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Der Tag danach

Bin aufgewacht. Und es war dasselbe Kopfkissen, wie vergangenes Jahr. Und was hatte ich nicht für Vorsätze, Erwartungen, Wünsche und Träume, als sich der Uhrzeiger gestern auf seinen letzten Zentimetern befand, also kurz bevor das Böllern und Krachen und die damit verbundenen Feuerwerke begannen. Aber jetzt muss ich feststellen, dass kein einziger der Politikerinnen und Politiker und Staatsführerinnen und Staatsführer, die auf meiner Liste standen, zurückgetreten ist oder sonst irgendwie aus dem Verkehr gezogen wurde. Nicht wenige von ihnen sind ja schließlich auch nicht mehr die Jüngsten.

Doch wer starb, das war ein noch relativ junger Mann in Brandenburg, der sich vermutlich selber einen Böller gebastelt hatte, der unvorhergesehen explodierte. Weshalb jetzt vermutlich von Herrn Lindner und Co. gefordert wird, das Alter von Männern feststellen zu lassen, die in der Lage sind, Böller zu bauen. Was natürlich nicht die Wahrscheinlichkeit verringert, dass jemand durch solch einen Böller zu Tode kommt. Aber zumindest weiß man im Vorhinein, welche Altersgruppe vermutlich in Frage kommt.

Und weil #metoo immer noch und insgeheim und insbesondere von Männer belächelt wird, weil es außerdem noch Strom von Kohlekraftwerken gibt und das Auto unser Götze geblieben ist; zwar alle wissen, dass Trump ein Trottel ist, weil er den Klimawandel leugnet, aber niemand was tut; weil Menschen immer noch glauben, die besseren Menschen zu sein; Natur dazu da wäre, Urlaub abwechslungsreicher zu gestalten, und dass vor allem Fleisch die Intelligenz fördert.

Weil so ein kleines Atombömbchen hingegen schon nicht so schlimm ist, auf jeden Fall nicht so schlimm wie der Islam; und außerdem die israelische Siedlungspolitik zur deutschen Leitkultur gehört, weil alles andere Antisemitismus ist; Konzerne und andere Abzocker hingegen nur da Steuern zahlen, wo sie eigentlich keine Steuern zahlen müssen; deshalb wird das neue Jahr wohl genauso beschissen sein wie das alte. Ich gebe trotzdem die Hoffnung nicht auf.

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Prost Neujahr

Menschen werden sterben. Aber es werden auch Kinder geboren werden. Von denen manche noch als Kinder sterben werden. Andere werden selber Kinder in die Welt setzen. Es wird getanzt und gelacht werden. Menschen werden trauern, weinen, schreien. Aber jeder von ihnen wird auch einen Moment des Glücks erleben. Sei er auch noch so kurz. Nur ein kurzes Lachen lang vielleicht. Oder einen Moment des Staunens. Was auch ein Glück ist.

Das Ganze nennt sich Leben. Und es hat einen Anfang und ein Ende. Worüber man lamentieren kann. Oder man kann versuchen, etwas daraus zu machen. Soweit es Andere zulassen. Deren Glück nur darin zu bestehen scheint, andere in Unglück und Verderben zu stürzen. Die nennt man auch Menschen. Weil sie sowohl das Eine wie auch das Andere sein können. Und das wird im Jahr 2017 sein wie in allen anderen Jahren. Was nicht hindern darf, trotz allem das Beste zu erhoffen. Und dafür etwas zu tun.

Prosit Neujahr!

Auch dies ist eine gute Nachricht. Allem Anschein nach ist München – wem auch immer der Dank gehört – ein zweites Hannover. Wir haben das neue Jahr ohne Blut und Tränen anfangen dürfen, weshalb das leichte Unwohlsein, gepaart vielleicht mit einem Schmerz im Kopf, überhaupt nicht mehr ins Gewicht fällt. Auch wenn ich nicht genau weiß, ob nicht das, was jetzt von manchem Politiker folgt, verantwortlich für einen noch schlimmeren Kopfschmerz sein wird. Aber immerhin bietet sich mir so die Gelegenheit, allen Menschen, die es sich angetan haben, und es sich vielleicht sogar weiterhin antun werden, diesen Blog zu lesen, meine besten Wünsche an sie zu übermitteln.

 

Mögen sie die Gelassenheit finden, um sich Raum und Zeit zu lassen, die schönen Seiten des Lebens zu genießen. Denn ich habe die Hoffnung, dass der, der auch genießen kann, eher auf die Idee kommt, man müsse auch andere Menschen in diesen Genuss kommen lassen. Ebenso wünsche ich allen, dass es Menschen an ihrer Seite und in ihrer Umgebung geben möge, die lieben können und sich lieben lassen. Um den Urlaub und das neue Auto müssen Sie, müsst ihr euch selber kümmern, die sind bei diesen Wünschen nicht inbegriffen.

 

Ich weiß nicht, ob es nicht jemand anderes war, der das schon einmal so oder so ähnlich gesagt, getwittert oder gesimst hat. Mir ist dieser Satz jedenfalls heute Morgen und unbeschadet meines Zustandes in den Kopf gekommen: Wir haben nichts mehr zu fürchten, als dass wir uns von der Furcht befehlen lassen, was wir zu tun und zu sagen und zu lassen haben. Und so wünsche ich allen Menschen, dass für sie dieses Jahr 2016 ein Jahr der Furchtlosigkeit mögen werde. Prosit Neujahr!

