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Vorweihnacht

Man muss keine Supermärkte mit ihren Regalen voller Lebkuchen und Stollen aufsuchen, auch nicht durch die vorweihnachtlich geschmückten Straßen laufen. Man kann sogar getrost das Radiogerät und den Fernseher aus lassen, muss noch nicht einmal auf den Screen des Smartphones starren. Es genügt voll und ganz, nur zum Briefkasten zu gehen und die Post zu holen. So weiß jedermann und jede Frau, was für eine Zeit wir haben. Denn es stapeln sich regelrecht die Briefe von karitativen Einrichtungen, die daran erinnern, dass immer und irgendwo auf dieser Welt Menschen gibt, denen es bei weitem nicht so gut geht wie uns.

Also ist Weihnachtszeit. Und ich habe mich gefragt, warum wir Bürger helfen müssen. Und warum das die Staaten nicht stemmen können. Und bin zu dem Schluss gekommen, dass das so ist, weil sonst der Staat kein Geld mehr hätte für all die Ausgaben, die notwendig sind, um genug Elend auf der Welt zu produzieren, damit wir zur Weihnachtszeit für karitative, nicht staatliche Einrichtungen zu spenden. Und uns so wenigstens zur Vorweihnachtszeit wir richtig gute und empathische Menschen fühlen können. Würden alle Staaten hingegen aufhören, Elend zu produzieren, dann wäre sicher genug Geld da, um dafür zu sorgen, dass kein Mensch mehr Not leiden müsste. Also nicht alle Menschen. Denn wir würden Not leiden, weil wir in der Vorweihnachtszeit nichts Gutes tun und spenden könnten.

Schweigen

Tage gibt es, da wäre so viel zu sagen. Ein Blick über die Straße. In eine Zeitung. Auf einen TV-Bildschirm. Und dann macht man vielleicht noch eine Email auf. Und hat schon wieder etwas, worüber man sprechen müsste. Aber es kommt kein Wort über die Lippen. Weil man das Gefühl hat, das jedes Wort nur wieder das Fass zum Überlaufen bringen könnte. Und dann eine Flut losbricht, die Dämme einreißen kann.

Und alles überdeckt, was einem eigentlich wichtig ist. Was einem eigentlich sehr viel mehr wert ist als dieses Gerede, das einem den letzten Nerv raubt. Weil man es wieder und wieder hört.  Seit Jahren. Seit Jahrzehnten. Seit Jahrhunderten. Es will einem einfach nicht in den Kopf, dass die Menschen nicht damit aufhören. Und weil man alles sein möchte, nur nicht so wie sie, deshalb schweigt man. Vielleicht aber auch, weil man weiß, dass man genauso ist wie sie.   

Auf den Hund gekommen

Also erst einmal ein paar Worte zu meiner Person: Ich bremse nicht nur, wenn Menschen eine Straße überqueren könnten. Natürlich auch, wenn sie die Straße überqueren. Und genau das Gleiche tue ich bei Hunden und Katzen. Neulich, bei einem Wochenendausflug, auch für eine mutmaßliche Entenfamilie. Kann natürlich auch sein, dass die Beiden gar nicht verheiratet waren. Ja, und man höre und staune, es ist noch nicht so lange her, dass ich einem größeren, kreuzenden Vogel ausgewichen bin. Nachdem ich mich überzeugt hatte, dass dadurch niemand anderes gefährdet wurde. War vermutlich eine Amsel, die mein Auto vielleicht für eine Artgenossin hielt. Die Farbe zumindest spräche für diese These.
Und dann schätze ich auch eine Plattform wie Change.org und damit die Möglichkeit, mich für etwas oder gegen etwas zu positionieren. Flagge zu zeigen. Da wird Internet für mich sinnvoll. Oder sollte ich sagen: Da war Internet für mich sinnvoll. Denn jetzt habe ich meine leisen Zweifel. Nachdem ich nämlich weiß, dass mehr Menschen eine Petition für die Rettung eines Hundes namens Chico unterschrieben haben, als es auf der selben Plattform Unterstützer einer Kampagne gegen das geplante bayerische Polizeigesetz gab. Mit dem die Befugnisse der Polizei so weit ausgebaut werden sollen, dass sich auch Türken in Bayern wie zu Hause fühlen würden. Und an diesen Zweifeln würde sich für mich auch nichts ändern, wenn dieser Hund nicht zwei Menschen tot gebissen hätte.

