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Stress zum Jahresende

Es ist zu laut. Zu viel Stress. Und dann auch noch diese Unsicherheit und Angst wegen des Terrors. Oder auch wegen der Eurokrise. Und, und, und. Man könnte wirklich meinen, wir lebten noch im Mittelalter. Als zum Beispiel Kutschen auf dem Kopfsteinpflaster mehr Lärm machten als heutzutage ein Lastwagen. In Büros ein Lärmpegel herrschte, der heutige Arbeitsstätten dieser Art fast klösterlich erscheinen lassen. Vor allem Kriege, Krankheiten oder Hunger Alltag waren. Alles andere war die Ausnahme.

Während Stressforscher heutzutage bemängeln, dass der Großteil der Menschen in unserer Hemisphäre total untertrainiert wäre, was Stress betrifft. Weil das, was sie als Stress bezeichnen würden, für den Menschen eigentlich keine wirkliche Herausforderung wäre. Die, so könnte ich mir vorstellen, eben vor allem nur darin besteht, dass man zum Beispiel an einem 29. Dezember unbedingt morgens um 7.00 Uhr vor einem Supermarkt stehen muss, weil man sonst nicht das Feuerwerk bekommt, mit dem an Silvester um Mitternacht endlich einmal so viel Lärm gemacht werden soll, dass mancher Nachbar wirklich einen Grund hat, sich wegen Lärms zu echauffieren.

Als die Dampflokomotiven aufkamen, gab es Überlegungen, Frauen die Mitfahrt zu verbieten. Weil man Befürchtungen hatte, dass diese durch die Beschleunigung ihres Uterus verlustig gehen könnten. Wie wir inzwischen wissen, hat sich das als unbegründet erwiesen. Die Technik hat im Gegenteil für viele Annehmlichkeiten gesorgt. Und wenn man sich einmal in Erinnerung ruft, wie viele technische Unterstützung und Dienstleistungen unseren Generationen zur Verfügung stehen, dann muss man sich fragen, welchen Stress dann wohl Menschen gehabt haben müssen, die ohne Lieferservice, Fertiggerichte oder Ratgeber für alle Lebenslagen auskommen mussten.

Um es mit einfachen Worten zu sagen: Wir leben zum Großteil wie die Maden im Speck. Dass sich immer mehr Menschen über die Lautstärke spielender Kinder aufregen, das liegt vor allem daran, dass der allgemeine Lärmpegel gesunken ist. Ich sage nur „Flüsterasphalt“. Und wir leben in einer Welt, in der vieles mit einer Fingerbewegung erledigt werden kann. Dass wir trotzdem immer weniger Zeit haben, das könnte vielleicht daran liegen, dass wir stundenlang auf Smartphones starren. Vielleicht sollten wir uns eher einmal über die Bedeutung des Wortes Larmoyanz Gedanken machen. Denn die Wahrheit ist, dass wir zwar auf hohem Niveau jammern können. Ansonsten aber nicht mehr allzu viel auszuhalten scheinen.

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