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Trinkgewohnheiten

Kann man sich so täuschen? Ich weiß ja, dass sich die Wahrnehmung im Alter verändern kann. Aber wenn das stimmt, was ich kaum glauben kann, dann wäre das wohl eher schon ein Fall für die Psychiatrie. Ich spreche von Temperaturen. Möchte aber gleich vorausschicken, dass ich nun wirklich kein Klimawandel-Leugner bin. Ich hatte auch Tränen in den Augen, als in Paris das Abkommen unterzeichnet wurde. Aber da gibt es ein Problem.

Denn wenn ich meine Mitmenschen betrachte, wie sie durch die Straßen laufen, in S-Bahnen oder auch in Parks oder anderen Grünanlagen sitzen, wenn sie sonntags auf dem Fußballplatz unseres Dritt-Liga-Vereins ein Spiel verfolgen, ein Museum besuchen oder sich einen Kinofilm anschauen, dann drängt sich mir der Eindruck auf, dass wir in Mitteleuropa bereits Temperaturen wie in der Sahel-Zone haben. Als ob die Gefahr des Verdurstens noch größer wäre, als Opfer eines Terroranschlags zu werden.

Weshalb überall und jederzeit die Menschen eine Flasche Wasser dabei haben. Manchmal mit Fruchtgeschmack oder Kohlensäure, oft aber einfach Wasser, wie es wohl aus dem Wasserhahn nicht sehr viel anders schmeckt. Das aber nicht aus dem Wasserhahn kommt, sondern aus ganz bestimmten Gesteinsschichten oder Gegenden. Weshalb es dann gerne auch mal das Hundertfache und mehr von Leitungswasser kostet.

Verkauft von Danone oder Nestlé oder einem anderen Konzern. Die sich überraschenderweise auch stark dafür machen, dass mehr Wasser getrunken wird. Mindestens zwei Liter pro Tag, lautet das Mantra. Und sie haben Erfolg. Vor 40 Jahren trank ein Deutscher gerade mal 12 Liter Mineralwasser im Jahr. Inzwischen sind es 150 Liter. Oder auch annähernd 300 PET-Flaschen pro Kopf, denn schließlich werden große Literflaschen ungern mitgeschleppt. Das würde außerdem die Gefahr des Verdurstens wahrscheinlich gut und gerne verdoppeln. Mein Problem: Ich finde es gar nicht so heiß, dass ich Angst habe, gleich zu verdursten.

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Das süße Leben

Für alle, die es bei Getränken lieber ein bisschen süß mögen, ist dies eine gute Nachricht. Endlich werden sie für ihre Vorliebe an der Kasse des Supermarktes nicht mehr bestraft. Kostet doch zum Beispiel bei einem der Discounter zurzeit so eine süße Brause 39 Cent. Während man für die gleiche Menge Mineralwasser, nämlich 1,5 Liter, 58 Cent berappen muss. Da kann also jetzt ganz schön gespart werden. Trinkt doch jeder Mensch in Deutschland 80 Liter am liebsten Erfrischungsgetränke, die vor allem süß sind.

Was im Klartext nichts anderes heißt, als dass eine Menge Leute 160 Liter und mehr davon trinken. Weiß ich doch von meiner Tante Annegret, dass sie nur Wasser trinkt oder ungesüßten Tee. Und laut der Verbraucherorganisation Foodwatch deshalb auch oft ganz schön krank werden. Weil sie nämlich kiloweise Zucker zu sich nehmen. Findet sich doch auch noch in vielen Fertiggerichten oder Saucen Zucker. Der erstens dick und zweitens Diabetes und andere Krankheiten wahrscheinlich macht. Und verursacht so Milliarden an Kosten für das Gesundheitssystem.

Die Chancen, dass man dem vielleicht wie in Großbritannien versucht einen Riegel durch Zusatzabgaben für Zucker vorzuschieben, sind hierzulande aber gering. Haben es doch noch nicht einmal der Alkohol und die ihm anzulastenden immensen Kosten für das Gesundheitswesen geschafft, auch nur ansatzweise einmal darüber nachzudenken, etwas dagegen zu unternehmen. Wir haben eben auch die Freiheit, unseren Körper auf Kosten anderer zu ruinieren. Und damit die Grundlage, uns über immer höhere Kosten im kranken Gesundheitswesen zu beklagen. Weshalb wir uns das Leben wenigstens mit einem preiswerten Energy-Drink versüßen.

 

Abstellgleis

Angenehme Außentemperaturen. Ein fast wolkenloser Sternenhimmel. Bier und Rotwein. Natürlich auch Mineralwasser und Fruchtsäfte. Ein paar Häppchen. Es war einer dieser Sommerabende mit Freunden, wie sie sogar das sommerliche Stadtleben erträglich gestalten, weil die Diskussionen aus verständlichen Gründen nicht zu hitzig werden, alles mit einer eher trägen Freundlichkeit über die Bühne geht. Und dann fiel, vielleicht auch bedingt durch die Altersstruktur der Anwesenden, das Wort „Abstellgleis“. Was augenblicklich zu einem langen Moment der besinnlichen Stille führte. Zu einer etwas beunruhigenden Ruhe. Waren doch nicht wenige der Gäste bereits kurz vor respektive im vollzogenen Ruhestand. Um nicht das noch weniger geliebte Wort Rentner zu verwenden.

Natürlich wandte man sich irgendwann wieder erfreulicheren Themen zu, es kam auch wieder Gelächter auf. Wobei nicht eindeutig feststellbar war, ob dieses dem Wein oder der Stimmung zu verdanken war. Was am nächsten Morgen unweigerlich zu dem Gedankenspiel führte, ob den ein „Abstellgleis“ wirklich so etwas Bedrohliches ist, eines der Damoklesschwerter, die über den eher greisen Häuptern schweben, neben Bluthochdruck und Krebsgefahr.

Vielleicht war es der morgendlichen Stimmung geschuldet, dass ich zu dem Schluss kam, dass ein Abstellgleis eigentlich eher etwas Beruhigendes ist. Schließlich ist man dort ja nicht von der Welt abgeschnitten. Die Lokomotive, die einen dort hin bugsiert hat, kann einen ja auch wieder dort wegholen. Und andererseits hat man erfreulicherweise keinen fortwährenden Durchgangsverkehr, muss nicht dauern auf vorbeibrausende Züge achten, kann sich in Ruhe und Beschaulichkeit der Umwelt widmen, vielleicht sogar den anderen Waggons auf benachbarten Abstellgleisen. Ich finde, jeder schon etwas betagtere Mensch sollte das Recht auf ein Abstellgleis haben. Wenn man sich dort richtig einrichtet, kann das ein wunderbarer Ort sein.