Frosch-Frage

Es gibt Dinge, die sich einem einfach nicht erschließen. Also mir zumindest. Weshalb ich etwas vorausschicken muss. Ich bin ohne jede Einschränkung dafür, dass Tiere vor dem Menschen geschützt werden müssen. Um auch nur annähernd davon träumen zu können, dass die Natur nicht endgültig vor die Hunde geht. Und infolgedessen finde ich es auch absolut okay, dass in jedem Frühjahr von freiwilligen Helfern Plastikplanen zu Zäunen umfunktioniert werden, um Frösche daran zu hindern, Straßen zu überqueren. Was ja bekanntermaßen durchaus auch für Menschen gefährlich ist.
Was mich nur etwas irritiert, das sind die Geschwindigkeitsbeschränkungen. Und jetzt wirklich nicht, weil ich freie Fahrt für freie Bürger fordere. Einfach nur, weil ich es nicht verstehe. Denn erstens habe ich noch nie einen Frosch auf einer Straße gesehen, an der rechts und links Frosch-Zäune waren. Und zweitens glaube ich nicht, dass man mit 60 km/h noch rechtzeitig bremsen kann, wenn man so einen kleinen Frosch als solchen identifiziert hat. Könnte es also sein, dass es gar nicht um die Frösche geht? Andererseits traue ich mich nicht, in den Frosch-Zonen 30 km/h zu fahren. Das kann mich in Lebensgefahr bringen. Bin für jeden Hinweis dankbar, wie ich mich verhalten soll.

Glaube an die Menschheit

Natürlich wiegt das nicht all die anderen Missetaten auf, derer sich Menschen in diesem Jahr ebenso schuldig machen werden, wie sie das in den vergangenen Jahrtausenden bereits getan haben. Aber vielleicht ist es ja ein Silberstreif am Horizont, der Vorbote einer Veränderung im Verhalten, die sich zwar mühsam aber dank globaler Vernetzung vielleicht doch etwas schneller als im Schneckentempo niederschlagen wird.

Auslöser für solche, auf diesen Seiten ja selten gesehene und bis dato nie wirklich propagierte Euphorie ist eine Nachricht aus der Welt der Informationstechnologie, in der die Benutzer so oft nicht darüber informiert werden, was denn eigentlich auf ihren Geräten so alles passiert. Umso erstaunlich, wenn man dann erfährt, dass etwas passieren könnte – aber allem Anschein nach noch nicht passiert ist.

Das klingt etwas kryptisch, liegt aber wohl in erster Linie daran, dass es sich um eine Sicherheitslücke in Milliarden von Geräten handelt, die es Hackern möglich macht, sich Zugang zu Passwörtern und Krypto-Schlüsseln zu verschaffen. Und damit Zugriff auf Konten oder EC-Karten und andere Zahlungssysteme. Und das schon seit Jahren. Und dass dies allem Anschein nach noch nicht im großen Stil passiert ist, könnte doch ein Hinweis auf das Gute im Menschen sein.

Oder dass zumindest die Zahl der Menschen, die das technische Know-how haben, aber trotzdem rechtschaffen sind, größer ist als angenommen. Möglicherweise hat es sich aber vielleicht auch einfach noch nicht rumgesprochen, dass diese Sicherheitslücke existiert. Weshalb sich jetzt zumindest, dank der Veröffentlichung, schließlich heraus stellen wird,  ob der Glaube an die Menschheit nicht vielleicht doch gerechtfertigt ist.

 

Eintagsfliege

Greifen wir doch wieder einmal zu unserem kleinen Handbuch für Fremdwörter. Natürlich weiß annähernd jeder, was Solidarität bedeutet. Aber manchmal kann es ja durchaus hilfreich sein, wenn man sich das Ganze etwas genauer ansieht. Das Ergebnis unserer Recherche nach guter alter Sitte unserer Vorväter: Solidarität, die: a) unbedingtes Zusammenhalten mit jmdm. auf Grund gleicher Anschauungen u. Ziele; b) auf das Zusammengehörigkeitsgefühl u. das Eintreten füreinander sich gründende Unterstützung.

