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Google statt GroKo

Daran sollten sich alle Beteiligten an diesem Trauerspiel, das schon bald sein dreimonatiges Jubiläum feiern darf, ein Beispiel nehmen. Google sondiert nicht, Google handelt. Gründet zum Beispiel die Google Zukunftswerkstatt, die alle unterstützt, die den Aufbruch wagen möchten. Steht genauso in einer Broschüre, mit dem schönen Slogan „Aufbruch Wirtschaft“. Der die Herzen manches FDP-Funktionärs sicher höher schlagen lässt, auf jeden Fall das ihres Vorsitzenden.

Doch auch für SPD-Sympathisanten ist was dabei. Nämlich die gute Nachricht, dass im Kreis Olpe Weltmarktführer für Beschäftigung sorgen, dank Digitalisierung und Google. Wäre also ein Modell für den Kohleausstieg. Und damit sich niemand von der CDU benachteiligt fühlt, hat sich Google auch mit der Digitalbotschafterin der Noch-Bundesregierung vernetzt. Nur der Rest der Noch-Opposition bleibt etwas außen vor, kann sich aber bei einem der kostenlosen Kurse von Google anmelden, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Für Einsteiger, die Grundlagen der Digitalisierung verstehen und nutzen wollen. Oder für Kreative, die ihr Potenzial freisetzen möchten.

Die Botschaft: Google ergreift die Initiative. Google fördert. Google gibt die Richtung vor. Ohne lange zu sondieren. Ohne überhaupt zu sondieren. Denn Google braucht nur Google. Und vielleicht noch die Millionen täglicher Nutzer, die Google mit den Daten versorgen, mit denen Google Geld verdient. Ohne einen Penny dafür bezahlt zu haben. Woran sich auch eine zukünftige Regierung in diesem, unserem Lande ein Beispiel nehmen sollte. Falls es demnächst mal eine gibt.

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Schicksalswahl

Morgen ist es also so weit. Gefühlt die 783. Schicksalswahl der Republik. Die banale Wahrheit sieht etwas anders aus. Zum Beispiel bedeutet der morgige Abend ein ziemliches Desaster. Wegen der Bundestagswahl fällt nämlich der Tatort aus. Und ist das wirklich eine Alternative, wenn Politikerinnen und ihre männlichen Pendants überraschende Aussagen machen zum Wahlausgang respektive wieder einmal erzählen, was sie zu tun gedenken, wenn sie in der Regierungsverantwortung sein werden beziehungsweise in der Opposition? Ich bin nicht ganz überzeugt, dass dies an Spannung einen Tatort übertrifft.

Und dann ganz zu schweigen von einem weiteren Dilemma. Denn sind wir doch einmal ehrlich: Alle, oder zumindest sehr viele sagen, dass man unbedingt zur Wahl gehen soll. Jetzt kenne ich aber einen Haufen Menschen, denen es schon sehr schwer fällt, sich bei Starbucks für einen bestimmten Kaffee zu entscheiden. Wie sollen die in einer so folgenreichen und verantwortungsvollen Frage zu einer Entscheidung kommen? Ist es nicht geradezu unverantwortlich, sie einer solchen Situation, einem solchen Druck auszusetzen? Wäre es für sie nicht sinnvoller, zu Hause zu bleiben und abends lieber einen aufgezeichneten Tatort aus dem Jahr 2008 zu schauen?

 Dann könnten sie in Zukunft wenigstens sagen, dass wieder einmal die anderen schuld waren. Dass sie von nichts wussten. Schließlich kann ja keiner nachweisen, was passiert wäre, wenn sie zur Wahl gegangen wären, wenn sie sich für eine Partei, eine oder einen Abgeordneten entschieden hätten. Die Welt ist nämlich nicht nur schwarz oder weiß. Es gibt nicht nur gut oder böse. Laut oder leise. Oder wie es eine Passantin aufgrund einer Reporterfrage formulierte: Nicht jeder Kanake ist schlecht.

 

Ketzerbrief

Die Afd will Minuszuwanderung. Laut ihrem gerade verabschiedeten Wahlkampfprogramm. Heißt im Klartext: Ausländer raus. Und hier leben Immigranten, die keine Pressefreiheit wollen, keine Demokratie und keine Opposition. Was ihnen dieses Land aber noch nicht bietet. Sie also eigentlich in ihr Heimatland zurück müssten, weil sie dort wenigstens geachtet und in den Verhältnissen leben könnten, die sie hier, in diesem scheiß-liberalen Deutschland nicht haben. Also sind diese Immigranten und die AfD doch irgendwie auf einer Linie.

Es sei denn, dass diese Immigranten zwar durchaus davon begeistert sind, dass sich ihr Heimatland von demokratischen Verhältnissen verabschieden will. Weil es aber noch nicht ganz so weit ist, es aber doch vorziehen, weiterhin in einem Land zu leben, wo sie ihre Meinung äußern können, ohne im Gefängnis zu landen? Vielleicht sollte die AfD zur Unterstützung der Minuszuwanderung nicht nur eine Auswanderungsprämie ins Wahlkampfprogramm aufnehmen, sondern auch ihre Räumlichkeiten für die Wahlkampfveranstaltungen ausländischer Politiker zur Verfügung stellen.