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Friederike und andere Katastrophen

Habe heute Mittag gelesen, dass es nie mehr Katastrophen gegeben hat, als im vergangenen Jahr. Der Schaden belief sich auf 330 Milliarden Euro, es sind 10.000 Menschen gestorben. Von den 710 Überschwemmungen, Stürmen, Dürrekatastrophen und Erdbeben, die in diesem Zusammenhang erfasst wurden, richteten Stürme und Überschwemmungen das größte Unheil, und in Asien kamen die meisten Menschen ums Leben, während es in Nordamerika zu den größten materiellen Schäden kam. Und es gab mehr als doppelt so viele Katastrophen im vergangenen Jahr als 1980.

Das alles hat mich so erschüttert, dass ich mich spontan in meinen SUV gesetzt habe und zum Discounter gefahren bin, um mir ein paar richtig große Steaks zu holen. Essen hilft mir, wenn ich erschüttert bin. Und was mir auch hilft, das ist reisen. Und so habe ich am Nachmittag gleich noch New York für ein Wochenende gebucht, natürlich zum Schnäppchen-Preis. Und dann ging es mir wieder ein bisschen besser. Jetzt quält mich nur noch die Frage, warum denn niemand etwas tut gegen diese Katastrophen.     

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Weihnachtliches Ratespiel

Wir haben beschlossen, dieses Jahr einmal an die Umwelt zu denken. Also nicht mehr selber durch die Gegend zu fahren, um Geschenke einzukaufen. Von wegen CO² und so. Nein, wir bestellen dieses Jahr alle Weihnachtsgeschenke im Internet. Und wenn’s nicht passt, kann man es ja sowieso kostenlos wieder zurück schicken. So lange, bis es passt. Und das ist nicht nur gut für den Klimawandel, auf diese Art und Weise haben wir auch ein Spiel entwickelt, an dem die ganze Familie ihre Freude hat.

Haben wir uns in früheren Jahren in der sogenannten staaden Zeit mit Stadt, Land, Fluss die Zeit vertrieben, so machen wir jetzt lustiges Nationalitäten Raten. Denn jedes Mal, wenn wieder ein Paketbote dreimal klingelt, stürzt die komplette Familie an die Tür. Um ganz aufmerksam zuzuhören, wenn der Paketbote fragt, ob er an der richtigen Adresse ist, ob der Name stimmt. Das machen sie jetzt nämlich immer.

Und dann macht jeder schnell sein Kreuz auf der Liste mit den Ländernamen, die wir neben die Eingangstür gepinnt haben und fragen noch ganz schnell, wo er denn herkommt. Die armen Burschen haben es jetzt in der staaden Vorweihnachtszeit ja wirklich immer extrem eilig. Auf jeden Fall bekommt derjenige, der richtig geraten hat, einen Punkt.

Bis jetzt haben wir schon zwölf verschiedene Nationalitäten. Aus Deutschland war nur ein Paketbote. Weshalb ich manchmal denke, was das doch für ein trauriges Weihnachten wäre, ein Weihnachten ohne Geschenke, mit herzzerreißend schluchzenden Kindern, wenn es nicht die Ausländer geben würde, die jetzt in der Weihnachtszeit Pakete und Päckchen ausfahren.

Herbsttage

Die Urlaubsbräune verblasst schon so langsam. Der Widerstand, noch keine Lebkuchen und keinen Stollen zu kaufen, wird wohl bald zusammen brechen. Schließlich werden ja bereits Kataloge und die Auslagen der Geschäfte nach potentiellen Weihnachtsgeschenken durchsucht. Und jetzt hat uns auch noch der Herbst gezeigt, wie stürmisch er sein kann. Mit tödlichen Folgen und ziemlicher Verwüstung. Hat aber natürlich nichts mit Klimawandel zu tun, sondern vor allem mit der Flüchtlingspolitik von Frau Merkel. Denkt sich der Teil von Deutschlands lautstarker Minderheit, der dieses Mal wenigstens auch wählen gegangen ist. Weshalb sich die politische Arbeit momentan vor allem auf Sitzordnungen beschränkt. Aber es ist halt Vorweihnachtszeit, die „staade“ Zeit, wie man in Bayern sagt. Auch wenn es gerade mal Oktober ist. Doch die Zeit ist schließlich schnelllebiger geworden. Außerdem werden mittlerweile die Kerzen ja schon ganzjährig angezündet, zumindest dort, wo der Terror oder auch einfach nur Psychopathen ohne terroristischen Hintergrund ihre Opfer gefunden haben.

