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Demo in Köln

Je nach Nachrichtensender variieren die Zahlen. Wohlwollend wurde auch schon mal von 2000 Teilnehmern gesprochen. An anderer Stelle war von 500 die Rede. Da waren wahrscheinlich schon die Journalisten raus gerechnet, die sogar aus dem Ausland gekommen waren, um über die Demonstration in Köln von Muslimen gegen Gewalt und Terror zu berichten. Vielleicht hat man auch die Sonntagsspaziergänger nicht berücksichtigt.

Mit verantwortlich für das zaghafte Engagement von Muslimen kann sein, dass sich maßgebliche Dachverbände gegen eine Teilnahme ausgesprochen hatten. Weil nämlich dadurch ein Generalverdacht manifestiert, dass Terror und Gewalt gleichgesetzt würden mit dem Islam. Muslimische Anti-Terror-Demonstrationen würden Muslime „stigmatisieren“, hieß es von „DITIB“, einer Organisation, die der türkischen Religionsbehörde in Ankara untersteht.

Dieser Einwand hat auf jeden Fall seine Berechtigung. Denn schließlich wurde ja auch im Falle von Demonstrationen von Christen gegen den Terror, wie beispielsweise nach den Anschlägen in Paris im November 2015, sofort das Christentum mit dem Terror gleichgesetzt. Und von dieser Stigmatisierung hat sich das Christentum bis heute nicht erholt. Es wäre zu untersuchen, wie es sich mit anderen Glaubensrichtungen verhält. Ob diese auch klüger sind als die Christen.

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Bürgerkrieg in Köln

Und jetzt das Wort zum Sonntag, heute aus der Schublade eines abgehängten deutschen Wutbürgers und nicht redigiert: „Doofland steht kurz vor einem Bürgerkrieg. Linke gegen Rechte, Türken gegen Deutsche, Ossis gegen Wessis ,jeder gegen jeden ,Es wird Zeit dass dieser Staat endlich von der Bildfläche verschwindet .Ich schäme mich deutscher zu sein…“

Der Mann, der so einen Beitrag im Internet über den AfD-Parteitag in Köln kommentierte, hatte wohl eine stark alkoholgetränkte Nacht hinter sich, als er das geschrieben hat. Zumindest wäre es ihm zu wünschen. Denn wenn dies seinem naturgegebenen Geisteszustand entsprechen würde, müsste man ernsthaft über therapeutische Maßnahmen nachdenken. Zu seiner Entlastung sei außerdem gesagt, dass er diese Zeilen schrieb, bevor die große Party der AfD-Gegner zu Ende war.

Die Zahlen schwanken. 50.000 sollen es gewesen sein, die in Köln protestierten. Gesichert ist eine Zahl: In diesem Bürgerkrieg gab es zwei leicht verletzte Polizisten. Ansonsten viele Reden und, wie bereits angedeutet, Party-Feeling. Und bei Anhängern der AfD viel Enttäuschung. Man vermisste es, dass der Mob nicht die Gewalt gelieferte, die die korrekt gekleideten AfD-Delegierten zu Märtyrern und Opfer gemacht hätte.

Und das, obwohl die AfD-Württemberg einen Aufruf gestartet hatte: „Linke Gewalt – Parteitag Köln
Wir veröffentlichen Eure Aufnahmen. Ob Videos oder Bilder : Wir geben dem Terror ein Gesicht!
Kontaktiert uns über den Nachrichtbutton. Wir veröffentlichen die Aufnahmen das ganze Wochenende.“ Akribische Recherche zeigte allerdings, dass offensichtlich kein Beitrag über den Terror aufzutreiben war.

So blieb nur die Erkenntnis, dass der Protest gegen die Völkischen von der AfD in Köln mehr Volk auf die Straßen brachte als jemals die AfD-Newcomerin Alice Weidel bei ihren Auftritten Zuhörer hatte. Und dass, obwohl sie in Diktion und Gestik und mit ihrem BDM-Flair das Zeug hätte, nach dem fortwährenden Verblassen der Noch-Vorsitzenden Frauke Petry die deutsche Marine Le Pen werden. Doch zumindest hat die AfD von Donald Trump gelernt. Nach ihrer Zählung waren gerade mal 6.500 Demonstranten in Köln.

