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Sonntag mit Schneegestöber

Früher war das Leben vielleicht deswegen etwas unbeschwerter, weil man weniger davon wusste. Ich spreche jetzt von einer Zeit, in der es noch kein Internet, also keine Informationen im Sekundentakt gab. Sondern Nachbarn, die eventuell von einem anderen Nachbarn etwas gehört hatten. Weshalb man über eine Magenverstimmung in dem Haus um die Ecke informiert war, aber nichts darüber wusste, was in der nächstgelegenen größeren Stadt passierte. Und wenn, dann mit einer zeitlichen Verzögerung von mindestens ein paar Tagen, wenn nicht Wochen.

Es hat 24 Minuten gedauert, bis ich die ersten Fotos von dem Flugzeugabsturz in der Nähe von Moskau auf dem Smartphone hatte. Wohl gemerkt, von dem Moment des Absturzes an gerechnet. Wenn einem da nicht der Faschingskrapfen im Halse stecken bleibt. Und natürlich sterben deswegen nicht weniger Menschen, wenn ich nichts über ihren Tod weiß. Aber vielleicht entschließt sich mein Magengeschwür, sich diskret zurück zu ziehen.

Vielleicht brauche ich nicht mehr Aufregung, als der Blick aus dem Fenster beschert, in dessen Viereck sich gerade dicke Schneeflocken erdwärts bewegen. Vielleicht hat man als Mensch einfach nicht genug an Empathie zur Verfügung, um vom Elend auf allen fünf Kontinenten zu wissen, ohne daran Schaden zu nehmen. Vielleicht könnten wir uns besser um unsere Nächsten kümmern, wenn wir nicht so bekümmert wären von Not und Tod auf dem ganzen Erdball.

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Das Kabinett in Berlin hat vergangene Woche das sogenannte Asylpaket II beschlossen. Der SPD-Vorsitzende und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel distanziert sich jetzt allerdings von der darin festgeschriebenen Regelung, dass auch der Familiennachzug bei unbegleiteten Kindern und Heranwachsenden für zwei Jahre ausgesetzt werden soll, nachdem er davon erst durch die Medien erfahren haben will.

Es wurde deshalb die Vermutung geäußert, dass die SPD-Kabinettsmitglieder den Gesetzesentwurf nicht akribisch genug gelesen haben. Ob ein direkter Zusammenhang mit der Äußerung von Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer besteht, kurz vor seiner Abreise nach Moskau gemacht, dass nicht jeder, der im Bundestag sitze, auch ein Politiker sei, wurde bis dato von der Münchener Staatskanzlei weder bestätigt noch dementiert.