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Kosmetik

Jetzt habe ich endlich das Prinzip verstanden. Die CSU will zwei Monate vor der Landtagswahl ein Familiengeld einführen, für das Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der SPD sich nicht „über Recht und Gesetz hinwegsetzen“ will. Weshalb es bei Hartz-IV-Empfängern als zusätzliches Einkommen eingestuft und mit den Sozialleistungen verrechnet wird.

Kein Wunder also, dass sich die CDU/CSU-Spitze echauffiert, wenn dann unter anderem von SPD-Finanzminister Olaf Scholz eine Rentengarantie bis 2040 ins Gespräch gebracht wird. Während sich Heimatminister Seehofer im Glanz seines Erfolges in der Asylpolitik sonnt, unbeeindruckt von der Tatsache, dass seine Rücknahme-Abkommen gerade einmal von Asylsuchenden im unteren dreistelligen Bereich in Anspruch genommen werden müssen.

Doch wie auch immer, es entsteht auf jeden Fall der Eindruck, dass die Politik in Deutschland etwas bewegt, anstößt, in Angriff nimmt. Und verdeckt somit, dass das, was im Moment wirklich wichtig wäre, was wirklich auf den Nägeln und zum Teil als Feinstaub in den Augen brennt, also was heute in Angriff genommen werden müsste, um morgen nicht der Zündstoff zu sein, der diese Gesellschaft explodieren lässt, dass das also nicht wirklich passiert. Vielleicht sollte man sich daran erinnern, dass man noch so viel Puder oder Make-up auftragen kann, die Falten darunter, die uns irgendwann sehr alt aussehen lassen, bleiben.

Präzisionsarbeit

Wir wissen jetzt auf die zweite Kommastelle genau, wie viele SPD-Mitglieder sich an dem Votum für oder gegen eine Große Koalition mit CDU/CSU beteiligt haben. Wie viele von ihnen von dem Wahlzettel überfordert waren und deshalb eine ungültige Stimme abgegeben haben. Oder online ihre Stimme abgeben durften, weil die Zeit für eine Briefwahl zu kurz war. Nachdem sie im Ausland leben. Außerdem wurden wir informiert, wie viele Personen an der Auswertung der Stimmen beteiligt waren, und wem alles und weshalb gedankt werden musste. Ach ja, das Ergebnis wurde auch noch mitgeteilt.

Was wir ganz und gar nicht wissen, dass ist, was einen Journalist bewogen hat, die etwas dämliche Frage zu stellen, ob es den SPD-Mitgliedern im Willy-Brandt-Haus verboten gewesen sei, bei Bekanntgabe des Ergebnisses zu applaudieren oder anderweitig Emotionen zu zeigen. Auf jeden Fall hat er nicht bedacht, dass keinerlei Erkenntnisse darüber vorliegen, dass zum Beispiel beim Gang nach Canossa von den Betroffenen applaudiert worden wäre. Geschweige denn von Mitgliedern des französischen Königshauses auf der Fahrt zum Schafott.