Sicherheitskonzepte

Sie können es nicht lassen. Schon lange waren Sorgen nicht mehr so berechtigt. Und da haben sie nichts anderes zu tun, als uns, dem Wahlvolk, vorzugaukeln, dass sie Lösungen hätten. Und das geradezu in schöner Eintracht. Weshalb dann auf einmal sogar ein Gabriel, ansonsten lieber Gralshüter des Datenschutzes, es gar nicht so schlecht findet, wenn die Videoüberwachung ausgebaut wird. Damit es in Zukunft kein Berlin und auch kein München oder Ansbach mehr gibt. Anstatt schlicht zu sagen, dass es eigentlich nicht wirklich möglich ist, Sicherheit für Menschen auf der Straße oder in einem Tanzlokal zu garantieren.

Weshalb man eben wenigstens flächendeckend Kameras aufhängen möchte. Schließlich wirken in der Medizin Placebos ja auch. Und besser wenigstens eine gefühlte Sicherheit als die Sicherheit, dass selbige nicht und schon gar nicht von einem Politiker garantiert werden kann. Eher schon von Kölner Verhältnissen. Die ganz ohne Zweifel in der Silvesternacht eine ausgesprochen positive Wirkung hatten. Aber einmal abgesehen von logistischen und personellen Problemen, so hundertprozentig wirkt das auch nicht immer, wie man am Bosporus sieht.

Und so kommt da Einer mit einem schlichten Gemüt auf die absurde Idee, vielleicht weniger Geld für Sicherheitskonzepte auszugeben. Und dafür vielleicht etwas in Brot und Arbeit für die zu investieren, die glauben, hier die Freiheiten zu haben, die sie zu Hause nicht mehr kannten. Integration muss auch nicht zwangsläufig bedeuten, seelenruhig zuzusehen, wenn sich Parallelwelten bilden. Sich vor lauter Verständnis und politischer Korrektheit am Terminus „Nafris“ abzuarbeiten, ist auch nicht der Schlüssel zum Erfolg. Die Römer, denen wir das Wort verdanken, verstanden unter „integratio“ eine Erneuerung, die Wiederherstellung. Kann man ja mal drüber nachdenken, was das bedeuten könnte.

Kölner Nächte

Das Problem scheint mir manchmal zu sein, dass viele Menschen einfach zu viel freie Zeit haben. Und sich deshalb permanent mit Angelegenheiten beschäftigen, die hinsichtlich der Relevanz im Normalfall noch nicht einmal annähernd das Prädikat „umfallender Sack Reis in China“ bekommen würden. Stichwort „Köln“. Keine Übergriffe über das leider ganz „Normale“ einer Silvesternacht hinaus. War das eigentliche Fazit. Weil das, was sich zu einer Gefahr und insbesondere für Frauen hätte auswachsen können, bereits im Vorfeld abgeblockt wurde. Weshalb das Fazit hätte lauten können: Prima!

Stattdessen Entrüstung allenthalben. Auf der einen Seite, weil es überhaupt kein Material gab, das man im Bestreben, Ausländerfeindlichkeit weiterhin kräftig zu schüren, hätte verwenden können. Auf der anderen Seite, weil in „herabwürdigender“ Weise (Grünen-Chefin Peter) Männer auf Grund ihrer Hautfarbe kontrolliert worden waren. Weil gegen einen Teil ein Platzverweis (190) ausgesprochen, ein weiterer Teil (92) sogar kurzzeitig in Gewahrsam genommen wurde. Und das auch noch unter Verwendung des Kürzels „Nafris“ durch die Polizeikräfte für Nordafrikaner.

Wenn ich also diese Kritik richtig verstehe, dann hätte die Polizei also erst einmal abwarten sollen. Um dann erst gegen „Nordafrikaner“ vorzugehen, wenn Frauen sexuell belästigt oder vergewaltigt wurden. Was dann wiederum auch die AfD gefreut hätte. So etwas bringt immer Wählerstimmen. Und somit wären alle glücklich gewesen. Vielleicht einmal abgesehen von den Frauen, die sexuell belästigt oder vergewaltigt wurden. Dass sich so ein Kleingeist wie ich vor dem Hintergrund der Ereignisse in Köln in der Silvesternacht des vergangenen Jahres die Frage stellt, warum jetzt wieder große Gruppen von Nordafrikanern zum Kölner Hauptbahnhof angereist sind, ohne sich deshalb als Rassist oder AfD-Mitglied zu fühlen, ist da bedeutungslos.