Na bitte. Und wenn wir schon dabei sind, da schauen wir doch auch gleich nochmal, was das schlaue Buch zum Solidaritätsprinzip sagt: Prinzip des Solidarismus, das soziale Ausgleichsprozesse zwischen Individuum u. Gesellschaft begründen u. regeln soll. Zugegeben, das ist jetzt nicht wirklich überraschend. Aber beide Definitionen sind beim genauen Hinsehen trotzdem höchst aufschlussreich. Insbesondere, wenn man sich fragt, warum Menschen so wenig Solidarität zeigen. Warum zumeist nicht einmal ein gemeinsames Schicksal sie dazu bewegen kann, Solidarität zu zeigen. Oder die Not anderer.

Meine Idee zu dieser Frage: Solidarität ist offensichtlich ein künstliches Konstrukt. Das zudem zeitlich und räumlich nur in sehr engen Grenzen vorkommt. Wenn zum Beispiel und aus welchen Gründen auch immer Menschen zufällig ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Vision haben. Aber auf keinen Fall ist Solidarität ein Dauerzustand. Wenn Hass, Neid, Missgunst, Fanatismus oder einfach auch nur Dummheit und all die anderen menschlichen Eigenschaften, die dafür sorgen, dass das Zusammenleben eher nicht so erfreulich ist und für nicht wenige sogar deshalb tödlich endet, die Schildkröten unter den Elementen sind, die unser Leben bestimmen, dann ist Solidarität eher die Eintagsfliege.

Weil sie der Mensch erfunden hat. Weil es etwas Künstliches ist. Das zwar rational erfasst und vielleicht sogar als plausibel und durchaus sinnvoll angesehen werden kann. Aber in keinster Weise mit dem Menschen verwurzelt ist wie all die negativen Grundeigenschaften, die in ihren kollektiven Ausmaßen dann für Kriege sorgen, für Pogrome, Mord und Totschlag. Wir sollten uns angewöhnen, uns entspannt zurück zu lehnen und es zu genießen, wenn es wieder einmal zu Solidarität gekommen ist. Weil Solidarität wie ein Luftballon ist, der natürlich zerplatzt, wenn man eine Nadel hinein piekst. Eine Nadel, die aus Hass, Neid, Missgunst, Fanatismus oder einfach auch nur Dummheit bestehen kann. Solidarität ist eben ein höchst fragiles Geschöpf.

Paris im August

Vielleicht ist es nicht besonders nett, so zu denken. Aber es ist Ferienzeit. Ich finde jetzt sogar bei meinem Lieblings-Metzger immer einen Parkplatz vor der Tür. Während an manch fernen Gestaden die Menschen um die besten Plätze am Strand rangeln. Auch in meinem Lieblings-Café sind die Tische angenehm leer, weil sich die nachrückenden Touristen lieber in original bayerischen Gaststätten tummeln.

Kurzum, es ist leerer geworden. Und weil ich vielleicht nicht besonders nett bin, finde ich das herrlich. Ich glaube sogar, dass wir Menschen sogar etwas friedlicher miteinander leben könnten, wenn wir nicht so viele wären. Die sich dann auch noch so oft auf engstem Raum drängen. Was ja irgendwie an Käfig-Haltung erinnert. Und wie sich das auswirkt, das sehen wir ja bei Hühnern.

Natürlich kann das auf gar keinen Fall bedeuten, dass man jetzt darüber nachdenken sollte, wie man zu weniger Menschen kommen könnte. Aber vielleicht hat ja jemand eine Idee, wie man die Menschen besser auf dem Erdball verteilen könnte. Schließlich gibt es ja zum Beispiel nicht wenige Menschen, die keine Hitze mögen. Und auf Grönland wäre noch ziemlich viel Platz.

Auf jeden Fall habe ich für das kommende Jahr im August schon einmal ein Hotel in Paris gebucht. Dort verlassen in den Ferien so viele Menschen die Stadt, um in den Süden und ans Meer zu fahren, dass es noch nicht einmal die Touristen aus aller Welt schaffen, die entstandenen Lücken auch nur annähernd aufzufüllen. Cafés und Metzger gibt es dort schließlich auch.

