Schlagwort-Archive: Mallorca

Zollschranken

Erinnern können sich nur die älteren Semester. Alle anderen kennen nur einen müden Abklatsch von den Flughäfen in Thailand oder auf Mallorca. Und selbst der martialische Empfang in den USA kann nicht mithalten mit jenem Gefühl, das man dereinst hatte, wenn man in der langen Auto-Schlange stand und sich langsam aber sicher der Grenze zu Österreich oder der Niederlande näherte, oder aus diesen Ländern zurück kam und wieder in die Heimat wollte.

Mit jedem Moment etwas nervöser wurde, ausgelöst von der bangen Frage, ob es einen wohl dieses Mal treffen würde. Ob der Zöllner nach einem strengen Blick auf die weit aus dem Fenster gehaltenen Pässe noch einmal das Innere des Autos mustern würde. Um dann nach dem energischen Kopfschütteln auf die Frage, „haben Sie etwas zu verzollen?“, mit einer einladenden Bewegung Order gab, rechts oder links ranzufahren.

Wo dann Kofferraum und Innenraum akribisch untersucht wurden. Im schlimmsten aller Fälle sogar mit der Unterstützung eines schnüffelnden Hundes.  Während die Insassen des Auto mit gesträubten Nackenhaaren und Schweißperlen auf der Stirn im Geiste noch einmal durchgingen, was alles in den Tiefen des Kofferraums oder unter den Sitzen liegen könnte.

Dieses prickelnd aufregende Gefühl können wir zumindest jetzt an der Grenze zu Österreich hoffentlich bald wieder in vollen Zügen genießen. Mit langen Staus als Gratis-Zugabe. Und wir sollten uns dafür bedanken bei denen, die alles dafür getan haben, obwohl es ihren Job hätte kosten können. Im Herbst mit einem Kreuz an der richtigen Stelle. Und die ist nicht eine Wand.

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Selbstdarsteller

Hört das denn nie auf? Möchte man sich angesichts der aktuellen Ereignisse fragen. Der Handelskrieg durch die USA ist mit einem Schuss vor den Bug der EU eröffnet. Scheinbar ist ihnen Pearl Harbor eine Lehre gewesen. Außerdem sind Nationalisten Hand in Hand mit den Populisten auf dem Vormarsch. Womit praktisch all den langjährigen deutschen Toskana-Touristen der Krieg erklärt wird. Müssen die sich doch jetzt die Frage stellen, ob es noch mit dem Liberalismus vereinbar ist, wenn zwischen Siena und Campiglia Marittima Lega und 5-Sterne-Bewegung regieren. Einmal davon abgesehen, dass auch Spanien ein Wackelkandidat ist, und das nicht nur, weil das Wasser für die Tomaten knapp wird.

Dass es andererseits so einfach ist, eine Sache nicht nur in den Sand zu setzen, sondern auch gänzlich von der Bildfläche verschwinden zu lassen, dafür ist dieser/dieses Blog ein glänzendes Beispiel. Einmal auf Malle ein paar Tage lang den Kopf in den Sangria-Topf gesteckt – und schon ist alles, was in jahrelanger Kleinarbeit aufgebaut wurde, dahin. Das Resultat: Kein Schwein klickt ihn an, um es im Jargon eines Schlagers der 1930er Jahre aus den Mündern der Comedian Harmonists auszudrücken. Die zweite Zeile lautet übrigens: Keine Sau interessiert sich für mich. Vielleicht stellt sich ja ein ähnlicher Effekt ein, wenn einfach mal und ein paar Tage lang niemand Meldungen in die Welt setzt. Und somit all diesen Selbstdarstellern der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

Goethe irrt

Johann Wolfgang soll ja behauptet haben, dass das Reisen bildet. Darauf kam er wohl nur, weil er nicht Gelegenheit hatte, in einem Flughafen An- und Abreisende zu beobachten, ihren Gesprächen zu lauschen. Ich hatte jetzt wieder einmal und aufgrund einer erklecklichen Verspätung die Möglichkeit dazu, weshalb ich nun auch überzeugt bin, dass Oscar Wilde ebenfalls gewaltig irrte, als er sagte, „Reisen veredelt den Geist und räumt mit allen anderen Vorurteilen auf“.

Denn nachdem sich der Großteil der Gespräche darum drehte, warum es jetzt wieder einmal so lange mit dem Gepäck gedauert hat, ob es in erreichbarer Nähe einen Imbiss gibt, und wo denn bitte der Abholdienst des Hotels bleibt, hatte ich eher den Eindruck, dass das Edle wohl auf dem Gepäckband verloren gegangen ist. Wohingegen Vorurteile bestens in den Koffern verstaut waren.

Nicht ganz richtig lag allerdings auch Erich Kästner, für den die etwas einfacheren Menschen in fremden Ländern angeblich die Museen besuchen. Wohingegen die Klugen in „die Tavernen“ gehen würden. Wer den Reiseberichten von Mallorca-Heimkehrern lauscht, kann das auf gar keinen Fall bestätigen. Eher ist man geneigt, Kurt Tucholsky zuzustimmen, der der Ansicht war, dass man als deutscher Tourist im Ausland vor der Frage stünde, „ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon andere deutsche Touristen dagewesen sind“.