Putsch in Deutschland

Bei Anschlägen von Islamisten, so monierte gerade eine regierungsnahe Tageszeitung, habe man wenig von den vorwiegend islamistischen Türken in Deutschland gehört. Geschweige denn gesehen. Doch jetzt wäre zu erwarten, dass zehntausende Türken bei der für Sonntag angekündigten Demonstration erwartet werden. Die sich allerdings nicht gegen Terroristen wendet sondern einem Mann den Rücken stärken soll, der gerade im Begriff ist in der Türkei eine Säuberungsaktion durchzuführen, wie sie die gleiche Tageszeitung früher am liebsten bei kommunistischen Regimen moniert hat.

Ich bin kein Abonnent von regierungsnahen Tageszeitungen. Was aber nicht bedeuten muss, dass ich nicht manchmal nachvollziehen kann, was dort an Meinungen vertreten wird. Denn die derzeitigen Ereignisse in Deutschland lassen darauf schließen, dass offensichtlich erstaunlich viele Türken in Deutschland glauben, ihr Deutschland würde zur Türkei gehören. Und der Präsident würde nicht Gauck sondern Erdogan heißen. Weshalb Anhänger der Gülen-Bewegung, die Erdogan als Drahtzieher des Putsches betrachtet, bedroht, ihre Einrichtungen mit Hass-Parolen beschmiert werden. Im Internet wird zu Mord aufgerufen.

Doch natürlich darf man jetzt nicht alle Türken in Deutschland unter den gerne bemühten Generalverdacht stellen. Und schon gar nicht, um sich nicht in den Reihen der Alternative für Deutschland wiederzufinden. Falls es die überhaupt noch gibt. Man hat schließlich schon länger nichts Substantielles gehört. Es bleibt abzuwarten, wie die Demonstration am Sonntag in Köln verläuft. Erst dann lässt sich sagen, ob Erdogan, der ja alle Türken in Deutschland dazu aufgerufen hat, nicht vielleicht einen Putsch in Deutschland plant. Bevor noch länger sein Stolz und seine Ehre von hiesigen Medien und Politikern beschmutzt werden.

So wie er jetzt anderen Ländern unmissverständlich klar gemacht, dass es diese einen Scheißdreck angeht, was in der Türkei passiert, wäre es nicht verwunderlich, wenn er jetzt auch die in Innenpolitik in Deutschland in seine bewährten Hände nimmt. Ich habe mir vorsichtshalber schon einmal eine türkische Nationalflagge gekauft und ein Plakat mit dem Konterfei des türkischen Präsidenten. Das ich natürlich hinter Panzerglas gerahmt habe. Damit nicht irgendwelche Halbwüchsige es herunter reißen können und von Erdogan wegen Majestätsbeleidung vor den Kadi gezerrt werden.

Auch Frohsinn hat ein Ende

Jetzt ist es wieder so weit. Frohsinn und Heiterkeit streben unaufhaltsam auf immer wieder neue Höhepunkte zu. Um dann ab Aschermittwoch von innerer Einkehr und mönchischer Demut abgelöst zu werden. Und in manchen Fällen auch von dem guten Gefühl, endlich wieder gefahrlos Putzmittel einkaufen zu können. Dies nämlich zum Beispiel bei Männern mit äußeren Merkmalen, die auf eine arabische Herkunft schließen lassen könnten. Wie bei jenem Mann, der vor einigen Tagen in einem Kölner Baumarkt Chemikalien gekauft hatte, die „üblicherweise für Reinigungsmaßnahmen“ bestimmt sind. Weshalb die von einem Baumarkt-Angestellten informierte Polizei eine Fahndung, basierend auf einem zugebenermaßen sehr pixeligen Foto aus der Video-Überwachung, auslöste und verschiedene Medien sich sofort verpflichtet fühlten, die Öffentlichkeit über die Terrorgefahr zu informieren.

