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Hundeleben

Wer hat nicht schon einmal in die traurigen Hundeaugen geblickt, wenn die Champagnerkorken knallen, Weinflaschen entkorkt werden, Menschen also fröhlich miteinander und zur Freude der Finanzämter, Ärzte und Krankenhäuser feiern. So ein Schlückchen in Ehren kann eben niemand verwehren, und irgendwo muss ja die ausgelassene Stimmung herkommen. Doch der zweitbeste Freund von Männern hat da immer das Nachsehen, blieb für den Hund bisher doch gerade mal eine Schüssel mit Wasser, um ebenfalls in Feierlaune zu kommen.

Doch dieses Elend hat ein Ende. Dank eines Metzgers aus der Pfalz. Er hat nämlich die Fleischportion als Drink to go erfunden. Also Fleisch, das flüssig daher kommt, in Flaschen abgefüllt und bis dato in drei Geschmacksrichtungen vorgesehen ist. Was von einer Hundebesitzerin dankbar aufgegriffen wurde. Ihre Hunde bekommen jetzt zu besonderen Anlässen flüssiges Fleisch. Oder, wie sie es einem Reporter gegenüber nannte: Hundechampagner. Und um die Gleichbehandlung von Mensch und Tier abzurunden, werden von ihr dem Zamperl auch mal Kugeln mit schwarzem Trüffel serviert. So ein Tier soll ja auch nicht leben wie ein Hund.

 

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Besser essen

Manchmal geht es nicht anders. Der Metzger hat schon geschlossen. Die Gäste kommen in einer halben Stunde. Also rein in den Supermarkt, auf dem direkten Weg zum Regal mit abgepacktem Schinken, wo es natürlich auch eine Abteilung für Feinschmecker gibt. Schinken aus Parma und Serrano-Schinken, Coppa aus der Emilia oder aus dem Vendée. Und nachdem man für seine lieben Gäste nur das Allerbeste servieren möchte, liest man erst einmal aufmerksam, was auf der Packung steht. Dass auf der Verpackung für Schinken, der angeblich direkt aus Italien kommt, kein einziges italienisches Wort zu finden war, hat mich dann nicht einmal so sehr verwundert. Vielmehr hat ein ganz bestimmtes Wort meine ganze Aufmerksamkeit erregt.

In der Eile habe ich zuerst „handerlegt“ gelesen. Hatte ich sofort das Bild vor Augen, wie sich der Metzger mit gezücktem Messer dem Schwein nähert, vielleicht sogar versucht, es mit bloßen Händen zu erwürgen. Beim zweiten Blick stellte sich dann aber heraus, dass da „handgelegt“ stand. Mit dem Hinweis, dass dies für die Qualität des Schinkens spreche. Mein erster Gedanke: Hoffentlich hat sich da jemand vorher die Hände gewaschen. Abgelöst von dem Bild einer alten Frau, die mit ihren zittrigen Händen Schinkenscheibe für Schinkenscheibe in die kleine Plastikschale legt.

Was natürlich Unsinn ist. Schließlich weiß man ja, dass Produkte für Supermärkte in großen Mengen hergestellt und auf Fließbändern verpackt werden. Stehen da also hunderte von schlecht bezahlten Polinnen oder noch schlechter bezahlten syrischen Flüchtlingen am Fließband und legen Scheibe für Scheibe aufeinander? Und ist Handleger eigentlich ein Ausbildungsberuf? Ich habe mir die Mühe gemacht, alle Packungen mit handgelegtem Schinken akribisch zu untersuchen. Das Fazit: Die Abstände waren absolut einheitlich. Sowohl in der leichten seitlichen Verschiebung als auch an den oberen und unteren Rändern. Die Schlussfolgerung: Dieser Schinken kann nur von Schweizer Uhrmachern verpackt worden sein.

Bock wird Gärtner

Wenn Sie eine Hochzeitstorte brauchen für ihren angeblich schönsten Tag im Leben. Würden Sie da zu einem Metzger gehen, um sie in Auftrag zu geben? Oder würden Sie mit ihrem Auto zu einem Fliesenleger fahren, um es reparieren zu lassen? Natürlich gibt es Allroundtalente. Aber sie sind wohl eher die Ausnahme. Ansonsten macht es schon Sinn, danach zu schauen, wie kompetent jemand ist. Ob er Zugang hat zu den gestellten Anforderungen, um nicht gleich von Qualifikation zu sprechen.

Heute wird im Bundestag über das Gesetz zur Verschärfung des Sexualstrafrechts debattiert. Das Justizminister Maas auf den Weg bringen will. Das aus einem Ministerium kommt, in dem Frauen nun nicht gerade in der Mehrheit sind. Wer sich die Mühe macht und einmal das Organigramm dieses Ministeriums studiert, wird sogar feststellen, dass, einmal abgesehen von den Sekretariaten, Frauen hier in der Minderheit sind, in der höheren Ebene sogar die Ausnahme.