Aber immerhin hat der französische Existenzialist Alber Camus Weitblick bewiesen. „Früher zeichnete man auf Reisen, um sich erinnern zu können, wo man war. Heute filmt man auf Reisen, um zu erfahren, wo man gewesen ist.“ Eine Behauptung, die inzwischen von einem Großteil der mehr als 50 Millionen Deutschen und mehr als einer Milliarde Menschen weltweit, die alljährlich eine Reise machen, tagtäglich aufs Neue bestätigt wird. Weshalb man etwas provokant geneigt ist, dem großen Meister der Literatur und des Reisens, Goethe, in einem anderen Punkt Recht zu geben. Er hat nämlich auch gesagt: „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“ Man darf sich fragen, auf welchem Wort die Betonung liegt.

Mallorca

Mallorca, habe ich gesagt. Warum nicht Mallorca? Hat schon jemals jemand von einem Terroranschlag auf einer Insel gehört? Einmal von Großbritannien abgesehen. Aber das ist ja so groß, dass es schon keine richtige Insel mehr ist. Auch ohne EU. Also wir sind ja etwas weiter im Süden. Aber eine Promenier-Meile gibt es hier auch. Und weit und breit keine Betonklötze zu sehen. Oder wenigstens Poller. Und dann haben wir gerade gestern darüber gesprochen, dass wir eigentlich auch mal nach Barcelona fahren könnten, uns die Ramblas mal anschauen. Weil von denen doch alle so schwärmen, die schon mal in Barcelona waren. Und jetzt das.

Was ich jetzt allerdings am allerwenigsten brauchen kann, das sind Statements wie die von der spanischen Königsfamilie. Von wegen, wir lassen uns unsere Ramblas nicht nehmen. Also für mich sind die jetzt erst mal weg. Man kann doch jetzt nicht dahin fahren und abfeiern, wo die ganzen Menschen gestorben sind und verletzt wurden. Also ich würde jetzt am liebsten nach Hause fahren. Geht aber nicht. Keinen Flug, und das Hotel ist ja schon bezahlt. Und dann die armen Menschen in Barcelona. Die ganze Stimmung ist jetzt futsch. Wo ich mir doch ganz sicher war, dass so etwas wie diese Terroranschläge ja eigentlich immer wo anders passieren.

Weltkulturerbe

Es ist hoffentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Touristik-Branche das Potential dieses Eilands entdeckt. Schließlich sind idyllisch und einsam gelegene Inseln schon immer ein bevorzugtes Objekt der Begierde von Urlaubern gewesen. Man denke nur an Mallorca oder Ibiza. Doch noch nicht einmal diese beiden Inseln haben zu bieten, was jetzt Forscher auf einer Insel mitten im Pazifik entdeckt haben.

Denn eigentlich ist diese Insel gänzlich unbewohnt. Wohl mit ein Grund, dass sie die Unesco schon vor einiger Zeit zum Weltnaturerbe erklärt hat. Aber trotzdem bietet insbesondere der Strand eine Sammlung an Plastikteilen wie beispielsweise von Dominosteinen, Zahnbürsten, Puppen oder Lego-Teilen, die einzigartig auf der Welt sein dürfte. Die Wissenschaftler, die dort eigentlich nur mal nach Vögeln schauen wollten, haben schließlich geschätzte 38 Millionen respektive 17,6 Tonnen Plastik-Teile vorgefunden.

Besonders pittoresk: Tiere haben sich in einem Puppenkopf oder in Plastikdöschen häuslich niedergelassen. Man sollte also diese Insel so schnell wie möglich für den Tourismus fit machen, damit die Menschen das Schauspiel bewundern können, bevor sich die Plastikteile noch weiter zersetzt haben und endgültig in den Mägen von Tieren und damit in der Nahrungskette gelandet sind.

 

Sonnenseelen

Es ist ein Dilemma. Meine preußische Herkunft ist ebenso wenig zu leugnen wie die Tatsache, dass ich diese sympathische bayerische Art zu leben und leben zu lassen, wenn es denn keine Migranten oder andere Ausländer sind, ebenso verinnerlicht habe. Kurzum, es ringen zwei Seelen in meiner Brust, wenn nun endlich der Dauerregen von strahlendem Sonnenschein abgelöst wurde. Soll ich drin am Computer sitzen und mir schwitzend Gedanken über das Weltgeschehen oder meinen ganz persönlichen Mikrokosmos abringen? Oder lieber die Gelegenheit nutzen und mir schon einmal den Hauch von Bräune holen, der es mir erlaubt am Strand im anstehenden Urlaub auf Kuba oder auf Mallorca, das ist noch nicht ganz klar, mich nicht gleich als Bleichgesicht aus Deutschland zu outen?

Es darf drei Mal geraten werden, wofür ich mich entschieden habe. Verbunden mit der Erkenntnis, dass es mitunter noch nicht einmal einer Fußball-EM bedarf, um das eine oder andere Elend in der Welt zu vergessen. Es gibt Tage, da reicht ein Sonnenstrahl, um zwar nicht alles aber doch vieles auszublenden. Und das ist auch gut so. Mag man es Seele nennen oder Psyche, was für nicht wenige sogar das Gleiche ist, beide bedürfen der Ruhepausen. Sonst dreht der Mensch durch und bringt Orlando in die Schlagzeilen oder einen französischen Polizisten und seine Frau. Also lasst uns heute der Sonne huldigen, damit wir morgen nicht handeln wie gerade den tiefsten seelischen Abgründen entstiegen.