann es nur Satire sein. Aber es kommt noch dicker. Beziehungsweise noch absurder. Er sagt nämlich außerdem, dass sie sich einbringen sollen, „in der Schule, in eurem Dorf, eurer Stadt, in Projekten, in Vereinen, in Kirchen und ja, auch in Parteien“. Und dann der absolute Brüller: Er sei das beste Beispiel dafür, dass man so etwas erreichen könne. Vergisst aber zu sagen, dass das natürlich voraussetzen muss, dass man wirklich etwas tut. Und nicht nur labern will und Posten besetzen.

Und wenn man dann gerade glaubt, dass es doller nicht mehr geht, dann kommt der Moment, wo man sich nur noch wegschmeißt. Jens Spahn schlägt den #Fridayforfuture-Manifestanten vor, die Einwegbecher im Café stehen zu lassen, keine in Plastik eingeschweißten Äpfel mehr zu  kaufen, sich für den Bau von Stromtrassen stark zu machen, Ingenieurinnen zu werden oder Unternehmen zu gründen, „die mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell Geld verdienen und Arbeitsplätze schaffen“.

Und dass sie in die Parlamente einziehen und beim internationalen Klimaabkommen mit anpacken sollen. Mit anderen Worten: Sie sollen all das machen, was heutzutage Politiker nicht tun. Vielleicht sollte man noch erwähnen, dass es sehr wahrscheinlich sowieso zu spät ist, bis ein heute 16-jähriger Jugendlicher Ingenieurin geworden ist, ein Unternehmen gegründet hat und dann das Klimaabkommen anpackt. Und ich frage mich, ob Jens Spahn dann immer noch Satiriker ist.

Greta

Die Einen nennen es vielleicht Faulheit. Ich sage, man sollte mal das Englischwörterbuch rausholen und sich anhören, was dieses Mädchen zu sagen hat. Die ich lieber eine junge kluge Frau nenne. Hat man sich angehört, was sie zu sagen hat, weiß man warum

https://daserste.ndr.de/annewill/videos/Interview-mit-Greta-Thunberg-Ich-bin-Realistin-Ich-sehe-Fakten,interviewthunberg100.html