Man könnte also sagen, dass zumindest optisch das ganze Jahr über so etwas wie Weihnachtsstimmung herrscht. Und wenn dann auch noch Apple sein neuestes Smartphone präsentiert, dann klingeln die Kassen süßer als alle Glocken. Nur dass die Engelein in vielen Regionen nicht gerade von Frieden und Freud singen. Eher vergeht den Menschen dort Hören und Sehen. Weshalb Fernsehgeräte eine Fernbedienung haben. Damit der Mensch hierzulande nicht aufstehen braucht, wenn er zur Unterhaltungssendung wechselt, bevor er auch noch anfängt zu glauben, dass das gezeigte Elend vielleicht sogar echt sein könnte. Was gerade jetzt irgendwie überhaupt nicht passt. Schließlich sind ja die Spendenaktionen noch nicht angelaufen, wo wir uns vor Weihnachten alljährlich unsere Ablässe kaufen, damit es eine fröhliche Weihnacht wird.

Badefreuden

Es ist noch nicht einmal so richtig trocken geworden nach Harvey, da rast schon Irma über die Karibik hinweg. Voraussichtliche Regenmengen pro Quadratmeter: 500 Liter. Das ist in etwa die Niederschlagsmenge eines Jahres in Deutschlands Hauptstadt. Verheerend auch in diesem Jahr der Monsun in Bangladesch, Indien und Pakistan. Ursache laut Wissenschaft ist das warme Wasser im Atlantik und in den tropischen Meeren. Was Badetouristen vielleicht freut, wie zum Beispiel die gemessenen 30 Grad Wassertemperatur im Golf von Mexiko, sorgt dafür, dass Hurrikane extrem viel Wasserdampf aufnehmen.

Wie auch der Monsun stärker wird, je wärmer das Wasser im Indischen Ozean ist. Fazit der Meteorologen: Je wärmer das Meerwasser desto heftiger die Stürme und desto größer die Überschwemmungen an Land. Vielleicht sollte doch mal wieder ein Klimagipfel einberufen werden. Die Bilder, wenn sich am Ende die Menschen in den Armen liegen, weil ein Papier verabschiedet wurde, das viel verspricht, von dem man aber nichts unbedingt etwas halten muss, sind einfach zu bewegend. Da erwärmen sich nicht nur die Herzen. Sondern offensichtlich auch die Meere.

Mutige Menschen gesucht

Sicher haben es schon ein paar Leute gemerkt. Im September geht es nicht nur darum, die Populisten in Zaum und am besten auch gleich noch Flüchtlinge hinter einem Zaun zu halten. Noch nicht einmal die Frage, ob nun Schwarz-Gelb-Grün oder Rot-Rot-Gelb oder Khaki-Schwarz-Violett die Lösung für die nächsten vier Jahre ist, ist von besonderer Bedeutung. Viel interessanter ist die Frage, ob überhaupt jemand für die Regierungsverantwortung zur Verfügung steht, die oder der den Mut hat, unerquickliche aber unbedingt notwendige Schritte anzugehen.

Denn die Gefahr, das sind nicht der Feinstaub, nicht die Flüchtlinge, nicht die Banken, nicht die AfD – und auch nicht die Ehe für alle. Die größte Gefahr, das ist das Nichtstun. Denn es gäbe viel zu tun. Eigentlich schon seit Jahren. Aber bisher wird nur getönt. Am liebsten darüber, was man schon alles getan hat. Und in einem Punkt stimmt es ja auch. Die Energiewende, hin zu den erneuerbaren Energien, das war schon mal was. Nämlich ein erster Schritt. Der zweite Schritt aber war der in die Stagnation. Was dann kam, das war Kosmetik.

In den vergangenen zehn Jahren ist nämlich vor allem eins passiert: Sämtliche Ziele wurden verfehlt. Und es wurde nicht nur knapp vorbeigeschossen. Weshalb jetzt vielleicht ein günstiger Zeitpunkt wäre, noch einmal darüber nachzudenken, was man will. Darauf hoffen, dass es noch so lange gut geht, bis man unter der Erde ist? Auf ein Wunder warten? Darauf, dass sich unsere Kinder schon irgendwie aus der Bredouille ziehen werden? Es die Natur oder der Papst schon richten werden? Oder vielleicht die CSU?