Natürlich hat man in Köln auch gleich angestrengt über eine Absage des Rosenmontagsumzuges und des Karnevals überhaupt wegen Terrorgefahr nachgedacht. Doch noch bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wurde, stellte sich der arabisch aussehende Mann selber der Polizei und gestand, dass er vorgehabt habe, mit den Chemikalien Betäubungsmittel herzustellen. Was eigentlich zur endgültigen Absage des Kölner Karnevals hätte führen müssen. Denn wenn sich Menschen schon betäuben müssen, um den Karneval überhaupt ertragen zu können, dann dürfte es schließlich allerhöchste Zeit sein, Konsequenzen zu ziehen. Hier sind Gesundheit und Leben von Bürgern gefährdet.

Dass man bei Polizei und der Stadt nun doch darauf verzichtet hat, den Karneval abzusagen, beruht wahrscheinlich auf der nachvollziehbaren Überlegung, dass dies die Botschaft beeinträchtigen könnte, die von diesem Fahndungserfolg ausgeht. Schließlich hat er gezeigt, dass der Terror mit einer umfassenden Video-Überwachung und der ebenso umfassenden Information der Bevölkerung selbst dann erfolgreich bekämpft werden kann, wenn es sich nicht um einen Terroristen handelt.

Man orientiert sich dabei am Beispiel der US-amerikanischen Behörden, die einen mutmaßlichen Terroranschlag durch die Verhaftung eines arabisch aussehenden Schülers verhinderten. Auslöser für die Verhaftung war eine selber gebastelte Digitaluhr gewesen. Was es gleichzeitig auch plausibel macht, warum die Terroristen von Paris nicht schon im Vorfeld entdeckt wurden. Sie hatten weder Putzmittel gekauft noch Digitaluhren selber gebastelt. Deutschen Männern ist jedenfalls und vor allem in der noch verbleibenden Karnevalszeit zu empfehlen, sich zu rasieren, bevor sie Putzmittel in einem Baumarkt kaufen.

Helau und Alaaf

So langsam sollte man sich schon Gedanken darüber machen, was man anziehen wird. Nur noch zwei Wochen, dann steuert die sogenannte fünfte Jahreszeit ihrem Höhepunkt zu. Begonnen hat die närrische Zeit allerdings schon jetzt. Und wie sollte es anders sein, natürlich auch in Köln. Hat doch dort der Leiter einer Polizeiinspektion im Gespräch mit der „Bild“-Zeitung davor gewarnt, sich im Karneval als Cowboy, Pirat, Jedi-Ritter oder Islamist zu verkleiden. Da zu diesen Kostümierungen Waffen gehörten, könnte dies „Menschen sehr verunsichern“. Ob auch alle Frauen dazu aufgefordert werden sollen, während des Karnevals zu Hause zu bleiben, da sie ebenfalls „Menschen sehr verunsichern“ können, wird derzeit wohl noch diskutiert.

 

Doch auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat gemerkt, dass Fasching ist. Und der Bundeskanzlerin einen Brandbrief geschickt, in dem er, sensationell und völlig überraschend, einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik fordert. Dass er gleichzeitig eine Maut für Flüchtlinge gefordert hat, wurde von seinem Sprecher nicht ausdrücklich bestätigt, ist aber höchst wahrscheinlich. Zustimmung dafür könnte auch von Finanzminister Schäuble kommen, der nach neuen Wegen sucht, die Flüchtlingsströme zu finanzieren, nachdem er für eine Flüchtlings-Steuer auf Kraftstoff keine Unterstützung fand.

 

Dass im Gegensatz dazu die Briten ausgesprochene Faschingsmuffel sind, zeigt eine  Petition, die mehr als 600 000 Briten unterzeichnet hatten. Mit ihr wurde ein Einreiseverbot für den US-Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, Donald Trump, gefordert. Nachdem er seinerseits ein Einreiseverbot für Muslime in die USA in Aussicht gestellt und behauptet hatte, dass in London wegen radikaler Muslime Polizisten um ihr Leben fürchteten. Woraufhin Londons völlig humorloser Bürgermeister Boris Johnson behauptete, Trump habe „eindeutig den Verstand verloren“. Im Vorstand einer deutschen Partei wird nun überlegt, ob Donald Trump nicht als Berater eine sinnvolle Verstärkung sein könnte.