Ein Jahr geht zu Ende

Crisis? What crisis? So hat die Gruppe Supertramp das Nachfolge-Album von „Crime of the Century“ genannt. Damals, als man noch schwarze Scheiben auf einen rotierenden Teller legte, um Musik zu hören. Und diese Frage, von welcher Krise hier denn überhaupt die Rede sei, erscheint mir beim Rückblick auf das Jahr 2015 und die Menschen, die in diesem kleinen Hafen der Glückseligkeit namens Deutschland leben, aktueller denn je. VW-Krise. Flüchtlingskrise. Euro-Krise. Kaum war irgendetwas passiert, das eine Verschiebung des TV-Abendprogramms nach sich zog, war schon von einer Krise die Rede. Verbunden mit bedeutungsschwangerem Blick im günstigsten Falle, zumeist aber mit einem hysterischen Unterton.

 

Zeit also, im alten Jahr noch einmal das Wörterbuch aus dem Regal zu holen. Um zu erfahren, dass „crisis“ lateinischen respektive alt-griechischen Ursprungs ist und „entscheidende Wendung“ bedeutet. Erst in einem Fremdwörterlexikon wird es zu einem „Höhepunkt einer gefährlichen Entwicklung“ respektive „gefährlichen Situation“. Schauen wir uns also einmal die schwerwiegenden Konsequenzen an, die sich aus all diesen „gefährlichen Entwicklungen“ ergeben haben.

 

Überraschenderweise werden immer noch VWs gebaut und verkauft. Obwohl man sich in manchem Stau und bei mancher Autobahnfahrt wünschen würde, dass dem nicht so wäre. Geradezu enttäuschend auch, dass wir immer noch und das nun wirklich nicht weniger als früher mit dem Euro Tonnen von Feuerwerk kaufen, kiloweise Gourmet-Menüs erstanden und ungebrochen mit dem Euro den Urlaub finanziert haben. Und ebenso wenig ist bekannt geworden, dass nun tausende von rechtschaffenen deutschen Bürgern unter den Brücken hausen müssen, weil die vielen Flüchtlinge zu uns gekommen sind. Im Gegenteil, dank der Flüchtlinge haben es einige „Promis“ endlich mal wieder in die Schlagzeilen und Talk-Shows geschafft.

 

Deshalb ist das die gute, wenn nicht sogar beste Nachricht des Jahres 2015: Das Wort Krise hat trotz geradezu inflationären Gebrauchs keine tiefer gehende Bedeutung mehr. In diesem Jahr hat es jedenfalls keine einzige Krise geschafft, eine wirklich entscheidende Wendung herbeizuführen. Nie konnte von einer wirklich gefährlichen Situation die Rede sein, wenn von Krise gesprochen wurde. Also müssen jetzt entweder die Wörterbücher umgeschrieben werden. Oder wir und insbesondere unsere so sehr auf unser Wohl bedachte Politikerinnen und Politiker fangen vielleicht doch endlich einmal an sich zu überlegen, was sie sagen. Und hören vor allem auf, mit der Angst zu spielen.

 

 

Frohe Botschaft zum Jahresende

Nachdem ich jetzt in einer 24-Stunden-Aktion die Blogeinträge und somit die Ereignisse des gerade vergehenden Jahres einmal habe Revue passieren lassen, bin ich zu einem Entschluss gekommen. Basierend auf der unleugbaren Tatsache, dass es fast ausschließlich Themen waren, die nicht gerade zur Erbauung geschweige denn zu Frohsinn und allzu viel Heiterkeit Anlass gaben. Ganz im Gegenteil. Was auch erklären würde, warum die weltweite Verbreitung nicht in dem angestrebten Ausmaß stattgefunden hat.

Und ich habe volles Verständnis dafür, dass die Menschen da draußen lieber nach den angenehmen Seiten ihres Lebens suchen. Haben sie doch einfach alle schon genug Elend vor der Haustür respektive auf dem Bildschirm ihres LED-Smart-TV mit 50-Zoll-Diagonale. Weshalb ich mir fest vorgenommen habe, im kommenden Jahr nur über die positiven Seiten des Lebens zu bloggen. Über Ereignisse, die das Herz aufgehen lassen, fröhlich stimmen; die aufzeigen, dass es nicht nur Lug und Betrug, Leid und Not, Angst und Schrecken, Tod und Krankheit gibt.

Was natürlich bedeuten kann, dass ich kaum noch über Ereignisse schreiben kann, an denen Menschen beteiligt sind. Aber es gibt ja noch die Natur, die Tiere und Pflanzen. Zudem ist es ja oft auch nur eine Frage der Perspektive, der Sichtweise, der Einstellung. Die sich in dem geläufigen Beispiel wiederfinden, dass der eine Mensch von einem halbleeren Glas spricht. Und der andere eben von einem halbvollen. Man kann darüber sprechen, dass aktuell 23.000 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht sind. Oder darauf hinweisen, dass es wieder mehr Pandabären gibt.

Oder ist es nicht schön, dass es Menschen gibt, die eine ganze Nacht in der Kälte ausharren? Obwohl sie ein Zuhause haben. Und man annehmen darf, dass sie einfach einmal wissen wollten, wie es jetzt wohl Migranten ergeht, auf dem Weg ins gelobte Land. Dass sie nur darauf gewartet hätten aufgerufen zu werden, damit sie in einem Geschäft ein Paar Turnschuhe für 200 Euro kaufen dürfen, die ein Rapper designt haben soll, das ist nur wieder so eine Meldung der Lügenpresse.