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Jahresrückblick im Erlebnisbad

Ich habe mich schon immer gefragt, warum es für das Weihnachtsfest zwei Feiertage gibt. Weil ein Tag nicht reicht, um all die Weihnachtsgänse, Plätzchen, Rumpunsche und Familienzusammenkünfte zu verdauen? Eigentlich würde es doch reichen, wenn man nach dem Heiligen Abend einmal ausschlafen könnte. Und dann zurück in die Realität.
Seit gestern weiß ich um die Bedeutung des zweiten Weihnachtsfeiertages. Er bereitet auf ein anderes Ereignis vor. Schließlich ist der Besucherstrom an diesem Tag zumeist schon etwas abgeklungen. Die Zeugen der zurückliegenden Schlacht, auch Weihnachtsessen genannt, bereits weitgehend beseitigt. Es bleibt, wenn man nicht die Familie einpackt und in ein Erlebnisbad oder zum Ganzjahres-Christkindlmarkt fährt, Zeit, um Revue passieren zu lassen.
Was in extremen Fällen zu einer gewissen Nachdenklichkeit führen kann. Weil doch die Gedanken verblüffend jenen ähneln, die man schon vor einem Jahr dazu hatte. Und wahrscheinlich auch jenen des Jahres zuvor. Natürlich sind Ereignisse neu hinzugekommen. Sind Dinge geschehen, die so zuvor noch nie geschehen waren. Die Rückenschmerzen sind stärker geworden. Die Zukunftsängste größer. Vielleicht ist überraschend etwas Empathie dazugekommen.
Doch nimmt man die äußeren Verkleidungen weg, den Ort, die Zeit, den Namen, so bleibt im Kern doch eigentlich stets das Selbe. Nämlich unsere Sehnsüchte. Unsere Ängste. Die Defizite. Was den Schluss zuließe, dass sich eigentlich, das Ganze einmal im Großen gesehen, nichts ändert. Der Mensch ist herzensgut, grausam, liebevoll, gleichgültig, egozentrisch, verblendet. Und alles immer in einer Person. Und manchmal sogar zeitnah. Und selbstverständlich gerne auch in Massen.
Ich habe mir deshalb vorgenommen, nächstes Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag auch mit der Familie in ein Erlebnisbad zu fahren. Wenn es doch keine konkreten Hinweise gibt, dass der Mensch in der Lage sei, Fundamentales an sich zu ändern, warum dann zurück oder in die Zukunft schauen. Dass ich einen halben Tag kreischend endlos lange Wasserröhren hinunter sause, will ja trotzdem nicht heißen, dass ich endgültig alle Hoffnung aufgegeben habe.

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Die Suche nach Nähe

Ob Buddha oder Dalai Lama, die Mönche in den christlichen Religionen, selbst die großen Denker, die keiner bestimmten Glaubensrichtung angehörten oder angehören, sie haben gesucht und suchen vor allem die Einsamkeit, die Ruhe, die innere Einkehr, um Weisheit, Verstehen und mitunter sogar eine der größten menschlichen Tugenden, die Toleranz, zu erlangen.

Der Großteil der Menschen unserer Hemisphäre gehen zum Beispiel bei diesen sommerlichen Temperaturen am liebsten in ein Schwimmbad, an einen See oder an ein Flussufer, wo sie dann dicht an dicht mit anderen Menschen die Natur, den Sommer und die Sonne genießen. Ein anderes Vergnügen in diesen herrlichen Zeiten sind für sie auch Straßencafés, wo sie nicht selten mit jenen zusammentreffen, die auch im Schwimmbad, an einem See oder einem Flussufer zu finden sind, aber auf jeden Fall wieder in großer Zahl.

Doch der Sommer beschert den Menschen auch viele Festivals, Konzerte und sonstige Veranstaltungen unter freiem Himmel, die wiederum Gelegenheit bieten, auf andere Menschen zu treffen. Wo man sich dann auch wieder dicht an dicht an den gebotenen Attraktionen vorbeischiebt oder in langen Schlangen darauf wartet, dass man vielleicht etwas zu essen oder zu trinken ergattert.

Wo auch immer man hingeht, es drängt sich überall der Eindruck auf, dass die Menschen unserer Tage und in besonders hierzulande die Nähe zu vielen anderen Menschen suchen. Was sich übrigens auch noch bestätigt, wenn man sich einmal an ihren bevorzugten Urlaubszielen umschaut. Auch dort vor allem Massen und weit und breit keine Einsamkeit. Weshalb man sich auch wirklich nicht wundern muss, zu was diese Menschen mitunter fähig sind.