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Mensch und Maschine

Dass Geräte des täglichen Bedarfs, also Toaster, Waschmaschinen, Laptops, Fritteusen oder Smartphones, so konstruiert sind, dass dem Besitzer im Bedarfsfall, also einem Schadensfall, eine Reparatur nicht zugemutet werden kann, weil zumeist fast so teuer wie das Gerät neu kostet, daran haben wir uns ja wohl schon gewöhnt. Um nicht zu sagen, wir wollen es nicht mehr missen. Versetzt es uns doch in die glückliche Lage, erstens immer auf dem neuesten Entwicklungsstand zu sein mit unseren Gerätschaften. Und zweitens endlich mal wieder shoppen gehen zu können.

Nun deutet alles darauf hin, dass diese Verfahrensweise auch immer mehr auf den Menschen übertragen wird. Durch die Zahl der Hüftgelenk-Operationen wurde der Trend immer deutlicher, setzte sich mit anderen Austauschaktionen am menschlichen Körper kontinuierlich fort. Und nun scheint man die Idee offensichtlich auch vermehrt im Bereich der Zahnmedizin aufzugreifen. Zahnerhalt war gestern, heute wird ausgetauscht. Manchmal auch das komplette Kauwerkzeug gegen All-inclusiv-Implantate.

Und mitunter auch störrischen Menschen auf die Sprünge geholfen: Finger auf den Zahn gelegt und hin und her bewegen. Seltsamerweise hat so jeder das Gefühl, dass der Zahn wackelt. Also raus mit dem Ding und einen Neuen gekauft. Dass dies etwas damit zu tun haben könnte, dass so eine Neuanschaffung im Zahnbereich bis zu 30.000 Euro kosten kann, während eine Tiefen-Prophylaxe gerade mal mit 100 bis 200 Euro für den Zahnarzt zu Buche schlägt, ist natürlich unwahrscheinlich. Vielmehr ist davon auszugehen, dass dies nur zu unserem Besten ist. Damit auch unsere Körper zumindest in Teilen wieder wie neu sind.

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Altersfragen

Frauen ab einem gewissen Alter kommen leicht in Gewissensnöte. Habe ich jedenfalls durch mein Umfeld so mitbekommen. Da wird sich schon einmal die Frage gestellt, ob ein Rock nicht zu kurz sei. Langer Ärmel nicht doch besser wäre als kurzärmelig oder sogar nur mit Trägern. Weich fließend besser als eng anliegend. Tenor: Vielleicht sollte ich das in meinem Alter nicht mehr tragen. Mit Ausrufezeichen wohlgemerkt, nur eher selten mit einem Fragezeichen versehen.

Männer haben dieses Problem nur in ganz seltenen Fällen. Bei ihnen kann die Wampe in sanften Wellen über den Hosenbund hängen, das stört nicht daran, mit freiem Oberkörper oder eng anliegendem T-Shirt über die noch sommerlichen Straßen und Plätze zu flanieren. Auch käseweiße, mit Krampfadern durchzogene Waden hindern nicht daran, kurze Hosen zu tragen. Kaum ein Mann käme auf die Idee, sich die Frage zu stellen, ob er respektive sein Körper wirklich noch für Radrenntrikots geeignet sei.

Das hat einen simplen Grund. Männer, und insbesondere ältere Männer, definieren sich nicht über ihren Körper. Ihre Außenwirkung beziehen sie aus hubraumstarken Autos, gerne auch aus dem Einkommen. Liegt beides nicht vor, reicht mitunter auch affiges Gehabe, lautes Brüllen oder was sonst noch an irgendwelche Vorfahren und Artverwandten erinnert. Und wenn das auch nicht reicht, dann kann Mann ja immer noch seine Frau verprügeln. Auch damit lässt sich das Ego aufpolieren.

Unbeschadet einer ganzen, damit beschäftigten Industrie kommt für Frau wie für Mann mit dem Alter die eine oder andere körperliche Veränderung einher, die mit propagierten Schönheitsidealen nicht mehr so ganz konform geht. Nachdem das persönliche Empfinden höchst komplex ist in diesem Zusammenhang, plädiere ich dafür, betroffenen Frauen den Appell zu ersparen, sich doch weniger über ihren Körper zu definieren.

Vielmehr sehe ich das Entwicklungspotential für Männer, sich weniger über kraftstrotzende Wohlstandssymbole und angeblich männliches Gehabe zu definieren. Und eher mal darüber nachzudenken, ob es nicht auch für sie ab einem gewissen Alter respektive entsprechenden körperlichen Gegebenheiten angebracht wäre, einmal darüber nachzudenken, ob eine längere Hose und ein etwas weiteres Hemd nicht auch darauf verweisen könnten, dass man zwar älter geworden ist, vielleicht auch vergesslicher. Deshalb sein ästhetischen Empfinden aber noch lange nicht verloren hat. Was natürlich voraussetzen würde, dass es dieses überhaupt gegeben hat. Aber schließlich ist man nie zu alt für Neuland.