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Kuba-Krise 2.0

Ich fand das damals gar nicht so schlecht. Als russische Schiffe Richtung Kuba fuhren und Raketen an Bord hatten, die dort stationiert werden sollten, drohten die USA mit einem atomaren Erstschlag. Vorausgegangen war die Stationierung von US-amerikanischen Mittelstreckenraketen auf einem Nato-Stützpunkt in der Türkei. Das war 1962.

Und führte bei uns zu Hause zu einem Tabu-Bruch. Denn bis dahin wurde der Fernseh-Apparat nie vor 20 Uhr eingeschaltet. Jetzt lief der Apparat fast den ganzen Tag. Wegen möglicher neuer Nachrichten in diesem Konflikt zwischen den USA und der damaligen UdSSR. Und ich konnte zum ersten Mal in meinem Leben weitestgehend unbehelligt fernsehen.

Jetzt wollen die USA und Russland nicht nur die INF-Verträge aufkündigen, die USA denken auch wieder darüber nach, in  Europa atomare Waffen zu stationieren. Natürlich mit entsprechender Reaktion in Russland. Es droht also keine Kuba-Krise dieses Mal, sondern eher eine Europa-Krise. Was aus meiner Sicht völlig unnötig ist. Schließlich kann ich inzwischen fernsehen, wann ich will und so lange ich will. Im Gegenteil, ich versuche sogar aktuell, immer weniger auf Bildschirme zu starren.  

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Sonnenseelen

Es ist ein Dilemma. Meine preußische Herkunft ist ebenso wenig zu leugnen wie die Tatsache, dass ich diese sympathische bayerische Art zu leben und leben zu lassen, wenn es denn keine Migranten oder andere Ausländer sind, ebenso verinnerlicht habe. Kurzum, es ringen zwei Seelen in meiner Brust, wenn nun endlich der Dauerregen von strahlendem Sonnenschein abgelöst wurde. Soll ich drin am Computer sitzen und mir schwitzend Gedanken über das Weltgeschehen oder meinen ganz persönlichen Mikrokosmos abringen? Oder lieber die Gelegenheit nutzen und mir schon einmal den Hauch von Bräune holen, der es mir erlaubt am Strand im anstehenden Urlaub auf Kuba oder auf Mallorca, das ist noch nicht ganz klar, mich nicht gleich als Bleichgesicht aus Deutschland zu outen?

Es darf drei Mal geraten werden, wofür ich mich entschieden habe. Verbunden mit der Erkenntnis, dass es mitunter noch nicht einmal einer Fußball-EM bedarf, um das eine oder andere Elend in der Welt zu vergessen. Es gibt Tage, da reicht ein Sonnenstrahl, um zwar nicht alles aber doch vieles auszublenden. Und das ist auch gut so. Mag man es Seele nennen oder Psyche, was für nicht wenige sogar das Gleiche ist, beide bedürfen der Ruhepausen. Sonst dreht der Mensch durch und bringt Orlando in die Schlagzeilen oder einen französischen Polizisten und seine Frau. Also lasst uns heute der Sonne huldigen, damit wir morgen nicht handeln wie gerade den tiefsten seelischen Abgründen entstiegen.