Um es klipp und klar zu sagen: In meinen Augen ist das keine Schicksalswahl. Aber immerhin haben wir noch eine Wahl. Zumindest, wenn sich jemand findet, der nicht mit Almosen und Schlagwörtern um sich wirft. Sondern klipp und klar sagt, dass es wohl erst einmal ziemlich unangenehm werden wird. Vielleicht sogar das Recht auf einen SUV auf der Kippe steht. Und auch der Wochenend-Kurz-Trip in die USA. Ganz zu schweigen vom Kilo Hackfleisch für 2,99 €. Die anderthalb Liter Cola für 49 Cent. Also jemand, der Dinge tut, die wahrscheinlich erst einmal weh tun. Aber die Chance mit sich bringen, dass wir noch eine Chance haben. Falls es also so jemand gibt, dann möge er sich doch bitte bald melden. Am 24. September ist es zu spät.

Endlich Urlaub

Es soll ja Menschen geben, die nicht in Urlaub fahren können. Weder an den Gardasee noch nach Tibet oder zu den Osterinseln. Weil sie entweder alt und gebrechlich sind. Oder einfach kein Geld für eine Urlaubsreise haben. Und angeblich soll es dann auch noch ein paar wenige Menschen geben, die einfach nicht wegfahren wollen. Weil es ihnen zu Hause so gut gefällt. Ich persönlich kenne zwar niemanden, der das behauptet, aber wollen wir es einfach mal glauben. Alle anderen fahren jedenfalls in den Urlaub.

Aber warum verbringen Menschen Stunden im Stau? Warum bilden sie lange Warteschlangen an den Schaltern auf dem Flughafen? Riskieren oft auch ihre Ehe? Einfach nur, weil Goethe mal behauptet hat, dass Reisen bildet? Oder Immanuel Kant schrieb, es entwöhne von allen Vorurteilen des Volkes, des Glaubens, der Familie und der Familie? Wobei letzteres sich ja schon als höchst unwahrscheinlich erwiesen hat, denn schließlich sind wir Deutschen nicht nur Export- sondern auch Reiseweltmeister. Oder zumindest in der Spitzengruppe. Weshalb es eigentlich ja kaum noch Vorurteile geben dürfte.

Aber der Trend ist ja unüberseh- und hörbar eher rückläufig. Anstatt dass Reisen tödlich sind für Vorurteile, wie von Mark Twain behauptet, sind diese quicklebendig und vermehren sich wie Springkraut. Und ganz nebenbei arbeitet Reisen auch noch kräftig auf den Klimawandel hin. Weshalb sich die Vermutung aufdrängt, dass der Bildungsanspruch und die Entwöhnung von Vorurteilen eher zweitrangig geworden sind. Wie sich auch hier in unserem idyllischen Resort mit Pool und drei Restaurants in orientalischer Architektur zeigt, hat wohl eher Kurt Tucholsky Recht. Er sagte, dass man als deutscher Tourist im Ausland vor allem vor der Frage stehe, „ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon andere deutsche Touristen dagewesen sind“.Orientalische Architektur

Eiszeit in den USA

Was hat die Welt damals gelacht, als dereinst behauptet wurde, die Erde wäre keine Scheibe sondern eine Kugel. Und jetzt? Jetzt glaubt das jedes Kind. Höchstens der US-amerikanische Präsident hat noch kleinere Bedenken. Er ist halt eher so der intellektuelle Typ. Der nicht gleich jedem Hype hinterher läuft. Sondern erst einmal reflektiert, sondiert, Fakes und Fakten sammelt. Weshalb er auch auf die These gekommen ist, dass es in Wirklichkeit eine Eiszeit ist, auf die wir zusteuern. Stand nämlich so auf einem Titelblatt des Times Magazin aus dem Jahr 1974: „Another Ice Age?“ Die noch lange Zeit im Internet und in verschiedenen Versionen zirkulierte.

Das Fragezeichen konnte man beim Lesen allerdings leicht übersehen. Weil die Überschrift auch kein Hashtag hatte. Also heißt folgerichtig für den Präsidenten die Parole „America first“. Und der Klimawandel frühestens, wenn er nicht mehr Präsident ist. Weshalb jetzt, nach dem Ausstieg der USA aus dem Paris-Abkommen, der Klimawandel von den Republikanern an sich und allen Amerikanern, die keine Trump-Anhänger sind, insbesondere abhängt. Je kürzer die Amtszeit des aktuellen US-Präsidenten nämlich ist, desto länger wird die Zeit, in der auch in den USA etwas gegen den Klimawandel unternommen werden kann. Sonst sollten sich Amerikaner warm anziehen.