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Ferienlaune

Auch wenn schon zumindest die Osterfeierlichkeiten vorüber sind, es gibt noch keinen Grund, gänzlich zum Alltag zurück zu kehren. Schließlich ist am Morgen das Haus noch unüberhörbar bevölkert, der Aufgabenbereich hat sich noch nicht seine übliche Lässigkeit zurückerobert. Es sind immer noch Schulferien. Trotzdem gab es heute einen kurzen Moment des Innehaltens, fast bin ich geneigt zu sagen, des Nachdenkens. Unter anderem über das, was ich hier jeden Tag mache, von mir gebe, der großen weiten Welt des Internets an Ideen, Gedanken und manchmal sogar Tatsachen anvertraue.

Denn man kann sich natürlich und berechtigterweise fragen, was wohl gerade diesen Menschen dazu befähigen soll, etwas zu sagen respektive zu schreiben, was von Interesse und vielleicht sogar von einer gewissen Inhaltsschwere sein könnte. Und wenn man dies Befähigung freundlicherweise und aktuell wohl in erster Linie aufgrund des gerade herrschenden frühlingshaften Wetters nun einmal sogar als gegeben annehmen will, wer oder was könnte ihm eine Berechtigung erteilen, in diesem Zusammenhang und mitunter andere sogar leise zu kritisieren.

Ich habe lange gegrübelt. Und bin  wieder einmal zu der simplen Erkenntnis gekommen, dass sich diese Berechtigung aus der vielleicht etwas wenig erfreulichen Tatsache ableitet, dass eigentlich immer auch ich der Adressat für diese leise Kritik sein könnte. Ich möchte nicht einmal den kleinen Finger dafür ins Feuer legen, dass ich mir nicht vielleicht auch so einen protzigen Palast gebaut hätte wie ein gewisser Herr Erdogan. Oder in den Dschihad ziehen würde, wenn ich in Bitterfelde aufgewachsen und frühzeitig ausgeschult worden wäre. Und wenn ich klug genug wäre, würde ich vielleicht sogar eine Software entwickeln, mit der ich die Abgaswerte meines Mofas manipulieren könnte.

Das Einzige, was ich mir von mir nicht vorstellen kann, das ist, dass ich Frauen und Kinder ermorde und vergewaltige. Ihnen all das antue, was man ihnen gestern und heute und morgen auf dieser Welt antut. Aber soll ich deswegen in Zukunft nichts mehr gegen Mord und Vergewaltigung von Kindern und Frauen sagen und schreiben? In diesem konkreten Fall nehme ich es sogar hin, dass man mir den berechtigten Vorwurf machen kann, dass ich nicht wüsste, worüber ich schreiben würde. Und um zur Abwechslung einmal die ganze schlichte Wahrheit zu sagen: Ich will das auch nie wissen. Es ist unvorstellbar genug, zu wissen, dass es das gibt.