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Alles beim Alten

Was wurde und wird nicht geunkt. Dass nichts mehr wie zuvor und vieles ganz anders sein wird. Als vor Corona. Aber es kann Entwarnung gegeben werden. Zwar werden wirklich ein paar Menschen wie KinobesitzerInnen, Gastwirte und -wirtinnen oder die ganz mutigen, die einen künstlerischen Beruf haben, lernen müssen, wie man Hartz-IV beantragt. Aber sonst? Wer in soliden Geschäftsfeldern tätig ist, also zum Beispiel Airlines, Autohersteller oder Deutsche Bundesbahnen, der hat nichts zu befürchten, dass sich groß etwas geändert hätte.

Während ein kleiner Junge durch eine Schule irrt und sein Klassenzimmer sucht, weil in Deutschlands Schulen etwas chaotische Zustände herrschen, wird der Lufthansa und der Bundesbahn großzügig mit vermutlich 16 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen. Natürlich ohne eine Garantie, die Arbeitsplätze zu erhalten. Maßnahmen zum Klimaschutz müssen sie selbstverständlich auch nicht befürchten. Aber sie dürfen etwas unternehmen, wenn sie unbedingt wollen. Wir leben ja schließlich in Scheuers-Glöckner-Deutschland.

Und weil ein Krisengipfel mit der Industrie den anderen jagt, bleibt natürlich keine Zeit sich mit Kindern und Jugendlichen zu beschäftigen, denen gerade eine Zukunft zusammengezimmert wird, in der sie beweisen können, was sie auf dem Kasten haben. Wie sie mit Schulden zurechtkommen, die sie nicht gemacht haben. Wie sie mit den Katastrophen zurechtkommen, die vielleicht hätten vermieden werden können. Wenn man zu Corona-Zeiten die einzigartige Chance ergriffen hätte, an eine Zukunft zu denken, die hinter der nächsten Wahl liegt.

Fürs Leben lernen

Lern was Anständiges. Haben sie damals immer gesagt. Wenn ein junger Mensch auch nur andeutete, dass er vielleicht gerne Schauspieler werden würde, Musiker, Bühnenbildner. Oder – schlimmster Fall – Schriftsteller. Was waren das für kluge Leute. Und vor allem so weitsichtig. Ja, geradezu hellseherisch. Sie haben so recht gehabt.

Denn Kultur ist was wunderbares. Dieses ganze Zeug. Also Literatur, Kino, Theater, Malerei, Skulpturen. Auch wenn man meistens nicht weiß, was einem da jemand sagen will. Mal abgesehen von Pornos und Action-Filmen. Doch erst wenn es zu einer Pandemie gekommen ist, erfährt man wirklich, welchen Stellenwert die „Kultur“ für einen Staat hat.

Erstens ist sie nicht systemrelevant. Und da kann ja ein Staat nichts dafür. Das wurde halt einfach so festgelegt. Weshalb dann erst einmal Airlines, Autohersteller, Möbelhäuser, Fußballvereine und andere systemrelevante Konzerne und Betriebe gerettet werden müssen. Denn so lange Filme gestreamt werden können, ist ja auch irgendwie für Kultur gesorgt. Und außerdem sind die meisten Künstlerinnen und Künstler sowieso gewohnt, am Existenzminimum zu leben.

Reicht doch völlig, wenn demnächst mal wieder ein paar Kultur-Preise per Video-Konferenz vergeben werden. Da wei0 die Welt da draußen, dass wir immer noch das Volk der Dichter und Denker sind. Weshalb wochenlang Theater, Konzertsäle, Clubs, Kinos, Galerien und Museen einfach mal geschlossen werden konnten, ohne dass sich jemand großartig was dabei gedacht zu haben scheint. Mit Ausnahme von Kulturstaatsministerin Grütters. Sie will für Künstler Anträge auf Hilfeleistungen etwas einfacher gestalten.

Künstlerkarrieren

Nachdem die Welt für den Einzelnen so groß geworden ist, via Internet den ganzen Globus umspannt und nicht nur bis zum nächsten Dorf reicht, ist es für Menschen sehr viel leichter geworden, gehört zu werden. Beste Plattform dafür sind Organisationen wie change.org. Da kann jeder, der sich mit Email-Adresse und Kennwort registriert, Petitionen starten, auf sich und auf ein Problem aufmerksam machen, andere Menschen mobilisieren. Wie jetzt der Franzose Thierry Paul Valette. Er hat eine Petition gestartet, mit der er verhindern will, dass Brigitte Macron, Gattin des französischen Präsidenten, ein festes Budget bekommt, einen Status als „Präsidentengattin“.

Thierry Paul Valette ist nach eigenen Angaben Autor, Maler und Schauspieler. Dass ihm bis dato der große Durchbruch als Künstler noch nicht gelungen zu sein scheint, kann er sicher verschmerzen. Denn er ist Spross einer Industriellen-Familie aus der Normandie. Und er hat es 2016 schon einmal mit einer Aktion in die Medien geschafft. Damals trat er einen Marsch nach Paris an, mit einem Kreuz auf den Schultern als Symbol für ein unbeugsames Frankreich angesichts der Terrorattentate von 2015. Monsieur Valette, auch schon als Antiquitätenhändler tätig, hat bis zum Morgen des heutigen Tages schon knapp 200.000 Unterschriften auf change.org gesammelt. Während seine Homepage gerade mal 4752 Besucher hat. Ob alle Unterzeichner jetzt auch Werke von ihm kaufen, ist allerdings ungewiss.