Weshalb die Annahme wohl nicht ganz von der Hand zu weisen ist, dass dieser Gesetzesentwurf vor allem von Männern stammt. Denen man nichts unterstellen möchte. Aber zumindest vorwerfen könnte, dass sie wohl nicht im Geringsten nachvollziehen können, was es für eine Frau bedeutet, wenn sie sexuell „genötigt“ wird. Ein Terminus, der übrigens auch von einem Mann stammen dürfte und vielleicht darauf verweisen soll, dass eigentlich der Mann das Opfer ist. Weil er aus einer Not heraus gehandelt hat. Und auch das Strafmaß gebietet, besser eine Frau zu nötigen als in der Not einen Ladendiebstahl zu begehen.

Puh der Bär und die Flüchtlingskrise

Von Puh dem Bär wird behauptet, dass er ein Bär von eher geringem Verstand sei. Ich fühle mich sehr seelenverwandt. So verstehe ich überhaupt nicht, warum zum Beispiel bei den Staumeldungen immer dazu gesagt werden muss, dass der Stau wegen der Grenzkontrollen sei. Einmal davon abgesehen, dass das so nicht stimmt. Ich habe es selber getestet. Ich habe fünf Mal und zu unterschiedlichen Tageszeiten die Grenze zwischen Österreich und Deutschland passiert – und es wurde kein einziges Mal kontrolliert. Weit und breit keiner, der auch nur mal ins Auto geguckt hätte.

Der Stau entstand nicht wegen irgendwelcher Grenzkontrollen sondern nur, weil die Fahrbahnen auf eine einzige verengt wurden. Weshalb man den Verdacht haben könnte, dass es vor allem darum geht, Autofahrern deutlich zu machen, dass die „Flüchtlingskrise“ auch ihn in seiner Freiheit einschränkt. Womit ich schon beim nächsten Punkt wäre, immer im Bewusstsein, dass mein Name auch Puh der Bär sein könnte. Ich kann dieses Wort „Flüchtlingskrise“ nicht mehr hören. Verbindet sich damit doch nur der Versuch, Ursache und Wirkung zu vertauschen.

Mit diesem Wort wird vertuscht, dass nicht die Flüchtlinge Auslöser für die derzeitigen Probleme sind sondern eine im wahrsten Sinne des Wortes verheerende Politik über Jahrzehnte im Namen von Demokratisierung und Menschenrechten. Dass es nicht überzogen ist zu sagen, dass die Situation in den arabischen Ländern ebenso wie in vielen afrikanischen Ländern zu großen Teilen das Resultat westlicher Bemühungen ist, wirtschaftliche und machtpolitische Interessen durchzusetzen.

Und weil es gerade so schön ist, und ich so wenig Verstand habe, frage ich mich auch noch, warum diese BRD nicht in der Lage ist, den Menschen ein Dach über dem Kopf zu organisieren. Noch 1985 diente fast eine halbe Million Soldaten ihrem Vaterland. Heute sind es gerade mal 178.595. Stand 04.09.2015. Und nachdem die damals ja auch nicht alle im Freien campiert haben, könnte theoretisch doch die eine oder andere Kaserne leer stehen. Wo man Migranten unterbringen könnte, die jetzt in Zelten hausen oder in bestehenden Unterkünften „verdichtet“ werden. Was nichts anderes heißt, als dass jetzt zum Beispiel sechs Menschen in einem Raum sind, den vorher zwei Menschen bewohnten.

Die Deutschen kaufen weniger, weil sie jetzt wegen der Flüchtlinge um ihre Jobs fürchten, lautete eine Meldung. Ein Metzger hat nach monatelanger Suche endlich eine Kraft gefunden, die mehr als acht Stunden am Tag für ihn Zwiebeln schneidet und sauber macht. Es ist ein Flüchtling. Wem der wohl den Job weggenommen hat? Es wird fabuliert, dass Deutschland an seine Grenzen käme, Europa die Grenzen sichern müsse. Und trotz alledem ist die Hilfsbereitschaft grenzenlos.

Also was nun? Was ich sehe, das ist, dass sich die Politik in diesem Lande immer weiter von einem großen Teil der Bevölkerung entfernt, weil sie wie das Kaninchen auf einen kleinen Teil der Bevölkerung starrt. Weshalb sich sicher nicht Puh der Bär aber vielleicht Titan Olli Kahn mehr Eier wünschen würde. Und von mir aus können es auch Bio-Eier sein. Aber es wäre auf jeden Fall und vielleicht dieses einzige Mal an der Zeit, klipp und klar zu sagen, was zu tun ist. Welche Konsequenzen es haben kann.

Dieses Mal geht es nämlich nicht um Geld. Es geht um Menschen. Und wenn das alle begriffen haben, was nicht so schwer sein kann, hat es doch auch Puh der Bär kapiert, dann kommt vielleicht der Papst auch mal zu uns in seinem Fiat 500L und sagt: „Als Sohn einer Einwandererfamilie freut es mich, Gast zu sein in diesem Land.“ Auch wenn er da vielleicht ein klein bisschen geschwindelt hat, aus Höflichkeit wahrscheinlich.