Sokrates und Menschenkenntnis

„Die“ oder „den“ kenne ich gut. Sagt man gerne. „Sie“ oder „er“ ist wie ein offenes Buch für mich. Sagen oft Menschen, die mit einem anderen Menschen schon lange zusammen gelebt haben. Und Konfuzius, gern zitierter und altgedienter chinesischer Philosoph, meint: Menschlichkeit ist das Wesen der Sittlichkeit, Menschenkenntnis das Wesen der Weisheit.

Womit er mir mehr als deutlich macht, dass es bei mir mit der „Weisheit“ nicht allzu weit her ist. Was wiederum verständlich machen würde, warum ich seinen Spruch „Mit einem Menschen muss man zusammen leben, um ihn zu kennen“ absolut nicht nachvollziehbar finde.

Ich gehe vielmehr davon aus, dass das, was wir „kennen“ nennen, nichts anderes ist als das Ergebnis mehr oder minder empirischer Erhebungen. Wenn sie oder er so und so oft so oder so gehandelt oder reagiert hat, dann besagt das trotzdem nichts für die Zukunft. Das ist nämlich so ähnlich wie mit dem Gesetz der Schwerkraft. Das sogar nach Meinung von manchem Wissenschaftler eigentlich erst wirklich bewiesen wäre, wenn einmal das Gegenteil eingetreten ist. Bis dahin bleibt es Spekulation.

Warum aber behaupten Menschen immer wieder und selbst nach herben Rückschlägen, dass sie andere Menschen kennen würden, sogar für „durchschaubar“ halten. Ich habe da eine Vermutung. Es ist einfach das Unbehagen, das den Großteil der Menschen überfällt, wenn er mit etwas Unbekanntem konfrontiert wird. Da zieht er es lieber vor, so zu tun, als ob er etwas wüsste.

Als ob der Schweizer Reformator Zwingli nicht Recht hätte, wenn er sagt: Wer den Menschen studieren und erkennen will, der unternimmt ein so schwieriges Werk wie einer, welcher Tinte anfassen möchte, ohne sich zu beschmutzen. Was also Menschen betrifft, das ist, als würde man behaupten, man kennt den Mond, nur weil man einmal seine Oberfläche durch ein Teleskop gesehen hat.

Nebenwirkungen

Die Erkenntnis ist nun wirklich nicht besonders neu geschweige denn sensationell. Das sollte aber nicht hindern, sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass auch Politiker Menschen sind. Unbeschadet der Tatsache, dass sie uns gerne glauben lassen wollen, sie wären eher eine ganz eigene Spezies oder zumindest so etwas wie Übermenschen. Und dass sich manche sogar für gottähnliche Wesen halten. Weshalb sie vorgeben, immer zu wissen, was das Richtige ist. Wie manche Nachbarn, Lebenspartner oder andere Familienmitglieder übrigens bisweilen auch.

Das war übrigens schon in der Antike oder im Mittelalter so, und selbst die Erfindung von Kommunismus oder Demokratie hat nichts daran geändert. Aus Kaisern, Königen und Fürsten wurden Bundeskanzler, Ministerpräsidenten oder Landräte. Man hat die Bezeichnungen und die Türschilder ausgetauscht. Menschen sind Politiker trotzdem geblieben, auch wenn sie es immer noch selten für möglich halten.

Und der Mensch in der üblichen Ausfertigung ist nun einmal alles andere als ein soziales Wesen. Auch wenn er oft etwas anderes von sich behauptet. Selbst wenn er sich Mühe gibt, so reicht das vielleicht für eine bestimmte Situation oder für einen Augenblick, aber grundsätzlich ändert sich nichts daran. Er verbringt den Großteil der Zeit damit, an sich zu denken. Weshalb es auch mehr als übertrieben wäre, von Politikern allzu oft rationales Denken zu verlangen. Denn das widerspricht zu sehr den persönlichen Belangen.

Mein Vorschlag wäre deshalb und insbesondere in diesen Zeiten der schwierigen und folgenschweren Entscheidungen, nach jeder Nachricht aus der Politik folgenden Nachsatz zu bringen: Politiker sind auch Menschen. Über Funktionsweisen und Nebenwirkungen informiert sie ein Psychiater oder Therapeut.