Paris im August

Vielleicht ist es nicht besonders nett, so zu denken. Aber es ist Ferienzeit. Ich finde jetzt sogar bei meinem Lieblings-Metzger immer einen Parkplatz vor der Tür. Während an manch fernen Gestaden die Menschen um die besten Plätze am Strand rangeln. Auch in meinem Lieblings-Café sind die Tische angenehm leer, weil sich die nachrückenden Touristen lieber in original bayerischen Gaststätten tummeln.

Kurzum, es ist leerer geworden. Und weil ich vielleicht nicht besonders nett bin, finde ich das herrlich. Ich glaube sogar, dass wir Menschen sogar etwas friedlicher miteinander leben könnten, wenn wir nicht so viele wären. Die sich dann auch noch so oft auf engstem Raum drängen. Was ja irgendwie an Käfig-Haltung erinnert. Und wie sich das auswirkt, das sehen wir ja bei Hühnern.

Natürlich kann das auf gar keinen Fall bedeuten, dass man jetzt darüber nachdenken sollte, wie man zu weniger Menschen kommen könnte. Aber vielleicht hat ja jemand eine Idee, wie man die Menschen besser auf dem Erdball verteilen könnte. Schließlich gibt es ja zum Beispiel nicht wenige Menschen, die keine Hitze mögen. Und auf Grönland wäre noch ziemlich viel Platz.

Auf jeden Fall habe ich für das kommende Jahr im August schon einmal ein Hotel in Paris gebucht. Dort verlassen in den Ferien so viele Menschen die Stadt, um in den Süden und ans Meer zu fahren, dass es noch nicht einmal die Touristen aus aller Welt schaffen, die entstandenen Lücken auch nur annähernd aufzufüllen. Cafés und Metzger gibt es dort schließlich auch.

Ästhetik und Blindenhunde

Höchst wahrscheinlich sahen nicht alle alten Griechen so aus, wie man sie jetzt in der Münchener Glyptothek zum Beispiel bestaunen kann. Also quasi wie das vorweggenommene Ergebnis von Leonardo da Vincis goldenen Schnitt. Frauen wie Männer gut proportioniert. Nicht Modell-dünn und auch nicht Rubens-ausladend. Eigentlich lassen alle diese Statuen und Skulpturen auf eine ziemlich vernünftige Ernährung und die völlige Abwesenheit von McDonalds-Filialen schließen, mit dementsprechendem Erfolg.

Aber zugegeben, jetzt kenne ich natürlich niemanden, der solche alten Griechen noch persönlich erlebt hätte. Mir also sagen könnte, ob die wirklich auch so ausgesehen haben. Ich bin also auf Vermutungen angewiesen, auf Spekulationen und guten Glauben. Zudem ist belegt, dass auch im antiken Griechenland und insbesondere bei Männern etwas Fettleibigkeit durchaus als Zeichen von Wohlstand angesehen und entsprechend positiv gewürdigt wurde.

Was aber wird sich ein Mensch denken, sofern es noch welche gibt, der in 500 Jahren beispielsweise Schnappschüsse vom Urlaub einer intakten, deutschen Familie oder auf einer ebenfalls intakten Festplatte tausende von Selfies findet? Und das Pech hat, dass dies Menschen waren, wie man sie hierzulande und natürlich auch an vielen anderen Orten der Welt nicht selten sieht. Nämlich dicke Menschen. Oder sogar sehr dicke Menschen. Wird er glauben, dass 500 Jahre zuvor alle Menschen Superreiche waren?

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und einen ganzen Vormittag in einem Straßencafé verbracht, was bei den derzeitigen Temperaturen wirklich kein Vergnügen ist. Doch viel schlimmer war es, manche der Menschen zu sehen, die da vorbeigingen. Es waren natürlich Ausnahmen. Aber trotzdem kam ich am Ende dieser empirischen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass nicht wenige Menschen mit der Ästhetik griechischer Statuen in etwa so viel gemeinsam haben wie eine Kaulquappe mit einem Adler.

Und was gravierend hinzukommt: Kaulquappen haben sich entsprechend ihrer Lebensumstände entwickelt. Wohingegen ich mir nicht vorstellen kann, welchen tieferen Sinn es für einen Menschen haben könnte, wie Michelin-Reifen-Männchen rumzulaufen. Aber vielleicht ist ja nicht nur das Wort sondern gleich auch noch die Ästhetik an sich gänzlich aus der Mode gekommen. Weshalb auch die Träger von XXL-Kleidergrößen nicht mehr auf Leggings und bauchbetonende T-Shirts verzichten wollen.

Also entweder kaufe ich mir jetzt eine Augenbinde und lasse mich von einem Blindenhund zum Metzger führen. Oder ich warte, bis man sich wieder einbilden kann, diese Menschen sähen nur wegen der dicken Winterkleidung so unförmig aus. Denn eines weiß ich ganz gewiss: Meine Augen werden sich an diesen Anblick nicht gewöhnen. Aber vielleicht würde sich das ja ändern, wenn ich selber sehr dick wäre? Das wäre doch einmal ein interessantes Experiment.